Impfprognose für Mai: es wird Stau geben

2 05 2021

So, dass wir impfen können als Hausärzte haben wir nun im Mai bewiesen. Dank des Einstiegs der Hausärzte in die Impfkampagne konnten die Zahlen der Impfungen pro Woche massiv nach oben geschraubt werden. Die Symbiose aus Impfzentren und Hausarztpraxen sowie inzwischen auch Facharztpraxen scheint zu klappen.

Dennoch bleibt ein Problem: Unsere werten Politiker haben zu wenig Impfstoff gekauft.

Nachdem wir im April jetzt zahlreiche Menschen geimpft haben, und es hätten in den Praxen deutlich mehr sein können, wird es demnächst zum Stau der Impfwilligen kommen. Warum?

Die Erklärung: Pro Woche gibt es jede Woche neu festgelegt ein Kontingent pro Praxis was bestellt werden darf. Für Biontech waren es jetzt zwischen 6 Dosen pro Praxis (ERNSTHAFT!!! Es gab eine Woche, da habe ich nur 6 Patienten geimpft!) und 48 Dosen pro Praxis. AstraZeneca schwankt, jedoch ist das Phänomen in MV, dass diejenigen, die Astra haben wollen, ins Impfzentrum gegangen sind, weil dort Unmengen vorhanden waren und Sonderaktionen liefen. Und diejenigen, die Astra nicht dürfen oder Risiken haben für Thrombosen, die melden sich in den Hausarztpraxen an. Das führt jetzt in MV zum Problem. Denn hier impfen die Impfzentren keine Erstimpfungen mehr mit AstraZeneca. Man hat keine Lust mit den Leuten aufklärende Gespräche zu führen. Das sollen die Hausärzte machen. Daher bekommen die jetzt AstraZeneca vermehrt zur Verfügung gestellt, haben aber kaum Leute auf den Wartelisten, die es haben wollen, jedenfalls nicht in den Mengen, die wir abnehmen sollen. Hausärzte bekommen für eine Impfung 20 Euro pro Impfung. Rechnet man aus, dass wir 4 Patienten anrufen, um einen Termin zu besetzen, weil die anderen 3 sich schon im Impfzentrum parallel angemeldet haben und dort bereits einen Termin hatten oder haben werden, dann telefoniert die MFA schon mal 15 min herum. Mit der Dokumentation – Chipkarte, Impfausweis, Aufklärungsbögen, Aufklärungsgespräch, Listen für Chargen führen, Abrechnung, Aktendokumentation und Meldung ans Meldesystem – geht nochmal pro Patient 10-15 min Zeit drauf. Das Aufziehen in Ruhe einer Ampulle für 6 Dosen dauert 10 min einschl. Anmischen, plus Impfen selbst mit reinkommen, ausziehen, impfen, anziehen, nochmal Hinweis für Wartezeit geben und Termin für die zweite Impfung raussuchen, dauert auch so seine Zeit je nach Patient 5-10 min. Der geneigte Mitleser kann sich ausrechnen, dass jeder Schlüsseldienst, Klempner oder Elektriker einen höheren Stundenlohn für diese Zeiten hätte, wenns außerhalb der regulären Arbeitszeit wäre. Und wir arbeiten außerhalb der regulären Sprechzeiten. Denn in der normalen vollen Sprechstunde mit jetzt den ganzen Sicherheitsauflagen, da schaffen wir es nicht. Es wäre auch kein Platz im Wartezimmer. Und schließlich sollen die Wartelisten auch wenigstens der Priorität und der Wartezeit nach gehen, nicht dem Zufallsprinzip folgen, wer gerade in der Praxis ist, weil er Termin hat, hat Glück. Letzteres wäre den meisten auf der Warteliste gegenüber sehr unfair. Und nun stelle man sich vor, dass wir zu den zusätzlichen Dingen auch noch lange Gespräche zu Astrazeneca führen sollen. Wann Bitteschön?! Wir kommen jetzt als einzelner Arzt an 4, manchmal an 5 Tagen in der Woche nur mit zwei Sprechstunden am Tag hin seit wir impfen. Achja und der normale Rest an Arbeit muss auch noch sein. Man kann sich glücklich schätzen, dass so viele mitmachen, bei dem doch großen Aufwand. Astrazeneca ist ein Impfstoff für die Impfzentren, nicht für die Praxen!!! Aber das begreift in den den Ministerien keiner.

Und ab Mai kommt das nächste Problem dazu: Wir führen die Zweitimpfungen für Biontech durch. Das heißt, dass unser Impfstoffkontingent in der Regel dafür draufgehen wird, dass wir die Zweitimpfungen machen können. Da wird oft kein Spielraum mehr sein für Erstimpfungen. Die Impfkampagne wird spätestens Mitte Mai arg ins Stocken kommen! Es wird ab Mitte Mai deutlich weniger Erstimpfungen geben!!! Nicht weil wir nicht wollen, nein wir arbeiten bis zum Umfallen und darüber… nein, weil wir nicht können mangels Impfstoff.

Das sieht nur noch keiner, weil es keiner sehen will. Ich habe noch keine Idee, was wir machen, wenn wir mehr Zweitimpfungen machen müssen, aber das Kontingent nicht reicht. Dann müssen wir schieben. Da wir aber auf 6 Wochen Abstand gehen sollten laut KBV ist kein Spielraum mehr, noch eine Woche zu warten, denn die Studien liefen mit 3-6 Wochen Abstand bei Biontech. Wie sollen wir das den Patienten erklären? Manche können auch nicht in der geplanten Woche, wegen OP, Infekt, Praxisurlaub, da müssen sie dann eher rankommen, aber was, wenn das Kontingent nicht reicht? Wir rufen es zwar im Urlaub nicht ab, aber bekommen vorher und nachher nicht entsprechend mehr, um das auszugleichen. Was für ein riesiger Quatsch!!!! Die Politik erwartet, dass die jetzt derzeit doppelt und dreifach belasteten Hausarztpraxen auf Urlaub verzichten, bis wir und unsere Teams genauso ausgelutscht sind, wie die Intensivmediziner und ihre Pflegekräfte, damit ihre eigenen Fehlentscheidungen durch uns ausgeglichen werden, und wir die Kontingente schön so abrufen, wie es auf dem Papier geplant ist.

Kleiner Aufruf: Überlegt Euch ruhig in Ruhe, wen ihr im September wählt… ist ja noch genug Zeit… könnt ja drüber nachdenken, während ihr euch versucht durch die Warteschleife der Impfzentren-Hotline zu quälen oder vergeblich versucht, beim Hausarzt einen Termin zum Impfen zu bekommen…





Nach dem Start gibts den Boykott

10 04 2021

Lange haben wir Hausärzte darauf gewartet. Diese Woche ging es endlich los: Wir dürfen Coronaimpfungen verabreichen. Nicht nur Hausärzte sondern auch Fachärzte wie Pulmologen, Onkologen, Gynäkologen. Wir alle stehen dafür, dass wir als Gemeinschaft der Ärzte im ambulanten Bereich unseren Beitrag leisten wollen, die Pandemie in den Griff zu bekommen. Diesen Beitrag leisten wir eigentlich schon seit einem Jahr. Denn wir behandeln Corona-Verdachtsfälle, wir betreuen Corona-Patienten ambulant, wir testen und wir beraten zu Schutzmaßnahmen. Dabei wurden wir Hausärzte mehr als einmal durch überbordende Bürokratie, politische Ränkespiele und fehlende Bereitschaft der Entscheidungsträger, uns zu helfen, blockiert. Das hat mit Sicherheit einigen Menschen in diesem Land das Leben gekostet. Doch wie immer in so einer Situation: es gibt keine genauen Zahlen dazu, wieviele Menschen z.B. an falschen Teststrategien starben. Erinnern wir uns daran, dass jeder Urlauber getestet wurde. Kostenfrei. Im letzten Sommer. Doch wer schwerkrank war und in eine Reha wollte, musste seinen Test selbst bezahlen. Dafür war dann kein Geld mehr übrig. Das wurde für risikobereite Urlauber rausgeworfen, die nicht mal bereit waren, sich an präventiven Maßnahmen zu beteiligen. Andersherum wäre es besser gewesen: Die Urlauber zahlen und wir geben das Geld für die Testung und den Schutz kranker Menschen aus.

Gehen wir noch weiter zurück: damals zu Beginn zogen namhafte Politiker und auch Entscheidungsträger in Zweifel, dass eine Maske, und sei sie auch nur aus einem gefalteten Taschentuch gemacht, etwas an der Ausbreitung der Viren verändern könnte. Und das obwohl schon Jahre vorher über Aerosole und deren Verbreitung geforscht und publiziert wurde. Erinnerte ein wenig an „die Erde ist eine Scheibe“. Wir Ärzte riefen dazu auf, dass man Community-Masken propagiert. Es endete damit, dass ein Run auf medizinisches Equipment einsetzte und wir im medizinischen Bereich fast arbeitsunfähig waren. Als dann endlich eingesehen wurde, was Strömungswissenschaftler tausendfach wiederholten, war es für einige Menschen zu spät.

Als die Ärzte im Oktober die beginnende zweite Welle erkannten, die die Urlaubsrückkehrer einschleppten – denn clever war ja, nur einen Bruchteil von ihnen bei der Einreise nach D zu testen – da wurde gesagt: Oh, die Wirtschaft geht vor, das kommende Weihnachtsgeschäft. Die Welle kam, der Lockdown light versagte kläglich und anstatt im November einen konsequenten Lockdown zu fahren, damit das Weihnachtsgeschäft mit niedrigeren Zahlen starten kann bzw. Stattfinden hätte können, eierte man diskutierend vor sich hin und schädigte die Wirtschaft durch dieses November-Eiern und Dezember schließen dann so richtig. Ach ja – und auch das kostete zahlreichen Menschen das Leben.

Was kostet Menschen noch das Leben? Nun, wenn man Regeln aufstellt und negative Sanktionen in Aussicht stellt, wenn diese Regeln nicht eingehalten werden, dann muss man diese auch umsetzen, sonst verlieren diese Sanktionen an Effekt. Was nützt es, wenn Geldstrafen darauf stehen, wenn Ferienwohnungen vermietet werden an Urlauber und es machen heimlich trotzdem etliche? Fährt man in MV umher, dann sieht man an manchen Stellen mehr auswärtige Kennzeichen als einheimische. Die Ladenöffnungen wurden flankiert von zahlreichen Einkaufstouristen. Und jetzt wundern wir uns in MV über steigende Zahlen. Und ist jemandem mal aufgefallen, dass wir mit schöner Regelmäßigkeit ansteigende Zahlen nach den Ferien haben? Sommer, Herbst, Weihnachten, Winterferien… Ostern… diese zeitliche Korrelation fällt schon irgendwie auf. Aber schaue ich in die Nachbarschaft, dann sehe ich, dass auch Staatsbeamte auf die Einhaltung der Kontaktbeschränkungen …en. Wenn Ostern 3 Besucherautos aus anderen Bundesländern zeitgleich parken und alle zusammen in einer Wohnung sind, dann klatschen doch die Erreger in die Hände. Und danach gehts wieder in KITA und Grundschule und hurra, da wird dann geschlossen und die Krankenschwestern und MFA hocken mit den Quarantäne-Kids zuhause und fehlen an wichtigen Stellen.

Und was folgt jetzt? Nach dem Start der Impfkampagne in den Hausarztpraxen – und man muss sagen, dass pro Praxis etwa 20 Personen geimpft werden konnten – konnten wir vereint zeigen, dass wir als Mini-Impfzentren in der Fläche genauso viel leisten wie die Impfzentren, in denen sich im Wahlkampf befindliche Politiker derzeit so gerne ablichten lassen. Die Anzahl der Impfungen pro Tag wurde schlagartig verdoppelt in Deutschland. Dazu muss man sagen, dass die vielgerühmten Starterpakete für die Praxen, mit denen geimpft werden sollte, aus AstraZeneca-Impfstoff bestanden und zu dem Zeitpunkt verteilt wurden, als festgelegt wurde, dass der Impfstoff erst ab 60 zugelassen werden kann derzeit. Also mussten von den 20 Dosen in dieser Woche auch vor allem das Personal geimpft werden, das jetzt impfen soll, die ambulanten Corona-Patienten betreut und das medizinische Versorgungssystem stabil halten soll. Nächste Woche gibt es wieder nur so wenig pro Praxis. Dabei sind die Wartelisten nach 4 Tagen drei-fünfmal so lang. Manchmal auch länger. Viele sind Priorität 1 und haben zwar Einladungen in die Impfzentren bekommen, es aber nicht geschafft, per Telefon oder online an einen Termin zu kommen. Manche, die nicht mehr so frisch im Kopf sind, haben es gar nicht versucht, weil sie mit der Tatsache stundenlang in einer Warteschleife zu hängen, überfordert waren. Und wieder andere haben niemanden, der sie zum Impfzentrum bringt. In MV können das mal locker 100 km sein. Nicht jedermanns Sache und auch nicht immer körperlich abzuverlangen. Also egal was gesagt wird, Prio 1 ist definitiv noch nicht komplett geimpft. Dann gibt es viele aus Prio 2, die die gleichen Probleme haben. Oder aber die ein großes Misstrauen in die Impfzentren haben. Denn sie empfinden die Ansage: „sie kriegen was da ist“ als Bevormundung oder Impfzwang. Ich dachte auch immer, dass jeder in diesem Land entscheidet, was in seinen Körper gelangt an Medikamenten. Es gibt also viel zu tun. Und die Menschen haben Vertrauen in uns. Drei Tage hatten wir Gelegenheit zu zeigen, wie es gehen kann. Und wir haben es gezeigt.

Doch was tut die Politik? Sie (sorry) scheisst auf ihre Zusagen von vor 3 Wochen. Es gab geplante Kontingente für Arztpraxen. Es gibt immer mehr, die sich jetzt fürs Impfen bereit machen, Gynäkologen für die Frauen, Urologen für die Männer, Kardiologen trotz voller Terminbücher. Und ja, wir haben akzeptiert, dass es für die ersten zwei Wochen hieß, 20 Dosen pro Woche (wir könnten nächste Woche doppelt so viel, theoretisch…). Danach sollte aber nach der ersten Startphase, um uns aufzustellen und die Abläufe aufzubauen, deutlich mehr kommen. Jetzt kommt da dieser Minister für Gesundheit und Fehlentscheidungen daher und posaunt großartig raus, dass die Kontingente für Arztpraxen gekürzt werden. Als Begründung wird aufgeführt, dass die Länder für die Impfzentren mehr angefordert hätten. Ich hätte fast laut losgelacht. Wenn mir nicht gerade nach Wutausbruch gewesen wäre. Denn zur gleichen Zeit berichten die regionalen Sender von MV wie in einigen Impfzentren das Personal fehlt und Impfdosen rumliegen, weil man nicht hinterher kommt. Und an dieser Stelle überfällt 35000 Ärzte, die schon geimpft haben in den Praxen wohl die blanke Wut. Wir sind keine Konkurrenz für Impfzentren. Denn wir stehen nicht in Konkurrenz. Das geht nicht darum, wer am meisten impft (in Politikerdeutsch übersetzt: es geht nicht darum, wer den längsten hat), sondern verdammt nochmal ES GEHT DARUM, DASS WIR ÜBERHAUPT IMPFEN. Wir als niedergelassene Ärzte sind angetreten, trotz der Mehrbelastungen durch die Pandemie, die Auflagen und all das einen weiteren Beitrag, einen entscheidenden Beitrag zu leisten, Menschenleben zu retten. Durch Prävention. Ist das wirklich euer Ernst, dass ihr in ausgelastete Impfzentren Dosen schickt, damit die dort auf Halde liegen oder damit sich wieder ein Haufen Politiker in ihrem Wahlkreis am Wochenende ins Impfzentrum stellen können, damit drittklassige Klatschreporter der Lokalpresse sie dabei ablichten, wie sie impfendes Personal bei der Arbeit nerven, während eine Impfen-mit-AstraZeneca-ohne-Termin-Aktion läuft? Wer diese Entscheidung trifft, begeht fahrlässige Körperverletzung mit Todesfolge und trägt die Schuld am Tod von Menschen. Wir haben aus dem nichts von einem auf den anderen Tag die Anzahl der täglichen Impfungen in Deutschland verdoppelt. Und wir haben noch Kapazitäten. Wir haben Patienten, die reihenweise bereit sind, auf Auswertungstermine zu verzichten, damit wir einmal pro Woche ganztags impfen können. Wir könnten so pro Praxis je nach Personal z.B. 100 Personen in einer Hausarztpraxis impfen, die klein ist und in größeren Praxen noch viel mehr. Bei 100 Praxen in einer Stadt wären das 10000 Personen pro Woche zusätzlich zu den Impfzentren. Und was tut ihr? Ihr haltet uns kurz, damit in ausgelasteten Impfzentren noch mehr Impfstoffe warten oder damit ihr medienwirksame Großaktionen fahren könnt mit schicken Fotos von langen Schlangen und vollen Hallen bei Impfen ohne Termin. Die Motivationen gehen offenbar deutlich auseinander. Aus dem Impfdebakel mit falschen Entscheidungen beim Einkauf und mangelnder Voraussicht der Entscheidungsträger hätte man ja irgendwie lernen können. Stattdessen folgt jetzt der egomanische Zug Impfstoffe den Hausärzten wieder drastisch zu reduzieren ab 19.4.21. Dann wird aus einem Impfstoffdebakel ein Impfstoff-GAU. Rechnet mal mit: 20 Dosen pro Woche. Ca 1000 Patienten hat ein Hausarzt in einer Großstadt pro Quartal. In 10 Wochen könnten dann 200 Patienten, also gerade 20% der Patienten geimpft werden. Impfzentren haben bisher im 1. Quartal geschafft, 11% der Bevölkerung zu impfen. Dürften dann in weiteren 10 Wochen 22% sein. Damit haben wir dann nach dem ersten Halbjahr 2021 geschätzt 42% der Patienten einer Hausarztpraxis / der Bevölkerung ohne Kinder geimpft. Je länger wir brauchen, desto höher wird aufgrund des Mutations- / Selektionsdrucks der Viren die Rate, die man für eine Community-Immunität braucht, die derzeit mit 70% geschätzt wird, dann vermutlich höher liegen wird. Nochmal: das ganze Zögern und Rumeiern und politisieren kostet Menschenleben. Habt ihr das verstanden? Da sterben Familienväter, Großeltern, die ein Leben hart gearbeitet haben und wenigstens den Schulabschluss der Enkel erleben wollten oder die goldene Hochzeit, ihr tötet Menschen, die geliebt werden, die unheimlich fehlen. Ihr sorgt dafür, dass neben einer Ehefrau das Bett morgens leer sein wird, wenn sie aufwacht, dass am Frühstückstisch ein Platz leer bleibt, dass der Traum vom nächsten gemeinsamen Urlaub mit den Kindern zerplatzt, dass niemand da ist, der mit dem Sohn Radfahren übt, der die Tochter ins Bett bringt und ihr einen Gutenacht-Kuss gibt. Ihr sorgt dafür dass Kinder nie erfahren, wie es ist, wenn Oma vorliest, wenn sie den ersten Liebeskummer wegtröstet oder den Führerschein mitfinanziert. Versteht ihr das?

Aus Patientensicht stellt sich das so dar: Du bekommst einen Brief. Ach nee, nicht alle, also eigentlich nur wenige. Dann versuchst du über Tage online und per Telefon an einen Termin zu kommen im Impfzentrum. Die Erfolgschance ist so wie bei der Losbude. Aber jetzt gehst du zu deinem Hausarzt, lässt dich für die Warteliste registrieren und könntest in 2 Wochen schon dran sein mit etwas Glück und ausreichendem Impfstoff. Dann kommt der Spahnsinn und Landespolitiker, die Impfzentren aus rein strategischen und politischen Überlegungen beliefern lassen wollen und kürzen alles drastisch ein. Am Ende hast du weder da noch dort die Chance geimpft zu werden. Herzlichen Glückwunsch, du bist Teilnehmer bei Deutschland-baut-den-Super-ImpfGAU.

Wir niedergelassenen Ärzte sind startklar, wir sind bereit unsere Freizeit zu opfern und die Teams sind bis in die Haarspitzen motiviert. Gott verdammt, gebt uns den Impfstoff und hört auf zu diskutieren! Kriegt den Arsch hoch und lasst uns ins Rennen kommen. Und seid Euch sicher: Wenn ihr uns jetzt im Stich lasst und das Leben unserer Patienten verspielt, dann werden wir das nicht vergessen. Und wir werden jeden Tag, der da kommen mag in unseren Praxen die Verursacher benennen, und das dürfte wesentlich effektiver im Wahlkampf sein, als nette Posterwände, die die Leistung von Photoshop präsentieren und euch mit Casting-Kindern und Promo-Hündchen zeigen.

35000 Praxen heißt es, haben diese Woche das impfen begonnen. 35000 united life-savers. Wir sind eure Ärzte und wir wollen euch impfen!





Ärzte zu pauschalem Lockdown

28 10 2020

Was mich derzeit am meisten anstinkt?

Ärzte, die sich in die Medien stellen, z.B. Der ARD bzw Tagesschau, und meinen für alle Ärzte zu sprechen. Konkret: KBV Chef Herr Dr. Gassen, ein Orthopäde (!!!!!!!!- und ich spare mir an dieser Stelle die altbekannten Witze, wir wissen alle wer den Topf mit Gold auf dem Fußballfeld bekommt…), Prof. Schmidt-Chanasit (bisher kein Fachbeitrag zu Covid-19, Stand heute Abend) und Prof. Streeck (bisher 3 Fachbeiträge zu Covid-19, Stand heute Abend).

https://www.tagesschau.de/inland/wissenschaftler-lockdown-101.html

Mal ganz ehrlich: da stellen sich 3 Leute hin, ein Orthopäde, der Verwaltungsarbeit macht, zwei Virologen, der eine auf HIV spezialisiert mit 3 Fachbeiträgen, die publiziert wurden, der andere auf Arbovirosen spezialisiert und noch keine Fachpublikation zum Thema Covid-19, schreiben an einem Positionspapier und behaupten damit die Meinung der Ärzteschaft zu vertreten. Das tun sie nicht. Kein Arzt aus meinem Umfeld, Internisten, Hausärzte, Anästhesisten fühlen sich dadurch ausreichend in ihrer Meinung vertreten. In kleinster Weise bildet sich die Medizin in Kliniken ab. Soll das jetzt ambulante und klinische Medizin auseinander treiben?
Wessen Meinung ist es denn eigentlich? Die der drei Verfasser und ihrer Anhänger oder Abhängigen? Die der Medien?

Wenn ich mich als KBV hinstelle und so etwas rausposaune, sollte ich wenigstens mal vorher schauen, mit wem ich das tue. Vielleicht nicht mit Personen, die unter Fachkollegen nicht gerade bekannt für ihre fachliche Expertise bezüglich Covid-19 sind? Fachliche Expertise heißt nicht, dass man mit Twitter umgehen kann. Wenn das die Fachqualifikation wäre, dann könnten wir Herrn Trump zum Weltvirologen erklären.

Ein Positionspapier mit viel heißer Luft und wenig Substanz… oder ich hab es überlesen… das sind doch vieles Dinge, die in Realität oftmals laufen oder geplant sind. Jedenfalls in MV. Andere Dinge sind so realitätsfern. Beispiel Putzfrauen und FFP2 Masken. Ja gut und schön, und wie soll das laufen? Die Reinigung ist in den Kliniken vom Outsourcing betroffen. Das sind keine klinikmitarbeiter. Wer soll der Kostenträger sein? Schnelltest vor dem Pflegeheim. Tolle Idee. Und realistisch betrachtet? Da arbeiten pro Wohnbereich 1 examinierte Pflegekraft. Die kann man dafür nicht abstellen. Der Rest sind Hilfskräfte. Die können oft noch nicht mal korrekt Insulin spritzen. In deren Händen einen fehleranfälligen Schnelltest, der bei falscher Anwendung falsche Ergebnisse liefert? Und so knapp besetzt, dass die oft nicht mal zum Toilettengang kommen. Denen soll man das jetzt auch noch aufnacken? Und wenn zusätzliches Personal, wo soll das her kommen? Und wer bezahlt?

Liest man genau, werden meckernde Zeitgenossen wie ich kritisieren, dass die selbstisolation von Risikogruppen befürwortet wird, damit sich eben nicht alle in Verantwortung begeben müssen. Die Last und auch irgendwo die Schuld für Infektionen, wenn’s doch passiert, wird auf die alten, kranken, schwachen verschoben. Hätten ja in ihrem Rapunzelturm bleiben können. Etliche jammerten, die armen Kinder, keine Schule, kein Spielplatz, kein kiffen auf dem Hinterhof. Aber mit den Großeltern kann man es machen? Ich finde es als Hausarzt jetzt schon schlimm, wie viele meiner alten Patienten weniger als 5 soziale Kontakte am Tag haben. Das nennt man häusliche Vereinsamung. Wenn das jetzt offene politische Forderung wird, dass du zuhause bleiben sollst, wenn du alt oder krank bist, wird manchem nur noch der Fernseher bleiben. Viele werden sich gar nicht mehr raus trauen, selbst zum spazieren gehen oder mal zum Doktor und der Apotheke. Schon gar nicht in den Kleingarten, wo es noch ein paar Meter weiter ist als zum Doktor. Es wird ihnen vorkommen, als wenn alles um sie herum gefährlich ist. Also noch gefährlicher als sonst. Schon jetzt merke ich bei den Patienten, dass sie mehr Ängste haben. Ich denke, dass dann die suizidrate unter alten steigen wird. Ist das Würde im Alter? Und was glaubt man, wieviel freie Hausbesuchskapazitäten in manchen Regionen noch sind? Dann können wir ne Sprechstunde schließen oder zwei. Nützt auch keinem was.
… und dann der Zeitpunkt der Veröffentlichung. Musste es heute sein? Ich meine, wir müssen jetzt erstmal alles wieder in den Griff bekommen. Vor 8 Wochen hätte es vor Beginn der Urlaubsreisen Sinn gemacht, sowas zu diskutieren. Es würde Sinn machen, es in 3-4 Wochen zu diskutieren wenn die Zahlen hoffentlich wieder unter 5000 sind. Aber jetzt?! Was sollte das? Es trägt nur dazu bei, dass sowohl die Bevölkerung als auch die Ärzteschaft eine Spaltung erlebt, statt sich zu einen im gemeinsamen Kampf um Menschenleben. Mit Sicherheit hat man heute mehr Publikum als sonst, weil heute Entscheidungen fielen. Wenn das das Ziel war, ist es wie bei den Kids auf youtube… Forderungen stellen ist nicht gleichzusetzen mit Lösungen anbieten. Gelöst hat dieses Papier gar nichts, es trägt am heutigen Tag zur Verunsicherung der Bevölkerung bei. Es sät Zweifel und Misstrauen, wo wir Einheit brauchen. Aber da müsste man eben dazu übergehen, Dinge nicht über die Presse und Medien zu diskutieren wie C-Promis aus dem Dschungelcamp sondern wie erwachsene Menschen und Ärzte / Politiker auf Augenhöhe und gemeinsam mit allen, auch Physikern, Mathematikern, Soziologen, Pflegekräften etc.

Positonspapier des KBV Vorsitzenden

Herr Prof Streeck, einer der drei Autoren, sorgt bei mir immer für große Abwehr, egal was er sagt. Zum einen wie gesagt unterscheidet sich sein Portfolio an Papers in Fachjournalen deutlich von denen anderer. Zum anderen frage ich mich, warum jemand wie er sich derart in die Medien drängt. Was soll das? Es ist gefährlich, zu glauben, man weiß viel und tut es nicht, dabei aber laut herumzuschreien, dass alle glauben, na wenn er laut ist, wird es schon stimmen. Seine Heinsberg-Studie wurde vom Fachpublikum stark diskutiert, da die wissenschaftlichen Methoden nicht die besten waren. Und im Gegensatz zu allen anderen ließ er sich bzw das ganze Vorhaben von einer PR Agentur namens Storymachine unterstützen. Nomen est Omen… Wie das Blog medwatch berichtet, ist einer der Mitbegründer der frühere Chefredakteur der BILD Zeitung Kai Diekmann. Selbiger war früher im kritischen Bildblog.de sehr oft Thema. Wenn man nach der PR Agentur im Netz sucht, taucht außerdem der Name Philipp Jessen auf. Laut seinem derzeitigen Profil bei LinkedIn beschäftigt gewesen bei BILD, Bravo, Gala und Stern. Kann jetzt jeder selber überlegen, für wie seriös er diese Zeitschriften hält.

Was die mediale Präsenz des Herrn Streeck angeht… er scheint ja durchaus gute Kontakte zu Journalisten zu haben… jedenfalls gewinnt man irgendwie den Eindruck. Und bei mir ist der Eindruck einstanden, man versucht ihn zielgenau zu positionieren, zu einem Meinungsmacher zu machen. Macht zum Beispiel die Pharmaindustrie zum Vergleich genannt auch gerne. Einen regional angesehenen Arzt zu Vorträgen einladen, die werden durchaus neutral gehalten, gibt ja sonst vielleicht Ärger, und mit dem guten Ruf des Kollegen ganz unscheinbar mitschwingen, und systematisch hebt sich das Bild vom Sponsor bei den Ärzten der Region. Ein durchaus erfolgreiches Marketing für einige Unternehmen. Und mit Herrn Streeck, dessen Ego sich von den Medien wohl sehr angezogen zu fühlen scheint, hätte man doch jemanden, den man zu einem Multiplikator für Meinungen machen und aufbauen könnte. Da darf man ja durchaus polarisieren. Meinungen, die der PR Agentur entgegen kommen könnten. Und wenn ich überlege, dass die ehemaligen Arbeitgeber der PR Agentur verbundenen Herren ziemlich viele Anzeigenkunden aus der Wirtschaft haben, ziemlich gut bekannt sein dürften mit Politik und Wirtschaft durch ihre Vita, etc., dann bekommt die Tatsache, dass ein Virologe mit dem genannten Background sich so in die Medien begibt, ständig Äußerungen tätigt, die der Wirtschaft gefallen, den Gegnern der Maßnahmen auch, den intubierenden Anästhesisten und Gesundheitsämtern weniger, irgendwie einen merkwürdigen Touch.

Und genauso kritisiere ich die als Unterstützer aufgeführten Fachgesellschaften. Wie kann man sich so unkritisch an ein Positionspapier hängen? Wie wäre es mal mit Faktencheck im Vorfeld gewesen? Ihr seid alles eingetragene Vereine, hat mal einer vorher die Mitglieder zu ihrer Meinung gefragt? Auffällig ist für mich, dass Gesellschaften wie Labormedizin, Gynäkologie etc. da stehen. Und die Berufsverbände der niedergelassenen Ärzte. Zufällig ziemlich davon abhängig, welche Entscheidungen in der KBV fallen… Anästhesisten und Internisten aus der Klinik wie die DGIM stehen nicht drauf. Mal ehrlich, wieviel Covid-19 Patienten hat ein Gynäkologe betreut? Beatmet? Weaning gemacht? In der Reha gehabt?

Wie gut die aktuellen Maßnahmen ausreichen sehen wir ja. Wir sind etwa 3-4 Wochen hinter Belgien und Frankreich zurück. Wenn wir so weiter machen, dann stehen viele Familien statt unter der Weihnachtsbaum beim Bestatter und suchen Urnen aus. Dann fährt nicht DHL herum und wird heiß erwartet sondern wie Italien und New York die Leichenwagen. Da ja viele von den Epidemietreibern Eigenverantwortung mit einem Freibrief für Leichtsinn verwechseln sind wir inzwischen bei 15000 Infektionen pro Tag. Eigenverantwortlich zu sein heißt Freiheiten haben, aber sie mit Vernunft nutzen. Das passt aber nicht, wenn man denkt, es guckt keiner hin, dann ist auch kein Virus da. Es ist an der Zeit, dass auch die Optimisten begreifen, dass der Weg der Vernunft und der Eigenverantwortung gescheitert ist. So wie in den anderen Ländern.

Ich mache alle Kollegen, die jetzt noch glauben, es kann alles so weitergehen wie bisher, zu Mitverantwortlichen für all die Toten und Kranken mit Folgeschäden, die jetzt kommen. Heute haben 86 Familien in diesem Land jemanden verloren, der noch hätte leben können, wenn alle in diesem Land für ihr handeln Verantwortung getragen hätten. Bei der Grippewelle 17/18 gab es ca 1600 Tote mit nachgewiesener Laborbestätigter Infektion. Bei COVID sind es jetzt schon über 10000. Und im übrigen finde ich, dass wir all die Jahre vorher gerade Risikogruppen gegenüber viel zu fahrlässig mit Influenza umgegangen sind.
Außerdem macht ihr unsere eigenen Kollegen in den Hausarztpraxen und gerade in den Kliniken zum Kanonenfutter der Epidemie. In meiner Stadt haben seit der ersten Welle in einer Klinik die Hälfte der Ärzte und Schwestern gekündigt auf der ITS. Die hatten keine Lust mehr darauf, das kleinste Glied in der Nahrungskette zu sein. Es kann nur noch die Hälfte der Betten bewirtschaftet werden. Und in anderen Städten wird es nicht anders aussehen. Wenn ich das schon höre… es sind so und so viel Betten frei… wir haben so und so viel Beatmungsgeräte… kann ja noch viel doller kommen, noch ist ja Luft nach oben… noch können wir es drauf ankommen lassen… bloß keine Restaurants schließen, sonst muss man selbst kochen, bloß auf keine Party oder Feier verzichten, das Leben ist ja schon hart genug… hart? Hart?! So hart, wie nacheinander COVID Patienten zu intubieren und festzustellen, dass die freien ITS Betten längst in einigen Landkreisen nur noch Makulatur sind und jemand anderen sterben zu lassen, weil man kein freies Bett mehr hat und er den Transport woanders hin nicht mehr schafft? Und nach 12 Stunden mit Muskelkrämpfen nach Hause zu gehen oder auf dem Klinikparkplatz im Auto einzuschlafen? Mal ehrlich: Wieso geht ihr mit unseren eigenen Leuten so um? Schämt euch.





Die hölzernen Nüsse Oktober 2020

19 10 2020

Die hölzernen Nüsse – Mitleser erinnern sich vielleicht an frühere Beiträge- gehen dieses Mal an zwei Frauen. Ja an zwei Frauen. Konkret gesagt an Veronika Hackenbroch und Rafaela von Bredow aus der Redaktion des Spiegel für das Interview mit Prof. Sandra Ciesek, Virologin, vor einigen Tagen (s.u.). Sie wechselt sich mit Prof Drosten beim NDR Podcast ab. Wie im vorletzten Beitrag erläutert, befasst sich Frau Prof Ciesek – im Gegensatz zu einigen als Top-Virologen bezeichneten medienaffinen Professoren – seit diesem Jahr wissenschaftlich intensiver mit dem SARS-CoV2.
Jetzt durfte sie sich Fragen plattester Macho-Art gegenüber sehen, gestellt von zwei Frauen. Fragen wie:

„Ist Ihnen klar, dass Sie die Quotenfrau sind?“

oder

„Drosten ist ein Popstar, Sie hingegen sind die Neue an seiner Seite.“

oder

„Sie klingen nach Volkshochschule. Wollen Sie es in Zukunft spannender machen?“

Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/sandra-ciesek-ueber-corona-massnahmen-ein-gutes-beispiel-ist-daenemark-a-00000000-0002-0001-0000-000173548967

Mir liegen da gleich Fragen an die Journalistinnen auf der Zunge, bei denen ich überlege, ob es sich lohnt, sie zu stellen.
Sind die beiden Damen vom Spiegel denn die Quotenfrauen für Fragen mit diskriminierenden Inhalten? Ist den Damen klar, dass sie mit einer Professorin sprachen und nicht mit einer Z-Promitussi, die gerade aus dem Dschungelcamp entstiegen ist und sich irgendeinem anderen Z-Promi an den Hals geworfen hat? Haben die beiden Damen mal einen Volkshochschulkurs von innen gesehen? Den über Benimm vermutlich nicht. Sonst hätten sie den Einstieg in ein Interview niveauvoller gestaltet. Einem Interview, dessen weiterer Inhalt im übrigen völlig untergeht, weil man nach den ersten drei Fragen nicht weiterliest bzw. Die Menschen über die Art und Weise reden statt über den Inhalt zu Corona.

Das ganze klingt für mich danach, dass zwei Frauen aus einer Männerdomäne wie der Spiegel -Redaktion beweisen wollten, dass sie in der Lage sind genauso knallharte (?!… fürchterlich dämliche und diskriminierende…) Fragen zu stellen, wie einer ihrer machohaften Kollegen, die Frauen am liebsten am Herd oder dem Pin-up-Girl-Kalender sehen. Oder aber… und das finde ich noch bösartiger, da schlägt Stutenbissigkeit zu, Eifersucht auf die Karriere der anderen, die mediale Präsenz, die Intelligenz, das Fachwissen, …

in jedem Falle ein klares …🤮 das war weder frech, noch investigativ, noch offensiv, sondern schlicht respektlos gegenüber einer Frau, die fachlich besser und aktiver ist, als einige andere medial als Top-Virologen verkaufte Zeitgenossen. Von Frau zu Frau so eine Frechheit ist wirklich Unterste Schublade. Nicht allein, dass eine der wenigen Professorinnen in der Medizin – statt ihre Leistung für Gleichberechtigung zu würdigen indem man wenigstens ein Mindestmaß Höflichkeit aufbringt- in Machoart behandelt wird, sondern auch dass alle Journalistinnen sich gefallen lassen müssen, mit den beiden auf eine Stufe gestellt zu werden. Ich will nicht unbedingt wie Alice Schwarzer klingen, aber für Gleichberechtigung und Emanzipation war die Nummer ein Rückschritt. Obwohl … lasst doch mal Alice Schwarzer dazu sprechen. Für die Redaktion der Emma brauchen die beiden sich jedenfalls demnächst erstmal nicht zu bewerben.

Konsequent das Statement einer Journalistin dazu:

Hier der Kommentar der Virologin:

Der Kommentar von Prof Ciesek




Wie mit Maskengegnern umgehen?

30 08 2020

Ich finde es langsam an der Zeit, dass unsere Standesvertretungen sich Gedanken machen, wie wir als Ärzte mit Maskengegnern umgehen sollen.
Technisch erwiesen ist die Funktion der Maske als Aerosolbremse. Sie reduzieren die Verteilung von dem, was als Erregerreservoir in der Luft gilt – dem Aerosol. Kann man im Hausgebrauch als Demo mal ausprobieren, in dem man mit Deospray in die Luft sprüht und dann mal in eine Maske.
In einer Demokratie darf ja jeder denken, was er will. Er darf aber andere nicht in der körperlichen Unversehrtheit beeinträchtigen. Gehen wir davon aus, denke ich, es ist gerechtfertigt, Den Maskengegnern das Nichttragen zu lassen, ihnen aber den Zugang zu Einrichtungen des Gesundheitssystems zu verwehren, wenn sich dort andere, die sie gefährden, aufhalten. Vielleicht müsste man dann Praxen einrichten, in denen diese Leute gesammelt behandelt werden. Quasi wie Kohortenisolation. In eine normale Praxis wie beim Hausarzt würde ich sie nicht lassen wollen. Gleiches gilt im ÖPNV. Vielleicht muss man dann Infektionsbahnen und Busse fahren lassen, wo man ohne Maske fährt, damit alle anderen sicher fahren können. Oder beim einkaufen eben vor Ladenschluss reinlassen, dass sich das aerosol mit lüften und über die Zeit unschädlich machen lässt.
Bei den Attesten für Maskengegner (und ich rede nicht von den medizinisch begründeten mit Herz oder Lungenproblemen, die es aus medizinischen Gründen nicht schaffen, aber trotzdem versuchen, um sich und andere nicht zu gefährden…) sollte aus meiner Sicht rechtlich eine Enthaftung für den Arzt drauf sein, dass er die Kosten bei Infektion durch fehlende Maske nicht trägt und auch nicht für eventuelle Ausbrüche durch den Maskengegner, der sich infiziert hat und andere ansteckt. Und es sollte außerdem auf diesem Attest eine Verzichtserklärung stehen, die dann vom Maskengegner zu unterschreiben ist, damit das Attest gültig ist: „Im Falle einer tatsächlichen Infektion und Erkrankung mit Covid-19 verzichte ich auf eine intensivmedizinische Behandlung sowie nichtinvasive und invasive Beatmung und bei Mangel an Behandlungskapazitäten auf eine stationäre Aufnahme sowie Inanspruchnahme des Notdienstsystems.“ Da diese Menschen Covid-19 für eine Erfindung halten, etwas, das es nicht gibt oder so harmlos ist wie Fußpilz oder ein Schnupfen, ist in der Schlussfolgerung demzufolge nicht zu erwarten, dass eine intensivmedizinische Betreuung oder Notfallbehandlung erforderlich ist. Also können sie so etwas im Gegenzug zum Nichtmasketragen-Attest problemlos unterschreiben.
Oder? Ich finde, es gehört in die Kammern zur Diskussion. Wir brauchen einen geregelten Umgang und Rechtssicherheit mit dem demokratischen Recht, etwas nicht zu wollen. Und Es gilt dabei die Notwendigkeit abzusichern, den Schutz und die Behandlung aller anderen zu gewährleisten, die in der demokratischen Mehrheit sind.





Der Feind in der eigenen Klinik

30 08 2020

Schlimm genug, dass man sich als Arzt inzwischen dafür rechtfertigen muss, dass man Menschen behandelt, sogar solche mit Covid-19, weil eine kleine Minderheit der Überzeugung ist, es handelt sich nicht um eine Krankheit, sondern eine Erfindung von einem großen Verschwörungsring. Schlimmer ist jedoch, dass offenbar ein paar dieser Trolle tatsächlich im medizinischen Bereich oder in Versorgungseinheiten für Gesundheitseinrichtungen arbeiten. Der Feind im eigenen Haus sozusagen. Und sie haben offenbar Zeit, neben der versuchten Erstürmung unseres Parlamentsgebäudes auch noch Kommentare in Blogs abzulassen.

Wie verhalten die sich auf Arbeit? Machen die alles, was Patienten und Mitarbeiter schützt? Oder sabotieren sie Hygienemassnahmen? Provozieren sie damit Infektionsketten? Sind sie loyal zu ihren Arbeitgebern oder zu ihrer wie auch immer gearteten Überzeugung? Wie gehen Arbeitgeber damit um?





Unfaire Kostenverteilung bei Corona-Tests

25 07 2020

Heute wird auf diversen Nachrichtenportalen verkündet, dass geplant ist, dass alle Reiserückkehrer, die nicht in der Lage waren auf einen Auslandsurlaub zu verzichten, kostenlos auf Coronavirus getestet werden können innerhalb der ersten 72h nach der Rückkehr.
Ich dachte, mich tritt ein Pferd.

Ich finde das unfair. Warum??? Weil alle kranken Menschen, die in eine Rehaklinik wollen, einen Negativen Coronatest vorweisen müssen. Und dieser ist nicht kostenlos, er wird auch nicht von den Kassen übernommen. Also Risikoverhalten auf Mallorca = kostenfreier Test, aber Herz-OP oder Bandscheibenvorfall = Test bezahlen. Ich weiß nicht, wer dem GBA, den Kassen, der Politik und den Ministerialbeamten so etwas nahegelegt hat. Aber wenn jemand eine Reha braucht, dann würde ich jetzt einfach sagen, ich war mal kurz im Ausland, ich hätte gerne den kostenfreien Test… Was für eine himmelschreiende Ungerechtigkeit… Menschen die auf sich achten müssen, werden bestraft und die Deppen, die nicht mal ein Jahr auf Auslandsurlaub, billiges türkisches All-inclusive-Hotel und Saufen auf Malle verzichten können, weil sie ihre Frontallappen nicht ausreichend steuern können, denen schenken wir für Risikoverhalten und Verstand ausschalten einen kostenfreien Test?

Und dann lese ich, dass es die Gesundheitsämter und Hausarztpraxen machen sollen. Das Gesundheitsamt in unserer Stadt testet selbst nur marginal. Dafür starten wir dann mit dem Run auf die Hausarztpraxen, in die sich endlich wieder die chronisch kranken Menschen trauen, und die jetzt dort, wo dringend Kontrollen nachgeholt werden müssen aus der Lockdown-Zeit, auf die Malle-Deppen und Türkei-Schnäppchenjäger treffen. Na Prost Mahlzeit. Soll das jetzt das schwedische Modell werden, wo man ohne es groß zu kommentieren gar nicht so wirklich was tat und dafür die Rentenkassen entlastet und Pflegeheime für Neuaufnahmen beräumt?!
Ich bin ehrlich gesagt nicht bereit, als Hausärztin in einem MVZ mit zahlreichen herzkranken, lungenkranken, diabeteskranken und älteren sehr netten Menschen auch nur einen davon zu gefährden, nur weil es jüngere und vermeintlich gesündere gibt, die glauben, es gibt nur sie und sie schulden weder der Elterngeneration noch der Allgemeinheit irgendetwas, Rücksicht zum Beispiel.
Interessanterweise hat unsere KV ja auch mal eben vor den Ferien alle Testzentren ratzfatz dicht gemacht. War ja auch nicht zu erwarten was jetzt passiert… merkwürdig, für uns Hausärzte schon. Aber uns hat man da zu Spielverderbern hingestellt, die die Tourismuswirtschaft hassen würden und zu jammernd und ängstlich seien… ja nee, is klar…

Der sächsische Ministerpräsident und Herr Lauterbach verkünden, dass die zweite Welle begonnen hat. Ja das hat sie. Auch bei uns in MV. Leider.
Es gibt nur einen Weg, das ganze vernünftig zu steuern.
1. macht sofort die Drive-in-Testzentren wieder auf!
2. Fangt endlich wieder an, die Einhaltung der noch gültigen Regeln zu kontrollieren. Es geht hier Gott verdammt nochmal nicht um die Befindlichkeiten von SUV-fahrenden Hotelliers und wohlstandsadipösen Gastronomen. Es geht um Menschenleben. Vielleicht um das Eurer Liebsten oder das Eurer Eltern. Jeder Ort könnte einen Haufen Geld in die Stadtkassen spülen, wenn der Ordnungsdienst plus Polizei Kontrollen machen würden. Und man würde viele da erreichen, wo das Handeln gesteuert wird- im Portemonnaie. Das Hirn ist ja beim Saufen auf Malle geblieben oder durch WhatsApp und Facebook in Digitalnarkose gelegt.
3. ändert die Hygienepläne in den KITAs und Schulen. Staffelt die Pausenzeiten, trennt die Klassenstufen räumlich, nutzt mehr Außenbereiche und verbietet es konsequent, kranke Kinder in KITA oder Schule zu lassen.
4. übernehmt die Kosten für Tests vor Rehas etc. Was soll der Schwachsinn, Kranke zu benachteiligten, aber gesunden Auslandsrückkehrern kostenfreie Tests anzubieten? Entweder alle oder keiner.
5. stattet die Gesundheitsämter sofort mit mehr Personal aus. Bestimmte Tätigkeiten können auch nicht medizinisch ausgebildete Leute übernehmen. Bevor in anderen Ämtern Personal gekürzt wird, setzt es um.
Und hört endlich auf, euch in die Tasche zu lügen. Es reicht nicht, die Fälle nach Hauptwohnsitz zu erfassen. Viel wichtiger ist der Entstehungsort bzw. Der Ort der Infektion. Denn da kocht es. MV ist derzeit das beste Beispiel. Kennzeichen aus allen BuLä sind hier, dazu Schweden, Dänen, Spanier, Schweizer, Italiener, Slowaken, Polen, Kroaten… ich fürchte, irgendwo hier wird es ein MV-Ischgl geben, in Swinemünde auf der polnischen Seite scheint sich gerade so etwas zu entwickeln… aber obwohl sich Auswärtige infiziert hatten IN MV, tönte es zehn Tage lang, Hurra wir sind Coronafrei und Vorbild. Nichts sind wir, wir sind auf dem auswärtigen Auge blind, damit die Hotels und Gaststätten und die FeWo-Besitzer aus BY, BW, HEssen, NDS usw. Geld an ihrem Betongold verdienen können, dass Immobilienmakler und Anlageberater ihnen aufgeschwatzt haben und das das Leben hier so teuer macht, dass eine normale Familie, die in Badeorten arbeitet, nicht mehr wie früher dort leben kann. Und während Marie aus MV die FeWo putzt, aus der Coronapositive abgereist sind, werden diese für Sonstwo gemeldet, aber Marie glaubt, hier gibt es keine Fälle und plötzlich schnieft sie und sitzt beim Landarzt neben Oma Müller mit Herzschwäche und Herrn Schmidt mit Diabetes. So ungefähr wird’s laufen…
6. Beendet sofort das Verfahren, dass bereits bekannte Kontaktpersonen nur angeschrieben werden. Und das obwohl Telefonnummern vorliegen. Der Postweg dauert einschließlich Poststelle im Gesundheitsamt nach meiner Erfahrung 4 Tage. 4 Tage… habt ihr eine Vorstellung, was in der Zeit manche Leute wie Lehrer, Pflegedienste, Verkäufer etc. an Kontakten haben? Ruft wenigstens an, dass man sie krank schreiben oder freistellen kann, auch wenn die Post später kommt.
7. Es muss Gesetz werden, dass alle Rückkehrer bei Einreise Egal ob Flug, Schiff, Auto erfasst werden, unter Quarantäne gestellt werden und diese Info unverzüglich via Amtshilfe an die Gesundheitsämter geht, die dann eine verpflichtende Quarantäne schriftlich bestätigen. Wenn man 3 Wochen Urlaub hat und unbedingt irgendwo Risiko am Ballermann sucht, kann man die Zweite und Dritte Woche dann in Ruhe lesen zuhause oder die Wohnung putzen. Oder den Schalter fürs Gehirn suchen. Und für die Unbelehrbaren sollte es ein Straftatbestand sein, da andere in der Gesundheit verletzt oder zum Teil getötet werden. Es wäre dann Möglich von den zum Zeitpunkt X unter Quarantäne stehenden Personen der Region zu schauen, wer in der Funkzelle eingeloggt war, wo gerade ein Ausbruch loslief und die gesetzlich festgelegte Regelung, dass sämtliche verursachte Kosten durch Nichteinhaltung als Schadenshaftung übernommen werden müssen. Das wird teuer… allein die Betriebsausfälle, die da oftmals zusammenkommen… das dürfte effektiver als ein Bußgeld sein, da Haftpflichtversicherungen bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit nicht oder nur eingeschränkt zahlen.
8. Ich habe seit Monaten keine Fahrkartenkontrollen mehr im ÖPNV erlebt. Was mich riesig stört sind Menschen, gerade jüngere, die im ÖPNV auf die Maske schei… so viele Behinderte gibt es gar nicht, die keine Maske tragen müssen, die ich täglich im ÖPNV sehe… und wenn eine getragen wird, dann hängt sie unter der Nase… da hilft sie nicht, weder dem Träger noch den anderen Menschen. Manchmal möchte ich mich hinstellen und laut rufen… „Haben Sie das gewusst, man kann den IQ jetzt ganz schnell bestimmen, in einer Sekunde! Man braucht nur gucken ob und wie jemand die Alltagsmaske trägt und schon ist alles klar… ach Sie da mit der Maske unter der Nase, soll ich Ihnen die Haltestellennamen vorlesen?“
9. ein tätlicher Angriff wegen Maskenverweigerung auf eine andere Person sollte massivst bestraft werden, nicht allein dass es oftmals schon schwere Körperverletzung ist, sondern es sollte aufgrund dieses Motivs eine besondere Schwere zuerkannt bekommen.
Und nicht ganz so dringend: 10. Für das Steuerrecht schlage ich vor, dass Masken, Desinfektionsmittel und andere Schutzmaßnahmen als außergewöhnliche Belastung für alle absetzbar sein sollten. Es würde motivierend auf die Menschen wirken, denke ich, wenn der Staat dadurch anerkennt, dass das oft knappe Einkommen gerade auch bei Menschen in finanzschwachen Regionen, strapaziert wird und anerkennen, dass sich der Einzelne an der Bekämpfung der Pandemie beteiligt.





Oberarzt in Wurstpelle

23 06 2020

Sehe gerade Ladys Night… als die Rede von Männern in Radlerfunktionskleidung ist, da war es wieder. FLASHBACKS. An meine Klinikzeit… einer der Oberärzte, der mir das Leben schwer machte, hatte auch die Krankheit, die sie alle kriegen in Führungspositionen… Midlifecrisis auf Akademisch. Der normale Mensch lässt sich dann beim Hausarzt durchchecken, ernährt sich eine zeitlang gesund und kehrt dann zum üblichen Vorgehen zurück. Entweder lässt er sich scheiden oder macht mit seiner Frau endlich alle Reisen, die man wegen der Kinder, die endlich (!) aus dem Haus sind, nicht machen konnte… wäre sonst zu teuer geworden mit vier Mann nach Bali oder auf die Seychellen…
Akademiker dagegen schaffen das nicht. Meistens jedenfalls. Sie gehen andere Wege, zum Beispiel zum Yoga für Männer, Tango oder Salsa Kurs mit der Gattin, kaufen sich eine 50000 Euro teure Maschine von Harley Davidson, das Kind kann ja endlich mal jobben neben dem Studium, oder noch schlimmer: sie beginnen Ausdauersport. Laufen und Radfahren.

WARUM???

Klares Statement von welchen, die ich mal vorsichtig gefragt hab: Fußball ist zu banal, das ist was für Normale oder die Assistenzärzte… Tennis sind die Regeln zu kompliziert und um gut zu sein, muss man früher anfangen. Golf… da hat man wohl Angst sich zu blamieren und das wäre zu versnobt und für alte Leute… aber Ausdauersport… das ist was für Helden. Helden die sich durchbeißen, hart sind auch bei 30 Grad, die ihren Körper quälen können und die diese Tugenden auch mit in den Alltag nehmen. Dazu gehört Askese. Vegane Ernährung, Fastenzeit, Disziplin, Härte gegen sich selbst. Auch alles Sachen, mit denen man in den Visiten angibt, die man vehement von seinen Untergebenen verlangt, wenn sie nach 24 Stunden Dienst tatsächlich anfangen zu schwächeln und nach Hause wollen statt den Bericht des Wochenendes mit sämtlichen Trainingszeiten oder Beschreibungen der einzelnen Kilometer des Stadtmarathons oder der Seenplattenrundfahrt zu hören… Wobei man selbst als Oberarzt ja nur noch Hintergrunddienste in der Oberarztdienstgruppe macht, wo bei den Internisten sowieso nur einer anruft, wenn die Klinik kurz vor dem Einsturz steht oder ein VIP des Stadtparlaments oder der lokalen Wirtschaft eingeliefert wird. Was selten passiert.
Und eins gehört noch zwingend dazu: das passende Styling. Eine Jogginghose ist was für Assis. Unter Niveau. Da muss diese hautenge Funktionslaufkleidung her… mit Markennamen und Handyhalterung für den Oberarm und eingebautem Navi… kann ja sein, das man sich in der Nachbarschaft verirrt… oder diese maximal eng anliegenden Radlerhosen mit Polsterung für den männlichen Dammbereich zur Verhinderung von Dysfunktion sowieso kaum noch genutzter Körperteile…
… wenn du dann diesen maximal mageren Veganer in Synthetikpelle gesehen hast, die so schonungslos ehrlich ist, wie sein Besitzer nie war und nie sein wird… und das so früh morgens noch gerade so im Dienst und hundemüde und kurz vor der Phase mit den Wahrnehmungsstörungen… und dem sein Dammpolster in der Radler größer ist, als das was es eigentlich schützen soll… und du schon denkst, schade, dass ich das Handy nicht draußen hatte… und dieser alternde hagere Körper gefühlt 10 Jahre älter wirkt als er sein sollte, weil nichts an Kittel mehr da ist, was es kaschiert… ja, dann fällt es einem nachher wesentlich leichter, das Gesülze über Disziplin, Askese, Training und maximal gesundes Leben in der Visite zu ertragen, das ein ewig gut ausgeruhter Vorgesetzer ohne Verpflichtung zu 24 Stunden Diensten da von sich gibt… und du denkst dann immer nur wie Sch… das im Fahrstuhl morgens ausgesehen hat und wie das wohl klappert wenn er mit dem Rad über Kopfsteinpflaster einheimischer Straßen holpert…

Und jetzt einige Jahre später… immer wenn ich diese radfahrenden Midlifecrisis Männer sehe, dann hoffe ich dass nicht plötzlich neben mir einer HALLÖCHEN ruft und mir die Streckenkilometer beschreibt… und ich diese Flashback-Bilder irgendwann wieder verdrängen kann…





House of God Regeln àla Trump

21 06 2020

Während der leider immer noch laufenden Covid-19 Pandemie hatte die Welt bisher schon genügend Gelegenheit, die geistigen Flatulenzen des intelligentesten Präsidenten aller Zeiten kennen zu lernen. Die neueste von heute rang mir etwas ab zwischen lachen und fassungslosem Kopfschütteln.
Nachdem die Computerkids der TikTok, Instagram und Facebook -Generation es geschafft hatten, mit Kartenreservierungen via Internet einen Ansturm von 1 Mio „Fans“ in Tulsa Vorzugaukeln, auf den sich das Wahlkampfteam lautstark vorbereitete, kamen nur knapp 6000, die auf Schutz vor Corona keinen Wert legten. Und vor denen tat der intelligenteste Präsident aller Zeiten eine Weisheit kund: Wir kriegen das hin, die Epidemie einzudämmen, wir testen weniger, dann haben wir weniger Coronafälle.

… Da klatschte ich mir doch glatt mit der Hand an die Stirn. So einfach ist das?! Und wir machen so einen Aufwand…

Er muss doch House of God gelesen haben… naja, es hat ihm jemand vorgelesen… also vermutlich nur die Regeln. Zählt ja in anderen Ländern so viel wie hier ein Medizinstudium. Da steht:
„10. If you don’t take a temperature, you can’t find a fever.“
Zu deutsch: wenn du kein Fieber misst, hat der Patient kein Fieber.

Also House of Trump Regel in Analogie „If you don‘t make a Covid-19 test, you can‘t find Covid-19“…

Wer dafür applaudiert, wird vermutlich weder den IQ Test über 80 Punkte haben, noch einen Demtect oder Uhrentest in einem geriatrischen Assessment bestehen… Also genauso wenig wie der, der das heute getönt hat…
Immerhin versuchte das Weiße Haus sofort ein Wenig zu entschärfen, seine Majestät haben beliebt einen Witz zu machen… jaja… wenn er nicht der intelligenteste Präsident aller Zeiten wäre, dann könnte man sicher drüber lachen…

(Für alle, die es nicht verstehen: es handelt sich bei diesem Text um SATIRE.)





Blanke Bedenken!

2 05 2020

Wenn die Schutzausrüstung alle ist, dann sind Links das einzige, was wir noch teilen können…

https://www.blankebedenken.org

Ich unterstütze euch gerne, von Hausarztpraxis zu Kollegen.

Was uns fehlt: Mundschutz (med. MNS) neigen sich dem Ende zu, wir haben keine Schutzbrillen, keine Visiere, keine Kopfhauben, nur noch wenige Kittel zum überziehen, keine Schutzanzüge. Ich bekomme so etwas noch nicht mal für den KV Dienst von meinem Arbeitgeber gestellt und da weiß man in der Regel nicht, wer oder was einen erwartet. Inzwischen versuche ich zusätzlich zu dem, was wir gestellt bekommen, auch über Zulieferer Sachen aufzutun, die preislich aber jenseits von gut und böse sind.

Was wir haben: Telefon, Kugelschreiber, AU-Formulare.

In MV werden MNS jetzt in Bussen verkauft. Hat Herr Caffier, der Innenminister organisiert. 1,2 Mio Stück aus Vietnam. Keiner soll vom Busfahren ausgeschlossen werden. Die Ware kam mit dem Flugzeug und was ich im Fernsehen sah, sah ziemlich nach medizinischem Material aus. Wird für 2-5Euro in Bussen verkauft. Also kommen Patienten mit dem Bus zum Doktor in MV, Kaufen dafür MNS, der Doktor hat dann aber zu, weil er kein Material mehr hat. Wie grandios doch diese Planung ist. Vielleicht sollten wir die AZubis den ganzen Tag Bus fahren lassen solange die Berufsschulen zu sind? Und jedes Mal einen MNS kaufen lassen, dann kommen wir vielleicht über die Runden? Oder den Deal machen, wenn du zum Doktor kommst, bringst du einen MNS für die Praxismitarbeiter mit…