Geschenketipps

13 12 2018

Was schenkt ein Arzt zu Weihnachten?! Naja jedenfalls keine Pillen, Abnehm-Abos oder sowas. Wir sind eben auch nur normale Leute…
Ich lese gerne und verschenke gerne Bücher. Das erinnert mich gerade an einen meiner Lieblingspatienten, der bei unserer ellenlangen Wartezeit seine Bücher liest. Wir tauschen uns gerne über unsere aktuelle Lektüre aus. Einer der liebenswerten Momente im Arztleben…

Also wer noch was brauchbares sucht:

David Baldacci „Das Geschenk“ – ein weihnachtlicher Krimi im verschneiten Amerika in einem Zug, fast schon eine Hommage an Agatha Christies Mord im Orientexpress, den ich versuche jedes Jahr zu dieser Zeit zu lesen. Manchmal klappts. Man kann ihn schwer zur Seite legen, meine kürzeste Zeit waren zwei Tage bis zur letzten Seite… aber ich musste ja noch Geschenke einpacken und so was.

Lagom. Die schwedische Art der Achtsamkeit. Von Göran Everdahl. Mal einfach runter kommen auf schwedische Art.

Eine kurze Geschichte der Menschheit. Von Yuval Noah Harari. Woher wir kommen wird auf eine sehr interessante Art erklärt und vielleicht verstehen wir, wo unsere Wege als Menschheit uns hinführen werden.

It’s teatime, my dear. Von Bill Bryson. Ein Amerikaner wandert nach England aus. Geht zurück, kommt wieder und bleibt. Welche skurrilen und liebevollen Einblicke er bekommt, schildert er zum Beispiel in diesem Buch. Preisgekrönter Autor, aber trotzdem 🙂 gut zu lesen. Und zu lachen.

Einen Scheiß muss ich. Tommy Jaud. Ein Klassiker, aber immer gut für alle, die im Alltag allmählich merken, dass ihnen die Distanz zu den A… und B-Schlöchern verloren geht und die einen Motivationsschub brauchen, um sich au s den Fängen eben solcher zu lösen.

Ach ja, und ich finde Thalias Aktion gut: Mittwoch ist Lesetag! Lasst uns echte Bücher lesen, jedenfalls wenn ihr mit dem Blog fertig seid und geht zu den Buchläden hin, die vor Ort sind und sagt denen das, was ich auch immer sage: wenn sie das Buch hätten, hätte ich es hier gekauft, machen sie doch mal mehr als nur die Bestseller Liste, die inzwischen jeder Supermarkt und Rossmann stehen hat, seien Sie einfach mal wieder ein echter Buchladen! (Ach ja und wenn das Buch da ist, was ich suche, dann kaufe ich es auch immer…)

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14.11. – Weltdiabetestag

13 11 2018

Zum Weltdiabetestag am 14.11.

Die größten Diabetes-Chancen kann man sich mit folgenden Produkten unserer Industrie erarbeiten:

Wasser mit Geschmack (was eigentlich Zuckerwasser mit Geschmack heißen müsste oder schlicht Brause)
Überzuckerter Kinderjoghurt
Produkte „ohne Zucker!“ Und mit Glucosesirup (flüssiger Zucker) oder Fructosesirup (genauso), die nicht Zucker heißen, aber Zucker sind
Softdrinks, also Cola, Orangenbrause, Zitronenbrause, Eistee, Säfte usw., die knapp ein Drittel bis ein Viertel Zucker enthalten
Fast Food, eine Mischung aus Englisch und Deutscher Vokabel, also Fast Essen, auch Beinahe-Essen. Jemand hatte versucht zu kochen und es ist beinahe etwas essbares geworden.

Die Retter vor Diabetes:
Bewegung, Bewegung, Bewegung, dumm nur dass es anstrengt und Zeit kostet, die beiden größten Hemmnisse, wenn es an die Umsetzung geht. Blutzucker messen, Insulin spritzen und zum Arzt gehen kostet auch Zeit und ist anstrengend, nur eben später, macht auch weniger Spaß.
Mit Verstand einkaufen. Was man isst, entscheidet sich im Laden, nicht erst in der Küche – da wird verbraucht, was gekauft wurde. Also lesen, was drin ist, kostet Zeit, macht weniger krank. Geht mal davon aus, dass wir programmiert sind auf Zucker+Fett=haben wollen! Und das wissen die Verkaufspsychologen und Marketingleute der Hersteller. Wir kaufen das, wo unser Gehirn glücklich ist, also Zucker und Fett. Und wenn einer doch ein schlechtes Gewissen bekommt, kein Problem, tun wir halt Vitamine rein, dann Ist es gesund, steht ja auch drauf und schon gehts dem schlechten Gewissen deutlich besser. Was ist das Ziel eines Herstellers? Richtig, preiswert produzieren, viel verkaufen. Ist einem das klar, wird das einkaufen einfacher.
Unverarbeitete Produkte kaufen von regionalen Produzenten.
Gegen mieses Kantinenessen in Schulen und Betrieben protestieren. Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht, nach meinem Verständnis ist mieses fettes ungesundes Essen Körperverletzung…
Den Kindern beibringen, was gesund ist! Ihr tut alles für sie, lest ihnen jeden Wunsch von den Augen ab, springt durch Feuer, bewahrt sie vor jeder Gefahr, dann zeigt Ihnen und euch auch was gesundes Essen ist. Nichts kann so wertvoll für das Leben sein wie Liebe, Geborgenheit, Wärme, Vertrauen und Gesundheit.





Serotonin-Verstärker 1

11 02 2018

Egal wann, man braucht ab und zu einen Serotonin-Verstärker.
Heute die Empfehlung:

Jürgen von der Lippes „König der Tiere“ als Hörbuch, gelesen mit Max Giermann und Nora Tschirner. Komik zum Brüllen, nachdenken, weglachen, rumkichern… nix für zarte Seelen, denn was Jürgen von der Lippe eigen ist – die zotigen Witze gern mal unter der Gürtellinie anzusiedeln – findet sich auch hier. Aber ehrlich, einer muss es ja machen, und dann lieber mit intelligentem (Alibi-)philosophischem Hintergrund als im Bierzelt von schmuddeligen Typen. Episoden aus seinem Leben, Geschichten aus diversen typischen Durchschnitts-Ehen, Querschüsse gegen das konservativ spießige… Nach fast 2 h kichern, gackern, lachen, Grinsen, nach Luft ringen und schmunzeln, war mein Serotonin-Spiegel wieder deutlich besser… Lohnt sich. Definitiv.





Nachhilfe fürs ZDF-Traumschiff

11 02 2018

Neulich auf dem ZDF: Gegenprogramm zum DFB-Pokal. Das Traumschff. Dieses Mal in Macau.
Grober Inhalt eines der Handlungsstränge: Frau geht von Yacht über Bord weil Ehemann die Lebensversicherung braucht, um abzuhauen. Sie treibt Ca 28 h im Meer und wird dann heldenhaft vom Kapitän entdeckt. Ok, DAS ist schon cool von einem Typen wie Sascha Heyn gerettet zu werden. Ok, gerettet wurde sie dann in einem Mann-über-Bord Manöver der Besatzung. Aus dem Wasser gezogen, dann auf dem Beiboot der Schiffsarzt, der ihr obwohl sie völlig neben sich ist und halb bewusstlos, Wasser einflößt.
Die Schiffe haben trainierte Teams für das Manöver. Was aber absolute Sch… war, ist mal wieder die Tatsache, dass ein Film mit einer derart hohen Einschaltquote falsche Erstmaßnahmen zeigt, die sich die Leute dann leider oft merken.
Wenn jmd. nach 28h aus dem Wasser geborgen wird und noch lebt, was eher ungewöhnlich ist, dann muss man ihn liegend bergen. Also waagerecht. Durch den Aufenthalt im Wasser wird die Körperflüssigkeit umverteilt, die Kreislauf passt sich an. Zieht man jemanden senkrecht aus dem Wasser, versackt das Blut / Volumen plötzlich nach unten in die Beine, der Kreislauf kollabiert, der Schiffbrüchige wird bewusstlos. Zudem kann warmes Blut aus der Körpermitte in die Beine sacken, die Unterkühlung kann verstärkt werden. Daher gibt es Käfige oder Matten, in die der Schiffbrüchige eingerollt wird und dann waagerecht auf das Beiboot geholt. Von da aus waagerecht weiter an Bord, im Idealfall. Dort übernimmt dann erst der Schiffsarzt. Bei einer Person, die nicht voll bei Bewußtsein ist, da verbietet es sich, Trinken einzuflößen, sie können sich verschlucken und eine Lungenentzündung bekommen. Außerdem pellt man die Leute nicht sofort aus den kalten nassen Sachen sondern wickelt,eine warme Decke drum, damit kaltes Blut aus den Extremitäten nicht in den körperkern kommt. Zudem ist, wenn Patient wach ist, warmer Tee mit Zucker günstiger. Und Glucose als Infusion, möglichst vorgewärmt. Damit der Körper Treibstoff für die Muskeln bekommt, um zu Zittern und die Temperatur selbst zu erhöhen. Erwärmt werden muss langsam. Egal ob aktiv oder passiv.
Ich würde mich wirklich freuen, wenn auf solche Details genauso geachtet wird, wie auf den Sitz der Mütze von Kapitän Burger. Die Zuschauer merken sich das wirklich und rufen im Zweifelsfalle diese Infos ab, die sie mal irgendwo gesehen haben. Gebt euch wenigstens Mühe dabei, etwas korrekter zu arbeiten. Ich lasse mich gerne engagieren als Berater…





Schnupfenalarm im Lidl

2 02 2018

Heute im Lidl. Voll, Freitag, Ferienbeginn, Grippezeit. Alle 5 Kassen auf, danke, das ist nett. Verkäufer wie immer nett. An der Kasse schüttelte es mich dann doch. Der Kassierer schniefte wie ein Weltmeister, putzte sich erstmal die Nase, Taschentuch schon voll, naja ne Ecke war noch frei. Dann begann er uns abzukassieren. Und fasste mit den gerade am feuchten Schnoddertuch befindlichen Händen alle unsere Sachen an. Verpackte, unverpackte, die Milka-Tafel, das Obst, das Gemüse,… ich verstehe mich mit meiner kleinen Familie mit Blickkontakt, wir dachten alle das gleiche. Morgen habe ich bestimmt 2 dicke Pickel im Gesicht… denn ich weiß ja selbst, wie viele ich diese Woche krank geschrieben habe und mit was und das 50% der getesteten Verdächtigen Erkältungspatienten tatsächlich die Influenza hatten.
Ich find das ok, dass der Kassierer seine Kollegen nicht im Stich lassen will an so einem Kampftag. Aber mal ehrlich: kriegt so ein Konzern das nicht auf die Reihe seinen Kassierern vorne an die Kasse ne 500 ml Flasche Händedesinfektion hinzustellen mit nem Dosierspender dran, dass die armen Tröpfe, die weiterarbeiten, wenigstens nicht alle Kunden anstecken und andersrum die rotzenden Kunden nicht so leicht die Kassierer anstecken (wobei gefühlte 90% der Menschen keine Hemmungen haben, ihrem Gegenüber ungebremst ins Gesicht zu niesen und zu husten, wenn es sich dabei um jemanden handelt, der dem Empfinden nach „zu ihren Diensten“ ist und nicht das eigene Kind oder Ehepartner)

Liebe Supermarktleiter und Konzernchefs,
Erstere von euch lesen das hier vielleicht, letztere stehen grad auf Teneriffa auf dem Golfplatz vermute ich, Ihr könntet dazu beitragen die Erkältungswellen einzudämmen und euer Personal besser schützen, wenn Ihr
1. den Kassierern eine 500er Flasche mit Dosierspender eines viruziden Händedesinfektionsmittels an die Kassen stellt, weil sie sich dort nicht nach dem schnauben oder husten die Hände waschen können und es echt widerlich ist, die Rotzbazillen auf meinen Birnen und dem Blumenkohl zu haben.
2. ihr am Eingang im Vorraum einen großen Spender mit Desinfektionstüchern mit einem viruziden Oberflächendesinfektionsmittel habt (und einen Mülleimer daneben), damit die Kunden die Griffe der Einkaufswagen abwischen können. Die Griffe der Einkaufswagen sind in mehreren Studien als massiv keimbehaftet getestet worden. Grippeviren halten sich bei den aktuellen Außentemperaturen Monate auf diesen Oberflächen, also nützt selbst Frost über Nacht nichts, wenn die Wagen über Nacht draußen stehen, um die Viren zu töten, im Gegenteil, es macht sie haltbarer. Also sie werden nach dem raufschmieren von Kunde A, Wagen draußen abstellen, schön bereit gehalten für Kunde B, der steckt sich an und fasst mit den Keimen an den Händen wie zuvor Kunde A alles an und schon ist die Infektkette in vollem Gang. Erst ab Temperaturen ab 15-20 Grad gehen Grippeviren kaputt, vor allem wenn die Luft trockener ist als derzeit. Dann haben wir nachher mehr das Thema Colibakterien, wobei das ganzjährig ist wenn man es so sieht.
3. Baut an den Backwaren-Theken Systeme, die ein reingreifen und ein zurücklegen unmöglich machen. Ich könnte jedes Mal brüllen, wenn ich sehe, wie Shantalle und Kevin Justin Jeremy die Brötchen anfassen, schnoddernase wischen und wieder hinlegen und Mutti guckt woanders hin. Oder wenn Hein B. in seine Pranke hustet, Brötchen nicht mit Zange anfasst sondern mit Hand prüft ob knackig, scheisse findet und liegen lässt. Es gibt so viele Gründe für Brötchen aus der Tiefkühltruhe…
4. ihr verliert keine Kunden, wenn eure Verkäufer konsequent sind und Hein B. Und die Mütter von Shantalle und Kevin Justin Jeremy direkt ansprechen und das unterbinden. Im Gegenteil, ich mache dann Werbung für den Laden! Und alle anderen auch. Denn da fühle ich mich als Kunde wohler.
5. hängt Schilder auf mit der Androhung von 50 Euro Pauschale Reinigungsgebühr wenn jemand seine vollgeschnieften Rotzfahnen im Regal entsorgt (jaja, selbst gesehen! Und wieder ein Ekelpickel mehr)

Und ja, der Discounter, der die Abwischtücher für die Wagen als erster aufstellt, wird zwar ne Diskussion auslösen, aber ehrlich, darauf sei ge… pfiffen, viele Kunden werden angesichts der bekannten Studien jubeln, mich eingeschlossen. Nicht weil ich überhygienisch bin, sondern weil Händewaschen und höflich-rücksichtsvolles nicht-ansteckendes Verhalten wie früher zu Zeiten von Shigellen-Ruhr und Tbc (oder heute noch normal in Japan) nicht mehr „in“ ist…





Olfaktorische Herausforderungen

2 02 2018

Die Nase ist, sofern nicht verstopft, eines der Dinge, das die Natur erfunden hat, um uns vor Gefahren zu warnen oder schöne Gerüche genießen zu lassen.
Jetzt kommen wir mal auf den täglichen Einsatz in der Arztpraxis… ich war schon in den Vorlesungen kein Fan davon, wenn die alten Hochschullehrer, die noch alles mit Händen könnten statt Technik, davon schwärmten, wie man am Geruch die Krankheit erkennen kann. Ich ahnte wohl damals schon, dass nicht nur Gutes damit verbunden ist. Jedem in der Branche fallen wohl sofort Momente ein, in denen er sich wünschte, eine Nasenklammer zu haben oder einen Schalter mit dem man den Geruchssinn mal kurz abschalten kann…gefühlt mir spontan tausende Geschichten…
Ich kann und will einfach nicht verstehen, was manche Patienten uns zumuten, also Schwestern, Ärzten und MFAs. Ich mein hier ganz klar nicht diejenigen, die verschwitzt von der Arbeit kommen oder von Arbeit, Garten, sonstwo in die Notaufnahme gebracht werden. Ich meine die, die geplant zum Arzt gehen. Die wissen, dass sie untersucht werden. Ich für meinen Teil wasche mich, benutze Deo vom Drogeriediscounter und ziehe gewaschene Sachen an. Viele unserer Patienten auch. Viele aber auch nicht…
Da soll man Köpfe untersuchen und fragt sich, wann überhaupt mal die letzte Zeit die Haare gewaschen wurden. An gelbe ungepflegte Bärte, Atemluft nach frisch konsumierten Zigaretten, kaltem Rauch und Alkohol, Knoblauch, Kräuterlikör etc. kann ich mich als normalzustand nicht gewöhnen. Denn ich finde es nicht normal, dass man bevor man in die Praxis kommt, nochmal kräftig eine Zigarette durchzieht und dann an der Anmeldung erstmal die MFA fast mit der Ausatemluft des letzten Zuges beim Wort „Guten Tag…“ (auch noch ein A-Laut mit besonders viel Aroma) zum kotzen bringt und anschließend im Arztzimmer so ein Klima verbreitet, dass umgehend gelüftet werden muss, weil die Luft dem nachfolgenden Patienten nicht zugemutet werden kann.
Es bleibt bei der Untersuchung auch nicht verborgen, wenn man Zähneputzen für eine Erfindung der Industrie hält, um Geld zu verdienen und man sich diesem konsequent widersetzt. Wenn man das ein paar mal am Tag erlebt, fragt man sich, warum es so viele sind und freut sich, dass man weder Zahnarzt noch Anästhesist geworden ist.
Wenn ich dann Pullover oder Hemden sehe, die eingetrocknete Flecken haben, denke ich oft, oh armer Pechvogel. Kann einem selbst passieren. Aber wenn die unterschiedliche Farben haben und derjenige auch noch nach altem Schweiß riecht, dann weiß man, dass die Sachen nicht gewaschen werden.
Auch Unterhemden mit Kaffeeflecken oder Bierflecken auf der Brust, riesigen Löchern drin oder Flecken weiter unten, sind nicht besonders schön.
Unangenehm wird es wenn man die Schulter untersucht oder sich der Patient auszieht und die Arme anhebt und es kommen Wolken von Schweiß, altem Schweiß hervor, dass es einen würgt. Ich finde, selbst wenn man arm ist oder in sozial schlechten Verhältnissen lebt oder aber jung ist und von zuhause ausgezogen, dann sind Seife und Wasser und ne Flasche Deo für nen Euro das Stück zu haben und billiger als ne Packung Zigaretten. Und hält länger. Also meine Eltern haben mir beigebracht, nicht ungewaschen zum Arzt zu gehen. Ich kenne das noch von den Großeltern, da wurde gewaschen und die guten Sachen rausgeholt wenns in die Stadt ging zum Doktor, was sollten sonst die Leute sagen?! Erinnert ihr euch an Michel in der Suppenschüssel? Was machte Michels Mutter bevor man zum Doktor nach Marielund aufbrach?
Das Kapitel um die Lendenregion spare ich mal aus, sonst kriegen einige empfindliche Herpes wenn sie das lesen. Aber Gyn und Urologie sind auch keine leichten Fächer.
Oft riechen sie auch nach Tieren, meist Hund, haben die Hundehaare überall, muss unangenehm sein im Wartezimmer, wenn der daneben auch gleich Fifis Haare auf der Hose hat. Und irgendwo klebt dann oft auch Hundesabber, also getrocknete.
Und das Thema Füße… naja, viele leiden unter Fußschweiß. Kann man nix machen. Aber gegen Socken, die so dreckig und getragen sind, dass man sich für die Untersuchung fast einen Trennschleifer vom Hausmeister holen muss, damit sie vom Fuß kommen. Und ungewaschene Füße wenn man mit Problemen an den Beinen zum Doktor geht sind für den Arzt eine Zumutung. Ich habe neulich einen Befund bekommen aus der Gastroenterologie von einer endoskopischen Untersuchung. Selbige fand nicht statt, man brach ab, weil das Personal den massiven Geruch der Füße nicht aushielt und unter aufkommendem Würgereiz litt. Der Patient darf gerne wieder kommen, wenn er gewaschen ist und saubere Socken anhat. Als er neulich bei mir war, tja wie sollte man das Thema höflich besprechen? Irgendwie habe ich es geschafft.
Ich leide ja immer unter fremdschämen, mir ist es peinlich jemand anderem zu sagen, Wasch dich! wenn er Patient ist und behandelt werden möchte. Meine Schwestern sind da nicht so zimperlich. O-Ton z.B. „Beim nächsten mal aber frisch gewaschen und geschniegelt und gebügelt.“ (Höfliche Version) oder „Sie brauchen erst wiederkommen, wenn Sie gelernt haben, wozu Wasser und Seife da sind!“ (Die etwas härtere Version) oder „Sie riechen ziemlich stark, finden Sie das nicht eine Zumutung für alle anderen?“ (Die direkte Version) etc.
Und welche Leute sind das, die so bei uns ankommen in der Praxis? man glaubt es kaum – junge Leute Anfang 20, männlich und weiblich (ja echt), unter 40, über 40, unterer sozialer Status, mittlerer sozialer Status, leider auch Klischeehaft Menschen mit Alkoholproblem, alte Leute, die niemanden haben, der sich kümmert (was mir dann immer leid tut, aber nicht jeder will sich helfen lassen).
Was ich mir wünsche? – Die Rückkehr zu ein paar alten Werten, wie die Sitte gewaschen und mit sauberen Sachen zum Arzt zu gehen. Egal wieviel Geld man hat, aber das sollte jeder sich selbst doch Wert sein, Seife, Deo und ein Satz gute Unterwäsche und ein sauberes T Shirt wenn man zum Doktor muss. Und irgendwo ist es auch der Respekt gegenüber den Behandlern, egal ob Schwestern, Pfleger, Ärzte, Physiotherapeuten, Zahnärzte etc., dass man ihnen nicht zumutet, ihnen mit einer Mischung aus Schweiß, Tiergeruch und Zigaretten gegenüber zu treten.





It’s Time For A Revolution…

14 01 2018

Ich erlebe derzeit durch Kollegenkinder vieles quasi noch einmal, was ich in meinem Leben längst hinter mir ließ. Zum Beispiel Sportunterricht.
Bevor ihr weiterlest: ich möchte niemandem zu nahe treten, der im Lehramt steht. Wer empfindlich für Kritik ist, liest besser nicht weiter.
Was war Sportunterricht früher in der DDR? Förderung der Sportskanonen, Regelmäßige Sichtung durch Jugendtrainer, auslachen und (wie man heute sagt) dissen durch den Lehrer oder auch gerne mal der Lächerlichkeit preisgeben. Gelogen? Nee, eigene Erfahrung. Ich war eins von den Looserkindern. Ich beherrschte nur eins gut: alles mit Bällen und werfen, besser als die meisten Jungs. Was machten wir? Leichtathletik und Geräteturnen. Wie lief Leichtathletik ab? 30 Kinder warteten am Anlauf für die weitsprunggrube und kamen genau 2x zum Springen in der ganzen Stunde, der zweite Sprung war dann die Note. Versaut? Pech gehabt. 60 oder 100 m Lauf das gleiche. Wenn die Lehrer im Hochsommer bei 30 grad keinen Bock hatten, dann ließen sie uns mittags um zwei in der größten Hitze 1000 m Lauf machen. Wenn in der Turnhalle 3 Klassen waren, weil es so geplant war, dann musste eine rausgehen. Im Regen. Oder bei Frost. Egal. Gelobt sei was hart macht. Geräteturnen habe ich auch noch böse Erinnerungen… ein Lehrer kann nicht überall sein und sicherungsstellung machen. Es machten Kinder gleichen Alters aus der Klasse. Ja es gab Unfälle und Verletzungen.
Wie lief Sport nach der Wende ab? Genauso. Es hatte sich nichts geändert. Ich erinnere mich an zwei engagierte Lehrerinnen, eine hatte ich in der zweiten, die an mich glaubte und plötzlich hatte das Looserkind ein Sportabzeichen geschafft und das ohne Probleme. Leider wurde sie schwanger. Im nächsten Jahr hatte ich wieder jemanden, der mich auslachte. Die andere Lehrerin begleitete mich in manchen Klassenstufen auf dem Gymnasium, leider nicht immer. Das war die einzige, die über den Tellerrand hinaussah. Die es als Auftrag verstand. Die sich hinstellte und was über Physiologie erzählte oder Hebel in den Gelenken. Oder auch die erste, die sich mit einem Haufen Teenager hinsetzte und statt Sport Aufklärungsunterricht machte am Lehrplan vorbei. Ansonsten endete vieles in Rumstehen, frieren, Hitzekollaps diverser Jugendlicher in praller Sonne, kopfplatzwunden, Knochenbrüchen, Prellungen, auch ich musste was einstecken davon, und einer Notenbewertung, die ich ungerecht empfand. Beim Geräteturnen zum Beispiel. Zusammengefasst bleibt unterm Strich eine Menge Frustration und die Erkenntnis das Sport keinen Spaß macht.
So wie bei Hunderttausenden anderen Menschen in diesem Kand auch. Die AG Sport der DDG sagte auf einem Kongress mal, dass dies die Grundlage ist, warum man viele Menschen ihr Leben lang nicht mehr für Sport begeistern kann – diese frühen und tief sitzenden frustrationserlebnisse.
Als ich hörte, wie der Sportunterricht heute abläuft – ungefähr 20 Jahre später – stellte ich fest: alles beim Alten. Nix ist anders. Was ist das Resultat? Generationen, mit Hunderttausenden Menschen, die keine Freude am Sport empfinden können. Generationen, die nicht wissen was rückengerechtes Verhalten ist, die keine Ahnung von gesunder Ernährung haben und Teenager, die immer noch darauf angewiesen sind, dass aufklärungsunterricht etc. von Vereinen ehrenamtlich gemacht wird an Schulen wie z.B. Projekten von Medizinstudenten (an meiner Uni hieß es „Mit Sicherheit Verliebt“.) und wir haben Millionen im Land, die sich nicht trauen erste Hilfe zu leisten zum Beispiel bei Sportunfällen, weil sie einmalig in ihrem Leben einen Nachmittag für den Führerschein abgesessen haben und das war es.
Wozu also diesen falschen Weg weitergehen? Es ist Zeit für eine Revolution. Lasst uns diesen unsinnigen Sportunterricht in der herkömmlichen Form abschaffen, denn er bringt nichts für die Kinder und Jugendlichen. Und was schlägt Assistenzarzt stattdessen vor? Einen Sport- und Gesundheitsunterricht. Inhalte: Rückenschule und zwar jede Woche mit 30 min. Würde uns langfristig Milliarden im Gesundheitswesen sparen. Gesunde Ernährung mit Kochen, erklärt von Profis, die für Kinder ausgebildet sind. Gesundheitslehre mit Erste Hilfe Kurs in der 8. Klasse parallel zum Biounterricht und Aufklärungsunterricht beginnend ab der ersten Klasse, um Themen wie Sexuelle Identität, Respekt vor dem anderen, Missbrauchsprävention etc. von Anfang an altersgerecht zu vermitteln. Und Sport mit der Möglichkeit etliche verschiedene Sportarten auszuprobieren und dem Ziel Kindern Spaß an der Bewegung zu vermitteln, Teamfähigkeit aufzubauen, Regeln einzuhalten und sich darauf zu freuen, etwas zu tun, was man kann und das Selbstbewusstsein zu stärken, Selbstwirksamkeit zu erfahren und zu erleben, wie gut es tut, aktiv zu sein. Das geht aber nicht mit Noten für etwas, das man einen Tag im Jahr zweimal in 45 min macht und nicht mal eine Anleitung bekommt.

Was brauchen wir dafür? Sportlehrer, die auch rückenschule beherrschen, statt nur Zeiten stoppen oder die Sprunglatte rauflegen. Ernährungsberater, Rettungsdienstler und Ärzte, die an Schulen Unterricht geben dürfen, Profis, die Aufklärungsunterricht gestalten. Es funktioniert nur, wenn der Staat bzw. die Länder bereit sind, in die Zukunft zu investieren und Geld auszugeben, damit wir später im Gesundheitswesen Milliarden einsparen können und wenn Lehrer und Gesetzgeber bereit sind, so einen Weg mitzugehen und niemand schreit, weil er glaubt, es wird an seinem Stuhl gesägt. Das Leben ist nicht so wie der Sportunterricht. Hat mal jemand die Jugendlichen in der Praxis gesehen? Wenn sie nicht gerade im Sportverein trainieren (und oftmals selbst dann) haben sie keine vernünftige Haltemuskulatur mehr, sie wissen kaum etwas über erste Hilfe im Notfall oder gesunde Ernährung. Sie wirken hilflos bei diesen Themen, wenn sie mit Rückenschmerzen kommen oder übergewichtig sind oder Eisenmangel haben, weil Veggie hip ist, aber sie keine Ahnung von Hintergrundwissen haben. Es ist nicht so, dass es sie nicht interessiert, sie hatten nur niemanden der ihnen sowas erklärt. Sollte die Schule nicht eigentlich fit für das Leben machen? Die Dinosaurier hat die Evolution aussterben lassen, weil es bessere Modelle gibt, beim Sportunterricht sollte das gleiche passieren. It’s Time For A Revolution…