Privatsphäre von medizinischem Personal

25 08 2017

Wie ist das.., ihr seid unterwegs, trefft euren Arzt oder eine Krankenschwester / Medizinische Fachangestellte und dann… Sagt ihr „Guten Tag“ und geht weiter… Sehr gut, das ist normal.

Was mich und viele andere aus dem Gesundheitswesen ärgert und stört ist folgende Variante: Guten Tag, schön das ich Sie sehe, dann brauch ich nicht in die Praxis, ich hab da mal eine Frage… Und dann werden Rückenschmerzen, Blasenprobleme, Prostata, Verdauungsstörungen etc lauthals geschildert, egal wo man gerade ist, im Laden, an der Kasse, im Bus, beim Bäcker, auf dem Friedhof am Familiengrab… Egal mit wem man unterwegs ist, den Kindern, den Eltern, dem Freund… Egal ob man Urlaub hat oder krank ist oder auf dem Weg zu wichtigen Terminen.
Oder der Schwester wird im Laden die Urinprobe in die Hamd gedrückt *schüttel* oder gesagt, sie solle doch mal das Rezept für Xyz fertig machen.

Mir persönlich würde es nicht einfallen, meine behandelnden Ärzte anzuquatschen. Gut man ist Kollegin, aber trotzdem sind die privat. Ich sag ja auch nicht zur Bäckereiverkäuferin „ich komme morgen früh und legen sie schon mal sechs Brötchen zurück“…

Ich habe achonmal einen Moment gehabt, wo ich fast ein Schild aufhängen wollte „Liebe Patienten, wenn Sie uns draußen auf der Straße, im Laden oder beim Spazieren gehen sehen, dann freuen wir uns, wenn Sie guten Tag sagen. Bitte denken Sie daran, dass wir außerhalb der Praxis / Klinik an öffentlichen Orten nicht über medizinische Dinge sprechen, da es eine Schweigepflicht gibt. Außerdem bitten wir Sie höflichst darum, unser Privatleben außerhalb unserer Arbeitsstätte zu respektieren, denn wir sind genauso Menschen wie Sie und Ihre Familie. Wir stehen Ihnen in unserer Praxis / Klinik gerne mit all unserer Kraft und Energie zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen…“

Ich kenne Kollegen, die fahren inzwischen 20 km um einzukaufen ohne angequatscht zu werden oder 100 km um mal nackt am Strand zu liegen mit ihrer Familie ohne in Gegenwart der Kinder über Hämorrhoiden oder Ekzeme sprechen zu müssen.

Die Verfügbarkeit von Dingen ist durch die Internetkultur allumfassend geworden. Wir sind aber nix was man auf der Straße wie ein Wikipedia benutzen kann. Wir sind auch eine andere Generation, die ihren Beruf als Aufgabe betrachtet aber nicht als alleinigen Lebenssinn von dem man keine Sekunde lassen kann. Diese Ärzte und Schwestern sind vielfach früh an Schlaganfällen, Herzinfarkten oder Suiziden verstorben. Unsere Generation will einen schönen Beruf ausüben, mit dem man für den einzelnen was bewirken kann, aber auch Familie leben und erleben und sich auch in anderen Bereichen erholen kann und eben keinen burnout, Depression oder Stresskrankheiten bekommen, denn darauf haben wir ein recht wie alle anderen auch.
Und ich erwarte eigentlich von anderen Menschen, dass sie das akzeptieren.
Die Frage ist nur, wieviele Jahrzehnte man darauf warten muss…

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Generation Smartphone geht Visite

24 09 2014

Mein junger Kollege nahm sein iphone 25 und fotografierte die Hautläsion des Patienten. Ein paar lässige Handbewegungen und er war fertig.
„Und Herr Dokter, wie geht es jetzt weiter?“ Fragte der alte Herr vor ihm.
„Wir warten jetzt was die anderen User sagen. Wenn sie für die Antibiose stimmen, nehmen wir die und wenn sie für Pred stimmen, dann das. Und noch heute nachmittag fangen wir an.“
„Und wann kann ich nach Hause?“
„Äh, die Frage stellen wir morgen rein.“
„Aha, und wer sind die anderen.“
„Na die anderen Ärzte aus der Community für Innere. Schwarmintelligenz, wissen Se, dat is die Zukunft.“ Ein überlegener Blick streifte mich. Ja, ich war alt geworden und über 50… Ich nutzte ein Telefon zum telefonieren, wie altmodisch. Und ich hatte im Studium noch eigenständiges Handeln gelernt. Naja, ok, erst im PJ und dann als Jung-Assistent. Meine Entscheidungen traf ich selbst aus jahrelanger Erfahrung heraus gepaart mit Lehrbuchwissen und den 60 Pflichtfortbildungsstunden im Jahr, die ich aber locker übertraf. Ich untersuchte meine Patienten noch mit den Händen, Stethoskop und anderen Gerätschaften statt Bilder vom Smartphone ins Netz zu stellen. Das brachte mir bestimmt „1000 Nutzer mögen das nicht“ ein und meinem jungen Kollegen 10000 User finden das gut. So änderten sich die Zeiten.
Twitter Account Dr Smartphone „wir gehen jetzt Visite“… 26 Patienten finden das gut…
„Wo ist die Schwester.“…
Patient 1 „hier nicht.“ 12 Patienten finden das gut
Patient 2 „hier auch nicht“ 14 Patienten finden das gut
Patient 3 „bei meinem Nachbarn auf dem Schoß.“ 14 Patienten finden das nicht gut, 1 Patient findet das gut
Patient 1 „träum weiter“
Patient 2 „das ist total sexistisch, du, da müssen wir drüber reden“ 14 Patienten finden das gut
Patient 3 „sorry, war nicht mein Nachbar“
Patient 1 „und wo ist sie denn jetzt? Dauert ja sonst noch ewig“ 20 Patienten finden das gut
Dr Smartphone „ja das find ich aber auch.“ 18 Patienten finden das gut
Patient 3 „auf’m Klo“
Patient 2 „woher willst du das wissen?“
Patient 3 „hab es gesehen?“
Patient 2 „wie gibts n video?
Patient 3 „nee in echt.“ 20 Patienten finden das gut
Patient 1 „wie das?“
Patient 3 „war aufm Flur, der Empfang ist hier so sch…“ 30 Patienten finden das gut
Dr Smartphone „sie ist da, geht los“ 22 Patienten finden das gut. Einen Arzt kümmert das überhaupt nicht… Mich… Können wir dann mal los, heute noch?!
Dr Smartphone schaltet sein Navi app dings ein und läuft mit dem Teil in der Hand los. Er findet sonst die Zimmer nicht. Atrophie des Orientierungssinns… Digitale retardierung. Aber er kann schon alleine Schleifen binden und hat die Klettverschlüsse seit einem Monat hinter sich gelassen. Ihm steht eine große Karriere bevor… Früher haben sie immer gehässig gesagt zu uns (also als ich noch jung war so 2010 oder so): Oberarzt wirst du wenn du alleine Schuhe zubinden kannst und den Weg allein aufs Klo findest… Wie beruhigend, trotz der großen Karriereaussichten wird Dr Smartphone wohl noch brauchen… So ganz ohne sein Navi und google Inside Hospital wird das noch lange nix… Ich strich mir süffisant grinsend über die weißen Haare…

Dann wachte ich schweißgebadet und tachykard auf … Was für ein Alptraum!!! Gott sei dank nur ein Alptraum und weit weit Weg von der Realität… Ich schlug meine klatschnasse Bettdecke zur Seite und setzte mich auf. Ich muss meinen Studenten diese Dinger wegnehmen… Irgendwie muss ich dann wieder eingeschlafen sein.





Verständigungsprobleme?

1 10 2013

Neulich irgendwo in Deutschland.

Arzt: Leiden Sie unter vermehrter Flatulenz?
Patient: ???
Assistenzarzt denkt: Bitte nicht nicht in Latein…
Arzt: Na, gehen vermehrt Winde ab?
Patient: Äh?
Assistenzarzt denkt: Das wird wohl nix…
Arzt: Müssen Sie mehr pupsen?
Patient (lacht): Achso, höhöhö, ja, dat knattert ganz schön in de Büx!

Na, dann ist ja alles klar. Nur dem anderen Doktor müssen wir jetzt noch normales Deutsch beibringen, damit er seine Patienten auch immer versteht. 😉





Assistenzarzt hilft – Woran erkenne ich einen Chirurgen?

27 09 2009

Viele Menschen fragen sich, woran man eigentlich die verschiedenen Arzt-Unterarten unterscheiden kann. Am wichtigsten ist jedoch, wie man einen Chirurgen erkennen kann.

Das ist aus verschiedenen Gründen wichtig:

Für Internisten – weil man sich mental auf die Begegnung einstellen muss, um gleich den ersten Angriff zu parieren

Für andere Chirurgen – weil zwei so große Egos nicht im gleichen Raum Platz haben

Für Studenten – damit man sich in Sicherheit bringen kann, bevor der fragt ob man nen Augenblick Zeit hat (nie die Antwort ja geben, weil es dann gleich heißt dass in OP 3 noch jemand zum Hakenhalten gesucht wird)

Für Patienten – Chirurg ist übersetzt nichts anderes als ein Handwerker… dann doch lieber einen „richtigen“ Arzt 🙂

Für Frauen – Macho-Alarm

 

Woran erkennt man jetzt eigentlich den Chirurgen rechtzeitig = wenn er noch auf dem anderen Ende des Flures ist?

  • Er trägt Kittel, schließlich muss er sich von den Pflegern unterscheiden. Der Kittel ist in der Regel zugeknöpft, weil die Chirurgen die konservativsten unter den Ärzten sind und glauben, damit wenigstens erreichen zu können, dass sie von anderen für einen richtigen Arzt gehalten werden. Die Rebellen unter ihnen, quasi die Andre Agassis unter den Chirurgen, krempeln die Ärmel bis zu den Ellenbogen hoch. Naja, das tun die Metzger in der Fleischerei auch glaub ich. Aber das hat wohl nichts zu sagen. Manche trauen sich auch, im offenen Kittel rumzulaufen, aber da werden sie von den eigenen Leuten eher ausgelacht, weil das ja nur die ganzen anderen Fachrichtungen machen.
  • Unfallchirurgen und Orthopäden neigen dazu, Sportschuhe zu tragen, und zwar nicht irgendwelche sondern die neuesten 150 Euro – Hammertreter, was sich ein Normalsterblicher nicht mal leistet, außer er hat pubertierende Teenager zuhause…. wogegen die Allgemeinchirurgen eher Holzpantinen oder schicke weiße Lederschuhe anhaben.
  • er hat kurze Haare mit Gel gestylt.
  • Er poltert als seien alle anderen schwerhörig oder haben sich nach einem Ende der gerade eingekehrten Ruhe gesehnt.
  • in seiner Kitteltasche ragen mehrere zerknautschte Konsilscheine aus dem letzten Jahr heraus, die er immer noch nicht abgearbeitet hat
  • „unten drunter“ trägt er grün, weil er nicht die Zeit hatte, die Bereichskleidung in der OP-Schleuse von sich zu werfen und sowieso gleich wieder reinmuss (obwohl er sich dann neue anziehen muss)
  • die grüne Hose hängt auf halb acht in prä-Buggy-Pants-Stellung. Das viel zu kurze Oberteil (mit Zahlen und Kleidergrößen hatte er es nie so, das ist was für Statistiker) gibt den Blick frei auf den Oberrand einer grauen oder schwarzen CK-Unterhose. Naja, da er den Kittel drüber trägt, ist das nur was für geübte Augen, die wissen, wonach sie gucken müssen
  • sobald er den Mund aufmacht wird klar: ER ist hier wichtig, er kann alles und die anderen sind alle zu blöd, um ihren eigenen Namen zu schreiben. Sein Ego füllt den Raum mit einem Schlag. Da passt kein zweites rein. Er ist schließlich Chirurg.
  • sein Body ist gestählt, schließlich geht er mindestens zweimal die Woche ins Fitnessstudio, wo die süße Krankenschwester von der einen Station ab und an mal ist, nur hat er noch nicht  rausgekriegt, wann genau sie immer da ist, aber Zahlen sind wie gesagt was für Statistiker
  • Wenn ein Besucher auf dem Flur kollabiert, brüllt er erstmal ins Telefon, dass schnell ein Internist kommen soll.
  • Er guckt jeder neuen Schwester und jeder neuen Schülerin und Praktikantin lang und ausführlich hinterher. Es ist schließlich sein Revier und er ist das alpha-Männchen…

Ach, ich liiiiiiebe Chirurgen. Wenn es die nicht gäbe, über wen sollte ich mich dann mit meinen Internisten-Kolleginnen amüsieren?





87,5

12 09 2008

ist die Prognose für die wöchentliche Stundenzahl in dieser Woche… sie is ja noch nicht ganz vorbei…

47,75 ist die Prognose für die davon bezahlten Stunden.