Ärzte ohne Grenzen

5 12 2007

Da surfe ich durchs Internet und auf einmal bin ich auf dem Blog von Markus Fritz, einem Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/blogs/markusfritz/

Ärzte ohne Grenzen – genau, das sind die, die 1999 den Friedensnobelpreis bekamen. Ich erinnere mich an damals. Ich war gerade ins 3. Studien-Jahr gekommen, das erste klinische Semester hatte begonnen – meine ersten Patientenkontakte machten mich so unheimlich stolz. Abends lief die Tagesschau und als ich hörte, dass Ärzte ohne Grenzen den Friedensnobelpreis erhielten, da lief mir ein Schauer den Rücken runter vor Überwältigung. Das war das erste – und leider auch eines der letzten Male – bei denen ich erlebte, dass die Arbeit von Ärzten und gerade von denen, die so wagemutig sind, in die Krisengebiete zu gehen, auf einer internationalen Ebene gewürdigt wurde.

Leider ist es inzwischen fast selbstverständlich für die mediale Gesellschaft der heutigen Zeit geworden, dass sich immer irgendjemand findet, der so „verrückt“ ist und dorthin geht – an Orte, wo das Elend dieser Welt erbarmungslos mit den Menschen ist. Es ist ja nicht ihr Problem und es gibt ja Hilfsorganisationen. Die gehen dahin und es ist ihr Job. So in etwa habe ich das Gefühl, was die öffentliche Meinung angeht. Doch es ist nicht selbstverständlich. Diese Ärzte und anderen Leute, die über Hilfsorganisationen in diese Field Missions gehen, nehmen Dinge auf sich, die für andere kaum vorstellbar sind. Arbeit unter einfachsten Bedingungen, Menschen die um ein vielfaches kranker sind als die Mitbürger der westlichen Gesellschaft. Krankheiten, die wir hier mit einer Handbewegung in den Antibiotikaschrank behandeln könnten, lassen dort Menschen sterben.

Manchmal denke ich, dass die westliche Gesellschaft schlichtweg verwöhnt ist vom medizinischen Standard. Ärzte werden niedergestochen, weil sie ein Generikum verordnet haben und nicht das teure Präparat. Patienten mit Krankheiten, die früher mit Hausmitteln behandelt wurden, beschweren sich, weil sie eine Wartezeit beim Hausarzt oder in einer Notaufnahme auf sich nehmen müssen. Angehörige beschweren sich, weil der Patient mit einem Pflegebedürftigen in einem Zimmer liegen muss. Pflegedienstleitungen reichen Dienstaufsichtsbeschwerden ein, weil Untersuchungszimmer mitbelegt werden aufgrund von Bettenmangel. Schwestern verweigern die Annahme von Patienten, weil sie schon so und soviel Waschpatienten haben. Krankenhausküchen werden so optimiert, dass das Essen pro Tag unter 2 Euro kostet. Hinter Bundesland-Grenzen stehen für einen Patienten 2000 Euro weniger Geld pro Krankenhaustag zur Verfügung als im Nachbarbundesland, obwohl er die gleiche Krankheit hat. Ich habe das Gefühl, als wenn die Wertung der Medizin und der Gesundheitsversorgung bei uns in eine Schieflage geraten ist. Wen wundert es, wenn sich immer mehr Ärzte fragen, wo da der Sinn in ihrer beruflichen Tätigkeit ist? Und einige von ihnen finden ihn bei Hilfsorganisationen. Ich kann es verstehen. Je länger ich tätig bin, um so mehr glaube ich, dass viele die mal Medizin studiert haben, um Menschen helfen zu können, bei Hilfsorganisationen glücklicher wären als hier, auch wenn sie bei den Einsätzen schonungslos mit dem Elend und begrenzten Mitteln konfrontiert sind. Ich habe einen unheimlichen Respekt und Achtung vor der Arbeit dieser Menschen und Kollegen. Ja, es gibt Phasen, wo ich denke, dass das was sie tun um Längen mehr wert ist, als meine tägliche Arbeit hier in Deutschland. Ich ziehe den Hut vor Menschen wie Markus Fritz und seinen Kollegen.