Ein Update – Berufliche Alternativen für Ärzte, die keine Ärzte mehr sein wollen oder Medizinstudenten, die keine Ärzte mehr werden wollen

13 10 2008

Ich musste soeben feststellen, dass es Zeit wird für ein Update zu meinem Beitrag über berufliche Alternativen für Ärzte und Medizinstudenten (die die Nase voll haben) vom Januar diesen Jahres.

Das Portal von GMX, das mich regelmäßig zu emotional induzierten Zwerchfellkontraktionen mit gleichzeitiger Tränenausschüttung veranlasst (man könnte auch sagen: Lachen), zeigte mir heute weitere Perspektiven auf für Leute, die die Klinik satt haben oder feststellen mussten, dass sie doch lieber kein Arzt sein wollen.

Besonders gut geeignet für Leute mit anatomischen, endokrinologischen, gynäkologischen, urologischen und psychologischen Vorkenntnissen:

Nippel-Zwicker  –  z.B. bei Jennifer L., männliche Assistenten wohl bevorzugt

Busenassistent/in – z.B. bei Mariah C.

Wimpern-Ankleber/in – z.B. bei Paula A.

Hoden-Masseur/in – z.B. bei Sylvester S., man könnte auch sagen Klöten-Kneter, aber ich bin ja anständig, deswegen sage ich das nicht. Der kleine Sylvester stand erst auf, wenn Herr S. ihn durch eine dritte Partei entsprechend stimulieren ließ, so heißt es bei GMX. Wie mag das wohl abgelaufen sein, wenn Herr S. durch die Clubs und Bars von Malibu gezogen war und ein williges Flittchen Groupie abgeschleppt von seiner tiefsten innigen Liebe überzeugt hatte? Äh, Süße, warte mal, ich muss mal eben meine Hoden-Masseurin holen, sonst wird das heute kein harter Abend, weil du allein… das reicht nicht…

ohne größere Vorkenntnisse könnten wohl diese Tätigkeiten ausgeübt werden:

Unterhosen-Anwärmer – z.B. bei Sylvester S. (Cave: zu hohe Temperaturen in den Hoden senkt die Fertilität). Ich darf zitieren „Ein wenig erinnert das Arrangement an ein Frühstück und die wärmende Schutzkappe über dem Frühstücksei.“ Ich werde jetzt nie wieder Eier essen können ohne einen Gedanken an etwas behaartes mit einem Maschinengewehr in der Hand.

Badeanzug-Anprobiererin – z.B. bei Jessica S.

Dann doch lieber Arzt bleiben / werden?





Das Ding mit den Fortbildungen

20 09 2008

Heute mal wieder auf einer Fortbildung gewesen. Ab und an braucht man mal eine Horizonterweiterung. Dabei bin ich zu den bahnbrechenden Erkenntnissen gelangt:

Manche Referenten können einfach gute Vorträge machen. Sie sind so selten wie freilebende indische Waldelefanten.

Andere Referenten werden es nie, niemals lernen ihre Vorträge so zu gestalten, dass man auch noch in der hintersten Reihe lesen kann, was auf der Powerpoint-Folie steht und es auch nie begreifen, dass man nicht 2 Buchseiten auf eine Powerpoint-Folie quetschen kann und dabei noch den Anspruch haben, dass irgendjemand aufnimmt, was da drauf steht.

Dummerweise sind es auch noch die gleichen Referenten, die entweder total schnell oder extrem einschläfernd reden.

Einige wenige Referentinnen schreien in einer Tonhöhe in das Mikrofon, dass man sich nach 20 min Vortrag wünscht, es gäbe ein Mittelchen um die Schrammen im Trommelfell wieder zu glätten und die Haarzellen im Innenohr zu reparieren.

Veranstaltungen, bei denen der Imbiss bzw. das Mittagessen inklusive sind, sind in der Regel besser besucht.

Niemand braucht Angst zu haben, dass sich Ärzte durch dieses – auf kostenfreien Veranstaltungen größtenteils von Pharmafirmen gesponsorte –  Essen in irgendeiner Form bestechen lassen, weil es eigentlich in 95% der Fälle aus trockenen alten Keksen besteht, meist der Marke Ba…. („Frühstücksimbiss“ oder „Kaffeepause“) oder aus miniwinzigen belegten Brötchen wo die Wurstscheiben sich aufrollen und eine eklige Meerrettichpaste draufgeschmiert wird, um den Bedarf an belegten Brötchen von vornherein zu senken. Da kann man in einem 4 oder 5 Sterne Hotel sein mit belobigter Küche – egal, man wird auf so einer kostenfreien Veranstaltung mit pharmagesponsortem Essen trotzdem was billigeres und qualitativ schlechteres kriegen als beim Bäckerstand gegenüber. Sowas passiert mir selten bei Veranstaltungen, wo man Gebühren zahlen muss, aus denen dann das Essen mitfinanziert wird (da sind dann die Pharmas in der Regel keine Sponsoren des Essens). Ergo: Es gibt keinerlei Versuchung, sich durch alte Kekse oder Käsebrötchen mit Aufrollrand bestechen zu lassen…

Chaotische Verhältnisse bei der Anmeldung sind kein gutes Aushängeschild. Man kann auch 4 oder 5 Blätter der Anmeldungslisten der Ärztekammer nebeneinander auslegen und anschließend der Kammer schicken statt nur ein einziges, was natürlich den Beginn der Veranstaltung um 15 min verschieben wird.

Auf Fortbildungen sieht man in den Pausen die klassische Cliquenbildung wie auf dem Schulhof. Da wird wenig Kontakt zu neuen Menschen geschlossen. Nix mit Wissenstransfer und kollegialem Austausch.

Seitdem es eine Pflicht gibt, das Fortbildungszertifikat zu erlangen, sind die meisten Veranstaltungen die früher kostenlos waren, kostenpflichtig geworden. Damit haben die Ärztekammern quasi eine Lizenz zum Gelddrucken für die Veranstalter geschaffen… Qualität sichert das noch lange nicht. Evaluierung der Veranstaltungen findet nur in wenigen Einzelfällen statt. Naja, weil unser Kammerbeitrag ja noch nicht genug verbraten wird, könnte man da eine neue Stelle „Qualitätssicherung Fortbildung“ in der Ärztekammer oder der KV schaffen oder am besten bei beiden, damit wieder einige Stühle gesichert sind.





Sag doch was du denkst

21 08 2008

Durch einen Beitrag in der Marburger Bund Zeitung (ja, Mitgliedsbeiträge lohnen sich doch dann und wann) kam ich auf folgende Seite

www.pj-ranking.de

und in der Folge auf

www.famulaturranking.de

Nachdem Spiegel und Focus seit mehreren Jahren erfolgreich, auch mit Hilfe der Unis (Versand der Fragebögen der Meinungsforschungsinstitute), Ranking-Listen der Unis zu verschiedenen Studienrichtungen erstellen, hält jetzt auch in den praktischen Abschnitt des Medizinstudiums ein Ranking Einzug. Unterstützt wird das ganze vom Marburger Bund. Und das find ich gut. Bisher war es nur in Foren bei Medilearn oder mittels Famulatur und PJ-Berichten Via medici möglich, einem größeren Publikum seine positiven oder auch negativen Erfahrungen zu berichten. Mundpropaganda erfährt im Zeitalter des Web 2.0 (wenn ich mich mal dieses landläufigen Zitates bedienen darf) eine neue Qualität, quasi Online-Mundpropaganda. Für mich kommt das ganze einige Jahre zu spät. Ich glaube kaum, dass meine PJ-Bewertungen heute noch stimmen würden, weil die Leute von damals gar nicht mehr in den Kliniken sind. Allerdings erschrecke ich, wenn ich manche aktuelle Berichte lese, weil sich eigentlich kaum was geändert hat im Umgang mit den Studenten. Dabei sind doch die heutigen Assistenzärzte (also meine Ass-Arztgeneration) die PJler von gestern, oder? Hatten wir uns damals nicht alle geschworen, wir werden anders? Oja, das hatten wir. Machen wir es auch anders? Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Oder eben mal bei genannten Seiten reinschauen und ggf. anschließend in sich gehen…

Ihr da draußen, die ihr PJ und Famulatur macht: Sagt eure Meinung! Macht beim Ranking mit, schreibt Famulatur- und PJ-Berichte, egal ob bei Medilearn oder Via medici oder sonstwo! Aber denkt daran: nur sachliche und konstruktive Kritik hilft, etwas zu verändern. Ein „es war alles scheiße“  oder „die waren einfach nur blöd“ mag zwar stimmen, aber hilft anderen nicht weiter – weder den Studis, die das Lesen noch den PJ-Verantwortlichen der Unis und Lehrkrankenhäuser und auch nicht den wenigen selbstkritischen Ärzten, die vielleicht ihre Station mit Note 3 oder 4 oder gar 5 bewertet sehen und tatsächlich etwas ändern wollen. Nennt die Punkte, die nicht stimmen wie z.B. Kommunikation und Umgang mit Studenten, Organisation, Lehrveranstaltungen etc… Ich halte rein gar nichts von den Diffamierungen, die Schüler in einem gewissen spickmich-Portal gegen ihre Lehrer loslassen. Das ist unter Garantie der falsche Weg und ein Auswuchs des „Ranking-Trends“. Aber durch das Internet habt ihr die Chance euer Lob für eine tolle Famulatur oder PJ-Tertial loszuwerden oder eben auch sachliche und begründete Kritik. Die Entscheidung mit den Füssen, wie es sich inzwischen bei Ärzten mit der Abwanderung ins Ausland und Klinikfremde Bereiche gibt, hat eine gewisse Macht und kann die Verantwortlichen in Handlungszwang bringen, denn ansonsten scheint das ganze eine typisch deutsch zähe Angelegenheit zu sein.  Auch wenn ihr glaubt, ihr allein könnt nichts bewegen, aber wenn jeder auch nur einen Bericht schreibt oder eine seiner Famulaturen bewertet, dann ergibt sich schon ein aussagekräftiges Bild und die Kliniken müssen anfangen, darüber nachzudenken, was ihnen Ausbildung und Nachwuchs wert ist. Zu meinen PJ-Zeiten haben wir als x-te Generation für Studientage und Bezahlung gekämpft, jetzt endlich wird es in einem Teil der Kliniken wenigsten ansatzweise umgesetzt. Aber es hat sich gezeigt, dass Tropfen für Tropfen ein Fluss entstand, der dann doch etwas bewegt hat.





Gewalttätige Patienten

11 08 2008

Es hat bisher noch nie in meinem Medizinerdasein die Situation gegeben, wo ich wirklich das Gefühl hatte, in den nächsten Sekunden eskaliert die Situation und du kriegst sie nicht unter Kontrolle.

Ich habe bereits öfter das zweifelhafte Vergnügen gehabt, mich mit pöbelnden alkoholisierten Patienten abmühen zu müssen. Aber mit der Zeit hat man den Bogen raus – man darf sie nicht drängen, nicht unter Druck setzen, aber muss klare Grenzen ziehen. Zum Beispiel ist es für mich ein Tabu, dass mich so jemand am Arm fasst. Da kann ich als weibliche Person auch mal einen gefährlichen Ton entwickeln und laut werden. Und wenn sie gehen wollen, und können…, dann rufen wir ihnen auch ein Taxi oder lassen sie abholen, manchmal verdünnisieren sie sich auch selbst. Demente Patienten sind die andere Kategorie, wo man sich manchmal in acht nehmen muss, weil sie es nicht toll finden, sich iv-Zugänge legen zu lassen. Da flog mir auch schon so manches mal ein Arm oder Bein entgegen oder das Tablett mit Nadel um die Ohren. Richtig erwischt hats mich mal bei einem geistig behinderten Patienten, da war ich ernsthaft verletzt. Tritte abgefangen habe ich auch schon zwei drei male, zum Glück mit den Armen und nicht dem Bauch oder so. Und zwei mal traf mich ein Arm bzw. ein Bein am Kopf, aber es blieb bei einer schmerzenden Stelle. Nadeln die um mich flogen habe ich nicht gezählt, geschätzt dürften es auch so 4 oder 5 sein bei diesen Situationen.
Manchmal brauchte ich die Hilfe eines Zivis, einer Schwester, PJler oder eines Kollegen, um jemanden festzuhalten, der nicht mehr entscheidungsfähig war, z.B. um einen iv-Zugang zu legen oder jemandem im Delir zu fixieren.

Noch nie ist es mir aber passiert, dass ich wie in amerikanischen Ärzteserien den Sicherheitsdienst rufen musste. Bis neulich. Der Patient war alkoholisiert, bis dahin friedlich wenn auch mit lauter Stimme. Doch von einer Sekunde auf die andere änderte er sein Verhalten. Er wollte gehen, aber anstatt das einfach zu tun (ich hätte ihm auch gerne den Weg gezeigt), fing er an das Personal zu bedrohen, so als würde man ihn aufhalten. Dabei hat ihn keiner aufgehalten. Keiner hat sich ihm in den Weg Richtung Ausgang gestellt, also ihm optisch vermittelt, dass er eingekesselt sei. Der Weg war frei. Es nützte nichts, dass wir versucht haben, ganz ruhig zu bleiben, ihm zu vermitteln, alles ist ok, du hast die Macht über deinen Willen dorthin zu gehen, wo auch immer du hin willst. Wie gesagt, ich habe bisher auch spannungsgeladene Situationen entschärfen können. Aber da waren die Patienten nicht derartig körperlich überlegen und nicht des Wahnsinns fette Beute. Ein sekundenbruchteil langer Blick in sein Gesicht und seine Augen reichte mir, um das erste Mal in meiner Medizinerlaufbahn zu denken „Ok, das wird nichts, das eskaliert, bring dich in Sicherheit.“ Was ich in der nächsten Sekunde auch tat und dabei verfluchte, dass man mit Piepern nicht telefonieren kann. Eine Tür in Sprungweite griff ich zum nächsten Telefon und rief den Sicherheitsdienst. Bloss nicht zu laut das Wort sagen, um die Situation nicht zum Explodieren zu bringen. Für einen Moment überlegte ich beim Sprechen, ob das zu hoch gegriffen sei, gleich die Jungs mit den breiten Schultern zu rufen. Was die nächsten Sekunden folgte, war die brenzligste Situation die ich bisher erlebt habe. Völlig unvermittelt riss sich dieser Irre einen Verband ab, dass das Blut quer durch den Raum spritzte und mehrere Leute einsaute. Intuitiv hatte ich mich bei seinen vorhergehenden Bewegungen hinter einem Raumteiler in Sicherheit gebracht. Dann holte er Sekundenbruchteile später blutüberströmt aus und griff die Leute körperlich an. Hätten die nicht blitzschnell reagiert, hätten wir uns über Hepatitis- und HIV-Prophylaxe Gedanken machen müssen, denn bei solchen weiß man ja nie und Blutproben hatten wir nicht von ihm. Irgendwer schrie „Geh’n Sie!“ und „Raus!“ und zum Glück ließ er von uns ab und trollte sich schwankend und blutend zum Ausgang. Wir blieben zurück im eingesauten „emergency room“ und leider kam ich mir in diesem Moment auch so vor wie irgendwo in der Bronx oder den wilden Vierteln von Chicago. Der Sicherheitsdienst kam dann auch irgendwann…

Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn ich Kinder hätte, wäre das der Moment gewesen, wo ich ernsthaft überlegt hätte, ob ich diesen ganzen Schrott von Diensten und Notaufnahme weiter mitmache. Ich meine, du weißt doch nie, ob du beim nächsten Mal auch so viel Glück hast. Keine hundert Kilometer weiter ist eine Ärztin fast erstochen worden von einem Patienten und dass in einer Beamtenstadt wo die Verbrechensrate unter dem Landesdurchschnitt der Städte liegt. Weiß ich, ob der nicht auch irgendwo was in der Jackentasche hatte? Was wäre gewesen, wenn der Blödmann jemanden verletzt hätte und die Wunde des anderen mit seinem Blut kontaminiert hätte? Wir hätten nichtmal seinen Infektionsstatus gekannt. Was wäre gewesen, wenn er andere, hilflose Patienten angegriffen hätte? Womit hätte man sich da wehren sollen wo der im Vergleich zu uns 40 Kilo mehr und 25 cm größer war? Ihm AHD in die Augen schütten? Mit dem Pieper nach ihm werfen? Unsere Butterflys haben weiß gott nicht die Gefährlichkeit der „Straßen“-Butterflys. Noch nie habe ich mich plötzlich im Krankenhaus so in Gefahr gewähnt und ich muss sagen, ich freue mich, dass ich nicht gedacht habe, sondern nur auf meinen Instinkt gehört, der mir sagte „Danger“. Es sicherte mich einen kontaminationsfreien Dienst, eine Haut ohne Platzwunden und Prellmarken…





Ist es die da nachts um halb drei?

2 08 2008

Doc Blog brachte mich durch einen Beitrag auf das Reizthema „Patienten die sich nachts mit Bagatellen vorstellen, um sich Wartezeit zu ersparen.“ Was könnte ich  mich darüber aufregen… Ist es die da, nachts um halb drei, die dich zum Wahnsinn treibt… ja, die gehören mit dazu.

Zur Erklärung: Es gibt 3 Sorten Patienten in einem 24h-Dienst.

Sorte 1

– die wirklich krankenhausreifen Kranken. Sie kommen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Aber das ist auch egal. Da weiß man, wofür man arbeitet. Es fällt einem nicht schwer, einem zyanotischen älteren Herren mit dicken Beinen und dicken Halsvenen, nachts einen iv-Zugang zu legen und Furesis zu spritzen. Da braucht man keine besondere Motivation für. Selbst hoch fiebernde Pflegepatienten mit der x-ten Pneumonie und besorgten Kindern dabei machen einen vielleicht depressiv, weil eh schon genug Waschpatienten da sind und man sowieso keine Betten mehr hat, aber auch da weiß man, dass das nächtliche Aufstehen bzw. wachbleiben einen Sinn macht und man einen Zielauftrag hat (finde raus, was es ist und gib ne anständige Antibiose, damit er bald wieder zur Family nach Hause kann). Ich springe auch, wenn der RD kommt und eine Allergische Reaktion auf unbekannt bringt und jemand mit hochrotem Körper und dicker Zunge auf der Trage liegt. Keine Frage, das gehört in eine Notaufnahme.

Sorte 2

– die leicht Kranken oder gar nicht Kranken mit nur Angst davor schwer krank zu sein. In jeder Notaufnahme tummeln sich Infarktausschlüsse aller Art – Menschen die jemanden in der Familie haben der gerade herzkrank geworden ist, junge Leute die Angst haben vor Herzinfarkten, gestresste Mütter die ihr Herz pochen hören usw. Auch da ist es berechtigt nachzusehen und das schlimmste auszuschließen, auch wenns zuweilen nervt. Die jüngste Infarktpatientin, die ich jemals erlebt habe, war knapp über 20 und wäre fast gestorben. Es gibt also nichts, was es nicht gibt. Aber merke: Die wirklich einen Infarkt haben, werden meist vom Hausarzt geschickt, kommen zu Fuß, mit eigenem PKW oder per ÖPNV, sitzen artig mit ihren Schmerzen im Wartezimmer bis sie dran sind (was auch mal ne ganze Weile… 3 h dauern kann), dann steht auf dem EW-Schein etwas wie „V.a. Pneumonie“ oder „V.a. Schulter-Arm-Syndrom“ und wenn man sie dann befragt und untersucht (und später das Labor und EKG sieht), dann kriegt man große Augen und es muss alles sehr schnell gehen.  Also wie gesagt: LE oder aMI ausschließen ist ok auch wenns nervt.

Sorte 3

– die mit einfachen Dingen, die der Hausarzt behandeln kann und / oder die nachts kommen, weil dann die Wartezeit kurz ist. Diese Leute machen mich wahnsinnig und aggressiv. Meistens gehören sie den Baujahren zwischen 1975 und 1990 an. Gerade die Leute unter 25 haben so gut wie keine Kenntnisse über Hausmittel, über ich sag mal „das was normal ist“ oder über höfliches Verhalten. Beispiele:

1. Schnupfen seit 2 Tagen, die Nase ist zu, man kann nicht schlafen. Also geht man in die Krankenhaus-Notaufnahme so gegen Mitternacht. Folgende Antworten kamen: „Beim Hausarzt hätts so lange gedauert“ „So kann mir gleich was aus der Apotheke holen heute nacht“ (Häää? Und was war an den zwei Tagen vorher? Waren Apotheken da noch nicht erfunden?) „Ich brauch nen Krankenschein.“ „Wie, sie dürfen keine Krankenscheine ausstellen? Wieso schreiben Sie das nicht vorne dran? Dann hätte ich mir die 10 Euro auch sparen können! Dann will ich mein Geld wieder haben. Ich krieg ja nichtmal ein Rezept von ihnen!“

2. 30 Grad, blauer Himmel, Supersonnensommerwetter. Tagsüber grillen am Strand oder Badesee. Abends nach dem Grillen feststellen, die Schultern schlagen Blasen und tun weh. Also geht man in die Notaufnahme, aber erst nach Mitternacht. Antworten: „Wieso dauert das denn solang hier bei Ihnen, ich warte schon ne halbe Stunde.“ – „Wir hatten einen Schockraumpatienten, der ist doch an Ihnen vorbeigefahren, haben Sie doch gesehen.“ – „Eh echt, muss man sich hier mit nem Rettungswagen herfahren lassen, damit man nich im Wartezimmer verhungert?“. „Ich dachte, wenn man Sonnencreme nimmt, dann reicht das den Tag lang.“ „Können Sie mir nicht irgendwas spritzen, damit das weggeht?“ „Ich brauch aber ein starkes Schmerzmittel, ich bin sehr empfindlich.“ „Krieg ich kein Rezept oder sowas?“ „War das jetzt alles, das sie mir sagen, viel trinken, Quark und kalte Umschläge drauftun und Paracetamol nehmen? Dafür hab ich jetzt 10 Euro gezahlt?“ Ja, und für den Hinweis morgen zum Hausarzt zu gehen, falls es schlimmer wird und sich gefälligst an die Empfehlungen auf der Sonnencremepackung zu halten und nach Ablauf der Eigenschutz+LSF-ZEit ein T-Shirt anzuziehen.

3. Jung, grad um die zwanzig, bauchfrei sowohl T-Shirt als auch Jacke kommt mit Brennen beim Wasserlassen und dauerndem Harndrang. Seit dem Morgen. Jetzt ist es schon weit nach Mitternacht. Hausarzt? – ich hab keinen. Tagsüber zum Arzt – ging nicht weil Schule / Arbeit / Konzertkarten / äh, wie man kann auch tagsüber zum Arzt gehen? Was gibts da für 10 Euro? Nen U-Status, ein paar Ratschläge  – viel trinken, warm halten, mal was ordentliches anziehen, wo man nicht die halbe Welt südlich des Bauchnabels sieht, und eine Tbl. Cipro plus die Anweisung einige Stunden später zum Hausarzt zu gehen bzw. sich einen zu suchen und ein Rezept für selbiges Antibiotikum zu holen. Rezepte gibts nicht im Krankenhaus. Und beim nächsten mal gleich zum Hausarzt oder halt zum KÄND. Also das was Mutti auch gesagt hätte, wenn man sie mal gefragt hätte… wozu haben die alle Handy?

4. „Ich kann nicht schlucken. Seit gestern. Es tut weh. Und das Penicillin was ich seit heute nehme hat auch noch nicht geholfen. Ich will ein anderes Antibiotikum.“ – „Haben Sie es mal mit Paracetamol oder Novalgin versucht?“ – „Hä?“ – „Na gegen die Schmerzen ein Schmerzmittel nehmen.“ – „Auf’m Rezept stand nur Penicillin.“ Wieso fragt der dann nicht noch mal nach? Das tut man doch, wenn man wegen Schmerzen zum Arzt geht. Ich bin mir sicher, dass der Hausarzt ein Schmerzmittel empfohlen hat. Das machen sie alle. Aber man muss es selbst kaufen. Millionen Deutsche konsumieren Schmerzmittel in rauen Mengen. Ich treffe auf den einen, der es nicht tut… Mitten in der Nacht wohlgemerkt. Es bleibt mir nichts anderes übrig als Apotheken-Umschau oder Gesundheitsbeilage der Regionalpostille zu spielen und  über die Wirkungsweise von Antibiotika und Schmerzmitteln aufklären – eins gegen Bakterien, eins gegen den Schmerz. Zwischendurch muss ich allerdings noch zwei zyanotische Patienten vom RD übernehmen, was den jungen Herrn fast irre macht. Damit er mir nicht anfängt rumzuschreien kriegt er ne Paracetamol eingeholfen und einen großen Zettel auf dem Paracetamol steht und mit dem er 4 Stunden später zur Apotheke gehen soll um sich ne Packung zu holen. Achso und den Hinweis, dass er das Penicillin auch weiternehmen muss. Man weiß ja nie, manche Dinge scheinen sich doch nicht von alleine zu erklären.

5. Der Pickel. Nach dem Duschen bemerkte man auf exponierter Stelle (jedenfalls wenn man so einen riesigen Ausschnitt hat) einen roten Punkt, der sich offensichtlich daran machte, ein echter Pickel werden zu wollen. Was tut man da? Falsch, keinen Abdeckstift oder sowas. Man geht in die Notaufnahme so gegen halb eins. „Nee, also bis morgen früh der Hausarzt aufmacht wollte ich nicht warten. Da muss ich dann auch immer so lange warten, nur um mir sagen zu lassen, das ist nichts. Hier gehts schneller.“ Aufklärung, dass wir ein KRANKENHAUS sind und keine Ambulanz, dass die Notaufnahme da ist um die Patienten für die Stationen aufzunehmen und nicht nachts ein billiger und schneller Hausarztersatz zu sein. Das folgende Zucken der Schultern ließ meinen Blutdruck gefährlich steigen. Der Busen wird aufreizend nach vorne gestreckt, der BH lasziv entfernt. Unser RD-Praktikant kriegt rote Ohren und verschwindet schnell.  „Is denn kein zweiter Doktor da, der auch noch mal gucken kann zur Sicherheit?“ Enttäuschung, dass ich weiblich bin oder was schwingt da jetzt im Dialog mit rüber? Mich beeindruckt Cup C mit PushUp nicht im Geringsten. Schon gar nicht, wenn es zwei Etagen drüber so hohl klingt. Ich kann auch noch unseren Chirurgen holen, aber der steht auf Jungs. 🙂  Falscher Abend um mit weiblichen Reizen Doktoren beeindrucken zu wollen… Nach langer Suche finde ich dann auch den roten Punkt. Wie niedlich, so klein und will schon ein Pickel werden. Ausführliche Aufklärung, dass aus Pickeln und auch solchen, die gerade noch erst ein richtiger Pickel werden wollen, nur äußerst selten Blutvergiftungen werden, außer man drückt wild darauf herum. Sie soll beobachten und wenns schlimm wird zum Hausarzt und Hautarzt gehen. Sorry, liebe Kollegen, aber irgendwer wird als Mann mal auf den Busen gucken müssen, damit die liebe Seele ruh hat…

Was einen aber auf die Palme treibt sind Thromboseausschlüsse… Wieso geht das nicht, dass man erstmal zum Hausarzt geht, sich das Bein wickeln lässt und ein NIMH spritzen. Und am nächsten Tag, wenn der Hausarzt das D-Dimer hat, ggf. die Überweisung zum Angiologen oder Duplexkundigen Facharzt erfolgt? Und wieso wartet man mit schmerzenden Beinen aller Art immer bis abends 19.00 oder 20.00 Uhr? Weil man da vom KÄND automatisch den Transportschein kriegt egal wie jung man ist? In jedem Dienst könnte man eine Schwester alleine damit beschäftigen, nur D-Dimere abzunehmen und Beinumfänge zu messen. 90% sind unauffällig. Bei den 10% der auffälligen findet sich eine Thrombose nur in wenigen Fällen… i.d.R. sind es Zerrungen, Prellungen, Überlastungen, Angstzustände (ich bin geflogen, habe ich jetzt eine Thrombose, weil mein Sockengummi zu sehen ist in der Haut?), mal ne Bakerzyste die geplatzt ist.

Ja, und wenn man sich das alles so anguckt und erlebt und dann auf der anderen Seite sieht, wie sehr Gesundheitspostillen boomen und auch das Internet überfrachtet ist mit Ratgebern und Hausmitteltipps, dann fragt man sich, wieso manche Leute eigentlich nix, aber auch gar nix über so banale Dinge wie einen Sonnenbrand wissen. Dem Trend, aufgrund der geringen Wartezeiten mitten in der Nacht Ärzte im 24 (oder mehr) Stunden Dienst um ein paar Minuten Schlaf zu bringen, kann man aber begegnen… Triage eben, das wichtigste / die kränkesten zuerst…





Kranke Ärzte durch kranke Arbeitszeiten

3 04 2008

Hier mal ein Beitrag des Portals Via medici online zu kranken Ärzten durch kranke Arbeitszeiten. Es hat ein Symposium in BaWü gegeben zum Thema.

http://www.thieme.de/viamedici/medizin/aerztliches_handeln/gesundheitsschutz.html?newsid=030-03042008

Prädikat: Unbedingt lesenswert.
Mecker-Blogger-Count: Beitrag Nr. 372993250720549454 der jammernden Ärztefraktion 😉





Masern – Ein paar Fakten

3 04 2008

Das Thema Masern ist im Moment wieder mal hochaktuell. Deshalb an dieser Stelle mal ein paar sachliche Fakten, quasi eine nicht-CME-zertifizierte Online-Fortbildung.

Das einzige Reservoir für das Masernvirus ist der Mensch. Das heißt, sie werden nur von Menschen auf Menschen übertragen, Pfiffi, Miezi oder Goldi kommen dafür nicht in Frage.

Wenn Masern-Erkrankungen auftreten, wird in der Regel geschaut, zu welchem Genotyp das Virus gehört. Auf diese Weise ist es möglich zwischen Wildvirus und Impfvirus zu unterscheiden. Seit 2000 sind fast alle Masernviren in Deutschland dem Genotyp D7 zuzuordnen, zuvor waren es C2 und D6.

Masern werden über Tröpfcheninfektion übertragen. In der Luft befindliche Mikrotröpfchen, die masernvirushaltiges Atemwegssekret enthalten, haben lange Zeit ansteckungsfähige Viren in sich. Masernviren sind hochansteckend. 98% der ungeimpften mit Kontakt zu Masernerkrankten werden vom Virus befallen. Das heißt, wenn 100 ungeimpfte Kinder in einem Kindergarten sind und ein Kind mit Masern wird von Masern-Mutti trotz Erkrankung hingebracht und hustet ein paar Mal dort, dann werden 98 der ungeimpften Kinder in diesem Kindergarten krank. Auch ohne Masernparty. Ja, das kann einem ein gewisses Gefühl von Macht verleihen, oder? Die Masernviren werden von den feinsten Aerosoltröpfchen in der Luft über die Schleimhäute beim Atmen aufgenommen (also Mund, Rachen, Bronchialwege) und auch über die Bindehäute der Augen.

In Ländern mit hohen Durchimpfungsraten wie USA und Skandinavien gibt es keine einheimischen Masern mehr, nur noch importierte Erkrankungen, z.B. aus Bayern oder sonstwo in Deutschland. Deswegen wird amerikanischen Touristen unbedingt dazu geraten sich und ihre Kinder mit einem kompletten Impfschutz zu versehen, bevor sie in unsere verseuchten Breiten einreisen. Besonders hoch ist die Masernrate in BAY, BW, NRW mit 30 Fällen / 100000 Einwohner, in den neuen BL dagegen nur 1 Fall / 100000 Einwohner. Die WHO möchte die Masern auch in Europa gerne bis 2010 ausgerottet haben, was aber die ungeimpften Masernkinder bzw. die in der Regel noch selbst geimpften Masern-Muttis wohl verhindern werden. Früher waren die Masern vorwiegend bei Kleinkindern aufgetreten, heute eher im Schulkindalter und bei Jugendlichen. Letzteres hat negative Konsequenzen für die Todesrate.

Das Masernvirus steht auf Zellen des Nervensystems und des Lymphsystems. Diese fällt es nach Eindringen in den Körper zuerst an. Nach dem Eindringen in den Körper über die Schleimhäute der Atemwege und der Augen, also der Infektion, folgt die Inkubationszeit von 8 – 10 Tagen. Inkubationszeit = Träger des Virus ohne Krankheitszeichen. Dann beginnt das katarrhalische Stadium. Heißt, es geht los wie bei einer Erkältung, nur schärfer. Plötzliches hohes Fieber (Minimum 38,5°C), gerne auch mit Fieberkrämpfen und Bindehautentzündung. Die Kinder schreien vor Schmerzen, weil sie extrem lichtempfindlich sind durch die Bindehautentzündung. Dabei dann natürlich auch Husten, trockener Husten, Heiserkeit, Entzündung der Luftröhre und Bronchialwege (Tracheobronchitis). Bei vielen Kindern finden sich innen an der Wangenschleimhäut weißliche Flecken in dieser Phase. Das Fieber geht dann nach 1-2 Tagen erstmal runter. Achtung: In dieser Phase sind die Kinder bereits ansteckend. Masern-Mutti geht dann mit Junior vielleicht noch in den Supermarkt oder bringt ihn noch in den Kindergarten mit ein paar Fieberzäpfchen zuvor. Dieses katarrhalische Stadium dauert 3-4 Tage. Am 3. bis 4. Tag schießt das Fieber wieder hoch und beginnt das Exanthem, also der Hautausschlag. In der Regel fängt das ganze retroaurikulär an = hinter den Ohren und breitet sich nach unten über den ganzen Körper aus. Auch in dieser Phase kommt es häufig zu Fieberkrämpfen. Die Kinder mögen nicht essen, kaum trinken, haben hohes Fieber, quälenden Husten.  Das Exanthem breitet sich nun aus in den nächsten Tagen. Das Kind hat immer noch hohes Fieber. Wenn es die unteren Extremitäten erreicht hat, dann sinkt auch das Fieber nach etwa 3-4 weiteren Tagen. Einige Stellen dieses Exanthems, also Hautausschlags, können auch unterbluten. Das kommt durch eine Störung der kleinsten Gefäße zustande. Etwa 1 von 1000 erkrankten Schulkinder bzw. Jugendlichen stirbt, meist infolge einer Hirnentzündung oder Lungenentzündung.

Bei Kindern, die eine angeborene Störung des Abwehrsystems haben, wie zB. Defekte im T-Zell-System oder die Immunsuppressiva nehmen, z.B. nach Transplantationen oder bei Autoimmunerkrankungen kann der Verlauf auch mal völlig untypisch sein.  Diese Kinder kriegen sehr häufig Lungenentzündungen und eine Enzephalitis (also Hirnentzündung). Daran können sie auch sterben.

Wenn Schwangere erkranken, sprich wenn die Kinder der Impfgegner selbst Kinder bekommen, dann besteht die Gefahr von Fehl- und Frühgeburten. Die Schwangeren bekommen auch sehr häufig Lungenentzündungen.

Eine Masernerkrankung führt fast immer zu einer vorübergehenden Abwehrschwäche von mindestens 6 Wochen. Das Immunsystem des Kindes ist also für mindestens 6 Wochen platt, egal ob nun Homöopathische Wässerchen oder nicht. Das beruht darauf, weil das Virus wie oben schon gesagt, scharf auf Zellen des Lymphsystems ist und sie schädigt. Kann man vielleicht vergleichen mit Leuten, die Immunsuppressiva nehmen müssen, Krebs oder HIV haben, denn die haben allesamt eine Abwehrschwäche. Die Kinder kriegen in der Folge häufig Erkrankungen durch Bakterien, weil der Körper durch das Maserngeschädigte Immunsystem nicht in der Lage ist, sich dagegen zu wehren. Dazu zählen Mittelohrentzündungen, Durchfallerkrankungen, Laryngotracheobronchitis (=Masern-Krupp), Lungenentzündungen (weil das Masernvirus zuvor die Zellen der Atemwegsschleimhaut geschädigt hat), … Bei einem Teil der Kinder hält diese Abwehrschwäche auch für längere Zeit an. Naja, bleibt Masern-Mutti halt mal länger zuhause und riskiert nebenbei ihren Job. Achso, naja, dass Junior so oft krank ist… Masern-Mutti pflegt ihn schon. Das festigt die Mutter-Kind-Beziehung.

Weitere Komplikationen gefällig?

Bei etwa 10% der Kinder (= eins von zehn erkrankten Kindern) treten Fieberkrämpfe auf. Die müssen dann nicht unbedingt mehr auf die Masernerkrankung beschränkt bleiben. 50% der Kinder mit einem komplikationslosen Verlauf haben anschließend EEG-Veränderungen, soll heißen dass sie potentiell gefährdet sind, Krampfanfälle zu bekommen. Dazu kann z.B. das nächste Fieber führen oder Stress etc. Bei den meisten gehen die EEG-Veränderungen wieder weg, bei einigen nicht. Die werden dann halt auch mal Epileptiker. Übrigens führt jeder Epileptische Anfall zu einer passageren Sauerstoffunterversorgung des Gehirns und kann damit zum Zelltod einiger Hirnzellen führen. Je häufiger die Anfälle, desto schlechter fürs Gehirn.

Bei 1 von 500 Schulkindern / Jugendlichen Erkrankten kommt es zu einer Enzephalitis, also Gehirnentzündung. Masern-Mutti kann also schon mal mit dem Abzählen beginnen. Bei Kleinkindern liegt die Rate etwas niedriger mit 1 / 10000. Die Erkrankten haben dann nach Abklingen der Akutsymptomatik der Masernerkrankung wieder Fieber, bekommen Übelkeit und Erbrechen, weiterhin eine Nackensteife, sind benommen, stehen neben sich und kriegen Krampfanfälle. Eines von 5 Kindern und Jugendlichen, die eine Masernenzephalitis bekommen, stirbt daran. Kapiert? Von 2500 masernerkrankten  Schulkindern oder Jugendlichen wird einer an einer Enzephalitis sterben. Die anderen haben in der Regel psychische Veränderungen, was aber nicht gleichzusetzen ist mit dem Erwerb einer inneren Reifung durch die Erkrankung. Es handelt sich dabei um Persönlichkeitsveränderungen, Lernschwierigkeiten, Verhaltensauffälligkeiten und kann bis zu einer geistigen Retardierung mit lebenslanger Betreuungsbedürftigkeit führen. Ein Teil der Kinder behält auch Lähmungen zurück. Ok, sie können dann immer noch in einer Behindertenwerkstatt arbeiten und sich einen schicken Rollstuhl aussuchen.

Außerdem gibt es da noch die subakute sklerosierende Panenzephalitis, die bei 1 von 500000 Erkrankten auftritt. Ok, jetzt mögen viele sagen, die Chance ist nicht so sonderlich hoch. Zum Glück kann ich da nur antworten, denn diese Spätkomplikation führt definitiv zum Tod. Diese Spätkomplikation tritt etwa 2 bis 8 Jahre nach der Masernerkrankung auf, insbesondere bei denen, die die Erkrankung im frühen Kindesalter durchgemacht haben. Es beginnt mit Verhaltensauffälligkeiten, führt über Muskelstörungen und Krampfanfälle letztlich zur Dezerebrationsstarre = Koma oder Wachkoma, Apalliker, wie auch immer man dazu sagen mag. Die Erkrankung führt wie gesagt immer zum Tod.

Tja, was kann man machen als Arzt? Wenig. Symptomatisch nennen wir das. Heißt, im Notfall kommen die Kinder ins Krankenhaus oder gar auf die Intensivstation zur Überwachung. Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika gegeben. Man hat bereits versucht bei Kindern mit einer angeborenen oder erworbenen Immunschwäche (also T-Zell-Defekte, Autoimmunerkrankungen, Transplantationen, Krebs etc.) Ribavirin zu geben, aber darüber gibt es keine Studien und ein Beweis für die Wirksamkeit gibt es bisher noch nicht.

Ansteckungsfähig sind Masernerkrankte 4 Tage vor bis 4 Tage nach Auftreten des Exanthems, also des Hautausschlags.

Bei Kindern mit Immunschwäche, bei denen aus verschiedenen medizinischen Gründen keine Impfung erfolgen konnte, muss bei Kontakt zu Masern-Muttis Liebling innerhalb der ersten drei Tage nach Kontakt geimpft werden. Zusätzlich erhalten diese Kinder Immunglobuline. Dieses Verfahren ist durchaus mit Komplikationen wie allergischen Reaktionen verknüpft und wird nur im Notfall gemacht. Aber es ist eben selbst den vorsorglichsten Eltern nicht immer möglich, ihr Kind vor einem Masern-Spreader zu schützen. Bliebe das Auswandern nach Skandinavien oder USA mit besseren Impfraten…

Eltern der masernkranken Kinder haben nicht nur das Recht auf Selbstbestimmung bezüglich der Impfung. Sie haben auch die Pflicht, ihre Kinder dann zuhause zu isolieren, damit keine anderen angesteckt werden – z.B. Kinder unter 15 Monaten, immungeschwächte oder Kinder die medizinische Kontraindikationen für eine Lebendimpfung haben. Aus meiner Sicht ist jedes Mal, wenn ein ansteckungsfähiges Kind in die Öffentlichkeit kommt, also Bus, Bahn, Supermarkt, Kindergarten, Sparkasse etc… ein fahrlässiges Verhalten der Erziehungsberechtigten. Steckt sich ein anderes an z.B. weil Masern-Muttis Junior in den Kindergarten kommt und mit den kleinsten spielt obwohl krank, würde ich als Mutter glatt eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung erstatten. Es wäre interessant zu wissen, was dabei rauskommt, denn letztlich kriegen die Eltern der Erkrankten Auflagen vom Gesundheitsamt. Eine Wiederzulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen ist erst ab dem 5 Tag nach dem Exanthem wieder möglich, bei Kontaktpersonen frühestens nach 14 Tagen. Heißt, dass alle anderen Kinder aus der Kindergartengruppe 14 Tage nicht in die Einrichtung dürfen sofern sie nicht geimpft sind. Da wird sich Masern-Muttis oder Masern-Papis Arbeitgeber aber freuen.

Jeder Arzt, der nur den Verdacht auf eine Masernerkrankung hat, ist verpflichtet dies dem Gesundheitsamt zu melden.

Fassen wir also zusammen: Von 1000 an Masern erkrankten Schulkindern und Jugendlichen stirbt 1 Kind, in der Regel an einer Enzephalitis oder Lungenentzündung. Von 500 Masernkranken Schulkindern und Jugendlichen kriegt 1 eine Enzephalitis. Eines von 5 Kindern mit einer Enzephalitis stirbt. Sofern die Kinder die Enzephalitis überleben, haben sie in der Regel psychiatrische oder neurologische Störungen zurückbehalten. Die Hälfte aller Kinder mit einem „Normalverlauf“ der Masern, haben Veränderungen im EEG, aus denen sich eine Epilepsie entwickeln kann wenn andere Risikofaktoren hinzukommen. 10% der Kinder kriegen Fieberkrämpfe, die sich nicht auf die Masernerkrankung beschränken müssen. Bei einem von 500000 Masernerkrankten beginnt nach 2 bis 8 Jahren die SSPE, die immer zum Tod führt. Für mindestens 6 Wochen haben alle Masern-Kinder eine Schwäche des Immunsystems, die zu weiteren Folgeinfektionen aller Art führt, unter Umständen auch mit schweren Folgen wie Tod durch Lungenentzündung.

Es gibt eine Impfung ab dem 10. Lebensmonat, Lebendimpfung, Kombination mit Mumps und Röteln, neuerdings auch Windpocken, die nach zweimaliger Impfung zu einem 99% igen Schutz gegen alle Erkrankungen führt. Es ist empfohlen Kinder vor Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung zu impfen, da Masern-Muttis überall sind. Impfviren sind nicht auf gesunde Kontaktpersonen übertragbar. Eine Testung auf Antikörper vorher und nachher macht nach derzeitigen Erkenntnissen keinen Sinn. 50% der Eltern, die behaupten, ihr Kind habe die Masern bereits gehabt und brauchen nicht geimpft werden, lügen oder liegen falsch mit ihrer Aussage. Eine bereits durchgemachte Erkrankung oder bereits erfolgte Impfung führt bei Impfung nicht zu Schäden, da die Impfviren durch die vorhandenen Antikörper sofort neutralisiert werden. Und: Es zählen nur DOKUMENTIERTE Impfungen.

Quelle: „Infektionskrankheiten“ von Suttorp, Mielke, Kiehl, Stück aus dem Georg-Thieme-Verlag und RKI-Homepage Seite zu Masern

Links:

Wikipedia

Robert-Koch-Institut (RKI)





Masern in Meck-Pomm

2 04 2008

Nee, jetzt hab ich doch gestern im Radio gehört, dass das Meck-Pomm-Gesundheitsamt meldet, dass wir seit Anfang des Jahres auch 6 Masern-Fälle bei Kindern hatten. Davon waren 5 nicht geimpft. Entschuldigung, aber wie doof muss man sein, um sein Kind nicht gegen Masern impfen zu lassen? Über andere Dinge kann man gerne diskutieren, aber nicht über solche Dinge wie Masern. Hallo, daran reift ein Kind nicht. Davon kriegt es Pneumonien, eine Otitis, eine Enzephalitis, wenns Pech hat eine SSPE, wird Epileptiker, geistig retardiert oder sonstwas. Und wer ist hinterher schuld? Die Ärzte, die eine Masern-Enzephalitis nicht richtig behandeln können… sorry, aber dagegen gibts bisher kein wirkliches Mittel, außer man probiert nacheinander testweise ein paar antivirale Substanzen aus deren Nebenwirkungen auch ganz ordentlich sein können. Und was ist mit den ganz kleinen Zwergen, die noch nicht geimpft werden können? Die sind diesen Masern-Spreadern schutzlos ausgeliefert. In den USA ist Deutschland ein Impf-Entwicklungsland was Masern angeht. Die Amis machen viel merkwürdige Dinge, aber in einem sind sie vernünftig: Wer dort in einen Kindergarten oder eine Schule will, der muss geimpft sein. Vor einigen Jahrzehnten waren die Leute froh, dass es eine Impfung gegen Masern gab. Meine Eltern haben beide die Masern durchgemacht und was sie davon erzählen, ist weiß gott nicht schön. Ich habe bereits mehrere Masern-Geschädigte (ACHTUNG: Geschädigte durch die Krankheit,  nicht durch die Impfung!) erlebt. Einer war so alt wie ich und lag vor mir krampfend im Bett und sabberte ansonsten auf dem Niveau eines 6 Monate alten Babys vor sich hin. Er musste eine Kopfschutzkappe tragen, weil er dazu neigte, selbigen immer irgendwo gegen zu schlagen. Bis zu seiner Maserninfektion war er ein völlig normales Kind. Das ist doch nichts, was man billigend in Kauf nimmt. Ich glaube, die jetzigen Impfgegner haben vergessen oder nie erlebt, was diese Krankheiten anrichten können. Sie sind sich der möglichen Folgen nicht bewußt. Vielleicht fehlt ihnen auch das Vertrauen in die normale Medizin und der glaube an WHO-Statistiken. Aber wenn man der Überzeugung ist, dass das eigene Kind gerne mal die Masern haben kann, dann müssen diejenigen dafür sorgen, dass es in der Zeit keinen Kontakt zu anderen Kindern – insbesondere Kindern unter 15 Monaten – hat, denn das finde ich eine grob fahrlässige Körperverletzung am anderen Kind und falls die Eltern des anderen Kindes pro-Impfung-gegen-Erkrankung sind hat auch Masern-Mutti nicht das Recht fahrlässig dafür zu sorgen, dass dieses Kind die Masern bekommt – denn damit greift sie auch in das Selbstbestimmungsrecht der Impfwilligen mit Kindern unter 15 Monaten ein. Und gerade dieses Selbstbestimmungsrecht war ihr ja wichtig um sich gegen die Impfung zu entscheiden. (zu kompliziert?) Und wenn jemand der Überzeugung ist, Masern dürfen das eigene Kind befallen, dann sollten sich diejenigen auch voll der Folgeerkrankungen bewußt sein, auch der möglichen Spätfolgen bei eigentlich unkompliziert abgelaufenden Erkrankungen. Naja, was sich daran anschließt, ist wohl dem eigenen Kind später zu erklären, warum man gegen eine Impfung mit weniger Nebenwirkungen als Komplikationen durch die Erkrankung war und warum der Sprößling halt ein paar mehr Problemchen beim Lernen hat wo doch die Enzephalititis nur 3 Wochen gedauert hat und die jahrelange Sonderförderung immer von der Steuer abgesetzt werden konnte. Es hat eben alles zwei Seiten. Man muss z.B. auch keine Blutdrucktabletten nehmen wenn man nicht will. Aber dann sollte man auch so cool sein, dass man bei der hypertensiven Herzerkrankung mit Herzinsuffizienz und erfüllten MADIT-2-Kriterien auf einen implantierbaren Defi für den Preis eines Kleinwagens verzichtet.

Guckst du auch bei Kinderdok:

http://kinderdok.myblog.de/kinderdok/art/252224852/die_schweizer_waren_s





Dr. House – wer mit wem?

2 04 2008

Na, gestern auch wieder Dr. House gesehen? Vom Fall her mal was originelles. Daddy will für seine neue Geliebte toll sein und schmiert sich über und über mit Testosteron-Creme ein und am Ende kriegen seine Kiddys die Folgen zu spüren. Viagra geht doch einfacher und komplikationsloser. Zumindest wäre es für seine Kinder besser gewesen.

 So, Chase ist in Cameron verknallt. Aber Cameron sagt, sie will nichts von Chase. Kann es sein, dass sie nur verdrängt? Frauen und „Nur-Sex-Beziehungen“ das geht doch irgendwie nicht, wir wollen immer das etwas Gefühl dabei ist. Sag ich jedenfalls. Ich sage auch, Cameron kann es emotional nicht zu lassen, sich an einen Typen wie Chase zu binden, weil sie den eigenen Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen hat, um mal eine Beziehung anzunehmen ohne sich um denjenigen dann auch pflegerisch zu bemühen. Na, da sind wir doch alle mal gespannt, ob Chase es schafft ihr Herz zu erobern.

Und wie war das doch gleich mit Wilson und Cuddy? Ich hatte schon öfter das Gefühl, da könnte was sein. Wilson geht mit ihr ins Theater. House hat sich einen Spaß gemacht und Wilson Blumen in Cuddys Namen geschickt. Ich fand ja Wilson klasse, wie er nachher House veralbert hat und kurz so tat, als sei er in Cuddy verliebt. Und wie er zu House meinte, er geht jetzt in ihr Büro und küsst sie. Herrlich. Schade eigentlich, dass er das nur gespielt hat. Also ich glaube, die beiden haben was füreinander übrig. Tja, aber wenn man mich fragt… ich tippe ja darauf, dass House in Cuddy verschossen ist. Er beobachtet, mit wem sie ausgeht, ist permanent in ihrer Nähe sobald ein anderer auftaucht, er will wissen wie weit Wilson gehen würde bzw. ob der was will und weil er sich nicht sicher ist, lässt er Testballons steigen.

Hej, was meint ihr?

Und wehe es sagt mir jemand, wie es weitergeht in den nächsten Folgen oder Staffel 4…  





Alt, aber gut

27 03 2008

Was sind zwei Chirurgen vor einem EKG? – Eine Doppelblindstudie.

EKG für Chirurgen:

Zacken nach oben – alles klar.

Zacken nach unten – Internisten fragen. Anschließend EKG umdrehen und zwar so, dass die Buchstaben und Zahlen in der Kopfzeile richtig rum sind.

Keine Zacken – gerade erst passiert: Anästhesisten holen.

Keine Zacken – schon länger da: Totenschein.
Ich sags ja: Alt, aber gut. 🙂