Alt, aber gut

27 03 2008

Was sind zwei Chirurgen vor einem EKG? – Eine Doppelblindstudie.

EKG für Chirurgen:

Zacken nach oben – alles klar.

Zacken nach unten – Internisten fragen. Anschließend EKG umdrehen und zwar so, dass die Buchstaben und Zahlen in der Kopfzeile richtig rum sind.

Keine Zacken – gerade erst passiert: Anästhesisten holen.

Keine Zacken – schon länger da: Totenschein.
Ich sags ja: Alt, aber gut. 🙂





Wie erklär ichs meinen Studenten?

27 03 2008

Das Ding mit den Chirurgen und Internisten… wie erklärt man das einem Ahnungslosen, also seinen Studenten?

 … 

„Also nochmal, Chirurgen wollen Helden sein. Sie schneiden in alles rein. Pragmatiker. Diagnostik schei… egal, Hauptsache schneiden. Eben Helden sein. Wie bei Grey’s Anatomy. Internisten sind eher die Denker, sie überlegen, sie wägen ab, die defensiven Typen. Nicht die Looser. Sie sind also die richtigen Ärzte.“

„Hä? Naja, letztlich überlassen doch die Internisten den Chirurgen immer zu entscheiden, wann sie wo reinschneiden. Das traut sich doch kein Internist zu entscheiden.“

„Dafür kann ich EKGs lesen.“ *allgemeines kichern* „Es ist auch nicht die Aufgabe des Internisten zu entscheiden, wann ein Chirurg irgendwo reinschneidet. Das muss der schon alleine machen, denn er ist ja derjenige, der schneidet. Irgendwas muss er ja auch noch selbst machen.“

„Du magst keine Chirurgen, oder?“

„Doch schon. Man kann sich manchmal über sie amüsieren. Naja, und sie haben schönere Hintern als die meisten Internisten. Nur das mit dem Reden… Also es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun…“





Dr. Haus‘ und seine Fälle

25 03 2008

Ab sofort können reale Dr. House-Docs richtig reale Fälle vorstellen, diskutieren oder ungelöste Fälle online beratschlagen, um auf neue Ideen zu kommen oder auch mal Beinahe-Crashs vorstellen, aus denen man lernen kann. Angeregt von diesem Blog und zahlreichen House-Fans unter Ärzten hat klinikdirekt mal was neues probiert. Ihr seid alle aufgefordert da mitzumachen – Famulanten, PJs, Docs, Retter,… Moderiert wird das ganze von einem Profi, einem echten (anonymen) Doc mit FA-Titel.

 http://www.klinikdirekt.de/blog/





Morbus Alltagsfrust

18 03 2008

Ein Gedicht.

die tägliche unkollegialität

minuten vor dienstschluss patientenzugänge

fehlende informationen

gleichgültigkeit, ihr könnt bleiben

aber ich geh nach hause

mein feierabend sind eure überstunden

was geht ihr mich an

wir sehen uns wieder. bestimmt.

fragende angehörige, täglich

lange gespräche, täglich

immer die selben, keine neuigkeiten,

meine zeit rinnt davon, doch ich bin nett,

es warten andere, krankere patienten,

fehlendes gespür, fehltritte, überschreiten von grenzen,

räumlichen und benimm-grenzen,

auch krankenhäuser sind orte von höflichkeit und datenschutz,

ärzte sind kein eigentum,

die die leise sind sind wirklich krank,

die die reden, aufhalten, fordern, laut werden,

die sind es in der regel nicht.

trag sorge, dass du die leisen töne hörst,

die lauten musst du abwimmeln,

denn sonst kommen die leisen zu kurz,

aber die brauchen dich mehr.

angehörige, die denken sie müssen täglich fragen

auch wenn der arzt in der visite tausendmal mit patienten spricht,

er nimmt sie ernst, andere nicht,

sie sind nicht entmündigt, verstehen, begreifen,

können für sich selbst sprechen,

dann entmündigt sie nicht,

lasst sie nicht hilflosigkeit erlernen,

stuft sie nicht auf kindliche handlungsweisen zurück,

auch das ist respekt vor dem kranken,

respekt, den angehörige zeigen müssen.

sie werfen einen ins kalte wasser

aber helfen tut keiner,

sie kontrollieren und kritisieren,

aber anleitung fehlt.

wie soll man lernen, bilden, reifen,

wenn keiner einen begleitet,

führungsstil heißt

nur treten ist schöner als buckeln.

sie peitschen dich auf, treiben dich an,

keine müh ist je genug

sie geben dir das gefühl nichts wert zu sein

du wirst niemals ein held wie sie

nichts was du tust ist was wert

worte der anerkennung gibt es hier nie

kritik ist etwas dass dir nicht zusteht

benutzt du sie doch

sie werden dich zerbrechen

wir gingen wie immer durch dieses haus 

der schock saß tief

den tränen nah

kaum begreifend was wir sahen

da lag der Arzt, intubiert, beatmet,

warum nur tat er das?

er machte karriere, hatte alles erreicht,

war jung, war hübsch,

so reich?

so arm?

war es leere

war es last

war es druck

war es angst

niemand wird je die antwort kennen

denn seine letzten worte

wollten sie nicht hören

legten schleier über alles gesagte

seid still, die wahrheit ist nicht gefragt

doch wer es vermag seine seele zu sehn

trotz schläuchen und piepsen der geräte

der wird es verstehn

der wird erkennen

warum er einfach nur wollte gehn…





Mikrokosmos OP

17 03 2008

Den beiden Beiträgen von Hypnosekröte gibt es nichts mehr hinzuzufügen… außer 🙂

http://www.hypnose-kroete.de/?p=64#more-64

http://www.hypnose-kroete.de/?p=63





Wie macht man sich einen Ärztemangel?

24 02 2008

Diese Frage bräuchte ein Buch, um sie ausreichend zu beantworten. So viel Zeit haben wir aber nicht. Daher hier nur mal ein Beispiel, wie es funktioniert.

Man nehme schlechte Vergütungen für niedergelassene Ärzte, teure Therapien nach Leitlinien, eine immer älter werdende Bevölkerung mit immer mehr Krankheiten und fertig ist schon mal der Grundteig für den Ärztemangel.

In einem mittelgroßen Ort hat eine neue Augenarztpraxis aufgemacht. Die Leute standen 3 Stunden vor Praxisöffnung in Dreierreihen auf der Straße an, um überhaupt einen Termin zu kriegen. Warum? Nein, es handelt sich nicht um einen namhaften hochdotierten Spezialisten. Nein, wir sind auch nicht in Afrika. Nein, auch nicht in einem Ort wo nur Augenkranke und Blinde leben.

Es handelt sich um Aschersleben in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es keinen Augenarzt mehr, der Kassenpatienten behandelt. Nur eine Praxis, die aus wirtschaftlichen Gründen (um nicht pleite zu gehen!) nur noch Privatpatienten rannehmen oder Kassenpatienten die zuzahlen. Und liebe Leute: Das ist nur der Anfang. So wird es sich von Fachrichtung zu Fachrichtung bewegen und vom Osten auch in den Westen kommen (dort halt nur etwas später). Irgendwann haben wir dann Verhältnisse wie in Entwicklungsländern: Die Leute zahlen teure KV-Gebühren, kriegen aber keine Leistungen sondern müssen selbst zahlen und stehen vor den Praxen wenn ein neuer Arzt in die Stadt kommt. Afrika lässt grüßen?

Hier mal zwei Links zum Thema „Augenarzt in Aschersleben“ aus Tageszeitung und Med. Tribune:

http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/sachsen_anhalt/?em_cnt=730532&sid=9d7441b22a8ac6cdf32ee5e10a2ddc49

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/22114/

Besonders krass finde ich, dass der Kollege nach begleichen aller Rechnungen nur noch etwa 1000,- Euro übrig hat für sich selbst und seine Sprechstundenhilfen auf 400,- Euro -Basis anstellen muss, weil er ihnen nicht mehr bezahlen kann. Da fragt man sich, wofür er das Risiko auf sich nimmt, in Privatinsolvenz gehen zu müssen, wenn er mit der Praxis pleite geht? Und wieso er trotz sparsamen wirtschaftens nur so wenig Geld übrig behält, wenn die Terminbücher innerhalb kurzer Zeit über 6 Monate ausgebucht waren? An mangelnden Patienten liegt das weiß Gott nicht, denn er arbeitet ohne Pause durch, um überhaupt alle Patienten drannehmen zu können. Eher an der Vergütung pro Leistung. Was mal wieder zeigt, dass in unserem Gesundheitssystem irgendwas nicht stimmt, liebe Ulla Schmidt.





Was macht eine Ärztin / ein Arzt so den lieben langen Tag?

7 02 2008

Morgens in hunderten deutscher Kliniken… die Dämmerung graut, den Kollegen grauts auch, und den PJlern erst. Man eh, schon wieder einer dieser normalen Tage. Was fängt man da als Ärztin /Arzt nur mit seiner Zeit an? Das Briefe schreiben, Patienten aufnehmen, Interventionen durchführen, Visite, Funktionsdiagnostik… all das kann einen doch so gar nicht auslasten, wenn die Kollegen schon mit dem meisten davon befasst sind… Wer viel Zeit hat, sucht sich Alternativen. 

Vor der Frühbesprechung: Über den Kollegen herziehen, der Dienst hatte, was der denn nun schon wieder alles falsch gemacht hätte.

In der Frühbesprechung: Tuscheln über die Schwangere. Ab und an mal zuhören, was gesagt wird.

Nach der Frühbesprechung: Herziehen über die kranke Kollegin „Na wo die denn schon wieder ist, krank natürlich.“ Anfangen zu sabbern vor Begeisterung.

Vor der Visite: Weiteres Herziehen über die kranke Kollegin. Vergessen der eigenen seltsamen Dienstabrechnung bei der einige Dinge einfach nicht auftauchten. Beginn der üblen Nachrede über die Sekretärin. Der Schaum tritt vor.

In der Visite: Mobben einer nichtanwesenden Schwester. Die ist so schrecklich, so böse, so unfair, die sagt einfach mal die Wahrheit zwischendurch und lacht nicht über die Witze und macht schon gar nicht mit, wenn man über andere herzieht. Böse diese Schwester, böse, böse.

Nach der Visite: Fortsetzen des Herziehens über die Sekretärin.

Vor dem Mittag: Gerücht in die Welt setzen, einer der ehemaligen PJler sei schwul, das sehe man doch an den Haaren, dem Ohrring und wie er rumläuft. Eh und der duscht jeden Tag. Der muss einfach schwul sein. Vergessen, dass man selbigem beim Umziehen im Arztzimmer (ja, diese Zeiten sind noch längst nicht vorbei) immer in die wertvollsten Regionen starrte. (Andersrum gehts auch – Gerücht in die Welt setzen, dass die PJlerin mit dem Oberarzt… dieses Flittchen… also nee… und dabei vergessen, dass man ihr beim Umziehen im Arztzimmer JLo-Vergleichsnoten gegeben hat und die Hose enger wurde.)

Beim Mittag: Über die nicht anwesenden Kollegen tratschen. Anwesende über deren Meinung zu diversen Vorgesetzten aushorchen und sie zu Statements peitschen. Wer weiß, vielleicht kann man da noch mal was von gebrauchen. Naja, und wenn nicht, dann wird halt was erfunden. Das Leben kann so einfach sein.

Nach dem Mittag: Boah eh, erstmal ne Pause. Nachzählen der verbrauchten Wörter. 15000 darf man ja als Frau. Gott sei Dank, noch nicht alle benutzt. Dann kanns ja weitergehen.

Schichtwechsel bei den Schwestern: Man, wie gut dass die Frühschicht weg ist. Jetzt kann man erstmal ordentlich mit der Spätschicht auswerten, was die sich alles geleistet haben. Erneutes Herziehen über eine kranke Kollegin und die Schwangere, die überall Extrawürste gebraten kriegt und ja nur schwanger geworden ist, um keine Dienste mehr machen zu müssen. Während die Kollegen auf Station wie die Duracell-Häschen rackern, ist noch etwas Zeit beim 3. oder 4. Käffchen über die Sekretärin ein paar Sachen loszuwerden. Sabber tritt vor den Klatschbasenmund. Jetzt ist man kurz vor dem Gerüchte-Orgasmus. Wer hätte gedacht, dass das heute noch so ein schöner Tag wird. Uff, bei der Zigarette danach kann man sich dann gleich mal über die Kollegen der ITS informieren, denn das schöne is ja: Man trifft auch mal auf Gleichgesinnte.

3 Minuten nach Dienstschluss: Boah, war das heute ein anstrengender Tag. Soviel gearbeitet. Eh also wirklich. Überstunden sind heute nicht drin. Nee, das macht ihr mal alle fertig. Jetzt ist Feierabend. Und tschüss.

Und täglich grüßt das Murmeltier an jeder deutschen Klinik. Ein blökendes Schaf gibts immer.





Das Konsil

6 02 2008

Die offizielle Version entnehme man der Wikipedia-Enzyklopädie:

„Als Konsil (sächlich) bezeichnet man in der Medizin die patientenbezogene Beratung eines Arztes durch einen anderen ärztlichen Kollegen, meist einen Facharzt.“

Die Wahrheit ist in Wahrheit… nun ja, wie die Wahrheit nun mal ist.

Ein Konsil wird immer dann angefordert, wenn ein Arzt nicht weiter weiß. Also zum Beispiel wenn der Internist feststellt, er hat von Ohren nicht so viel Ahnung, dann holt er einen HNO-Arzt. Wenn der Gynäkologe feststellt, er hat von Dermatologie keinen Schimmer, holt er den Dermatologen. Wenn der Neurologe feststellt, er hat keine Ahnung vom Wasserlassen, holt er den Urologen.

Und wenn der Chirurg feststellt, der Patient hat irgendwas, aber man kann nicht reinschneiden, dann holt er… erstmal den Internisten… egal was es ist. Ähnlich wie der Tarzanschrei tönt es dann „Das ist nichts chirurgisches. Das ist für den Internisten.“ Wie gesagt, egal was es ist. Hauptsache, da guckt erstmal ein Arzt rauf. Also jemand, der von Medizin mal was gehört hat. Wenn Tarzan dann geschrien hat, vergisst er in der Regel, seinen Schrei auch schriftlich zu fixieren. Blätter und Kulis gabs halt im Dschungel sonst nicht. Da hat Dschungelkönig Ross noch mit einem selbstgeschnitzten Bleistift auf Packpapier gekritzelt.

Das merkwürdige an Tarzanschreien ist, dass sie häufig erst dann ertönen, wenn schon Dienstschluss war und der konsiliarisch unterwegs-seiende Oberarzt das Haus gen Heimat verlassen hat. Die Erklärung dafür ist eigentlich ganz einfach. Da die Tarzans den ganzen Tag im OP von Skalpell zu Schere schwingen, gucken in der Regel die PJler die Patienten an, oder auch mal gar keiner. Wenn dann das erste mal jemand auf Station kommt, der von Medizin was gehört hat, nämlich der Anästhesist, dann fällt dem beim Prämed (= prämedizieren) auf, dass der Patient pfeift wie eine Dampflok, dicke Beine hat wie ein Nilpferd oder eine nicht existente Gerinnung hat. Logische Konsequenz: runter vom OP-Plan. Nächste logische Konsequenz: Da jemand weg ist, der von Medizin was versteht, muss ein anderer her, der das kann. Es folgt der Tarzanschrei. Also kommen tausende internistische Assistenten während eines Dienstes in den Genuss, chirurgische Patienten zu anamnestizieren und zu untersuchen, neben sich einen extrem verwunderten Chirurgen stehend, der staunt, was man so alles machen kann, wenn man zum Äußersten schreitet und Patientenkontakt sucht. Das mit dem Chirurgen der daneben steht, ist eher eine Seltenheit. Meistens steht der Chirurg im OP neben sich. Der internistische Assistenzarzt stellt dann eine Verdachtsdiagnose und fängt an, den Patienten zu behandeln und Diagnostik anzuordnen oder er sagt dem Chirurgen per Telefon (denn der steht ja meist im OP), welchen anderen Konsiliarius er denn bestellen soll. Das alles hält er in umfangreichen Aufzeichnungen auf einem DIN-a4 großen Stück Papier fest: Dem Konsilschein. Dieser wird dann des Nachts auf einen Schrein im chirurgischen Schwesternzimmer gelegt und die Gebote von den chirurgischen Schwestern umgesetzt. Kommt Tarzan dann zurück in den Dschungel, dann hat Jane schon alles erledigt.

Wer dann am nächsten Morgen heimlich einen chirurgischen Morgenkreis belauscht, wird feststellen, dass Tarzan heldenhaft die Lianen geschwungen hat und den Diagnoseschatz gefunden hat. Vom internistischen Dorftrottel ist dann nicht mehr die Rede.

Anders rum gehts auch. Tarzan kommt ins Dorf der Internisten. Dort fragen die Chirurgen erstmal „Wer hat denn den Konsilschein ausgefüllt?“ Ich suche immer noch nach der Antwort, warum das denn relevant ist. Wenn sie dann beim Patienten waren, gibt es zwei Varianten. Variante 1 „Das ist nichts chirurgisches.“. Variante 2 „Das muss ich erstmal mit dem Oberarzt besprechen. Ich melde mich.“ „Wann?“ „Sie werden von mir hören.“ In der Regel schreiben sie auch einen Text auf. Dieser wird von den internistischen Schwestern nicht auf einen Schrein gelegt sondern in die Ablage. Kommt der Internist vorbei, wird erstmal gemeinsam versucht, die Hiroglyphen zu entziffern. Manchmal kommen da auch Übersetzer aus Ägypten oder Archäologen zum Einsatz. Bei Variante 2 obliegt es einem internistischen Assistenten in den nächsten Tagen, dem Pilgerweg zu folgen, um an den heiligen Ort der Chirurgen zu gelangen und den zu finden, der die Botschaft verkündet. Andere Fachrichtungen sind da anders. Konsil durchführen, aufschreiben, drei nette Worte sagen und Tschüss. Einfach, pragmatisch, effizient.

Aber es gibt auch nette Chirurgen. Wirklich. Ich kenne sogar einige davon. Die sind nicht wie Tarzan. Naja, nur manchmal. Aber die haben tatsächlich schonmal was von Medizin gehört, erkennen ein Lungenödem und wissen wie man ein EKG richtig rum hält. Aber ich glaube, ich habe einfach nur Glück, dass ich nette Chirurgen kenne. Und manchmal freue ich mich sogar, wenn man mit diesen netten ein wenig herumschäkern kann im Dienst, auch wenn der Tarzan in jedem von ihnen steckt.





Wie bewege ich mich unter leitenden Ärzten?

31 01 2008

Nach der überaus erfolgreichen Patientenratgeber-Mini-Serie in diesem Blog, wollen wir uns nun den motivierten Jung-Ärzten zuwenden, die eine Karriere in der leitenden Ebene der Weißkittelhierarchie anstreben. Das Wichtigste sind die Verhaltensregeln dieses Standes. Also wie man trendy, „in“ oder was auch immer ist… wie man kurz gesagt ein gewisses Understatement repräsentiert.

Hier ein Crash-Kurs:

  • Die Kleidung. Immer zivil tragen und nur einen Kittel drüber ziehen. Egal wie saumäßig die Schlammschlacht an was auch immer abläuft, die Kleidung eines OA oder CA wird nie, ich betone NIE schmutzig, egal welche mistigen Wunden er mit einem Liter NaCl spült oder in was auch immer er mit einer 10 cm langen Nadel hineinbohrt.
  • Das Klinikhandy. Ein Piepser ist für das Fußvolk. Die leitenden tragen ein Handy der Klinik bei sich. Alles andere wäre  nicht standesgemäß. Aber wichtig ist, dass es auch immer klingelt. In jedem Meeting, jeder Stationsbesprechung, jedem Gespräch mit wem auch immer, in der Visite, in Weiterbildungen bei denen andere Vorträge halten. Nichts kommt so gut vor Patienten, wie „Ja, ich bin hier in der Visite. Geht es später oder ist es wichtig? Jaja, ich verstehe… Herr XY, entschuldigen Sie bitte, wir kommen gleich nochmal rein.“ und das anschließende Verlassen der Visite mit dem halbnackten Patienten an dem gerade Demonstrationsunterricht für die PJs abläuft. Hier begreift auch der Patient mit einem MMST-Wert unter 12, wer das Sagen hat.
  • Das Auto. Alles was unterhalb der oberen Mittelklasse ist, gehört nicht auf den Parkplatz. Außer es ist der Leihwagen des Autohauses, auf dem groß der Name des Herstellers prangt. Japaner sowieso nicht, erst recht keine Koreaner. Für die Geschiedenen kommen eigentlich nur Sportwagen in Frage, um gewissen Körperteilen prothetisch zu helfen, denn bei OA oder CA über 45 ist die Gruppe der U25 weiblich eher schwer kontaktfreudig, sofern dieser nicht den Kittel anhat, auf dem CHEFARZT oder OBERARZT steht. Für die Verheirateten sind derzeit die Geländewagen angesagt. Verheiratet mit Kindern und noch kein Wort von Scheidung fährt Kombi, mit Stern oder aus Bayern, die ärmeren aus Schweden (das klassische Oberlehrerauto nannte man es früher) oder alternativ einen familientauglichen Großgeländewagen a’la Seal und Heidi. Naja, dass man 5 Jahre Raten zahlt oder einen günstigen Leasing-Vertrag hat, braucht ja keiner zu wissen…
  • Die Unterkunft. Standesgemäß in bester Innenstadt- oder VIP-Viertel-Lage. Auf jeden Fall mit eigenem Stellplatz. Am besten eigenes Haus. Nicht zu klein. Aber pssst… Mieten geht auch, vor allem weiß man in den oberen Regionen ja nie so genau, wie lange man tatsächlich an einem Ort bleibt oder bleiben will…
  • Die Körperhaltung als Zuhörer auf einem Kongress. Definitiv ist das Beine übereinanderschlagen und das Kopf in die Hand stützen bei gespreitzter Daumen und Zeigefinger-Haltung standesgemäß. Es wirkt jederzeit akademisch, aristokratisch und zeugt von Kultierviertheit.
  • Der Stift. Auf keinen Fall ein simpler Kuli eines Pharmareferenten. Die sind für die Kinder und die Assistenzärzte. Wer wirklich was auf sich hält schreibt mit dem Füllfederhalter. Empfehlenswert sind die mit einer Drehkappe. Ansonsten gilt Punkt 1: Die OA- oder CA-Kleidung wird nie schmutzig.
  • Die Kindererziehung. Die eigenen Kinder einfach zum Fußball gehen zu lassen, also das geht schonmal gar nicht. Ein OA oder CA-Kind muss das gewisse Understatement lernen und das geht nur beim Tennis, Golf, Segeln, Ballett und / oder Klavierunterricht. Das wahre Leben wäre für so zarte Seelen eine zu harte Belastungsprobe. „Und Mutti zwingt Euch auch nicht dazu, oder?“ (sag jetzt ja nicht ja, sonst wirst du enterbt oder kommst aufs Internat zu den katholischen Schwestern…)
  • Die Namensgebung für den Nachwuchs. Vor einigen Jahren galt es in OA- und CA-Kreisen als angemessen, ausgefallene Namen für den Nachwuchs zu wählen. Seitdem aber jemand publiziert hat, dass ausgefallene Namen häufiger bei karrieremäßigen Überfliegern zu finden sind (ob das wohl eher was mit elterlicher Hilfe und Ausbildungsstand zu tun hat als mit Muttis Namenswahl?), seitdem hat sich die Zahl von Schantall, Shanize, Leon, Lara-Marie, Michelle, Auwen, Aragorn, Fynn, Noah, Aaron, Luca, Elias, Nele, Lili, Emily, Justin, Thore  etc. rasant erhöht, weil auch sehr einfache Menschen wollen, dass der Name bei ihrem Kind macht, dass es erfolgreich wird. Inzwischen ist man in den CA- und OA-Kreisen dazu übergegangen, sich der Mehrheit anzuschließen und Teil der deutschen Ranglisten zu sein oder aber einfach die alten deutschen Vornamen zu wählen. Wichtig ist, dass der 2. Vorname so ist wie der des Großvaters, damit die akademische Geschichte der Familie jedem unter die Nase gerieben werden kann, sobald die Frage nach der Namenswahl für den Sprößling kommt. Auf Verirrungen wie Angelina Julie Schmidt wird man in diesen Kreisen eher nicht stoßen.
  • Kultur. Man geht selten ins Kino, erzählt allen, man habe keine Zeit zum Fernsehen und trifft sich mit der High Society des gewählten Wohn oder Arbeitsortes im Theater. Dort hält man eisern durch, egal wie grottenschlecht die unterbezahlten Schauspieler sind oder wie neuzeitlich auch immer die Faust-Inszenierung sein mag. Es geht nicht um das sehen, sondern um das Gesehenwerden. Sekunderär Gewinn ist dabei die Tatsache, dass man in der nächsten Visite alle damit unterhalten kann, wie gut / schlecht  die Vorstellung war und wen man dort gesehen hat.

Das war jetzt sicherlich nicht vollständig, aber eben auch nur ein Crash-Kurs. Wer also in die höheren akademischen Sphären will, der sollte sich beizeiten informieren, wie er zu diesem gewissen Understatement kommt. Von Vorteil ist es dabei, von Beruf einfach Sohn eines Chefarztes zu sein. Der Rest ergibt sich von allein.

Auf Fragen wie „Wie halte ich als Oberarzt das Besteck im Restaurant?“ „Darf ich als Oberarzt auf Behindertenparkplätzen parken?“ „Kriegt man immer die besten Plätze im Kino / Restaurant / Theater, wenn man im Kittel kommt?“ gehe ich auf Wunsch gerne ein anderes Mal ein.





Berufliche Alternativen für Ärzte, die keine Ärzte mehr sein wollen oder Medizinstudenten, die keine Ärzte mehr werden wollen

28 01 2008

Töpfer*

Filmregisseur oder Filmproduzent*

Drehbuchautor*

Opernsängerin*

Musiker*

IT-Mensch in der Systemadministration

Auswanderer

Dr.Bob im Dschungelcamp

Tagesschau-Sprecherin*

Gesundheitssendungs-Moderator*

Comedian*

Buchautor*

Politiker*

Verwaltungsdirektor im Krankenhaus

LKW-Fahrer*

Tauchlehrer

Taxifahrer

Schauspieler**

Tulpenzüchter in Holland***

Weitere Vorschläge?

* gibts wirklich, kann ich durch Beispiele / Namen belegen

** Vorschlag von F.

*** Vorschlag von M.M.