Suchmaschinen-Schätzchen

21 06 2013

Nach langer Zeit mal wieder ein Best-of-Suchbegriffe, die auf dieses Blog führten.

„witz chirurg 100 €“
Der ging so ungefähr: Wo versteckt man einen 100€ Schein am besten vor einem Chirurgen? Im Lehrbuch. Und vor einem Internisten? Unterm Verband.

„baby mit ins krankenhaus besuch nehmen“
Lieber nicht, außer ist ist eine präpartale oder Entbindungsstation. Alles andere ist verkeimt, es liegen Leute mit septischen Wunden herum, laufen Menschen mit Infektionskrankheiten aus Iso-Zimmern herum, weil wir ein freies Land sind und niemanden einsperren dürfen und die kleinen Schnuckels haben noch nicht das krankenhausgeeignete Immunsystem…

„wenn ich gucken haben die fragen zu prüfung“
das muss man mir näher erläutern

„keine lust mehr auf dr. arbeit“
Oh man, das kann ich voll verstehen. Hast drei Möglichkeiten: 1. Durchhalten (ist schwierig, langwierig und energiezehrend, aber am Ende ist es schön, glaub mir), 2. hinschmeißen und was neues suchen (hmmm, kommt drauf an, wie das Thema ist und wie weit man ist) oder 3. komplett hinschmeißen und ohne Titel leben (geht auch, stört heute keinen mehr)

„abschiedsgeschenk für station“
Nur bei Rotationsabschied – Kaffee und Kuchen oder sowas. Für immer, da würd ich was bleibendes hinterlassen, wenn man dort gerne war, Kaffeemaschine, Bilder, Kunst, Bücher, irgend so etwas. Wenn man nicht gerne dort war und gegangen wurde, dann würd ich Packung Kaffee und Kuchen anstandshalber vorschlagen, wie bei Rotation

„wie sind chirurgen“
kommt drauf an… also sie haben oft ne große Klappe, manche aber auch nicht. Oft sind sie sportlich, manche von den sportlichen merken aber auch nicht, wenn sie sich dabei lächerlich machen (hautenge Radler, die nichts, aber auch gar nichts verbergen, sind je nach Körperbau auch mal kontraindiziert). Manche Chirurgen sind echt gut bei der Arbeit, wissen das, aber sagen es nicht jedem. Andere sagen jedem, ob er es hören will oder nicht, wie toll sie sind, aber es stimmt nicht. Das sind dann die, die der Zunft den Ruf der selbstüberschätzenden Fraktion einbrachten. Einige Chirurgen sind der inneren Überzeugung, dass es für das Fortbestehen der Menschheit evolutionär wichtig ist, sein genetisches Material möglichst weiträumig zu verbreiten. Das sind die, die dafür gesorgt haben, dass Serien wie Greys Anatomy nie der Stoff ausging bzw. die Figuren den Stoff öfter mal auszogen. Sowas bleibt halt hängen… Oft ist bei den Chirurgen zu erleben, wie sie immer wieder brummeln: Ich muss jetzt was operieren, ich platze gleich. Offenbar wirken OPs auf Chirurgen entspannend. Wenn Probleme auftauchen, egal welche, dann kommt oft der Satz zur Schwester „Ruf den Internisten an und wenn der sagt, es ist nichts für ihn, dann die Anästhesie und wenn die ihn auch nicht haben wollen, muss ich überlegen.“. Dann gibts noch seltene Exemplare, die weder an Selbstüberschätzung leiden noch handwerklich defizitär sind UND gut aussehen, wir reden jetzt von knackigem Popo, gestählten Muskeln… Das sind diejenigen, denen die Internistinnen gerne hinterher gucken, ja manchmal auch schmachtend. Leider meist schon alle vergeben. Die Chirurgen, die den Satz jetzt gelesen haben und glauben, sie sind gemeint, leiden an Selbstüberschätzung. Euch gucken wir nur hinterher, schmachten aber nicht. Wir gucken schließlich auch den Krankentransportfahrern (durchtrainiert), Pizzaboten (unschuldige Jungs von nebenan), Handwerkern (ist das der aus der Werbung?) und anderen Fachdisziplinen im passenden Alter hinterher. Aber das nur nebenbei. Wie man sieht, sind Chirurgen durchaus vielgestaltig und manche sind total nett und kollegial, ja zum Teil echt knuffig. Aber es gibt für eine Internistin nichts schöneres, als wenn ihr mal wieder so ein echter Prototyp eines Chirurgen über den Weg läuft, wo man sich mal so richtig amüsieren kann, das ist so richtig was fürs Herz. Hmmm… übrigens gibts auch Chirurginnen, aber wieso wurde nicht nach denen gefragt? Das lässt sich kurz zusammenfassen: Toughe Frauen, die es schaffen, in einer Männerwelt zu überleben, meist viel fleißiger sein müssen und leidensfähiger, denn man machts ihnen oft nicht leicht, oft sehr ruhig und überlegt und trotz Chirurgie sind sie nett zu Internisten, meine persönlichen Erfahrungen sind bis auf 2 Fälle so geartet.

„gewalttätige patienten anzeigen?“
Einzelfallentscheidung.
Wenn zurechnungsfähig und um Schadensersatzansprüche zu wahren und der Klinik mal klar zu machen, dass Personal ein schützenswertes Gut ist: Ja.
Demenz und kann nichts dafür: nein.

„nackt unterm kleid zum arzt“
bitte nur für’s Rollenspiel mit gewissen Absichten, ansonsten peinlich und beim Personal extrem unbeliebt. Und kein Arzt wird so eine Patientin alleine untersuchen, es wird immer eine weibliche Person anwesend sein und dazugeholt, wenn ein Kollege den Eindruck hat, es läuft in die falsche Richtung oder bestimmte Untersuchungen erforderlich sind.

„manuela kommt nie zum klassentreffen“
Jepp, dann akzeptier es mal!

„lustige ekgs“
sag bescheid, wir wollen wissen, wo du was gefunden hast

„kann mein frauenarzt mich nicht leiden?“
im Zweifel immer wechseln, wir haben freie Arztwahl

„cooler spruch vor der narkose“
Hmmm, wie wär’s mit „Schlaf schön, Dornröschen. Mein Enkel kommt später in den Aufwachraum.“

„vogelgezwitscher morgens halb vier“
Ist das nicht wunderschön!!!

„warum trägt der neurologe einen weißen kittel“
Weils ihm gefällt oder es in der Kleiderordnung steht. Und weil schwarze Kittel sehr angsteinflößend wirken, pinkfarbene nur am CSD erlaubt sind und Batik nur bei den Naturheilverfahren erlaubt ist 😉

Das wars mit den Best of für heute…





Na klar, ich mach’s

5 12 2011

So, Samstag hat der Thomas nun seinen Abschied gefeiert. Eine Wetten dass..??-Sendung, wie man sie sich eigentlich gewünscht und erwartet hat. Nette Wetten, ein paar Leute die ihre neuesten Werke vorstellen, internationale Musik und die üblichen ahnungslosen Ami-Showgrößen. Alles in allem ein unterhaltsamer entspannender Samstagabend. Hat euch auch das Gefühl beschlichen, dass der Thomas Gottschalk in den Sendungen nachdem er seinen Rücktritt erklärt hat, irgendwie lockerer und amüsanter war als vorher? Davor fand ich wirkte es zunehmend verkrampft und man merkte es auch an der Quote (wobei ich die insgesamt nie so schlecht fand, wie sie zeitweise geredet wurde)… Ist halt alles nicht so einfach und über die Jahre gabs ja immer mal Flauten und dann wieder bessere Sendungen. Schade, nun ist Wetten dass..?? wohl erstmal nicht mehr das alte. 

In den letzten Wochen war es ja hammermäßig „in“ öffentlich auszuposaunen, dass man Wetten dass..?? nicht übernehmen will – egal ob man gefragt wurde wie Pilawa und Kerkeling oder eben auch nicht wie Frau Schöneberger oder noch etliche andere. Wer angesagt sein wollte, meldete sich mindestens einmal bei B… oder einem Boulevard-Magazin, um kundzutun, was die Nation überhaupt nicht interessierte oder gar aufatmen ließ. Es ist an der Zeit, etwas zu ändern an diesem „Nee, also ich stehe für Wetten dass..?? nicht zur Verfügung.“-Hype. Hiermit gebe ich ganz klar bekannt: Ich bin bereit! Assistenzarzt sagt: Ja, ich mach’s, ich stehe zur Verfügung. Falls mich das ZDF hört oder liest – schickt einfach ne Mail und dann reden wir über die Details. Also ich bringe Vorerfahrung mit, ich habe schon diverse Fortbildungen geleitet und auch den Totalausfall der Technik galant überbrückt. Meine Allgemeinbildung ist nicht die schlechteste, sagt mein Chef, zumindest wusste ich, dass der Bruder von Reinhold Messner am Nanga Parbat abstürzte, was mir diese Beurteilung einbrachte. Ich hab Englisch in der Schule gelernt und kann es  sogar noch benutzen. Außerdem bringe ich medizinische Vorbildung mit, was ja auch nicht zu verachten ist, wenn die Show-Uralt-Gedienten wie Herr Lagerfeld oder Meat Loaf zu Gast sind.

Nicht das ihr denkt, dass ist jetzt wieder so eine Phase von Assistenzarzt. Ich hab mir das schon gut überlegt. Also Wetten dass..?? kommt im Herbst / Winter / Frühjahr so ca 1x im Monat, das heißt nur ein Wochenende arbeiten im Monat und im Sommer gar nicht. Und dann arbeitet man ja auch nur von, ich schätze mal mit Maske (braucht bei mir nicht lang, bin von Natur aus schön 🙂 ) und so, vielleicht ab 19.00 Uhr bis ca 23. 00 Uhr. Ich würde auch für weniger Arbeiten als Gottschalk, sagen wir für 10% von dem, was er für Wetten dass..?? bekommen hat, das wären dann immer noch 150 000 Euro pro Jahr.  Dafür macht man doch gerne einen Wochenend-Dienst pro Monat, so für knapp 15000 Euro, gut ist brutto, aber netto bleibt trotzdem noch ein Haufen übrig. Kein Vergleich zu den 150 Euro netto, die mir 24 h Samstagsdienst derzeit einbringen. Ich könnte auf Teilzeit gehen und in der anderen Hälfte meine Arbeitskraft der Fernsehnation widmen. Gesamtgesellschaftlich gesehen ist das für alle ein Vorteil: Wir Fernsehgebührenzahler werden entlastet, ich kriege endlich mal Wochenenddienste vernünftig bezahlt und der Zuschauer kann weiter Spaß an Wetten dass..?? haben.

Ich schlage vor, wir machen das demokratisch und stimmen ab. Jeder, der für Assistenzarzt ist, hebt die Hand, alle anderen gehen jetzt mal kurz auf’s Klo bis wir fertig sind 🙂

 

PS: Ich würde ansonsten für Hunziker als Hauptmoderatorin und Cindy aus Marzahn als Co-Moderatorin voten, das fänd ich gut.





Ein Gespräch…

26 11 2007

„Und? Haben Sie ein schönes Wochenende gehabt?“

„Ja.“

„Hatten Sie Dienst?“

„Nein, dieses Wochenende nicht.“

„Haben Sie denn überhaupt was mit sich anzufangen gewußt?“ (Und das war kein Sarkasmus gewesen, der da mitschwang… So, what’s that?)

„Ja, es hat sich schon was gefunden.“ (Ratlosigkeit in meinem Inneren. Wie hab ich das jetzt zu werten? Was antwortet man auf so eine Frage?)





Der „Sexiest Doc Alive“ Award – Exklusiv und nur hier!

22 11 2007

Die Zeit ist gekommen: Nach dem Sexiest Man Alive und Sexiest Woman Alive ist es nur eine logische Schlussfolgerung, dass der „Sexiest Doc Alive“ gekürt wird! Und das könnt Ihr jetzt hier tun. Nein, ihr müsst es sogar. Die Emanzipation der Ärzte und Ärztinnen muss endlich beginnen.

Ich finde, Ärzte sollten nicht länger diskriminiert werden, sie können auch sexy aussehen. Man kann Birkenstocklatschen mit natürlicher Eleganz tragen und die chirurgisch geliebten Holzpantinen haben so manchem Mann mit Little-Man-Syndrom geholfen, seine eigene Attraktivität zu entdecken. Auch in OP-Hosen kann man einen Knackarsch würdevoll präsentieren. Ja, die OP-Shirts / Kasacks betonen sogar muskulöse Oberarme und sorgen dafür, dass frau auf die chirurgischen oder anästhesiologischen Ausführungen pfeift und den Blick vom Zeigefinger und Daumen mit Stift Zentimeter um Zentimeter nach oben schweifen lässt (außerdem haben Chirurgen sowieso keine Ahnung von Nierenfunktion und Anästhesisten sind halt zum Retten da – dann müssen sie eben auch den tristen Alltag retten). Der Morgen nach / in einem 24-h-Dienst trennt sowieso die evolutionär unattraktive weil testosteronärmere Spreu mit rarefiziertem Bartwuchs vom sexy 5-Uhr-Schatten-im-Gesicht bzw. Dreitagebart – Weizen.  Also, es wird Zeit, endlich diejenigen zu prämieren, die frau den Alltag aufhellen, die Dienste optisch verschönern und das Klima flirttechnisch verbessern bzw. einem televisionär helfen, das Arzt-Ideal zu visualisieren oder einen neidisch auf die Fernseh-Ärztinnen werden lassen.

Wer ist der Sexiest Doc Alive?

 Und wegen der Gleichberechtigung: Es dürfen auch weibliche Docs vorgeschlagen werden! Schließlich stehen Ärztinnen bei den gewünschten Flirtpartnern laut irgendsoeiner Umfrage bei GMX ziemlich weit vorn in der Gunst des starken Geschlechts. Und ja: Auch im Arztkittel kann man als Frau sexy sein, obwohl einem da modetechnisch doch schon Grenzen gesetzt sind.

Hier sind meine Vorschläge:

von den Fernseh-Docs:

Patrick Dempsey alias Derek in „Grey’s Anatomy“

von den real-existierenden Docs:

Mr. Lieblingschirurg… ca 1,90 groß, gut durchtrainiert, knackiger Hintern (Note 2.2), aus dem Großraum Berlin / Brandenburg mit entsprechender großer Klappe, was ganz lustig ist zuweilen.





Wie man sich für eine Fachrichtung entscheidet

15 11 2007

Aus dem aktuellen Newsletter „Via medici online Newsletter 23/07“

„…wie planen Sie Ihren ärztlichen Berufsweg? Wenn die Chemie mit den Kollegen oder den Vorgesetzten im PJ stimmt, reicht das aus für Ihre Entscheidung, wo Sie als Assistenzärztin oder -arzt anfangen möchten?“

Meine klare Antwort: JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA. Wenn das hinhaut, dann hat man viel gewonnen. Man weiß, wie es langläuft, man kennt die Befindlichkeiten so halbwegs, weiß wie lange die Assistenten abends bleiben müssen, wie es mit den Weiterbildungen, der Rotation und der Ausbildung klappt… Man ist quasi ein Insider und kennt Informationen, die man woanders nicht hat, wenn man sich an einer anderen Klinik bewirbt. Da wird einem sowieso nur die rosarote Brille aufgesetzt wenn man rumgeführt wird und einem Dinge erzählt, die sich später als utopisch herausstellen.

„Dr. Parwis Fotuhi, Internist und Leiter der Helios-Akademie warnt davor: „Bleiben Sie nicht am ersten netten Oberarzt hängen, der Sie einigermaßen normal behandelt!“, sagte er auf dem Kongress „Perspektiven und Karriere“ des deutschen Ärzteverlags. Sich auf eine Facharztrichtung festzulegen, sei eine Lebensentscheidung.“

Sagen wir es mal so. Ich bin bei meiner Entscheidung für eine Fachrichtung maßgeblich von Kollegen beeinflusst worden (die das aber nicht wußten), die ich in den Famulaturen, im Nebenjob und im Rahmen meiner immer noch unvollendeten Dissertation kennengelernt habe.  Ich bin an dem ersten netten Oberarzt nicht hängengeblieben, nein, er hat mich nur ein paar mal zusammengeniest und mir gezeigt, wie man eine Leber richtig tastet und war anschließend sichtlich stolz, als ich es richtig machte. Ich bin auch nicht an dem ersten netten Stationsarzt hängen geblieben, der mir erklärt hat, wie ich 1. und 2. Herzton voneinander unterscheide (er schickt mir aber auch nach all der Zeit noch Postkarten aus dem Ausland, wo er inzwischen hin ausgewandert ist…). Es hat mich aber geprägt. Die Akribie, mit der einige der von mir geschätzten Kollegen mich ausbildeten, als ich ein unbekannter Student war, ihre Kollegialität und ihr Respekt vor mir etwas später als kleine unbedeutende AIPlerin und ihre Auffassung zum Beruf und zur Ausbildung haben mich maßgeblich beeinflusst. Ja, ich habe mich bemüht in selbiger Klinik anzufangen, als ich mit dem Studium fertig war und habe dort auch eine Weile gearbeitet. Ich hatte zwar Pech mit der Station, auf der ich die Hälfte der Zeit war, aber die Rotationen und die Dienste (ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal sagen würde…) haben mir eine fachliche Grundlage gegeben, von der ich heute noch zehre, wo ich in der Regel auf mich allein gestellt bin, obwohl ich erst mitten in der FA-Ausbildung bin. Mit Sicherheit bleibe ich nicht an den Leuten hängen, die mich – ich betrachte es als nicht-normal – als Laufburschen, Fußabtreter, Röntgentütenträger oder Aktenkopierer benutzen oder mir permanent auf die Region 10-20 cm unterhalb meines Kinns starren während sie mit mir reden.

Lebensentscheidung… wer erzählt denn solchen Quatsch. Man fängt an einen Facharzt zu machen, stellt evtl. fest, es liegt einem doch nicht und wechselt. Das geht vielen so. Aber es werden auch Zeiten aus anderen Fachrichtungen anerkannt. Ehrlich gesagt, werden aus den Leuten, die auch mal ein paar Monate in einer anderen Fachrichtung waren, manchmal die besseren Ärzte, oft sogar. Warum? Sie können über den eigenen Tellerrand schauen, etwas das reine Subspezialisierungs-Ärzte vergessen haben. Manchmal klappt es auch nicht mit den Stellen und man muss mal woanders was machen. Man kann auch Töpfer werden, Künstler, Filmregisseur, Journalist, LKW-Fahrer (siehe Stern-TV)… Es gibt auch Kollegen, die einen zweiten Facharzt machen. Nach dem Chirurgen den Urologen oder umgekehrt, nach dem Radiologen den Internisten oder nach dem Psychiater den Radiologen oder nach dem Internisten den Labormediziner. Alles Beispiele von Leuten, die in meinem größeren beruflichen Umfeld leben und keine Freaks oder Verrückte sind, sondern vermutlich die besseren Ärzte.

Die Wahl einer Facharztrichtung ist KEINE Lebensentscheidung. Wer so einen Blödsinn erzählt, verfolgt damit Interessen, die er nicht offen zur Schau stellt. Warum muss man für einen großen Klinikkonzern arbeiten und gleichzeitig den Leuten was zur Entscheidung über den beruflichen Werdegang erzählen? Vielleicht weil selbiger Klinikkonzern permanent offene Stellen hat? Hmmm… ein Schelm wer böses dabei denkt?

Man, Via medici, wie könnt ihr nur solchen Quatsch zitieren? Das ist doch nicht euer Niveau.





Die Karawane zieht

14 11 2007

Es ist mal wieder Mittwoch und überall im Land ziehen die weißen Karawanen über die Stationen. So auch heute. Nachdem ich letzte Woche erleben durfte, wie es sich anfühlt, als Lügner bezeichnet zu werden…

Zitat aus meinem Kommentar bei medbrain2001 http://medbrain2001.wordpress.com/2007/10/28/eine-chefvisite-der-anderen-art/#comment-1533 :

„Jetzt werde ich vor der kompletten Visite und den Patienten, manchmal auch dem entsprechenden Ehepartner dabei, mit “Das glauben Sie doch wohl selbst nicht!”, “Also wirklich, Sie lügen mich an, der Patient kann gar nicht mehr sprechen, er war immer so.”, “Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass er gestern auf Ihre Fragen antworten konnte. Das ist eine Lüge, was Sie mir hier anbieten. Er ist somnolent bis komatös und das war er gestern auch, ich habe schließlich den Einweisungsschein ausgestellt in meiner Ambulanz.” runtergeputzt. Meine Antworten “Dann habe ich wohl halluziniert gestern.” und “Da haben wir wohl zwei verschiedene Patienten vor uns gehabt.” sind mehr Trotz aus der Hilflosigkeit heraus. Er sagte nix mehr, aber ich hatte ihn wegen nächtlicher Unruhe mit einem Neuroleptikum zugedröhnt, was überhing. Doch zuvor konnte er mir auf meine Fragen antworten. Einen Tag später sprach der Patient wieder mit uns, aber zum Glück war da eine oberärztliche Kraft anwesend, die gemeinsam mit mir halluzinierte, aber nicht das Kreuz hatte, das auf der obersten Ebene klarzustellen.“

… durfte ich heute erfahren, wie es sich anfühlt, die bestbezahlte „Laufkraft“ der Klinik zu sein. Heute kriegte ich  (zweigeteilte Chefvisite, jeder Kollege hat einen Part) erstmals nach 5 Monaten zu hören „Es besteht Anwesenheitspflicht während der gesamten Visite.“ – was bisher keinen meiner Kollegen sonderlich interessiert hat und von keinem praktiziert wurde. Und danach durfte ich dann in dem durch meinen Kollegen verantworteten Part einen Befund seiner Patientin suchen. Ok, nichts schlimmes soweit. Aber es stellte sich raus, dass dort in der entsprechenden Funktionsabteilung über ca 1 Stunde keiner ans Telefon ging (5minütliches Probieren). Ich habe gesucht, telefoniert, rumgefragt und „nebenbei“ andere völlig unwichtige Dinge tun müssen, weil die Zeit drängte und die Luft brannte (jedenfalls in den Augen der anderen völlig nebensächlichen Patienten und Angehörigen) – Arztbriefe diktieren, Entlassungen vorbereiten, neue Patienten ansehen, Totenschein schreiben, Transfusionen anhängen etc. bis mein Teil der Chefvisite ran war. Vom Zivi erfuhr ich, dass dort in der Funktionsabteilung heute noch niemand gesehen wurde. Klar, dann kann man auch nicht ans Telefon gehen, wenn man nicht da ist. Ich lehnte es ab, den entsprechenden OA aus seiner eigenen Chefvisite zu holen. Er kann ja auch nicht an zwei Orten sein – entweder Chefvisite oder Funktionsabteilung. Das hatte ich einmal getan und ihn in der Chefvisite angerufen… da sollte sich anschließend mein Kollege drum kümmern, der für die Patientin verantwortlich ist und das sagte ich ihm auch. Wieso sollte ich seine Arbeit machen? Die Kollegialität seinerseits hält sich auch in Grenzen. Wenige Minuten später wurde ich vorzitiert – Sekunden bevor mein Teil der Visite beginnen sollte. Wo der Befund sei. Erklärung folgte – keiner am Telefon, keiner da, OA in eigener Chefvisite.

Antwort: „Na dann gehen Sie jetzt mal runter und sehen nach, ob da jemand ist. Ich sagte, Sie sollen sich drum kümmern.“

Fragender Blick meinerseits da nicht-kapieren. Wie? Ich bin jetzt dran mit Visite, je-he-hetzt, now, just in this moment, da kann ich doch nicht weglaufen. Da krieg ich nachher doch gleich den nächsten Ansch… Sie ist nicht meine Patientin. Klare Aufteilung, eigentlich klare Zuständigkeiten. Mein Kollege kann sich kümmern, der ist doch jetzt fertig mit seinem Teil. Seine Patientin, er hat jetzt Zeit, er hat sich jetzt zu kümmern. Eine Sekunde zu lange doof geguckt.

„Na los, ein bischen Beeilung, zwei Treppen runter, wirst du doch wohl noch schaffen.“ und ein hämischer Blick dazu. Es ärgert mich inzwischen so sehr, dass ich mich oberärztlicherseits duzen lasse. Dazu dann eine Geste mit Zeige und Mittelfinger, die gehende Beine symbolisierte. Ich konnte es nicht fassen, die meinten das ernst. Mir blieb die Spucke weg. Ja hallo, ich hab die Stunde nur faul im Schwesternzimmer rumgelungert, Kaffee getrunken, Kreuzworträtsel gelöst, Pinnball gespielt und mich total gelangweilt… 

Der Blick des anderen OA war göttlich, als ich ihn zufällig kurz nach seiner eigenen Ankunft antraf in der Funktionsabteilung. Nein, es gibt noch keinen Befund, weil die Untersuchung noch nicht stattgefunden hatte, aber das hätte er doch bereits vor 2 h einer Schwester meiner Station gesagt. Ja, und soweit ich mich dunkel erinnerte hatte auch die Patientin gesagt, sie war noch nicht da. Aber was solls, da wird man als Patient halt einfach mal für dement erklärt. Da darf man sich nichts draus machen, manche Ärzte sind so. Es gibt zwar Demenztests, aber Arroganztests gibts leider nicht.

Meine Sprache kam langsam wieder. Nein, wir haben keinen Ärztemangel, wir können es uns leisten so gut bezahlte Laufburschen durchs Haus zu schicken. Mal abgesehen von den anderen AABM (Arzt-Arbeits-Beschaffungs-Maßnahmen*), die sich in jeder Chefvisite ergeben, war das heute echt das schärfste, was mir je passiert ist. Ich dachte immer, an der Uni sei es schon krass. 10 Punkte für den Kandidaten, der errät, wie Betriebsärzte, Psychologen und Anwälte so etwas nennen…

Mal sehen, was nächste Woche so kommt. Manchmal glaube ich, ich bin im falschen Film. Wollte nicht irgendwer ein Drehbuch schreiben?

* „Suchen Sie mir doch mal in Medline was dazu raus. Wir sollten gucken, ob da therapeutische Alternativen beschrieben sind.“ Ich bin soooooooooo dooooof. Ich suchte es raus, loggte mich mit meinem Account bei Fachzeitschriften ein, recherchierte, druckte aus. Was tut man nicht alles. Dann wurde der Patient gestern sang und klanglos entlassen, ohne therapeutische Alternativen zu checken. Das ausgedruckte Paper wanderte heute bei der Ansicht des chefärztlichen Postfachs auf der Station in den Papierkorb. Vor meinen Augen. Vielleicht sollte ich sowas das nächste Mal dem Patienten geben zur Weiterleitung an den Hausarzt oder zum Selbststudium. Wäre ich christlich engagiert, würde ich sagen, ich ertrage mein Schicksal mit Demut, weil ich weiß, dass ich einer höheren Macht unterworfen bin und der liebe Gott will, dass wir uns in Demut üben. So kann ich einfach nur sagen, ich bin sooooooooooo dooooof und halte meine Klappe, weil ich drauf warte, im Rahmen der Facharztausbildungsrotationsdingsda woanders hinzukommen.





Die Suchbegriffe der Woche

1 11 2007

Um mal wieder, die schönsten Suchbegriffe zusammenzufassen, die zu meinem Blog führten:

„Rangfolge Assistenzarzt“ – ganz einfach… der letzte, der der immer dran glauben muss, der immer Schuld ist, auf allem sitzen bleibt und nie was zu wissen kriegt, was er vielleicht wissen müsste…

„Assistenzarzt stellen“ – tja, demzufolge am besten in die Ecke… gib ihm ne Taschenlampe in die Hand, dann kann man ihn als Stehlampe benutzen.