Zwang zum Freizeitausgleich?

27 12 2007

Frage an die Welt da draußen:

Kann man vom Vorgesetzten dazu gezwungen werden, an bestimmten Tagen den Freizeitausgleich (FZA) zu nehmen, der sich angesammelt hat?

Ich habe mich voll engagiert, habe Stunden geleistet ohne Vergütung, die wir als FZA kriegen. Leider durfte ich ihn in 2007 nie nehmen und ausgleichen, weil die Konditionen nie so stimmten, dass es genehm war. Es war immer was, dass es nicht zuließ. Jetzt soll ich das gleich zu Beginn des neuen Jahres nehmen, habe ich heute plötzlich erfahren. Es sei so angeordnet, obwohl ich mich im Dienstplan nicht darauf eingerichtet habe und folglich auch keine zusammenhängenden Tage hinbekomme und es für mich völlig unvorbereitet kommt (privat). Ich bin bereit, es schnellstmöglich auszugleichen, aber ich hätte gerne ein oder zwei Tage zu einem anderen Zeitpunkt, was mir nicht gestattet wird, obwohl es vom Dienstplan her möglich und besser wäre.

PS: Sagt mir jetzt nicht gleich wieder, ich soll mir ne andere Klinik suchen, ich kann hier nicht weg und ich habe ein Datum, an dem es in eine andere Abteilung geht (Gott sei gepriesen! Halleluja!)





Ärzte – Weihnachts-Wunschzettel

15 12 2007

Was wünscht ein Arzt sich vom Weihnachtsmann? Nicht viel würd ich sagen. Also ich fang mal an mit einem Weihnachts-Wunschzettel von Ärzten an den Weihnachtsmann.

  1. nur 40 Stunden Wochenarbeitszeit
  2. ein Zeiterfassungssystem für die Klinik
  3. ein Formular, wo ich meine Überstunden dokumentieren kann und sie bezahlt bekomme
  4. einen Chef, der es nicht nötig hat, seine Assistenzärzte in der Visite vorzuführen und zu blamieren
  5. einen Chef, der gerecht zu seinen Assis ist und nicht gerade die Unfähigste wie einen VIP behandelt und allen anderen die Schuld für Dinge zuschiebt, die VIP-Assi verbockt hat
  6. eine andere Gesundheitspolitik
  7. Zwangsverrentung von Ulla Schmidt
  8. Psychotherapie für Staatssekretäre im Gesundheitsministerium
  9. weniger Hierarchie-Strukturen
  10. weniger Papierkram
  11. dass den Klinikverwaltungen ein Kronleuchter aufgeht
  12. einen Tarifvertrag, der endlich das erfüllt, was wir fordern
  13. dass alle freien Arztstellen besetzt werden und nicht frei bleiben, weil man dann ja auch keinen bezahlen muss




Der Held

15 12 2007

Wenn er losfährt mit dem Blaulicht auf dem Dach, dann machen alle Platz. Er schneidet Menschen aus Autos, rettet Kätzchen von Bäumen, kriecht durch verqualmte Häuser. Zumindest ist er dafür ausgebildet. Ja, die Frauen sehen zu ihm auf, die Männer beneiden ihn. Er ist ein Held.  Er gehört zu den Vorbildern unserer Gesellschaft, jemand der andere rettet und im Einsatz für die Allgemeinheit ist. Kinder bewundern ihn und wollen so werden wie er. Er liegt auf der Trage und die Schulterstücken seiner Dienstuniform glänzen im fahlen Licht der Notaufnahme. Er wurde von einem Kollegen gebracht irgendwann nach Mitternacht. Jetzt fängt er auch noch an zu kotzen, der Held der Weihnachtsfeier der Berufsfeuerwehr mit 2,2 Promille im Blut, der beim Komasaufen so gnadenlos auf die Fresse fiel und zu voll ist, um noch sprechen zu können. Alkoholspiegelbestimmung sponsored by Berufsgenossenschaft.





Woran erkenne ich, ob ich einen Zivi vor mir habe?

7 12 2007

Ich glaube,  so allmählich wird es doch eine Ratgeber-Serie. Nun ja… Manche Dinge kommen halt einfach und setzen sich in der Tastatur fest und wollen dann einfach auf den Bildschirm, nicht?

Die folgende Frage ist eminent wichtig, vor allem für diejenigen, die das erste Mal ins Krankenhaus kommen. Es gibt Stations-, Transport- und Haustechnik-Zivis.  Letztere habens glaub ich am besten…
Woran erkenne ich, ob ich einen Zivi vor mir habe?

1. Die Frisur verhängt eines seiner Augen und lässt sich wie eine Gardine hin und herziehen.

2. Um den Hals trägt er ein Lederbändchen mit einem silbernen Anhänger.

3. Er wird rot, wenn er die Schwesternschülerinnen anguckt.

4. Er zwingt mich in einen Rollstuhl und vergisst die Trittbretter runterzumachen. Das Bauchmuskeltraining durch das „Sie müssen die Beine hochhalten sonst kann ich nicht schieben“ kann durch keine Physiotherapie ersetzt werden.

5. Die Schwestern schreien über den ganzen Flur seinen Namen, ergänzt durch den Satz „Wo steckt der Blödmann denn nun schon wieder?“

6. Er hört beim Transport stundenlang den alten Herren zu wie sie von früher erzählen und nickt dabei. iPod-Kabel kann man ganz unauffällig plazieren, wenn man längere Haare hat.

7. Er ist der einzige vom ganzen Stationspersonal, der noch menschliche Züge hat. Die anderen Zombies sind emotional schon zu sehr von den Patienten distanziert und kümmern sich um so und soviel Patienten, nicht um Herrn X, Frau Y und Herrn Z.

8. Nach 3 Monaten beginnt der kleine auch den Morgengruß zu sprechen.

9. Die Omis würden ihn am liebsten alle knuddeln, weil er so süß ist, wie ihr Enkelsohn.

10. Keiner fährt heimlich so schön illegale Betten- und Rollstuhlrennen… 🙂





Woran erkenne ich, ob der Arzt vor mir mich nicht leiden kann?

4 12 2007

Tja, ob das eine Ratgeberserie wird, weiß ich noch nicht. Das mit dem Interaktiv-Teil hat ja beim Thema Übermüdung ganz gut geklappt. Es ist unglaublich, wieviel Poesie in Ärzten steckt. Kompliment. Daher geht wieder an all die frustrierten und gestressten Kämpfer da draußen in den Intensivstationen, Notaufnahmen, Rettungswachen und Praxen die Aufforderung: Gebt Euren Senf dazu.

Die genannte Frage stellen sich sicher wenige Patienten. Ärzte mögen nach landläufiger Meinung alle Menschen. Tun sie aber in Wirklichkeit nicht. Laut Psychologen darf auch ein helfender Mensch andere Menschen nicht mögen. Nur er darfs nach außen nicht zeigen. Machen die meisten aufgrund des Respekts vor dem Gegenüber auch nicht. Naja, oder ganz versteckt auf der nonverbalen Ebene. Aber vielleicht liegt darin einer der Gründe, warum soviele verschrobene Typen unter den Ärzten sind. Bitte nicht falsch verstehen: Geholfen wird jedem lege artis, aber das mit der Sympathie ist eben rein menschlich.

Woran erkenne ich, ob der Arzt vor mir mich nicht leiden kann?

1. Ich komme um zwei Uhr nachts dank meiner Prä-prä-Wechseljahres-Lebenskrise im Alter von 42 im bauchfreien Top und mit einer ebenso kurzen Jacke bei 4 Grad Außentemperatur in die Notaufnahme, weil ich seit 2 Stunden immerzu pullern muss und es dabei brennt. Nachdem ich die Anmeldekraft mindestens zweimal beleidigt habe, beschwere ich mich anschließend bei der Schwester und dem Arzt darüber, dass ich 30 Minuten warten musste, weil der Rettungswagen mit einem schwer keuchenden Opa vor mir abgefertigt wurde.

2. Ich komme mit Halskratzen und laufender Nase mitten in der Nacht in die Notaufnahme. Der Arzt untersucht mich sorgfältig und gründlich und sehr ausführlich. Der erste der das in meinem 28-jährigen Dasein jemals tat. Sogar eine rektale Untersuchung gehört dazu.

3. Während der Arzt meine Anamnesedaten aufschreibt höre ich permanent so ein seltsames Knirschen, als wenn zwei Steine aufeinander reiben. Die Mm. masseter wölben sich bei meinem Gegenüber.

4. Medikamente, die ich bisher nur in 5 ml Spritzen kannte, werden grundsätzlich in 20ml-Spritzen aufgezogen.

5. Ich lerne den Psychologen kennen, der bei mir mehrfach einen lustigen Test mit Fragen macht und nach einem Auto benannt wurde: MINI mental status test. Seit wann können Autos denken?

6. Es nehmen keine PJler Blut bei mir ab, sondern grundsätzlich ein Oberarzt. Ich weiß gar nicht, warum der so nervös ist. Die Klinik muss dabei sein, ein neues Produkt einzuführen, er weiß noch gar nicht, wie was zusammengehört von den Kanülen und Röhrchen.

7. Man legt bei mir grundsätzlich weiße und orange i.v.-Zugänge.

8. Der Arzt vor mir hat ein Lächeln wie Florian Silbereisen auf einem Nagelbrett.

9. Der PJler nimmt bei der Reflexprüfung einen Hammer vom Baumarkt.





Woran erkenne ich, ob der Arzt vor mir übermüdet ist?

30 11 2007

… Vielleicht ist das hier der Beginn einer neuen Ratgeberserie. Interaktiv versteht sich… total. Ihr da draußen an den Monitoren in den Arztzimmern, ITSen und Rettungswachen, gebt euren Senf dazu. Oder von mir aus auch Ketchup und Majo. Im Sinne der Patienten, für die dieser Ratgeberentwurf ist.

Woran erkenne ich, ob der Arzt / Ärztin vor mir übermüdet ist?

1. Der Spalt zwischen Ober- und Unterlid beträgt weniger als 5 mm.

2. Die konjunktivalen Injektionen sind so dicht, dass sie wie ein Hyposphagma aussehen.

3. Der Bettnachbar mit einem akuten Alkoholentzugssyndrom hat eine ruhigere Hand als der, der grad Blut an Ihrem Arm abnimmt.

4. Das schlurfende Gangbild des Menschen, der grad Visite macht, ist identisch mit dem seines 95jährigen Patienten.

5. Im Herzultraschallbefund, den Sie in die Hand gedrückt bekommen, ist von einer „Erektionsfraktur“ die Rede. „Woher weiß der das, so weit unten war der doch gar nicht…?“

 6. Auf dem Visitenwagen liegt an strategisch günstiger Position ein Kopfkissen.

7. Die Schwester schiebt den Arzt in der Visite von Bett zu Bett und sagt dauernd „Sie meinten doch sicher… Herr Doktor?“

8. Der Arzt bildet in den 3 Minuten Visitengespräch aus Ihrem Vor- und Nachnamen mindestens 5 neue Kombinationen.

9. Der Arzt fragt die Schwester 3 mal nach dem aktuellen Datum und dem Wochentag. Dann geht er zum nächsten Patienten und fragt genau das gleiche.

10. Der Arzt hat mehr Kaffeeflecken auf seinem Shirt als der Demenzkranke vor ihm auf der Bettdecke.

11. Der Arzt schläft auf dem Parkplatz dem Fahrersitz seines Autos ein und wird Stunden später vom Pförtner mit offen stehender Autotür und Lenkradabdruck auf der Stirn gefunden.

Wem deucht, hier sei Sarkasmus im Spiel
der weiß über Ärzte viel.
Doch dass Ärzte schlafen müssen,
scheint landauf landab keiner zu wissen.

Wie sonst ließe sich erklären,
dass sich Chefs und Patienten beschweren,
dass die faulen dummen Assis in weiß
finden Dienste gar nicht heiß
und dass diese/r weiße Frau oder Mann
nach 26 Stunden nicht mehr kann.

„Sind das denn alles nur noch Memmen
die keine drei Tage am Stück mehr arbeiten können?
Früher, ja da waren Ärzte Helden,
Euch faulen Säcke heute müsste man alle melden.“

Ja, wo denn frag ich mich und grübel
MB, Anwalt, Arbeitsgericht – das wär nicht übel. 
EU und Amt für Arbeitsschutz
sind die denn nicht auch zu was nutz?

Doch da les ich, man hat es schon versucht,
MB und Anwälte gebucht,
am Ende stand des Richters Wort
aber es wehte irgendwann hinfort.

Was ist die Moral von der Geschicht?
Als Arzt versuch dich besser nicht.





Ein Gespräch…

26 11 2007

„Und? Haben Sie ein schönes Wochenende gehabt?“

„Ja.“

„Hatten Sie Dienst?“

„Nein, dieses Wochenende nicht.“

„Haben Sie denn überhaupt was mit sich anzufangen gewußt?“ (Und das war kein Sarkasmus gewesen, der da mitschwang… So, what’s that?)

„Ja, es hat sich schon was gefunden.“ (Ratlosigkeit in meinem Inneren. Wie hab ich das jetzt zu werten? Was antwortet man auf so eine Frage?)