Wir sind Doc Caro!

13 10 2020

Gelesen und gedacht: „Endlich jemand, der Mal klare Worte findet!“

Doc Caro findet klare Worte

Wir alle sind Doc Caro! Und WIR Ärzte sind diejenigen, die Euer Leben retten. Wir haben Familien, Kinder, Eltern, Partner, die zu Risikogruppen gehören oder gehören selbst einer an. Und trotzdem stehen wir in Vollschutz stundenlang in Kliniken und versorgen Patienten oder streichen im Akkord in Hausarztpraxen Verdachtsfälle ab, weil die Gesundheitsämter ihre Kernkompetenz inzwischen auf das zählen verlagert haben.


Hat irgendein Maskenverweigerer mal überlegt, wie das ist, während Coronazeiten in einer Notaufnahme zu arbeiten? Ich meine, da jammert so ein Maskenverweigerer, weil er 20 min beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz tragen soll, aber vergleicht man das mit der täglichen Arbeit von Ärzten und Pflegekräften ist so jemand ein Jammerlappen… wenn man mir das Wortspiel gestattet.

Hat mal irgendein Anhänger von Verschwörungstheorien überlegt, wer ihn im Zweifelsfall, also angenommen, das mit Corona ist echt und bei den Millionen Patienten wohl allmählich kein weltweiter Fake mehr, also wer ihm Sauerstoff anhängt oder intubiert? Machen das die Gurus der Verschwörungstheorien? Legen die Hand auf und dann ist alles gut?

Hat mal irgendein Systemkritiker überlegt, was ihn jetzt eigentlich wirklich stört? Wäre da die letzte Landtagswahl oder Bundestagswahl nicht eine bessere Gelegenheit gewesen? Und was stört euch? Dass ihr wenigstens alle eine Krankenkasse habt? Also wenn euch das nicht passt, dann geht doch nach USA, da wo ein möhrenfarbener blonder Mann gerade Obama-Care zerschlägt und ein guter Teil der Bevölkerung eine intensivmedizinische Behandlung sich nicht wirklich leisten kann? Oder nach Afrika, wo die Angehörigen Bettwäsche, Essen und Pflege übernehmen, also im Hospital wohlgemerkt? Stört euch, dass wir versuchen, Risikogruppen zu schützen, also alte, kranke und Menschen mit Handicaps oder eben gefühlt gesunde mit Risikofaktoren? Wollt ihr, dass wir sie sterben lassen? Survival of the fittest? Nachdem wir seit der Zeit der Aufklärung um humanistische Grundwerte kämpfen? Grundwerte wie Respekt vor älteren, Schutz von Hilfebedürftigen oder Hilfe für die Gemeinschaft? Die in unserer Verfassung oder in den Leitbüchern der großen Religionen stehen? Ich meine, früher sind solche Systemverächter irgendwo als Eremit auf einen Berg oder in einen Wald gezogen und lebten da für sich allein. Also sie nervten die Gesellschaft nicht mit Zweifel an lebenswichtigen Maßnahmen. Nehmt mal die Energie, die ihr da in Demos und Diskussionen reingesteckt habt, und stellt euch vor, ihr hättet mit der Energie geholfen, ein Leben zu retten.

Ein Leben retten… jemanden davor bewahren, dass dieser silberne Fasen reißt, der uns im Diesseits hält. Der Kampf, die Stunden harte Arbeit, die Besprechungen, das Abwägen für den Weg, den man geht, die plötzlichen Krisen, Reanimationen, Triage, wer das ITS Bett bekommt, die durchgeackerten Nächte… wir alle in der Branche kennen das…
Dieses Gefühl, wenn euch dankbare Augen ansehen, die ihre Kinder und Enkel aufwachsen sehen dürfen, die ihren Hochzeitstag erleben dürfen, die ihrer Frau einen Kuss geben können, die mit verweinten Augen, eingefallenen Wangen und abgehungert voll Sorge am Bett gesessen hat über Tage, Kinder, die ihrer Mutter keine Sekunde mehr von der Seite weichen wollen, weil sie endlich aus der Klinik zurück ist, … Kinder, die dachten, sie würden den nächsten Geburtstag trauern müssen, dieses lähmende Schock Gefühl, das sich um jede Faser des Körpers legt, erleben müssen und dann der Moment, wo sich das Blatt wendet und keiner sich traut, sich zu freuen, falls es doch zu früh ist, … Menschen, die in dem Moment begreifen, dass ihnen das wertvollste, das es überhaupt gibt, geschenkt wurde… habt ihr mal bei all eurem Meckern über Sicherheitsmaßnahmen, Mundschutz, und geplatztem Urlaub an etwas oder jemand anderen als euch gedacht? An diese Menschen, die ihr durch euren Leichtsinn oder eure Sturheit umbringt? Liebt ihr jemanden? Stellt euch vor, der wurde absichtlich infiziert, liegt beatmet auf Intensiv, ihr sitzt am Bett, 30 min pro Tag sind erlaubt, ihr wisst nicht, ob er noch da ist, wenn ihr morgen hin kommt… wie fühlt ihr euch da? Kann man in 30 min so viel Liebe geben, dass der Wille zum überleben reichen wird? Hört er mich? Was wird, wenn er es nicht schafft? Wie soll man die Kinder durchbekommen? Die Wohnung halten? Wird es jemals wieder eine Nacht geben, wo er neben mir im Bett schnarchen wird? Zu emotional die Fragen? Ja? Ist Realität. Die tägliche Konfrontation mit dem Existenziellen, mit Leid, Trauer, Hoffnung… Für all unsere Kollegen in den Kliniken. Die haben übrigens im Lockdown auch nicht gewußt, wohin mit den Kindern und waren trotzdem da, haben zum Teil wochenlang die eigenen Kinder nicht gesehen, weil sie sicherheitshalber bei den Großeltern waren, um sie nicht anzustecken, falls es den Arzt selbst erwischt. Also diese Kinder sahen ihre Mutti auch nicht, obwohl um sie herum alles verrückter wurde von Tag zu Tag.

Mal zusammengefasst: Maske verweigern, Scheinatteste ausstellen, Dauermeckern über Eindämmungsmaßnahmen, in Risikogebieten Urlaub machen, Beschränkungen ignorieren, Party machen, große Familienfeiern machen, auf Gottesdiensten bestehen und dabei Auflagen ignorieren, Arbeitsschutz nicht einhalten, … all das sorgt für Ansteigen der Fälle, volle Intensivstationen, sterbende Menschen. Jeder, der da mitmacht bzw bei den Schutzmaßnahmen bewusst nicht mitmacht, zeigt damit, dass sein eigener Egoismus und seine narzisstische Einstellung für ihn höher stehen, als der Schutz des Lebens und die Achtung vor anderen Menschen. Und damit sorgen genau diejenigen, die jetzt über die Einschränkungen schimpfen und dagegen sind, dafür dass die Zahlen steigen und noch strengere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Corona-Paradoxon?

Jedes Kind bekommt es hin: Maske hoch, Hände waschen und Abstand halten… es ist doch weiß Gott nicht so schwer…

Wir alle sind Doc Caro!