Alkohol… ich doch nicht

10 08 2013

Assistenzarzt: Wie steht’s denn so mit dem Alkohol bei Ihnen?
Patient: Nö.
Assistenzarzt (denkt an Dr. House – „alle Patienten lügen“): Heißt was?
Patient: Na so ab und an.
Assistenzarzt: Wie oft denn? Einmal im Monat, einmal in der Woche?
Patient: Naja, also hartes nur so einmal die Woche, am Wochenende mal so’n kleinen Klaren.
Assistenzarzt (weiß genau, was jetzt kommt): Und sonst? Bier und sowas?
Patient: Ja, so drei, vier abends. Nicht viel. Aber ist ja nur Bier, kein Alkohol.

Nach der Anamnese
Famulantin: Woher hast du denn gewußt, dass der doch trinkt? Ich hätte nicht weiter gefragt, wenn er nö sagt.
Assistenzarzt: Merkt man so mit der Zeit. Man kriegt so ein Gefühl. Außerdem musst immer an Dr. House denken – die Leute sagen dir nur dass, was sie wollen. Meistens nicht die Wahrheit.
Famulantin: Echt? Wieso sollen die lügen?
Assistenzarzt: Weiß nicht, ist vielen wohl unangenehm. Bei vielen kannst die Zahlen ohnehin mal zwei nehmen.
Famulantin: Klingt ja sehr pessimistisch.
Assistenzarzt: Eher realistisch.

Riskanter Alkoholkonsum: wenn an mehr als 5 Tagen pro Woche mehr als 30-40 g (Männer) bzw. 20 g (Frauen) reiner Alkohol getrunken wird. Eine Flasche 0,5 l Bier enthalten ca 20 g Alkohol.





Sag doch was du denkst

21 08 2008

Durch einen Beitrag in der Marburger Bund Zeitung (ja, Mitgliedsbeiträge lohnen sich doch dann und wann) kam ich auf folgende Seite

www.pj-ranking.de

und in der Folge auf

www.famulaturranking.de

Nachdem Spiegel und Focus seit mehreren Jahren erfolgreich, auch mit Hilfe der Unis (Versand der Fragebögen der Meinungsforschungsinstitute), Ranking-Listen der Unis zu verschiedenen Studienrichtungen erstellen, hält jetzt auch in den praktischen Abschnitt des Medizinstudiums ein Ranking Einzug. Unterstützt wird das ganze vom Marburger Bund. Und das find ich gut. Bisher war es nur in Foren bei Medilearn oder mittels Famulatur und PJ-Berichten Via medici möglich, einem größeren Publikum seine positiven oder auch negativen Erfahrungen zu berichten. Mundpropaganda erfährt im Zeitalter des Web 2.0 (wenn ich mich mal dieses landläufigen Zitates bedienen darf) eine neue Qualität, quasi Online-Mundpropaganda. Für mich kommt das ganze einige Jahre zu spät. Ich glaube kaum, dass meine PJ-Bewertungen heute noch stimmen würden, weil die Leute von damals gar nicht mehr in den Kliniken sind. Allerdings erschrecke ich, wenn ich manche aktuelle Berichte lese, weil sich eigentlich kaum was geändert hat im Umgang mit den Studenten. Dabei sind doch die heutigen Assistenzärzte (also meine Ass-Arztgeneration) die PJler von gestern, oder? Hatten wir uns damals nicht alle geschworen, wir werden anders? Oja, das hatten wir. Machen wir es auch anders? Die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Oder eben mal bei genannten Seiten reinschauen und ggf. anschließend in sich gehen…

Ihr da draußen, die ihr PJ und Famulatur macht: Sagt eure Meinung! Macht beim Ranking mit, schreibt Famulatur- und PJ-Berichte, egal ob bei Medilearn oder Via medici oder sonstwo! Aber denkt daran: nur sachliche und konstruktive Kritik hilft, etwas zu verändern. Ein „es war alles scheiße“  oder „die waren einfach nur blöd“ mag zwar stimmen, aber hilft anderen nicht weiter – weder den Studis, die das Lesen noch den PJ-Verantwortlichen der Unis und Lehrkrankenhäuser und auch nicht den wenigen selbstkritischen Ärzten, die vielleicht ihre Station mit Note 3 oder 4 oder gar 5 bewertet sehen und tatsächlich etwas ändern wollen. Nennt die Punkte, die nicht stimmen wie z.B. Kommunikation und Umgang mit Studenten, Organisation, Lehrveranstaltungen etc… Ich halte rein gar nichts von den Diffamierungen, die Schüler in einem gewissen spickmich-Portal gegen ihre Lehrer loslassen. Das ist unter Garantie der falsche Weg und ein Auswuchs des „Ranking-Trends“. Aber durch das Internet habt ihr die Chance euer Lob für eine tolle Famulatur oder PJ-Tertial loszuwerden oder eben auch sachliche und begründete Kritik. Die Entscheidung mit den Füssen, wie es sich inzwischen bei Ärzten mit der Abwanderung ins Ausland und Klinikfremde Bereiche gibt, hat eine gewisse Macht und kann die Verantwortlichen in Handlungszwang bringen, denn ansonsten scheint das ganze eine typisch deutsch zähe Angelegenheit zu sein.  Auch wenn ihr glaubt, ihr allein könnt nichts bewegen, aber wenn jeder auch nur einen Bericht schreibt oder eine seiner Famulaturen bewertet, dann ergibt sich schon ein aussagekräftiges Bild und die Kliniken müssen anfangen, darüber nachzudenken, was ihnen Ausbildung und Nachwuchs wert ist. Zu meinen PJ-Zeiten haben wir als x-te Generation für Studientage und Bezahlung gekämpft, jetzt endlich wird es in einem Teil der Kliniken wenigsten ansatzweise umgesetzt. Aber es hat sich gezeigt, dass Tropfen für Tropfen ein Fluss entstand, der dann doch etwas bewegt hat.