Wie macht man sich einen Ärztemangel?

24 02 2008

Diese Frage bräuchte ein Buch, um sie ausreichend zu beantworten. So viel Zeit haben wir aber nicht. Daher hier nur mal ein Beispiel, wie es funktioniert.

Man nehme schlechte Vergütungen für niedergelassene Ärzte, teure Therapien nach Leitlinien, eine immer älter werdende Bevölkerung mit immer mehr Krankheiten und fertig ist schon mal der Grundteig für den Ärztemangel.

In einem mittelgroßen Ort hat eine neue Augenarztpraxis aufgemacht. Die Leute standen 3 Stunden vor Praxisöffnung in Dreierreihen auf der Straße an, um überhaupt einen Termin zu kriegen. Warum? Nein, es handelt sich nicht um einen namhaften hochdotierten Spezialisten. Nein, wir sind auch nicht in Afrika. Nein, auch nicht in einem Ort wo nur Augenkranke und Blinde leben.

Es handelt sich um Aschersleben in Sachsen-Anhalt. Dort gibt es keinen Augenarzt mehr, der Kassenpatienten behandelt. Nur eine Praxis, die aus wirtschaftlichen Gründen (um nicht pleite zu gehen!) nur noch Privatpatienten rannehmen oder Kassenpatienten die zuzahlen. Und liebe Leute: Das ist nur der Anfang. So wird es sich von Fachrichtung zu Fachrichtung bewegen und vom Osten auch in den Westen kommen (dort halt nur etwas später). Irgendwann haben wir dann Verhältnisse wie in Entwicklungsländern: Die Leute zahlen teure KV-Gebühren, kriegen aber keine Leistungen sondern müssen selbst zahlen und stehen vor den Praxen wenn ein neuer Arzt in die Stadt kommt. Afrika lässt grüßen?

Hier mal zwei Links zum Thema „Augenarzt in Aschersleben“ aus Tageszeitung und Med. Tribune:

http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/sachsen_anhalt/?em_cnt=730532&sid=9d7441b22a8ac6cdf32ee5e10a2ddc49

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/22114/

Besonders krass finde ich, dass der Kollege nach begleichen aller Rechnungen nur noch etwa 1000,- Euro übrig hat für sich selbst und seine Sprechstundenhilfen auf 400,- Euro -Basis anstellen muss, weil er ihnen nicht mehr bezahlen kann. Da fragt man sich, wofür er das Risiko auf sich nimmt, in Privatinsolvenz gehen zu müssen, wenn er mit der Praxis pleite geht? Und wieso er trotz sparsamen wirtschaftens nur so wenig Geld übrig behält, wenn die Terminbücher innerhalb kurzer Zeit über 6 Monate ausgebucht waren? An mangelnden Patienten liegt das weiß Gott nicht, denn er arbeitet ohne Pause durch, um überhaupt alle Patienten drannehmen zu können. Eher an der Vergütung pro Leistung. Was mal wieder zeigt, dass in unserem Gesundheitssystem irgendwas nicht stimmt, liebe Ulla Schmidt.