Ärzte ohne Grenzen

5 12 2007

Da surfe ich durchs Internet und auf einmal bin ich auf dem Blog von Markus Fritz, einem Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen.

http://www.aerzte-ohne-grenzen.de/blogs/markusfritz/

Ärzte ohne Grenzen – genau, das sind die, die 1999 den Friedensnobelpreis bekamen. Ich erinnere mich an damals. Ich war gerade ins 3. Studien-Jahr gekommen, das erste klinische Semester hatte begonnen – meine ersten Patientenkontakte machten mich so unheimlich stolz. Abends lief die Tagesschau und als ich hörte, dass Ärzte ohne Grenzen den Friedensnobelpreis erhielten, da lief mir ein Schauer den Rücken runter vor Überwältigung. Das war das erste – und leider auch eines der letzten Male – bei denen ich erlebte, dass die Arbeit von Ärzten und gerade von denen, die so wagemutig sind, in die Krisengebiete zu gehen, auf einer internationalen Ebene gewürdigt wurde.

Leider ist es inzwischen fast selbstverständlich für die mediale Gesellschaft der heutigen Zeit geworden, dass sich immer irgendjemand findet, der so „verrückt“ ist und dorthin geht – an Orte, wo das Elend dieser Welt erbarmungslos mit den Menschen ist. Es ist ja nicht ihr Problem und es gibt ja Hilfsorganisationen. Die gehen dahin und es ist ihr Job. So in etwa habe ich das Gefühl, was die öffentliche Meinung angeht. Doch es ist nicht selbstverständlich. Diese Ärzte und anderen Leute, die über Hilfsorganisationen in diese Field Missions gehen, nehmen Dinge auf sich, die für andere kaum vorstellbar sind. Arbeit unter einfachsten Bedingungen, Menschen die um ein vielfaches kranker sind als die Mitbürger der westlichen Gesellschaft. Krankheiten, die wir hier mit einer Handbewegung in den Antibiotikaschrank behandeln könnten, lassen dort Menschen sterben.

Manchmal denke ich, dass die westliche Gesellschaft schlichtweg verwöhnt ist vom medizinischen Standard. Ärzte werden niedergestochen, weil sie ein Generikum verordnet haben und nicht das teure Präparat. Patienten mit Krankheiten, die früher mit Hausmitteln behandelt wurden, beschweren sich, weil sie eine Wartezeit beim Hausarzt oder in einer Notaufnahme auf sich nehmen müssen. Angehörige beschweren sich, weil der Patient mit einem Pflegebedürftigen in einem Zimmer liegen muss. Pflegedienstleitungen reichen Dienstaufsichtsbeschwerden ein, weil Untersuchungszimmer mitbelegt werden aufgrund von Bettenmangel. Schwestern verweigern die Annahme von Patienten, weil sie schon so und soviel Waschpatienten haben. Krankenhausküchen werden so optimiert, dass das Essen pro Tag unter 2 Euro kostet. Hinter Bundesland-Grenzen stehen für einen Patienten 2000 Euro weniger Geld pro Krankenhaustag zur Verfügung als im Nachbarbundesland, obwohl er die gleiche Krankheit hat. Ich habe das Gefühl, als wenn die Wertung der Medizin und der Gesundheitsversorgung bei uns in eine Schieflage geraten ist. Wen wundert es, wenn sich immer mehr Ärzte fragen, wo da der Sinn in ihrer beruflichen Tätigkeit ist? Und einige von ihnen finden ihn bei Hilfsorganisationen. Ich kann es verstehen. Je länger ich tätig bin, um so mehr glaube ich, dass viele die mal Medizin studiert haben, um Menschen helfen zu können, bei Hilfsorganisationen glücklicher wären als hier, auch wenn sie bei den Einsätzen schonungslos mit dem Elend und begrenzten Mitteln konfrontiert sind. Ich habe einen unheimlichen Respekt und Achtung vor der Arbeit dieser Menschen und Kollegen. Ja, es gibt Phasen, wo ich denke, dass das was sie tun um Längen mehr wert ist, als meine tägliche Arbeit hier in Deutschland. Ich ziehe den Hut vor Menschen wie Markus Fritz und seinen Kollegen.





Woran erkenne ich, ob der Arzt vor mir übermüdet ist?

30 11 2007

… Vielleicht ist das hier der Beginn einer neuen Ratgeberserie. Interaktiv versteht sich… total. Ihr da draußen an den Monitoren in den Arztzimmern, ITSen und Rettungswachen, gebt euren Senf dazu. Oder von mir aus auch Ketchup und Majo. Im Sinne der Patienten, für die dieser Ratgeberentwurf ist.

Woran erkenne ich, ob der Arzt / Ärztin vor mir übermüdet ist?

1. Der Spalt zwischen Ober- und Unterlid beträgt weniger als 5 mm.

2. Die konjunktivalen Injektionen sind so dicht, dass sie wie ein Hyposphagma aussehen.

3. Der Bettnachbar mit einem akuten Alkoholentzugssyndrom hat eine ruhigere Hand als der, der grad Blut an Ihrem Arm abnimmt.

4. Das schlurfende Gangbild des Menschen, der grad Visite macht, ist identisch mit dem seines 95jährigen Patienten.

5. Im Herzultraschallbefund, den Sie in die Hand gedrückt bekommen, ist von einer „Erektionsfraktur“ die Rede. „Woher weiß der das, so weit unten war der doch gar nicht…?“

 6. Auf dem Visitenwagen liegt an strategisch günstiger Position ein Kopfkissen.

7. Die Schwester schiebt den Arzt in der Visite von Bett zu Bett und sagt dauernd „Sie meinten doch sicher… Herr Doktor?“

8. Der Arzt bildet in den 3 Minuten Visitengespräch aus Ihrem Vor- und Nachnamen mindestens 5 neue Kombinationen.

9. Der Arzt fragt die Schwester 3 mal nach dem aktuellen Datum und dem Wochentag. Dann geht er zum nächsten Patienten und fragt genau das gleiche.

10. Der Arzt hat mehr Kaffeeflecken auf seinem Shirt als der Demenzkranke vor ihm auf der Bettdecke.

11. Der Arzt schläft auf dem Parkplatz dem Fahrersitz seines Autos ein und wird Stunden später vom Pförtner mit offen stehender Autotür und Lenkradabdruck auf der Stirn gefunden.

Wem deucht, hier sei Sarkasmus im Spiel
der weiß über Ärzte viel.
Doch dass Ärzte schlafen müssen,
scheint landauf landab keiner zu wissen.

Wie sonst ließe sich erklären,
dass sich Chefs und Patienten beschweren,
dass die faulen dummen Assis in weiß
finden Dienste gar nicht heiß
und dass diese/r weiße Frau oder Mann
nach 26 Stunden nicht mehr kann.

„Sind das denn alles nur noch Memmen
die keine drei Tage am Stück mehr arbeiten können?
Früher, ja da waren Ärzte Helden,
Euch faulen Säcke heute müsste man alle melden.“

Ja, wo denn frag ich mich und grübel
MB, Anwalt, Arbeitsgericht – das wär nicht übel. 
EU und Amt für Arbeitsschutz
sind die denn nicht auch zu was nutz?

Doch da les ich, man hat es schon versucht,
MB und Anwälte gebucht,
am Ende stand des Richters Wort
aber es wehte irgendwann hinfort.

Was ist die Moral von der Geschicht?
Als Arzt versuch dich besser nicht.





Der „Sexiest Doc Alive“ Award – Exklusiv und nur hier!

22 11 2007

Die Zeit ist gekommen: Nach dem Sexiest Man Alive und Sexiest Woman Alive ist es nur eine logische Schlussfolgerung, dass der „Sexiest Doc Alive“ gekürt wird! Und das könnt Ihr jetzt hier tun. Nein, ihr müsst es sogar. Die Emanzipation der Ärzte und Ärztinnen muss endlich beginnen.

Ich finde, Ärzte sollten nicht länger diskriminiert werden, sie können auch sexy aussehen. Man kann Birkenstocklatschen mit natürlicher Eleganz tragen und die chirurgisch geliebten Holzpantinen haben so manchem Mann mit Little-Man-Syndrom geholfen, seine eigene Attraktivität zu entdecken. Auch in OP-Hosen kann man einen Knackarsch würdevoll präsentieren. Ja, die OP-Shirts / Kasacks betonen sogar muskulöse Oberarme und sorgen dafür, dass frau auf die chirurgischen oder anästhesiologischen Ausführungen pfeift und den Blick vom Zeigefinger und Daumen mit Stift Zentimeter um Zentimeter nach oben schweifen lässt (außerdem haben Chirurgen sowieso keine Ahnung von Nierenfunktion und Anästhesisten sind halt zum Retten da – dann müssen sie eben auch den tristen Alltag retten). Der Morgen nach / in einem 24-h-Dienst trennt sowieso die evolutionär unattraktive weil testosteronärmere Spreu mit rarefiziertem Bartwuchs vom sexy 5-Uhr-Schatten-im-Gesicht bzw. Dreitagebart – Weizen.  Also, es wird Zeit, endlich diejenigen zu prämieren, die frau den Alltag aufhellen, die Dienste optisch verschönern und das Klima flirttechnisch verbessern bzw. einem televisionär helfen, das Arzt-Ideal zu visualisieren oder einen neidisch auf die Fernseh-Ärztinnen werden lassen.

Wer ist der Sexiest Doc Alive?

 Und wegen der Gleichberechtigung: Es dürfen auch weibliche Docs vorgeschlagen werden! Schließlich stehen Ärztinnen bei den gewünschten Flirtpartnern laut irgendsoeiner Umfrage bei GMX ziemlich weit vorn in der Gunst des starken Geschlechts. Und ja: Auch im Arztkittel kann man als Frau sexy sein, obwohl einem da modetechnisch doch schon Grenzen gesetzt sind.

Hier sind meine Vorschläge:

von den Fernseh-Docs:

Patrick Dempsey alias Derek in „Grey’s Anatomy“

von den real-existierenden Docs:

Mr. Lieblingschirurg… ca 1,90 groß, gut durchtrainiert, knackiger Hintern (Note 2.2), aus dem Großraum Berlin / Brandenburg mit entsprechender großer Klappe, was ganz lustig ist zuweilen.





Motorische Aphasie – Genese

19 11 2007

Konsiliarische Frage in die Runde:
Weiß jemand was über Genesen einer motorischen Aphasie (am ehesten der „Unterart“ Broca-Aphasie) bei Patienten unter 30 Jahren außer Blutung, Apoplex und Trauma?

Kann sowas im Rahmen einer Sinusvenenthrombose auftreten?

Wie passt da eine retrograde Amnesie für ca 6-8h rein?





Wie man sich für eine Fachrichtung entscheidet

15 11 2007

Aus dem aktuellen Newsletter „Via medici online Newsletter 23/07“

„…wie planen Sie Ihren ärztlichen Berufsweg? Wenn die Chemie mit den Kollegen oder den Vorgesetzten im PJ stimmt, reicht das aus für Ihre Entscheidung, wo Sie als Assistenzärztin oder -arzt anfangen möchten?“

Meine klare Antwort: JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA. Wenn das hinhaut, dann hat man viel gewonnen. Man weiß, wie es langläuft, man kennt die Befindlichkeiten so halbwegs, weiß wie lange die Assistenten abends bleiben müssen, wie es mit den Weiterbildungen, der Rotation und der Ausbildung klappt… Man ist quasi ein Insider und kennt Informationen, die man woanders nicht hat, wenn man sich an einer anderen Klinik bewirbt. Da wird einem sowieso nur die rosarote Brille aufgesetzt wenn man rumgeführt wird und einem Dinge erzählt, die sich später als utopisch herausstellen.

„Dr. Parwis Fotuhi, Internist und Leiter der Helios-Akademie warnt davor: „Bleiben Sie nicht am ersten netten Oberarzt hängen, der Sie einigermaßen normal behandelt!“, sagte er auf dem Kongress „Perspektiven und Karriere“ des deutschen Ärzteverlags. Sich auf eine Facharztrichtung festzulegen, sei eine Lebensentscheidung.“

Sagen wir es mal so. Ich bin bei meiner Entscheidung für eine Fachrichtung maßgeblich von Kollegen beeinflusst worden (die das aber nicht wußten), die ich in den Famulaturen, im Nebenjob und im Rahmen meiner immer noch unvollendeten Dissertation kennengelernt habe.  Ich bin an dem ersten netten Oberarzt nicht hängengeblieben, nein, er hat mich nur ein paar mal zusammengeniest und mir gezeigt, wie man eine Leber richtig tastet und war anschließend sichtlich stolz, als ich es richtig machte. Ich bin auch nicht an dem ersten netten Stationsarzt hängen geblieben, der mir erklärt hat, wie ich 1. und 2. Herzton voneinander unterscheide (er schickt mir aber auch nach all der Zeit noch Postkarten aus dem Ausland, wo er inzwischen hin ausgewandert ist…). Es hat mich aber geprägt. Die Akribie, mit der einige der von mir geschätzten Kollegen mich ausbildeten, als ich ein unbekannter Student war, ihre Kollegialität und ihr Respekt vor mir etwas später als kleine unbedeutende AIPlerin und ihre Auffassung zum Beruf und zur Ausbildung haben mich maßgeblich beeinflusst. Ja, ich habe mich bemüht in selbiger Klinik anzufangen, als ich mit dem Studium fertig war und habe dort auch eine Weile gearbeitet. Ich hatte zwar Pech mit der Station, auf der ich die Hälfte der Zeit war, aber die Rotationen und die Dienste (ich hätte nie gedacht, dass ich sowas mal sagen würde…) haben mir eine fachliche Grundlage gegeben, von der ich heute noch zehre, wo ich in der Regel auf mich allein gestellt bin, obwohl ich erst mitten in der FA-Ausbildung bin. Mit Sicherheit bleibe ich nicht an den Leuten hängen, die mich – ich betrachte es als nicht-normal – als Laufburschen, Fußabtreter, Röntgentütenträger oder Aktenkopierer benutzen oder mir permanent auf die Region 10-20 cm unterhalb meines Kinns starren während sie mit mir reden.

Lebensentscheidung… wer erzählt denn solchen Quatsch. Man fängt an einen Facharzt zu machen, stellt evtl. fest, es liegt einem doch nicht und wechselt. Das geht vielen so. Aber es werden auch Zeiten aus anderen Fachrichtungen anerkannt. Ehrlich gesagt, werden aus den Leuten, die auch mal ein paar Monate in einer anderen Fachrichtung waren, manchmal die besseren Ärzte, oft sogar. Warum? Sie können über den eigenen Tellerrand schauen, etwas das reine Subspezialisierungs-Ärzte vergessen haben. Manchmal klappt es auch nicht mit den Stellen und man muss mal woanders was machen. Man kann auch Töpfer werden, Künstler, Filmregisseur, Journalist, LKW-Fahrer (siehe Stern-TV)… Es gibt auch Kollegen, die einen zweiten Facharzt machen. Nach dem Chirurgen den Urologen oder umgekehrt, nach dem Radiologen den Internisten oder nach dem Psychiater den Radiologen oder nach dem Internisten den Labormediziner. Alles Beispiele von Leuten, die in meinem größeren beruflichen Umfeld leben und keine Freaks oder Verrückte sind, sondern vermutlich die besseren Ärzte.

Die Wahl einer Facharztrichtung ist KEINE Lebensentscheidung. Wer so einen Blödsinn erzählt, verfolgt damit Interessen, die er nicht offen zur Schau stellt. Warum muss man für einen großen Klinikkonzern arbeiten und gleichzeitig den Leuten was zur Entscheidung über den beruflichen Werdegang erzählen? Vielleicht weil selbiger Klinikkonzern permanent offene Stellen hat? Hmmm… ein Schelm wer böses dabei denkt?

Man, Via medici, wie könnt ihr nur solchen Quatsch zitieren? Das ist doch nicht euer Niveau.





Dr. House auf dem Weg zur Erkenntnis?

14 11 2007

Tja, da stand House nun vor Gericht. Und er ging in die „Reha“ sprich in die Entzugstherapie. Er entschuldigte sich. Er wurde friedlicher. Wer hätte das gedacht. Endlich die Wendung, die nötig war? Auch wenn der Schluss der Folge zeigte, dass House mit allen Wassern gewaschen ist und es wieder einmal geschafft hatte, er hatte doch Federn gelassen. Und ich hatte das Gefühl, er hat es langsam kapiert – dass es Grenzen gibt, dass auch für ihn Grenzen existieren. Schadet ihm wohl nicht, mal ein wenig zu reflektieren 🙂 Ja, irgendwie schien er es zu begreifen, auch wenn er es nach außen negierte und runterspielte. Hinter der Fassade ist ein anderer House und das ist ihm bewußt – angreifbar, verletzbar durch seine Sucht, sich elend fühlend ohne seine Tabletten, einsam ohne Wilson, sinnlos ohne seinen Job. Wer von den Figuren wird es je schaffen, die Fassade von House einzureißen und an sein wahres Ich zu kommen?

Ich habe so langsam Wetten zuhause laufen. Ich denke, Cuddy und Wilson werden irgendwann ein Paar. Und Chase und Cameron. Was ist eigentlich aus Foremans Flamme geworden? Die wurde nie wieder gezeigt. Und House? Er wird irgendwann feststellen, dass er jemanden liebt, der nicht mehr zu haben ist, weil er einfach nicht in der Lage ist, eine Bindung aufzubauen und jeden von sich wegstößt, um seine Fassade nicht öffnen zu  müssen. Es wird entweder Cameron sein oder Cuddy. Was sagt ihr?





Sinn und Zweck einer Notaufnahme

10 11 2007

Da ich immer wieder feststellen muss, dass viele nicht wissen, wozu eine Notaufnahme da ist und ich auch anhand der Suchbegriffe in der Statistik merke, dass da Fragen bestehen, hier ein Posting dazu.

Es gibt mehrere große Gruppen von Notfallpatienten:

  • chirurgisch: Kaputte Knochen, Gelenke, blutende Verletzungen etc. oder der Verdacht auf eine Blinddarmentzündung oder einen Darmverschluss etc.
  • gynäkologisch: plötzliche Blutungen, Schmerzen, Komplikationen bei Schwangeren etc.
  • pädiatrisch: alles was keine 18 Jahre alt ist und krank wird
  • neurologisch: Schlaganfälle, Krampfanfälle, unklare Bewußtlosigkeiten, Lähmungen
  • psychiatrisch: Drogen- oder Alkoholentzug, akute Psychose, Suizidversuche
  • HNO: alles was mit Hals, Nasen oder Ohren zu tun hat, entzündet, verletzt ist oder plötzlich seine Funktion aufgegeben hat, plötzliche Verengungen des Kehlkopfs mit Luftnot bei Entzündungen
  • Augen: siehe HNO nur für Augen, Kontakt der Augen mit chemischen Substanzen
  • Urologisch: Probleme beim Wasserlassen, Harnverhalt (volle Blase aber man kann nicht pullern), Blutungen aus der Harnröhre, Nierenkoliken, Nierenbeckenentzündungen, ein plötzlich schmerzender und / oder blau werdender Hoden (das ist wirklich dringend!), das schlechte Gewissen nach einem One-Night-Stand wenn ER irgendwie auffällig ist sowie (auto)erotische Unfälle bei denen ER Schaden genommen hat
  • internistisch: Der Rest…

Die (internistische) Notaufnahme eines Krankenhauses:

  • behandelt Patienten mit akut lebensbedrohlichen internistischen Erkrankungen, die zu einer stationären Aufnahme führen
  • behandelt Patienten, die über den Schockraum aufgenommen werden
  • behandelt Patienten mit internistischen Erkrankungen, die sich akut verschlechtert haben und innerhalb von kurzer Zeit zu potentiell lebensbedrohlichen Zuständen führen können
  • stellt keine Krankenscheine aus
  • rezeptiert keine Medikamente
  • gibt keine Medikamentenpackungen heraus, damit man sich den Gang zur Apotheke und zum Hausarzt spart
  • schickt Patienten, die nicht aufgenommen werden müssen, wieder nach Hause
  • ist kein Ort, an dem man lästig gewordene demenzkranke Angehörige mit den Worten „es geht zuhause nicht mehr“ abgibt ohne Namen, Telefonnummer, Hausarzt, Personalausweis des Patienten oder andere Daten zu hinterlassen. Eine Notaufnahme ist kein Tierheim und es gibt auch den Straftatbestand der Aussetzung.
  • ist keine Serviceeinrichtung für KV-Diensthabende auswärtige Ärzte, die jeden zweiten mit den Worten „Bitte Röntgenbild machen“ oder ähnlichem zuweisen
  • verlangt 10 Euro Notfallgebühr (Ulla-Schmidt-Gesetz) von jedem, der nur ambulant behandelt wird und darf keine Rücküberweisungen zum Hausarzt ausstellen
  • ist keine Ausnüchterungseinrichtung. Leute, die 50 Euro und mehr für Drogen und Alkohol ausgeben, Lärm machen, randalieren, medizinische Geräte und Mobiliar beschädigen, alles vollkotzen und das Personal beleidigen, müssen auch 10 Euro Notfallgebühr zubezahlen und sind nicht beliebt. Wir sind uns auch nicht zu schade, diese Personen auf einer Matratze auf dem Fußboden zu lagern, wenn es die Sicherheitsaspekte verlangen oder deren Eltern anzurufen, damit sie ihr Produkt mal live erleben und abholen können.
  • ist kein kassenärztlicher Notdienst!
  • wird von Ärzten betreut, die auch für den Rest des Krankenhauses verantwortlich sind und die auch gerne mal um 3.00 Uhr morgens ein Stündchen schlafen würden, anstatt sich mit vollgekifften 19jährigen zu befassen oder die Rückenschmerzen eines gerade 20jährigen zu untersuchen, der am Morgen nicht zum Bund will.
  • ordnet die Reihenfolge der Patienten nach der medizinischen Dringlichkeit. Schmerzen beim Wasserlassen sind nicht so gefährlich wie Luftnot, Zyanose und Thoraxschmerzen auf einmal. Dies bedingt eine Wartezeit, die auch mal mehr als 4 Stunden betragen kann, je nachdem wie stark frequentiert die Notaufnahme an dem Tag ist.
  • ist nicht dazu da, Wartezeiten für ambulante MRT-Termine zu verkürzen und mal eben schnell ein MRT bei chronischen Beschwerden, die länger als 3 Monate gehen, zu machen. Das MRT einer Klinik dient zur Diagnostik akut lebensbedrohlicher Erkrankungen wie z.B. Kindern nach einem Verkehrsunfall oder Schwangeren mit neurologischen Problemen oder Patienten mit Gehirnblutungen.
  • ruft bei randalierenden Personen oder Personen, die das Personal bedrohen die Polizei und erstattet Anzeige falls ein Straftatbestand erfüllt wird. Falls Sachschäden entstehen gilt das Verursacherprinzip. Es ist ebenfalls möglich, dass ein Hausverbot erteilt wird, das dann von der Exekutive dieses Staates umgesetzt wird.
  • ist nicht dafür da, sich mal am Wochenende durchchecken zu lassen, weil man es in der Woche nicht schafft zum Arzt zu gehen, auch nicht wenn man Privatpatient ist. CTs, MRTs, Echokardiografien und Ergometrien sind keine Verfahren, die am Wochenende für den Routinebetrieb zur Verfügung stehen.

Der kassenärztliche Notdienst:

  • ist in zwei Bereiche aufgegliedert – eine Notfall-Praxis und einen Hausbesuchsdienst.
  • steht mit seiner Notfallpraxis jedem zur Verfügung, der außerhalb der Praxisöffnungszeiten ein medizinisches Problem hat. Hier sitzt ein Facharzt, der sonst in einer Praxis arbeitet, und behandelt die Patienten zusammen  mit einer Schwester.
  • kommt mit seinem Hausbesuchsdienst zu Patienten, die nicht in der Lage sind, eine der Notfall-Praxen persönlich aufzusuchen. Das kann z.B. bei einem „Hexenschuss“ der Fall sein.
  • darf Rezepte und Krankenscheine ausstellen.
  • ist ähnlich wie beim Hausarzt-Prinzip die erste Anlaufstelle für Patienten, weil er entscheiden soll, welche z.B. in die Notaufnahme eines Krankenhauses müssen.
  • verlangt auch 10 Euro Notfallgebühr

Was chirurgische Patienten angeht:

  • die Prioritäten und Indikationen zum Aufsuchen einer Notaufnahme sind etwas anders als bei internistischen Erkrankungen.
  • Nach Stürzen, Unfällen und diversen Verletzungen ist es sinnvoll, eine chirurgische Notaufnahme aufzusuchen, damit Wunden versorgt, Knochen geröntgt, geschient, gegipst, reponiert oder operiert werden können oder Distorsionen etc. fachgerecht versorgt werden können.
  • Ein plötzlich kalt gewordenes Bein, das schmerzt und keinen Puls mehr hat gehört gefäßchirurgisch untersucht.

Akut lebensbedrohliche internistische Krankheitsbilder /Symptome oder Dinge, die sich zu potentiell lebensbedrohlichen Erkrankungen entwickeln können, sind zum Beispiel (kleine Auswahl):

  • Herzinfarktverdacht
  • plötzliche Luftnot z.B. in Verbindung mit Brustschmerz, plötzlicher Bewußtlosigkeit, Beinschmerzen in einem Bein, pfeifender Atmung, blauen Lippen, Husten, Fieber oder dicken Beinen
  • Brustschmerzen, die nicht bewegungsabhängig sind, in Zusammenhang mit Druck- oder Engegefühl auftreten oder mit Luftnot
  • hohes Fieber über mehrere Tage
  • rechtsseitige Oberbauchschmerzen
  • gürtelförmige Oberbauchschmerzen
  • allergische Reaktionen nach Medikamentengaben o. Ä.
  • Angioneurotisches Ödem
  • Blutungen aus dem Darm, blutiges Erbrechen
  • Blutungen wenn man Falithrom, Marcumar, Warfarin, ASS / Aspirin , Aggrenox oder Iscover / Plavix einnimmt
  • in kurzer Zeit dick gewordene Beine, Bauch plus Luftnot
  • Vergiftungen, ob nun aus Versehen oder mit Absicht
  • Rauchgasinhalationen
  • Asthmaanfall
  • ein rotes, heißes, schmerzendes, geschwollenes Bein plus Fieber
  • plötzliche Gelbfärbung der Haut und der Augen mit oder ohne Schmerzen

Dinge für den kassenärztlichen Notdienst sind:

  • grippale Infekte, Halsschmerzen, Schnupfen auch in Verbindung mit Fieber
  • Beinschmerzen aller Art, bei denen kein Fieber und kein kaltes Bein vorliegt
  • Schnittverletzungen, bei denen es von allein aufhört zu bluten
  • Hexenschuss
  • Gelenkschmerzen
  • wenn man am Urlaubsort feststellt, dass man Medikamente zuhause vergessen hat
  • Dinge, für die man einen Krankenschein haben muss

Dinge, die man in keiner Notaufnahme oder Notfall-Praxis bekommen kann sind zum Beispiel Schwangerschaftstests am Morgen nach einem One-Night-Stand, Sportbefreiungen ohne Krankheit, Borrelliose-Schnelltests, Impfungen weil man zwei Stunden später in den Urlaubsflieger steigt, Wassertabletten damit man am nächsten Tag bei einem Wettkampf in die niedrigere Gewichtsklasse kommt, einen Krankenschein aus Gefälligkeit weil man nicht für eine Prüfung gelernt hat und auf Mitleid beim Arzt hofft (hierfür braucht man ein amtsärztliches Attest), Asthmaspray wenn man am nächsten Tag einen Wettkampf hat auch wenn man „nur“ Freizeitsportler ist…





Wer bin ich…

22 10 2007

Es ist an der Zeit, sich selbst zu finden. Da stellt man sich die Frage: Wer bin ich?

Für Besucher bin ich Schwester – jede Frau in weiß ist eine Schwester.

Für Besucher, die mich kennen, bin ich die junge Ärztin – naja, das geht doch schon, oder?

Für Besucher, die mich kennen, aber mich nicht ernst nehmen, bin ich die Studentin – hmmm…

Für meine Vorgesetzte(n) bin ich bei den täglichen Verrichtungen die Assistenzärztin, wenn Angehörige kommen und komplizierte Gespräche wollen die Stationsärztin, wenn ich Urlaub will und jemand einmal währenddessen Dienst hat unentbehrlich, wenn sie was brauchen auch mal die Doku-Assistentin.

Für die Verwaltung bin ich irgendjemand, der im Haus angestellt ist.

Für die Schwestern bin ich die Ärztin, die nie da ist, die immer soviel fordert und immer soviel ansetzt (anscheinend bin ich doch da), die alles korrekt haben will und meckert, wenn mal was in der Kurve seit 3 Tagen nicht eingetragen ist (ist Blutdruck wirklich sooo wichtig?), die immer angerufen wird im Dienst, wenn man Kleinigkeiten hat und nicht selbst zu einer Lösung finden will / kann (die Angehörigen haben sich beschwert, weil um 19.00 uhr kein Arzt mehr auf Station ist, das Medikament kenn ich nicht, aber ich hab jetzt keine Lust im Computer zu gucken, ach wie sie haben schon geschlafen, das tut mir leid),…

Für die PJ-ler bin ich irgendeine Ärztin, wo auch immer die arbeitet. Für meine eigenen PJ-ler, die wo man mal hingehen kann ohne dass sie gleich Stress macht.

Für die Sekretärin bin ich die, die immer so schnell spricht beim Diktieren.

Für den Reinigungsmann bin ich die, die morgens immer grüßt wenns die anderen nicht tun.

Tja, weiß ich jetzt eigentlich, wer ich bin?





Wofür Krankenhäuser eigentlich da sind

21 10 2007

Medbrain2001 hat einen interessanten Beitrag verfasst, der überaus lesenswert ist:

http://medbrain2001.wordpress.com/2007/10/20/uber-volkstumliche-irrtumer-in-bezug-auf-moderne-medizin-1/





Menschen überraschen

21 10 2007

In meinem letzten Dienst wurde ich von einem meiner Lieblingschirurgen überrascht.

Nachdem wir im Sommer mal in der Notaufnahme über die Indikationsstellung zu einem chirurgischen Konsil (kannst du mal eben um die Ecke kommen und dir das Knie angucken) aneinandergeraten waren und es etwas laut wurde, als er mich begann in Schulhofmanier anzupflaumen (und ich dann ebenso gegenhielt), was nur durch die rechtzeitige Intervention der Schwestern gestoppt wurde (pssst, hier liegen Patienten), war ich eher der Meinung, dass er ein emotional instabiler und von sich selbst extrem überzeugter Chirurg ist, eben wie die meisten anderen Chirurgen auch, der fundierte internistische Argumente nicht vertrug.

In meiner privat-persönlichen Gunst war er daraufhin in das Mittelfeld meines Chirurgenrankings abgesunken. Erst recht, nachdem ich von Schwestern seiner Station des Nachts angerufen wurde wegen BZ-Werten um 12 mmol/l (der Doktor hat gesagt, wir sollen den Internisten anrufen, wenn die BZ-Werte da sind und er schläft jetzt, den piepse ich nicht an). Letzteres schafft nicht gerade Freunde auf der internistischen Seite (ich bin nicht dafür zuständig, wenn es keinen Konsilschein gibt, das wissen Sie, Ihr Doktor hat auch Medizin studiert).

Tja, da musste ich ihn nun wieder mal dazuholen in der Notaufnahme. Und was hörten meine Ohren da?! Er begann sich, anfangs etwas unsicher, zu entschuldigen, dass er das letzte Mal als wir zusammen Dienst hatten, so unwirsch war und er sei im Streß gewesen, es war keine Absicht und nicht so gemeint. Ich wusste im ersten Moment gar nicht was er meinte, denn wir hatten seit der Begegnung schon mal Dienst miteinander und ich konnte mich nicht entsinnen… Ich sagte nur, ja, ist ok und ich wüßte gar nicht so recht, ob er das im Sommer meinte? Ja, das meinte er, aber wenn ich mich nicht mehr so recht dran erinnerte, dann sei er beruhigt, dass ich nicht nachtragend sei. Wer hätte das gedacht? Da war ich platt. Zum einen war mir nicht bewußt, dass Chirurgen sich für überhaupt irgendwas entschuldigen. Wieder was dazugelernt. Zum anderen hatte ich nicht gedacht, dass ein Chirurg das überhaupt für entschuldigenswert hält. Noch was dazugelernt. Die Latenzzeit betrug zwar mehr als 8 Wochen und es ist seiner Wahrnehmung entgangen dass wir mindestens schon 2 Dienste miteinander hatten – er auf der chirurgischen, ich auf der internistischen Seite-, aber mit Rücksicht darauf, dass er eben Chirurg ist… 🙂 ist es nicht so schlimm.

Ich war angenehm überrascht. Das hatte ich nicht erwartet. Wir sind jetzt wieder „versöhnt“. Es hat ihn im privat-persönlichen Chirurgenranking wieder auf die vorderen Plätze gespielt und ich werde jetzt wieder mehr Freude daran haben, mit einigen Schwestern seinem knackigen Hintern hinterherzugucken (hey, was soll man machen, wenn das abends im Dienst die einzige wahre Aufmunterung ist?) Aber nächtliche BZ-Einstellungen in der Chirurgie gibts trotzdem nicht. 🙂

Sind Chirurgen etwa auch Menschen? Um es mit Dieter Nuhr zu sagen „Gibt es (tatsächlich) intelligentes Leben… in der Chirurgie?