Nachbarn auf dem Höhepunkt

25 02 2008

Wieder mal ist es soweit und euch Lesern droht ein neuer Teil der Blog Soap „Meine Nachbarn -Deine Nachbarn“.

Zu den Dingen, die mich nun wirklich gar nicht interessieren, gehören die sexuellen Neigungen meiner terroristisch veranlagten Nachbarn mit dem prä-ADHS-Kind unter uns. Dummerweise korrelieren meine Zeiten mit extremem Schlafbedürfnis und deren Zeiten für hormonelle Dysbalancen miteinander, soll heißen: Wenn Assistenzarzt hundemüde ist und in die Heia will zum schnarchen, dann kriegen die unter Assistenzarzt wohnenden Nachbarn regelmäßig Bock aufeinander und das lautstark. Ich hoffe nur, die verhüten, denn noch so ein Nachkomme wie der bereits existierende, kann die Nachbarschaft nicht vertragen. Und die Kindergärtnerinnen bestimmt auch nicht. Ich kanns ja noch verstehen, wenn ich durch die vom Vermieter stets als ach „so dicke Wände mit total super Schalldämmung“ angepriesenen Mauern das Gequietsche des Schlafmobiliars höre. Aber diese super tolle Schalldämmung ist von den Leih-Handwerkern  der – vom Vermieter stets bevorzugt genommenen sauteuren – Firma  leider falsch gelegt worden. Die habens geschafft und die Schalldämmung irgendwie mit der Wand verbunden!! Sowohl über uns als auch unter uns, wo die Wohnungen nach unserem Einzug saniert worden waren. Vorher war das nie so laut, da habe ich nicht mal wahrgenommen, dass wir Nachbarn haben… Ok, das Gequietsche ertrage ich noch. Aber dann kommen laute Töne hinzu, die mich an eine kalbende Kuh erinnern. Und an einen brünftigen Elefantenbullen. Das wird nur unterbrochen von den lallenden Stimmen der beiden Menschen unter mir, die bedauerlicherweise im alkoholisierten Zustand recht undeutlich reden. Im Übrigen fiel mir heute auf, dass die immer trinken und lallen, wenn sie vö… sich dem Vermehrungstrieb hingeben. Können die sich gegenseitig dabei nur im Suff alkoholisiert ertragen? Das Dumme ist, wenn man besoffen ist, dauert ja alles länger, also ich meine alles… bis die so fertig sind mit dem was sie da tun und endlich Ruhe herrscht im Haus… Die müssen ja nicht arbeiten am nächsten Tag, die bringen ja nur das Kind den halben Tag zum Kindergarten, damit sie sich in Ruhe streiten können. Zur Arbeit fuhr der morgens nur so drei oder vier Wochen, dann hatte sich das auch erledigt. Da hat man eben Zeit mitten in der Nacht, wenn alle anderen schlafen und damit schon fertig sind…

Wie ja schon einige Blogeinträge erkennen ließen, krieselte es in der letzten Zeit der noch jungen Ehe häufiger mal. Sie kann angeblich nicht kochen, er kriegt seinen Hintern nicht mal hoch um mit dem Kind zu spielen, dafür schreit er um so besser, wenn er in Rage ist, etc…. Was tut man, wenns in der Ehe krieselt? Partnertherapie. Wenn man dafür zu blöd ist nichts übrig hat, guckt man Fernsehen und macht das, was auf den Viertprogrammen zwischen Dauerwerbesendung und Supergewinnspiel geraten wird: Man peppt sein Sexualleben auf. Niemand solle glauben, in MeckPomm lebt man hinter dem Mond. Nein, wir haben etliche Shops und auch bei uns kennt man Onlineversand. Leider kennen das auch meine Nachbarn. So wurde ich letzte Nacht Zeuge, wovon ich nie Zeuge werden wollte… Allein die Vorstellung der beiden alkoholseligen Schreihälse mit Schlagkraft bei dieser Tätigkeit sorgt bei mir für soviel Ekel, dass ich überlege, als Nonne ins Kloster zu gehen.

Assistenzarzt liegt im Bett und schlummert sanft. In der Wohnung unten drunter war nach längerem abendlichen Alkohol konsumieren endlich nichts mehr zu hören. Bis es an der Heizung klapperte.

Lallende SIE: Kicher, kicher, lossss mach schoooon.

Klappernde Heizung.

ER: unverständliches Lallen.

Heizung klappert lauter.

SIE: Lllllossss, mach siee sssuuu.

Klappern an der Heizung, helles Schnippgeräusch.

ER: Höhöhö.

SIE: Kicher, kicher. Uuuuhhh, isss binnnn gefesssselt… Dasss macht mich schaaarf…

ER: Höhöhö

Assistenzarzt: Nee, was soll der Quatsch jetzt schon wieder. Verdammte Nachbarn. Die machen doch jetzt nicht etwa das, wovon ich denke, dass sich mich damit noch mehr nerven werden als sonst?

Doch.

SIE: Uuhhhh, isss binnn gefessselt… bitte mach misssss lossss….

Assistenzarzt genervt: Ja, was denn nun, fesseln oder losmachen? Wie kommen die jetzt auf Handschellen, verdammt? Warum machen die das nicht eher?

ER: unverständliches Lallen.

Rütteln an der Heizung. Jetzt hört man die Handschellen schön klappern.

Assistenzarzt noch genervter: Na das kann ja dauern, so voll wie der ist, wird das doch nichts. Wieso nehmen die nicht einfach was aus Stoff? Das macht nicht so nen Lärm. Hee, es is mitten in der Nahacht!

Es klappert weiter. Sie lallt unverständlich, er lallt unverständlich. Minuten mit Gerüttel, Geklapper und Lallen vergehen.

SIE: Ooooohhh…

Die Heizung wackelt jetzt rhythmisch und klappert extrem laut. Leider ist der Heizkörper in Assistenzarzts Zimmer mit dem in der Wohnung unten drunter durch ein Rohr verbunden, was durch den Fußboden kommt. Der Putz rieselt inzwischen und auch die Heizung in Assistenzarzts Zimmer beginnt zu wackeln.

Assistenzarzt: Was würde wohl passieren, wenn man jetzt eine Autobatterie an das Heizungsrohr anschließt?

SIE: Ohoohoooo. Kicher. Isss binn gefesselt… mach miss los… oooooohhh.

Assistenzarzt reichts: Wo kommt die kalbende Kuh auf einmal her so mitten in der Nacht?

ER: Rülppsss… lall… oooohhh….

Assistenzarzt sucht nach etwas zum an die Heizung werfen: Und da is auch schon wieder der brünftige Elefantenbulle. Is ja wie im Zoo hier.

Die Heizung wackelt, die Handschellen klappern. Es wird verbal ruhiger. Man hört nur noch das Geschurre und Geschleife und Gerüttel der Handschellen an der Heizung.

SIE schreit: Jetzzzz mach mich endlich losss du Idiot.

ER brüllt: Jahaa… Was glaubs du wasss isss hiieer mahach? *lall*

15 Minuten später herrscht endlich Ruhe. Die Pille und Kondome sind so eine segensreiche Erfindung, naja, bei denen hats halt nur 2 x versagt. Einmal davon brüllte heute morgen wie am Spieß weil ihm irgendwas nicht passte. Die Zahnbürste? Ich habs nicht verstanden…





Zahn um Zahn

19 02 2008

Morgens halb sieben irgendwo in Deutschland in der Wohnung unten drunter.

„…du… nicht immer… sei still!“ Die Akustik der Wände lässt zu wünschen übrig. Was soll wer nicht immer? Heee, ich will was mitkriegen!

„Jetzt mach endlich! … Zähneputzen…“ Aha.

„Nun nimm endlich die Zahnbürste oder muss ich das wieder erst machen?“ Oh gott, das arme Kind… so wie sie drauf ist, fallen Zahnbürsten heute morgen unter Waffenschein.

„Gut, dann gehst du eben so in den Kindergarten und die anderen lachen dich alle aus.“ So hätte die Supernanny das aber nicht gesagt, oder?

15 Minuten später. Eine Kinderlache imitiert das Lachen eines Trickfilmfieslings täuschend echt. „Hast du das eben gemacht? … du …. wehe… nochmal…“ Boah, diese Akustik ist grauenvoll. Sekunden später lacht der dazugehörende Vater in der gleichen Weise. Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum. Sie schimpft. „Du kannst auch mal was sagen! Du hilfst ja sowieso nie!“ Ein Jahr Feldbeobachtung bei meinen Nachbarn zeigen, dass wenige Monate ausreichen, einen 1,15 m großen Zombie zu erschaffen, der inzwischen auch aggressiv gegenüber unbeteiligten Erwachsenen ist, wenn er die Wohnung mit seinen Erzeugern verlässt „Was fragst du denn so blöd?“ „Guck nicht so doof“… Man, was werden dem seine Lehrer sich freuen, wenn der erstmal in die Schule kommt…





„Du bist faul…“ – Eine neue Folge der Blog-Soap „Meine Nachbarn – Deine Nachbarn“

2 11 2007

Reformationstag. Der Tag, an dem einst Martin Luther die Thesen an die Kirchentür in Wittenberg hängte. Der Vorabend von Allerheiligen. Der Beginn der Reformation und Mit-Ursache / -Auslöser für den 30jährigen Krieg.
Reformationstag. Ca 12.30 Uhr. Stille, die jäh unterbrochen wird. Türen fliegen, Stimmen überschlagen sich. Können die da unten nicht mal langsamer und deutlicher schreien, man kriegt ja überhaupt nix mit hier oben…

„…Du bist so faul!… […]…Wieso ist das Mittag nicht fertig?“ ca 90 db

Sie war vorher mit dem Kind zu den Großeltern gegangen, irgendwas hinbringen, hab ich gesehen.

„[…] Sieh zu, dass das Kind was zu essen kriegt und kümmer dich mal anständig![…]“ ca 100 db

„[…] Du könntest ja auch mal mit dem Jungen auf den Spielplatz gehen! […]“ ca 90 db

„[…] Du alte faule Schlampe! Du bist schuld, dass * tot ist! […]“

„[..] Hör endlich auf, dem Jungen zu sagen, dass ich * umgebracht habe! […]“

„[…] Wieso kümmerst du dich eigentlich nicht auch mal um das Kind? Wieso muss ich immer alles machen? Kochen, saubermachen, alles! […]“

„Mama hat recht.“

Weitere offensive Fragen von ihr, die ich nicht genau verstehe, defensive Antworten von ihm, die ich auch nicht verstehe.

Rumms… knall…polter… klatsch (Keine Beweise… wo kein Kläger, da kein Beklagter… Ich hasse Männer, die ihre Frauen schlagen und ich wünschte, er täte es mal öffentlich, dann würde ich ein kleines diskretes Handy-Bild machen und ans Schwarze Brett neben die Hausmitteilungen hängen. Sadistischer Macho.)

1 Minute später. Klappernde Küchentür.

„[…] Bist du nicht bald fertig? […]“

„Es gibt Stampfkartoffeln!!!!“ ca 120 db … wußte gar nicht, dass die so laut gemacht werden…

„Das ist doch kein richtiges Essen. […]“ ca 100 db Irgendwas, was sich beim Aufprall anhört wie ein Kochtopf, fliegt durch die Luft und landet an der Wand.

[…] Raus hier. Lass mich in Ruhe und geh mir nicht auf den Keks!“

Kinderstimmchen sucht zu schlichten. Poltern, Türenknallen.

2 Stunden später sieht man sie beide vereint auf dem Balkon rauchen. Luftverpester. Weitere 2 Stunden später das nächste Theaterstück. „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.“ hat meine Oma immer gesagt. Wieso hab ich immer solche Nachbarn? Dabei ist die Miete gar nicht so ohne. Der Typ hat eine Visage (nein, kein Gesicht), die sieht schon kriminell aus. War das jetzt der Beginn eines neuen 30jährigen (Rosen-)krieges, an dem alle Nachbarn teilhaben dürfen / müssen?

Heute morgen blockierte er mit seinem Anhang den Fahrstuhl. Kind rein, Kind raus, ach ist das ein schöner Spielplatz, und sie nochmal zurück zur Wohnung, ach quatsch, quatsch, laber laber, *Fahrstuhl festhalt und verhinder das die Türen zugehn, damit man nich selbst warten muss*. Ich musste zu Fuß runter, um nicht noch später los zu kommen. Genau wie einige weitere Nachbarn. Hoh, das war kurz vor einem Volksaufstand. Boah, waren wir geladen. Da stand er (der merkwürdige Nachbar) eine Etage tiefer und sah mich mit einer Mischung aus Verachtung, Boshaftigkeit, hämischem Grinsen etc. an. Nein, er hat noch nie gegrüßt, niemanden aus dem Haus. Das macht ihn so unheimlich beliebt… Wirklich ein Anlitz, bei dem man sich als friedlicher Bürger fragt, warum es da nicht die eigene Faust ins fremde Gesicht zieht. „Arschloch.“ Ich hab gehört, das ist der Morgen-Gruß unter sadistischen primatenähnlichen Provokateuren und dachte, ich red in seiner Sprache.

* Das behinderte Kind dieser Nachbarn, von dem ich in Beiträgen im Blog1-Assistenzarzt-Blog schrieb, ist leider in der Zwischenzeit unerwartet verstorben. Manchmal haben es kleine Engel im Himmel wirklich leichter.