Fußprägung

27 09 2013

Neulich auf einer Veranstaltung saß sie ganz hinten. Es war schon kühl draußen, so 9 Grad. Zu kalt für September. Bibber. Sie hustete und rotzte. Ihre nicht mehr ganz jugendlichen Falten waren gut geschminkt. Das Blass der Erkältung geschickt übertönt. Sie hatte diese Sandalen an, die nur vorne quer rüber über den Spann hielten. Socken, nicht doch… das ist doch uncool. Man ist so jung, wie man sich fühlt. Kalte Füße, kalter Kopp. (Altes Sprichwort norddeutscher Ärzte) Als es leerer wurde, zog sie sich einen leeren Stuhl heran und packte ihre nicht mehr ganz jugendlichen nackten Füße, die den ganzen Tag ebenso nackt in den Sandalen unterwegs waren, auf die mit Stoff bespannte Sitzfläche. Es ging gerade um Hygiene, also vorne auf den Folien jedenfalls. Also wer von ihren Erkältungsbazillen noch nichts abbekommen hatte, hätte jetzt die Gelegenheit zu schauen, ob noch Fußpilz übrig ist, oder wenigstens ein paar Fussel, Sandkörner oder Hautschuppen mit echtem Fußflair. Perfekt drapiert auf der Sitzfläche. Ein bissl DNA von uns bleibt ja überall wo wir mal waren. Mein Sitznachbar schaut interessiert, wohin ich die ganze Zeit starre. Ich sehe ihn an. Er rümpft die Nase. Wir kennen uns nicht, aber die Wellenlänge scheint die gleiche.

Liebe Kollegin, falls sie glauben, sich erkannt zu haben, muss ich sie enttäuschen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig… und vielleicht trotzdem willkommen.





Die Angst vor den fliegenden Kaffeetassen

27 09 2013

Irgendwo in Deutschland. Ein Hotel mit Tagungssaal. Etwa 100 Ärzte auf einen Haufen. Draußen vor dem Saal gibts Kaffee, Latte irgendwas, Tee und so was. Die Pause ist zu Ende. Irgendwie gibts immer so ein paar Leute, die sich nicht von den Getränken trennen können und Kaffee mit in den Saal nehmen. Und dann gehts los. Weil sie zu spät kommen, müssen sie durch die Reihen durch, bis ans andere Ende. Dann haben sie eine Handtasche über der Schulter, in der einen Hand die Untertasse, auf der eine große volle Kaffeetasse steht und wackelt. Möglichst noch Kekse auf der Untertasse drauf. Und in der anderen Hand Schreibblock oder irgendwas anderes. Und dann gehts durch die Reihe durch. Über die dort Sitzenden hinweg wackelt diese Kaffeetasse. Es klappert gefährlich. Die Tasse wackelt. Die VOLLE Tasse. Ich spüre die Kollegin hinter mir. Nicht bewegen, Platz machen. Wenns daneben geht, saut sie mich voll ein, den Kopf, den Nacken, die Klamotten, meine Jacke… oder meine Nachbarn. Ich denke angstvoll an die Bierdusche, die unser aller Kanzlerin vor etwa einem Jahr bei einem Fest in MV abbekam von einem unqualifizierten Kellner. Gut, ich kann nicht Kanzler. Aber ich sitze gerade an der falschen Stelle. Nein. Tue ich nicht. Ich sitze richtig, aber die Kollegin sieht was falsch. Trinken draußen. Essen draußen. Lernen drinnen. Und zwar pünktlich und nicht so, dass alle gestört werden und jeder beängstigt nach oben schielt, und hofft, dass er keine Kaffeedusche kriegt.
Liebe Kollegen, die ihr das so gerne macht: Die meisten anderen Kollegen hassen das!

Genau wie die Momente, wo die halbvollen Kaffeetassen auf dem Boden stehen, und jemand aus Versehen dagegen kommt und sie umstößt. Weil entweder nicht gesehen oder vom Besitzer schnell mal vergessen. Und schon ergießt sich die Latte irgendwas auf den Fußboden, gegen die Jacke, Tasche, Schuhe, Hose des Nachbarn. Latte in den Socken ist doch viel besser als Sand in den Schuhen…
Nee, ich hasse das wirklich. Ich kann mich dann immer nicht konzentrieren, wenn ich weiß, dass hinter oder neben mir so eine fliegende Kaffeetasse unterwegs ist oder ein Gefäß mit Inhalt in wackeliger oder schnelltretender Position steht…