Gafferwand gegen Gaffer bei Unfällen

12 02 2017

Ich habe es in diesem Blog irgendwann schon einmal erwähnt: bei Unfällen nerven die Gaffer – sensationsgeile, egozentrische, empathielose Intelligenzallergiker.

Einen Ludwigsluster hat es ebenfalls gestört. Und er tut etwas dagegen. Er hat eine Gafferwand erfunden, innerhalb von Minuten aufblasbar, weitgehend sturmfest und für die Opfer ein Segen. Das THW Ludwigslust setzt sie jetzt ein. Berichtet haben NNN und Nordmagazin. Und weil ich es gut finde und die Idee unterstütze, schreibe ich hier darüber und bitte alle aus Rettungsdienst, THW, FFW etc. diese Idee zu verbreiten. Der Erfinder hat zwar das Patent angemeldet, aber keinen finanziellen Background um eine Produktion aufzubauen. wenn sich Bundesländer oder größere Organisationen dafür interessieren, dann kann er aus der Idee und dem Prototypen was machen und wir alle haben etwas davon: die Retter, die Opfer und die Menschen, die das Verhalten der Gaffer missbilligen.

Hier der Link zur NNN.
http://www.nnn.de/lokales/ludwigsluster-tageblatt/ein-erfinder-gegen-viele-gaffer-id16028961.html

Edit am 15.07.17:
Jetzt gibt’s nen Link zum Hersteller: http://www.gafferwand.de
Dank an D. Mohn für die Info und weiterhin viel Erfolg mit dieser Super-Idee!

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Unfallhelfer? – Fehlanzeige!

5 09 2008

Bei der ARD fand ich einen interessanten, vielmehr erschreckenden Beitrag über die Erste Hilfe an Unfallstellen. Liest man diesen Artikel (Erste Hilfe – Gleichgültigkeit kostet Menschenleben, SWR, Samstag, 28. Juni 2008), stellen sich einem die Nackenhaare auf. Es ist unglaublich, wieviele Autos an Unfallstellen mit offensichtlich Verletzten vorbeifahren, bis jemand anhält. Da kann das Auto auf dem Dach liegen und blutüberströmt eine Person am Fahrbahnrand – es ist den vorbeifahrenden egal. Eigentlich weiß jeder, dass man allein schon aus moralischen Gründen verpflichtet ist zu helfen. Eigentlich weiß auch jeder, dass auf unterlassene Hilfeleistung Strafe steht. Und eigentlich weiß auch jeder, dass Menschen sterben können, wenn sie blutend, verletzt neben ihrem schrottreifen Auto liegen. Da stellt sich mir die Frage: Warum fahren z.B. 31 Fahrzeuge an einer Unfallstelle vorbei ohne dass jemand Anstalten macht zu helfen?

Ich frage mich, ob diese Menschen nicht irgendwann mal drüber nachdenken, was sie fühlen würden, wenn sie allein und hilflos im Auto eingeklemmt sind oder daneben liegen und niemanden kümmert es. Wer Unfallopfer jemals live erlebt hat, weiß dass sie teilweise Todesangst haben, weil sie fürchten es könne keine Hilfe kommen bzw. nicht mehr rechtzeitig – unabhängig davon wie schwer ihre Verletzungen sind. Ich habe einen Todesfall miterlebt, wo ein Auto auf der Autobahn an die Leitplanke gerutscht war, weil der Fahrer zusammengesackt war am Steuer und erst 15 Minuten später ein Notruf abgesetzt wurde. Als die Rettungskräfte Minuten später eintrafen (so weit war der Anfahrtsweg gar nicht), war der Mann reanimationspflichtig und sie haben ihn nicht wiederbekommen. Vermutlich hat er am Steuer einen Herzinfarkt gehabt. Hätte man ihm eher geholfen, könnte er vielleicht noch leben. Was müssen die Angehörigen jetzt fühlen, mal abgesehen von dem ohnehin schon schweren Verlust?

Es ist im Beitrag von der Angst etwas falsch zu machen die Rede. Viele haben vor etlichen Jahren oder Jahrzehnten ihren Erste Hilfe-Kurs gemacht und fühlen sich unsicher. Dabei ist es so einfach. Die größte Hilfe ist das holen von Profi-Hilfe – sprich den Rettungsdienst rufen. Das geht beim Handy sogar ohne die PIN zu kennen. Das nächste ist, sich selbst aus der Gefahrenzone zu bringen und das Unfallopfer auch – also hinter die Leitplanke auf der Autobahn wenn möglich – und die Unfallstelle zu sichern – also Warndreieck raus und jemanden hinter den Straßenrand stellen, der auf die Unfallstelle aufmerksam macht. Damit ist schon viel getan. Das Unfallopfer selbst sollte wenns geht in die Stabile Seitenlage gebracht werden. Wenn man nicht mehr weiß, wie das geht, dann vorsichtig auf die Seite drehen und am Becken und Schulterbereich festhalten, dass derjenige nicht wegrollt – das ist noch besser als gar nichts tun. Der Kopf sollte immer überstreckt werden. Wenn man jemanden mit Sturzhelm hat, reicht es für Unkundige, das Visier zu öffnen und den Helm erstmal drauf zu lassen bis der Rettungsdienst kommt. Es ist besser als gar nichts zu tun. Die von vielen gefürchtete Wiederbelebung ist in den seltensten Fällen erforderlich – außer natürlich das Unfallopfer liegt stundenlang ohne Hilfe da…

Der Angst vor Ansteckung mit infektiösen Bluterkrankungen kann man begegnen, in dem man die Handschuhe aus dem Verbandskasten anzieht. Das schlimmste was ich in dieser Beziehung mal hörte, war die Antwort „Also das kostet auch Geld neue zu kaufen.“ – Gegenfrage: Wieviel wert ist ein Menschenleben? Neue Handschuhe für den Verbandskasten kosten weniger als ne Schachtel Zigaretten…

Die ARD hat eine gute Zusammenstellung über die Erste Hilfe – Maßnahmen und die Stabile Seitenlage.

Was ich erforderlich finde – es müssen einfach zugängliche und möglichst kostenlose Refresher in Erster Hilfe angeboten werden. Vermutlich ist es in unserer Gesellschaft auch notwendig, das nicht einfach nur anzubieten sondern auf die Leute zuzugehen und sie dort abzuholen wo sie sind – also in die Firmen und Einrichtungen zu gehen. Auch dürften sie nicht zu sehr mit Theorie belastet sein sondern müssen den Leuten die Barriere vor dem Aktivwerden nehmen. Es gibt ja die Björn Steiger Stiftung, die in den letzten Jahrzehnten unheimlich viel für den Rettungsdienst und die Notfallmedizin getan hat. Sowas bräuchte es auch für die „breite Basis“ – also Otto-Normal-Bürger-Erste-Hilfe-Kenntnisse-Haber (oder Nichthaber).

Ein Tip noch: Man kann sich bei der Björn-Steiger-Stiftung kostenlos mit seiner Handynummer registrieren lassen für die Handy-Ortung  (siehe auch Blogbeitrag „Handyortung im Notfall“). Wenn man einen Notruf absetzt, kann die Leitstelle einen dann auch orten falls nötig. Wer jetzt meint, dass er da ja Daten preisgibt… die Schufa, jedes Versandhaus oder gar amazons Cookie-Funktion wissen mehr über einen…

Zusammenfassung: Wenn ein Unfall passiert ist, dann tu was – es könnte auch jemand aus deiner Familie sein.