Weihnachtsgrüße von Assistenzarzt

23 12 2007

An dieser Stelle ist es glaube ich an der Zeit, all diejenigen zu grüßen, die dieses Blog mehr oder weniger regelmäßig aufsuchen. Ich wünsche Euch allen ein fröhliches Weihnachtsfest, hoffe, dass ihr nicht arbeiten müsst sondern bei Eurer Familie sein könnt und dass ihr schöne Feiertage verbringen werdet. Uns allen wünsche ich für das kommende Jahr mehr Frieden in dieser Welt und verbinde hiermit den utopischen Wunsch, dass alle Waffen plötzlich in Schokolade verwandelt werden und es endlich jemand schafft eine „Friedenspille“ zu entwickeln, die man etlichen Leuten verabreichen müsste, vielen wohl auch heimlich.

Ganz speziell grüße ich S. und G., mit denen ich seit dem Studium befreundet bin und die ich sehr schätze. Außerdem gehen besondere Grüße an einen Kollegen in Äthiopien. Grüße natürlich auch an meine aktuellen und ehemaligen PJs, zu denen ich teilweise noch lockeren Kontakt habe: Lasst Euch nicht unterkriegen.
Ich möchte mich hiermit auch bei all den Leuten entschuldigen, deren Geburtstag ich dieses Jahr vergessen habe, insbesondere bei I., einer ehemaligen Kommilitonin und bei A. aus meiner Schulzeit. Es wird mir erst jetzt bewußt, da ich Eure Namen alle wieder in meinem Adressbuch lese. Ich habe mir ein neues Handy zugelegt im Sommer und dabei nicht gemerkt, dass der Geburtstagskalender nicht auf der SIM-Karte gespeichert ist und nicht ins neue Handy mitgekommen ist.

Weihnachtsgrüße gehen auch an den Marburger Bund: Seht zu, dass es endlich keine west- und ost-deutschen Ärzte mehr gibt sondern nur noch den deutschen Arzt – gleiche Arbeitszeiten und gleiches Gehalt! Das sollten Eure nächsten Forderungen sein, wenn es am 1.1.08 wieder ans Verhandeln geht. Ansonsten streike ich nicht mit, auch wenn ihr mehr Gehalt fordert. Wenn mehr Gehalt, dann nur, wenns auf beiden Elbseiten das gleiche gibt. Wie sehr ich als alter Verfechter der MB-Ziele von Euch enttäuscht bin, weil ihr es trotz der Streiks nicht geschafft habt, diese elenden 24-h-Dienste abzuschaffen sondern den Kliniken die wunderbarste Ausfluchtklausel geschaffen habt, kann man einige Monate zurück in diesem Blog lesen.  

Wen wollte ich noch grüßen? Alle anderen Assistenzärzte, die die Tage bis zu ihrem Facharzt zählen, auch wenn es noch mehr als 1000 sind… oder gar mehr als 2000… Ach ja, und alle Assistenzarzt-Blog lesenden Patienten: Ich hoffe, Ihr seid nicht zu desillusioniert über die Ärzte und versteht den Zynismus und Sarkasmus nicht falsch. Ärzte sind halt auch nur Menschen und aus meiner Sicht momentan diejenigen, die am meisten im Gesundheitswesen einstecken müssen, auch wenn sie sich nicht alleine für die Ärzteinteressen einsetzen sondern letztlich damit nur die Qualität halten wollen für diejenigen, die krank in unsere Notaufnahmen und Praxen kommen.

Frohe Weihnachten Euch allen.

Assistenzarzt





Adventszeit

22 12 2007

Die Adventszeit ist fast auf ihrem Höhepunkt angelangt. Ich habe viel durchgemacht, aber das tue ich jedes Jahr. Die Anlässe sind jedes Mal verschieden. Dieses Jahr hatte ich mich für eine wunderschöne Erkältung inklusive ausgeprägter Sinusitis entschieden, von denen ich auch nach 3 Wochen noch immer unterhalten werde. Es soll jetzt nicht heißen, dass 70h-Wochen, Streß, Dienste und der ganze Zickenterror in der Klinik für eine reduzierte Abwehrlage verantwortlich sind. Nein, dafür habe ich noch nicht die passende Studie gefunden. 

Ich bin immer noch echt platt wie ne Flunder. So lang wie der Dezember ist, schleppe ich mich jetzt auch damit herum. Das ist neuer Rekord für mich. Ich habe auch noch nie soviele Taschentücher gebraucht. Ich zähle nicht die Taschentücher sondern die Pakete. Es ist unglaublich, wieviel… Sekret… von so einer Nase produziert werden kann. Und vor allem: 3 Wochen lang schon. Ich meine 3 Wochen… wie geht sowas? Ich wußte nicht, dass eine Sinusitis so fett und schmerzhaft sein kann. Ich bin fast verzweifelt, weil ich tagelang keine Besserung bemerkte sondern eher Verschlechterung. Mein Immunsystem scheint sich für einen Urlaub entschieden zu haben, nur leider hat es mir nicht gesagt, wo es hingefahren ist.

Ich habe es dieses Jahr nicht ein einziges Mal auf den Weihnachtsmarkt geschafft. Krank oder Dienst gehabt. Dienst gemacht, umgefallen, krank für ein paar Tage, wieder Dienste und Arbeiten trotz kranksein, wieder übers Limit gegangen, alles noch schlimmer (ha, wen wunderts?), krankgeschrieben. Es ist so: Wenn Dienst ansteht, hat man nicht krank zu sein. Wir sind schließlich mit Erwerb der Approbation Maschinen, die zu funktionieren haben. Außerdem ist man ein Weichei, Warmduscher, Vorwärtseinparker, Verräter, Saftsack,… wenn man sich krankschreiben lässt, weil man krank ist. Zumindest in den Augen der Leute, mit denen ich zusammenarbeite. In meinen nicht. Aber nicht nur in dem Punkt denke ich anders als die Leute in der Abteilung wo ich gerade bin. Ich halte ja auch was von Toleranz, friedlichem Miteinander, Kollegialität und Achtung vor dem anderen. Wenn es den Online-Versand nicht gäbe, hätte ich gar keine Weihnachtsgeschenke. Könnte mir eigentlich auch egal sein, ich hör ja sowieso nur die Hälfte (Gemecker sowieso nicht 🙂 ), weil meine Ohren immer noch total verstopft sind.

Was meine nervtötenden Nachbarn angeht: Auch in diesem Falle ist ein Tubenkatarrh eine Wohltat gegen otoakustische Emissionen dieser Terroristen von unten drunter. Der Bengel hat inzwischen gelernt, wie man jede Weisung der Mutter ignoriert. Er benimmt sich wie sein Vater, nur in klein. Ich sehe / höre also derzeit einen künftigen Frauenschläger heranwachsen. Die Mutter schreit nur noch herum, wenn der Kleine nicht macht, was er soll. Der macht sich wiederum einen Spaß drauß wenn sie keift und bölkt. Neulich morgens hatte ich das zweifelhafte Vergnügen im Fahrstuhl mit dem Jungen und der Mutter runterzufahren. Diese kleine Göre hatte das erstmal drauf, alle Knöpfe auf einmal zu drücken, obwohl er mit seinen 4,5 Jahren weiß, dass man das nicht tut. Mutter schimpfte, er lachte. Ich sagte, es reicht. Es ist nicht so, dass ich Kinder nicht leiden kann. Ich hatte sogar eine Weile Mitleid mit dem Kleinen. Für seine Eltern kann schließlich keiner was. Aber seine letzten Sympathiepunkte hatte er an diesem Morgen verspielt. Bei Dr. House gibt es eine Folge, wo er einem Kind nacheinander Auto, Polizist und Feuerwehrmann aus der Nase zieht. Da dreht es sich eigentlich um einen schwulen Mafioso. Jedenfalls taucht der Bruder bei House im Ambulanzdienst auf, als House gerade diesem Kind in der Nase bohrt und es rumschreit. Der Mafioso sagt „Stopppp!“ und das Kind erstarrt. Genauso hätte ich diesen Nachbarsbengel am liebsten angefaucht, aber was tut man nicht der Höflichkeit wegen… Heute morgen schreckte ich aus meinem Schnupfenschlaf hoch und durch meine verstopften Ohren dachte ich, es schreit mich jemand an. Ich beruhigte mich recht schnell, da ich begriff, dass niemand neben meinem Bett steht und mich anbrüllt, sondern dass unten drunter war. Sie keifte, der Junge schrie zurück (früher weinte er nur, inzwischen schreit er), sie keifte wieder, er schrie… „Du bist jetzt 4 Jahre alt, du müsstest… “ (Tubenkatarrh) „Wenn du nicht… “ (Tubenkatarrh) „… dann rufe ich Oma und Opa an und sage, dass du heute nachmittag nicht mitkommst. Dann bleibst du hier.“ „… ich will aber…“ „Nein, lass das!“… Ich weiß nicht genau, worum es eigentlich ging. Ob es das Trillerpfeifenkonzert von eine Stunde vorher war, dass mich bereits vorher einmal weckte. Der Junge hat inzwischen die Konfliktlösungsstrategien seiner Eltern übernommen, die eigentlich keine sind. Man muss nur in Medizinische Psychologie und Kinderneuropsychiatrie etwas aufpassen und dann kapiert man, was da unten abläuft. Spätestens mit 8 Jahren wird er kleine Katzen quälen, mit 10 Jahren wird er seine Mutter auch schlagen, mit 11 Drogendealer, mit 12 Autoklauer und mit 14 endlich eingesperrt. Als die zu Ostern einzogen, war der kleine fröhlich, aufgeweckt, hat immer gesungen,… jetzt ist er auf dem Weg zu einem Problemkind für die Supernanny. Das sind doch Aussichten.

Der Dezember ist auch die Zeit, um Leute zu treffen, die man lange nicht gesehen hat. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, von dem Mann, in den man mal verliebt war – und so doof war, es ihm zu sagen, sich eine Abfuhr einzuholen, damit er Wochen später wieder anfängt herumzuflirten – die Freundin offiziell vorgestellt zu bekommen, die auf einmal auftauchte, als man dachte, der andere will was von einem selbst. Ein Moment, vor dem ich immer etwas Beklemmungen hatte. Wohl nicht nur ich. Es kam zu einer Polarisierung intrapersonell in meiner Psyche. Einerseits dachte ich: Ok, sie ist älter, sie hat mehr Falten und sie wirkt irgendwie sehr einfach, ihr Händedruck ist so lasch, als hätte man einen toten Fisch in der Hand und ich hab mich amüsiert, weil Frauen sich halt amüsieren, wenn sie feststellen, dass sie wohlmöglich besser aussehen als jemand anderes, den sie für überlegen gehalten haben. Andererseits war da aber auch Verwunderung, Nicht-Verstehen und Erstaunen, dass man jemanden so falsch eingeschätzt hat (wobei da noch einige andere Facts eine Rolle spielten) und dass diese Frau mit einem selbst doch gewisse Ähnlichkeiten hat, auch wenn einem das so auf den ersten Blick vielleicht nicht auffällt. Gott sei Dank sind wir alle erwachsen, mehr oder weniger über Dinge aus der Vergangenheit hinweg und können friedlich miteinander umgehen. Die menschliche Psyche wird mir aber mit jedem Jahr, das ich älter werde, immer rätselhafter.

Die Adventszeit ist auch die Zeit der Wünsche. Von meinem Wunsch einer Nintendo Wii bin ich erstmal abgerückt. Ich weiß nicht, wo ich sie hinstellen soll und mein Fernsehbildschirm ist wohl auch für den wirklichen Spielgenuss etwas zu klein. Dafür wünsche ich mir das neueste Buch von David Baldacci „Die Wächter“ und ich weiß, dass ich artig war und es somit auch bekomme 🙂 Kleiner Tip: RTL ist ziemlich hinter dem Mond. Die stellen  momentan das vorige Buch von Baldacci „Spiel der Stunden“ (engl. Hour Game) als Buchtip vor… man, ob die irgendwann man im Jetzt ankommen? Das sollten doch sogar die Redakteure von dort rauskriegen…

In diesem Sinne Euch allen einen schönen 4. Advent. Packt allmählich die Geschenke ein, futtert nicht so viele Plätzchen,  seid nett zu euren Mitmenschen (außer es sind die Nachbarn von unten drunter) und falls es jemanden gibt, den ihr ganz besonders mögt und dem ihr das noch nicht gesagt habt, dann wäre diese schöne romantische Dezemberstimmung mit Raureif auf den Bäumen doch endlich mal die Gelegenheit, oder? Ihr müsst ja nicht unbedingt zu Bauer sucht Frau gehen… 😉





Ärzte – Weihnachts-Wunschzettel

15 12 2007

Was wünscht ein Arzt sich vom Weihnachtsmann? Nicht viel würd ich sagen. Also ich fang mal an mit einem Weihnachts-Wunschzettel von Ärzten an den Weihnachtsmann.

  1. nur 40 Stunden Wochenarbeitszeit
  2. ein Zeiterfassungssystem für die Klinik
  3. ein Formular, wo ich meine Überstunden dokumentieren kann und sie bezahlt bekomme
  4. einen Chef, der es nicht nötig hat, seine Assistenzärzte in der Visite vorzuführen und zu blamieren
  5. einen Chef, der gerecht zu seinen Assis ist und nicht gerade die Unfähigste wie einen VIP behandelt und allen anderen die Schuld für Dinge zuschiebt, die VIP-Assi verbockt hat
  6. eine andere Gesundheitspolitik
  7. Zwangsverrentung von Ulla Schmidt
  8. Psychotherapie für Staatssekretäre im Gesundheitsministerium
  9. weniger Hierarchie-Strukturen
  10. weniger Papierkram
  11. dass den Klinikverwaltungen ein Kronleuchter aufgeht
  12. einen Tarifvertrag, der endlich das erfüllt, was wir fordern
  13. dass alle freien Arztstellen besetzt werden und nicht frei bleiben, weil man dann ja auch keinen bezahlen muss




Weihnachtsstöckchen

1 12 2007

Ich hab ein Stöckchen gefunden! Und es aufgesammelt, weil ich es interessant finde. Es lag bei F und ich wollte auch mal damit spielen. Fs Stöckchen-Antwort ist lesenswert…

Feierst du Weihnachten? Feierst du mit der Familie oder gehst du weg?

Sofern ich nicht irgendwelche Beeinträchtigungen durch Arbeit oder Dienst oder andere böse Dinge habe, wird morgens lange geschlafen. Während Assistenzarzt schläft, sind Mutter und Vater von Assistenzarzt bei den Vorbereitungen angefangen. Dank Blutdrucktabletten  ist V in der Lage sogar am 24. vormittags in Läden zu gehen, um noch das einzukaufen, was seit Tagen vergessen wurde oder was nur kurz haltbar ist – wie bestimmtes Obst etc. M. werkelt in der Küche und zaubert Hefekuchen, so dass V. sich eh nicht dorthintraut (und wehe es wird ohne zu fragen ein Fenster geöffnet und der Teig fällt). Wenn Assistenzarzt dann wach ist und wieder bis 3 zählen kann, beginnt sie mit dem Schmücken des Baumes.  Anschließend machen Assistenzarzt und M. den Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen, der wie es scheint eine familiäre Tradition ist, denn auch in anderen Familien wird dies zelebriert. Überhaupt scheint das eine ostdeutsche Tradition zu sein, wenn ich so höre, was woanders auf den Tisch kommt. Anschließend führt Assistenzarzt die heilige Zeremonie des Füllens der bunten Teller aus. Nachdem beim Kaffeetrinken wieder Kräfte gesammelt wurden, gehts raus an die frische Luft und die Stimmung im Viertel zu Weihnachten genießen. Anschließend gibts im Laufe des Abends Geschenke. Meist rufen hier die ersten Verwandten an, in der Regel in der Reihenfolge E, I und H, was immer sehr schön ist. Der Rest der Sippschaft ruft schon seit Jahren nicht mehr an, was ich allerdings nicht bedauere, ich weiß gar nicht, ob die überhaupt noch in Deutschland sind.

Hast du dir schon Gedanken über Geschenke gemacht oder sogar schon welche gekauft?

Ja. Gedanken.

Gibt es schon Pläne für das Weihnachtsessen?

Siehe oben. Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen. Familientradition, Highlight, zeitliche Unabhängigkeit, LECKER!

Hast du einen Weihnachtsbaum? Wann stellst du ihn auf und wann fliegt
er wieder raus? Wie muss ein Weihnachtsbaum für dich aussehen?

Ja, meistens eine einheimische Tanne. Direkt vom Förster in einem mecklenburgischen Wald. Nach kurzem Verweilen auf dem Balkon folgt am 23. oder 24. das Aufstellen in der guten Stube. Nach dem Jahreswechsel verlässt er uns, je nach Nadelfall und persönlicher Stimmung. Aussehen: schön, natürlich und maximal 1,50m groß wegen der Platzknappheit.

Wirst du in die Kirche gehen?

Selbstverständlich nicht. Auch als konfessionsloser Mensch zeige ich Barmherzigkeit und Nächstenliebe und Respekt vor anderen Menschen und das nicht nur zu Weihnachten, denn diese Eigenschaften sind nicht allein den Christen vorbehalten.

Glaubst du, dass an Weihnachten Schnee liegen wird?

Kommt drauf an in welchem Land dieser Erde… Naja, einmal in 10 Jahren passierts auch im Mecklenburgischen, und wenn es nur 2 cm sind. Mal sehen, ich habe noch nicht die Prognose von Dr. Rainer Tiesel, dem Wetterpapst des Nordostens gehört, der schon zu DDR-Zeiten wußte, was der Wettergott dachte.