Morgens halb vier in Deutschland

29 04 2009

Zeit, sich umzudrehen, die Decke hochzuziehen, aus der Ferne das frühlingshafte Vogelgezwitscher zu registrieren und weiterzuschlafen. Doch was is schon normal in dieser Welt?

Irgendwo in Deutschland steht ein Krankenhaus, da kämpfen die Ärzte mit der A-karte in Gold gegen Müdigkeit, Augenklappern, dem Labor und der Natur des Menschen. Diese Natur besagt, dass man mit Harnwegsinfekten am besten zwischen 3.00 und 4.00 Uhr früh in eine Notaufnahme geht. Und täglich grüßt das Murmeltier. Wobei, haben Murmeltiere eigentlich Harnwegsinfekte? Die Natur des Menschen besagt außerdem, dass ein Harnwegsinfekt nichts für den kassenärztlichen Notdienst oder den Hausarzt ist. Erst recht nicht wenn es schon ein paar Tage geht. Und wenn man schon bei einem von beiden war und anbehandelt ist, dann geht man anschließend nochmal in die Notaufnahme, um die Therapie prüfen zu lassen. Schließlich haben wir freie Arztwahl. Auch zwischen 3.00 und 4.00 Uhr morgens. Wobei, gibts eigentlich auch sowas wie freie Patientenwahl?

Also die 5 Regeln zum Verhalten der menschlichen Natur bei Auftreten eines Harnwegsinfektes:

1. Ein Hausarzt oder kassenärztlicher Notdienst ist nicht der richtige Arzt.

2. Wenn man trotzdem da war und den HA oder KÄND aufgesucht hat, dann geht man anschließend in die Notaufnahme, um die Therapie prüfen zu lassen.

3. Harnwegsinfekte werden in Notaufnahmen am besten zwischen 3.00 und 4.00 Uhr morgens behandelt, weil der Arzt dort erst nach 21 Stunden arbeiten und 0 Stunden Schlaf so richtig warmgelaufen ist und die Wartezeit unter einer Stunde beträgt. Außerdem kriegt man gleich Labor.

4. Wenn man schon 10 Euro Notfallgebühr in der Notaufnahme gezahlt hat, dann kann man das Quartal auch immer wieder hingehen ohne neu bezahlen zu müssen. Am besten natürlich zwischen 3.00 und 4.00 Uhr morgens am Wochenende, damit man vorher noch zur Party gehen kann.

5. Am besten ist, man fängt gleich großartig an rumzumeckern und zu schreien, weil 30 min echt eine lange Wartezeit ist um die Uhrzeit und man ist ja schließlich extra jetzt gekommen, weil man beim Hausarzt 3 Stunden sitzen muss und das schon seit paar Tagen geht und regt sich noch auf, dass die Rettungswagen vorgezogen werden, dann haben die Schwestern irgendwann die Nase voll und schicken einen in einen extra ruhigen Raum, so dass man nicht zwischen den hustenden, keuchenden, luftnötigen, schmerzgeplagten, schwerstkranken Patienten liegen muss, die sich einfach mit dem Rettungswagen vordrängeln und echt aufgenommen werden wollen.

Die einzige Frage, die bleibt: Wieso geben diese doofen Ärzte in der internistischen Notaufnahme eigentlich keine Krankenscheine raus? Achja, und wieso guckt der Arzt eigentlich so grimmig? Is doch Wochenende und nach ner Party hat man doch immer gute Laune und Frühstück is ja auch bald.

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17 responses

29 04 2009
Chris

6. Gleiches gilt übrigens für Katheterwechsel bzw gezogene Katheter oder Harnverhalt.

7. Und auch wenn es wirklich unangenehm ist: Mit Harnwegsinfekten, Harnverhalten oder eben Katheterwechseln wartet man mindestens bis nachts zwischen 3:00 und 4:00 Uhr, im Idealfall auch gerne bis Freitag oder Samstag Nacht, damit man auch erst gar nicht die Möglichkeit hat, den Hausarzt aufzusuchen oder den ärztlichen Notdienst zu belästigen.

8. Zu beachten ist des weiteren, dass es bei solchen Geschichten auch auf jeden Fall des Rettungsdienstes bedarf, damit man nachts um 3:00 auch möglichst schnell ins Krankenhaus kommt, dort auch möglichst umgehend behandelt wird und als Patient wieder möglichst schnell im Bett liegt.

9. Wenn es in der Umgebung einen Urologen gibt, der sich mit solchen Dingen auskennt: Auf jeden Fall warten, bis dieser in Urlaub oder auf Kongress/Fortbildung ist, damit der Rettungsdienst auch möglichst nachts für einen Katheterwechsel 100 km oder mehr fahren darf.

29 04 2009
binunterwegs

10. Nicht vergessenden sollte man auch den erstaunten Blick auf die Frage warum man denn um diese Zeit kämen und die ebenso erstaunte Frage „aber ihr seit doch um die Zeit eh da“.

Wie bin ich froh daß ich zumindest dieses Problem derzeit nicht habe.

30 04 2009
T

Also das is gaaanz einfach mit die Logik:

ad1) a) Hausarzt hat man sich nicht zugelegt oder b) Hausarzt verweigert Arbeit außerhalb der eigenen Arbeitszeiten c) man selbst arbeitet in der Woche in einerer anderen Stadt als man selbst wohnt (mindestens 200 km entfernt) und
d) während der stundenlangen Wartezeit beim Hausarzt hat man die erhöhte Chance sich eine noch viel scheußlichere Krankheit als die wegen der man gekommen ist zuzulegen und e) nach etwa 2-3 Stunden Wartezeit sieht man den Hausarzt gefühlte 1 Minute, weiß genausoviel wie vorher auch mit dem einzigen Unterschied das man nun ein Rezept hat und e) ein KÄND liegt ist keine relevante Auswahlalternative, wer will schon seinen HWI durch einen HNO (wahlweise Gyn,…) Arzt behandeln lassen.

ad 2) ganz klar, man hat vorher doch den KÄND aufgesucht der zwar nicht auf den HWI gekommen ist, aber eine lustige Diagnose aus seinem Fachgebiet gestellt hat.

ad 3) a) klar geringe Wartezeit = geringe Möglichkeit sich eine Krankheit von anderen wartenden Patienten zuzuziehen
b) der Arzt dort kann nicht weglaufen

ad 4) ist das so – gilt das auch für Notaufnahmen verschiedener Städte….?
aber zum Thema: a) Mo-Fr arbeitet man selbst – die Woche hat man beschlossen das man an dem HWI nicht versterben kann
b) WE endlich ausschlafen, dann Party – danach geht es einem aber ‚überraschenderweise‘ wieder viel schlechter und jetzt wo man allein ist, ist man sich nicht so sicher, ob man nicht doch an dem HWI versterben kann.

ad 5) siehe oben, röchelnde Leute sind schon sehr irritierend und man möchte sich ja schließlich nicht anstecken lassen.
Und die lange Wartezeit, he wärst du um drei Uhr nachts nach Besuch einer Party und dazu noch krank nicht auch langsam müde und möchtest ins Bett? Da kannst du nicht erwarten das man da ewig warten möchte.

noch ein kleiner Nachschub zu 8) vollkommen korrekt und ausserdem sollte man nach der Party und den paar Drinks im Blut nicht mehr Auto fahren.

30 04 2009
Somat

Wären diese Leute auch so tolle Mediziner wie ihr, wüßten sie natürlich wie scheiße ihr Verhalten ist.

30 04 2009
Luto

Das geht ja noch weiter: die kommen dann um 5:00 Uhr zur diensthabenden Apotheke und holen den dortigen Kollegen auch noch aus dem Schlaf.

Eine ganz spezielle Kategorie der Notdienstnutzer sind aber auch diejenigen, die das Rezept seit 3 Wochen mit sich herumtragen und es dann -im Notdienst- brandeilig haben. Und wehe da ist mal was nicht vorrätig… Aber das ist eine andere Geschichte.

30 04 2009
gr3if

Hm…. am coolsten sind diese Leute wenn sie mit dem Rd ins Kh gefahren werden… Ich hab mich neulich geweigert so jemanden mitzunehmen…. Spontan stand ich 30mins später nochmal in der gleichen Wohnung jetzt würde Blut im Urin sein….. Da muss man dann ganz schnell ins Kh.

Die dort aufnhemenden Schwestern gucken uns immer böse an obwohl wir nix dafür können.

Wie soll ich sagen: Diese Gesundheitsluxus-System nervt gewaltig. Und zwar leider viel zu oft.

30 04 2009
Blogolade

T:
wer so krank ist, dass er nachts um halb 4 in die Notaufnahme muss, kann auch in der Arbeit kurz wegbleiben. Redet man vernünftig mit der Arzthelferin, dann kommt man auch schneller dran und der Arzt verschiebt auch mal seine Mittagspause.

30 04 2009
medizynicus

Been there, done it, got the T-shirt!
Kennen wir alles, nich?
Im KV-Notdienst geht das Spiel übrigens so:
UUUUUNbedingt Hausbesuch gewünscht, richtig, nachts um halb vier.
Nein, kann nicht warten bis morgens um acht.
Nein, kann nicht in die Notdienst-Praxis kommen.
Nein, Doktor muss unbedingt jetzt rausfahren! Jetzt! Sofort! Sonst Anwalt!
Also dappert Doktor hin…
Und dann die kleine Rache: Nein, keine Spritze! Nein, auch kein Labor.
Nein, auch keine Pillen als Ärztemuster dagelassen.
Was es gibt, ist ein Rezept.
Und das muss der Patient dann selber einlösen. Das kostet natürlich Geld.
Und dann kommt die Notaufnahme wieder ins Spiel

30 04 2009
EarlMobile

Ich habe heute gewissermaßen eine Exotin, eine Ausbrecherin aus der Gruppe der HWI-Patientinnen gehabt. Hat sich um 11 in der Hausarztpraxis vorgestellt. Mit Termin vom Vortag.
Sehr vorbildlich. Leider viel zu selten…

1 05 2009
Kathrin

Also ich hatte genau 3 X in meinem Leben eine HWI . Jedesmal brach sie innerhalb von 2 Stunden von Null (alles bestens, keine Symptome) auf 100 (mit ganzen Blutströmen im Urin) los und ich hatte Schmerzen wie ich sie bis dahin nur von vereiterter Mittelohrentzündung kannte. Ich hab noch nie vor Schmerzen Tränen in den Augen, da schon.

Wie kann das eigentlich so schnell gehen? Kann das ein anwesender Doc mal erklären?

Wenn das spätabends/nachts passiert wäre, wäre ich vielleicht auch in die Notaufnahme (obwohl ich das notgedrungen auch mal einen ganzen Arbeitstag von ausgehalten habe, insofern – wohl doch höchstens am Wochenende…). Aber selbst wenn, wäre ich mit einem Rezept (und die diensthabende Notapo würde ich in diese Fall GANZ SICHER belästigen!) für das in diesem Falle von mir als Gottes-in Weiß-gabe verstandene Antibiotikum glückselig nach hause gelaufen. Aber ’ne Krankschreibung? Dafür? *rofl* – nach 2 Dosen von dieser göttlichen Errungenschaft der Pharmaindustrie und ist man so gut wie beschwerdefrei (also ich zumindest). Wie DAS dann so schnell geht, hätte ich auch gern erklärt. 😀

Wenn ich sowas in „mild“ hätte, was ich vorher schon 3 Tage rumschleppe (in der Form wie ich das hatte, kann ich mir das nicht vorstellen, neee…) , würd ich mich schämen, eine Notfallpraxis (geschweige denn einen telefonisch gerufenen Notarzt (wie kommt man denn auf die Idee? *kopfschüttel*)) zu belästigen. Leute gibt’s…

1 05 2009
gspritzter

hi, hab dich mal verlinkt. ich lese hier schon lange mit und will jetzt selbst anfangen.

1 05 2009
T

@Blogolade
… sollte mein leichter Anflug von Sarkasmus unentdeckt geblieben sein? 😉

Ich war übrigends noch nie in meinem Leben in der Notaufnahme – einen Hausarzt hab ich aber auch nicht.

1 05 2009
Kathrin

Ich war 3 X in meinem Leben in der Notfallambulanz – jedes mal als Chauffeuse und „Trösterin“:

1. Gatte schneidet sich den Zeigefinger beim Spülen mittels geplatzten Glases halb ab – Sehnen durch, direkt gerufener Chefarzt freute sich (Handchirurgie war wohl sein Steckenpferd). Seitdem haben wir eine Spülmaschine 🙂
2. Mein 90jährige Oma stößt sich im Studentenwohnheim meiner Schwester am Bettpfosten und ledert sich 30 cm² Haut vom Bein… autsch…
3. Gatte (man sollte ihn nicht in die Küche lassen) hobelt sich beim Kartoffelhobeln für Gratin die komplette Daumenseite in entsprechender Dicke vom Finger… Nach vergeblichen Blutungsstopversuch mittels Erste-Hilfe-Kasten doch lieber mal ins Krankenhaus gefahren, als es nach 1h immernoch wie Schwein blutete und die 25 vorrätigen Kompressen durch waren…

Jedesmal in den Abendstunden, wo halt mein normaler Hausarzt außer Reichweite war – sonst wär’s da hin gegangen (wie in dem Fall als sich die Spitze meines Käsemessers „ganz von selbst“ in meine Handfläche rammte und eine kleine aber verdammt tiefe Wunde hinterließ). Ich sag ja, Küchen sind gefährlich!

Will sagen: Muss schon viel passieren, dass ich gestresste Ärzte im Notdienst belästige. Allerdings weniger als Rücksicht auf die Ärzte (das ist halt ihr Job) als aus Rücksicht auf Leute, die vielleicht dringender dran kommen sollten…

Dazu noch ’ne Anekdote: Ich bin mal als Teenager mit einer 15cm langen und fast bis zum Knochen tiefen Wunde im Schienenbein (Fahrradsturz) in die nächste Apotheke marschiert und hab nach ’nem Pflaster gefragt *lol* – Die haben geguckt als wär ich ein UFO und haben mich direkt zum Arzt zwei Häuser weiter zu Nähen gebracht (was zwar auch nix brachte, weil der das RICHTIG versaut hat und ich deswegen noch über 6 Monate Spaß mit Verbandswechseln an jedem 2. Tag hatte). Da wäre die chirurgische Ambulanz vielleicht besser gewesen. Die hätten das vielleicht so hinbekommen, das beim Fädenziehen nicht alles wieder aufgerissen wäre. Schicke Narbe hab ich da…

3 05 2009
Dienstarzt

Bin nur ungern der Spielverderber: Aber den meisten nächtlichen „Notfällen“ ist der Gout ihrer Vorstellung wirklich nicht klar. Wie auch, Medizin ist eben komplex und alltagsbezogen erklärt ihnen ja auch niemand wie das funktioniert. Im Gegenteil, man erzählt ihnen, medizinische Ressourcen sind unerschöpfbar und umsonst.
Trotzdem sind die Gedanken, die einem dann durch den Kopf gehen, auch mir gute Bekannte. Beispielsweise wenn einer um 0200h lässig aus dem Taxi schlappt und gern ein MRI von seinem seit 4 Wochen schmerzenden Knie möchte (kein Scherz) oder verunsichert ist, weil er nach dem Onanieren rote Flecken auf der Eichel hat (auch kein Scherz) oder weil er seit sechs Wochen an einem „Zitterdarm“ leide (das ist der Wahrheit) oder heute Nacht, ob ich nicht in ein 400m entferntes Mietshaus kommen könne, da käme eine alte Dame vom Boden, auf dem sie liege, nicht mehr zurück ins Bett (bierernst). Aber irgendwie könnt ich auch nicht mehr ohne diese Geschichten, sind wie das Salz in der Suppe. Grüsse aus der Schweiz.

6 10 2010
bademeister

hm, interessant.
sitze hier gerade mit einem derben harnwegsinfekt in meiner heißen badewanne und versuche mir die zeit zwischen den krämpfen mit internetsurfen zu versüßen.
interessant dass ich dabei genau über diese seite gestolpert bin 🙂
tja und nun sitz ich hier…um mich herum schwimmen kleine blutige gewebsfitzelchen, die seit ca 3 stunden in regelmäßigen abständen aus mir rausschwemmen.
wegen der krämpfe und dem ständigen gefühl demnächst ins bett zu pinkeln ziehe ich die warme wanne vor,auch wenn ich nach meinem langen arbeitstag totmüde bin.
aber ich habe glück, denn da mein vater arzt ist (nun ja mittlerweile im ruhestand), hab ich noch ne cipralex da gehabt. ebenso noch buscopan-dragees ;). denn wie´s der teufel so will fing das ganze ohne vorwarnung direkt nach feierabend der ärzte und apotheken an. tja, und diese unrechtmäßige selbstmedikation erspart mir ein horrornacht weil zumindest weiß dass es bald besser werden wird. das beruhigt ungemein.
aber ich frage mich gerade wie es wohl anderen menschen in dieser situation erginge? ohne rettende medikamente, ohne aussicht auf baldige besserung, stattdessen mit gänsehauttreibenden schmerzen und herumschwimmenden gewebsfetzen?
meine lieben hier so kräftig schimpfenden herren (und damen)
…was soll also der normalbürger ihrer meinung nach tun?
die nacht durchstehen ohne aussicht auf baldige besserung?
eine zuspitzung der lage riskieren?
hatten die hier schimpfenden denn eigentlich mal selber einen hwi?

…vielleicht wäre da ja doch ab und zu ein bisschen mehr empathie angebracht?!

6 10 2010
Assistenzarzt

Nein, nein, Empathie habe ich schon. Was die meckernden Ärzte, mich eingeschlossen, hier kritisieren ist, dass es eine auffällige Häufung von Erkrankungen wie Harnwegsinfekten in den frühen Morgenstunden gibt und uns die Kapazitäten für schwere Erkrankungen wie Herzinfarkte, Lungenembolien, Akutes Abdomen etc. blockert, wo des nächtens die Besetzung runtergefahren wird in allen Bereichen.

Wenn jemand so wie du in den Abendstunden den Beginn eines Harnwegsinfektes merkt und das derart schmerzhaft ist, hat er die Möglichkeit, zum kassenärztlichen Notdienst zu gehen. Dort bekommt er ein Rezept für die Nachtapotheke und ggf. einen Krankenschein. Die Wartezeit ist nach meiner Kenntnis moderater als im Krankenhaus. Und wie gesagt, man kann in den Abendstunden hingehen, nicht nachts um 3.00 Uhr, wenns schon seit 2 Tagen geht (wie es oftmals der Fall ist), denn da kommt sofort an der Anmeldung die Frage, wieso man dann nicht bis 7.00 Uhr wartet bis der Hausarzt aufmacht.

Wir als Notaufnahme dagegen haben das Problem, dass uns der Rettungsdienst zeitweise im Minutentakt mit neuen Patienten versorgt, so dass wir aufgrund begrenzter logistischer, personeller und etc. Möglichkeiten sortieren MÜSSEN. Das schlimmste zuerst, dann das nicht ganz schlimmste, dann das schlimme und zum Schluss das weniger Schlimme, sprich Harnwegsinfekte oder Atemwegsinfekte – daran kann man nicht sofort sterben, an einem Herzinfarkt schon. Wir haben keine andere Wahl als zu sortieren. Dadurch haben die letztgenannten Patienten aber stundenlange Wartezeiten, länger als beim Kassenärztlichen Notdienst. Wir dürfen – zumindest in unserer Region – als internistische Notaufnahme auch keine Rezepte ausstellen und keine Krankenscheine. Das sind aber die Dinge, die ein Patient dann braucht. Wir holen dann aus dem Schrank zwei Tabletten, was wir eigentlich offiziell auch nicht dürften und geben die mit, bis der Hausarzt aufmacht und das Rezept ausstellen kann. Diese ganze Situation erzeugt natürlich Unmut auf der Patientenseite. Und auf der Arztseite auch, weil wir solche Behandlungen kaum abrechnen können. Mir hat man neulich gesagt, dass finanziell kaum was drin ist, die Kassen streichen uns manchmal selbst den U-Status zusammen mit den Worten, dass sei nicht die Aufgabe der Notaufnahme, dass kann der Hausarzt auch. Die Tabletten, die wir mitgeben, kriegen wir ebenfalls nicht vergütet. Ich weiß keine genauen Zahlen, es kursiert das Gerücht, dass wir für einen solchen Patienten knapp 10 Euro kriegen… nachts im Notdienst, egal wieviel Labor wir machen müssen, um eine Diagnose zu kriegen. Und wir machen es trotzdem, auch diese Patienten werden behandelt. Selbst nachts um 3.00 und wenn wir uns ärgern darüber, dass man auch um 22.00 Uhr hätte kommen können.
Wir fordern sowieso, dass der Kassenärztliche Notdienst wie z.B. in einigen Berliner Krankenhäusern schon umgesetzt, gleich an die Notaufnahme angeschlossen ist. Das wäre für alle einfacher… vor allem für die Patienten, weil die dann nach der „Triage“ zugeordnet werden könnten und nicht wissen müssen, ob sie nun schwer oder nicht schwer krank sind mit einem Harnwegsinfekt und wo sie eigentlich hingehen sollten… und der KND hätte mehr Umsatz, was wir sonst abarbeiten zu schlechten Konditionen und wir würden gleich die schweren Fälle kriegen zur Aufnahme. Das wäre ein win-win für alle Seiten.

Mit dem Cipralex… also wenn du wirklich Cipralex versucht hast, wirst du damit nicht weit kommen bei einem Harnwegsinfekt. Das ist ein Antidepressivum. Helfen würde Ciprofloxacin, alias Ciprobay. Und ich würde die Kombination aus Buscopan und z.B. Berlosin oder Paracetamol versuchen als Spasmoanalgesie. Also meine Empathie hast du. Von meiner dargelegten Meinung weiche ich trotzdem nicht ab fürs erste.

6 10 2010
Assistenzarzt

PS: Die Nachtapotheken (und die stehen täglich in der Zeitung drin oder können über den Kassenärztlichen Notdienst oder die Auskunft abgefragt werden), das heißt, die Apotheke, die Nachtdienst hat, verkaufen auch Medikamente an Leute ohne Rezept, es ist aber ein Aufschlag drin. Mitlesende ApothekerInnen mögen mich an dieser Stelle bitte korrigieren falls es anders ist!
Also man bekommt ein Schmerzmittel, wenn man nichts zuhause hat.

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