Lesenswert

26 03 2015

Absolut lesenswert, wenn auch gerade erst gestartet:

Http://bitteremedizin.wordpress.com

Wahre Worte, geschrieben von einer ärztlichen Kollegin. Für Patienten kaum besser zu formulieren die Hinweise, wie man eine gute Klinik findet. Bleibt abzuwarten wie schnell ein findiger Journalist den Beitrag abkupfert… Äh als Inspiration nimmt.





Wenn sie könnten…

17 03 2015

In der Industrie ist es üblich: wenns keine Fördermittel mehr gibt oder die Fristen abgelaufen sind, dann wird der Standort verlagert gen Osten – von Rumänien bis Bangladesch. Spart unheimlich Personalkosten, aber trotz höherer Transportkosten bleibt mehr in der Kasse des Unternehmers. Eine soziale Sache also. Dass die Qualität der Klamotten, Haushaltswaren oder was auch immer nicht mehr ganz so optimal ist, weil die Komponenten vom billigsten sind, naja damit findet sich der Kunde schon ab. Muss er ja. Gibt ja fast nix anderes mehr. Außerdem will er ja nicht nackig rumlaufen oder am Feuer draußen mit dem Stock das Steak grillen.

Wenn sie könnten, würden die Kliniken das auch tun. Standort nach Osten verlagern, meine ich. Weil da kostet das Personal nix, naja fast nix. Und sie meckern nicht, wenn sie jenseits des Verträglichen Schichten leisten müssten. Sie gründen auch nicht so schnell Gewerkschaften oder hören auf die vorhandenen. Denn die wollen ja immer nur Geld und dass die Leute nicht so viel dienst machen müssen. Sagen die, die ihr Gehalt hinter verschlossenen Türen aushandeln und dazu noch Abfindungen und Zielprämien kriegen. Zum Beispiel für nicht besetzte Stellen, weil man kann die Arbeit von 4 auch mit 2 hinkriegen, man muss es nur wollen und sich mal engagieren und bereit sein auch selbst in die Klinik zu investieren, schließlich ist es unser aller Arbeitsplatz und wir sind ja nicht Arzt geworden, um Geld zu verdienen und Urlaub zu machen.
Und man könnte auf dutzende Vorschriften verzichten. Naja und am Ende steigen die Einnahmen bei sinkenden Ausgaben und damit die Rendite. Denn nicht nur ein bestimmter Großkonzern hat offizielle Renditeziele von 15%… Bloß wie macht man das mit den Patienten? Die sind ja hier und nicht dort, wo die Arbeitskräfte schön billig sind. Naja, man könnte Shuttles einrichten mit Bussen aus den Ländern im Osten, die noch keinen Mindestlohn haben… Da fällt ihnen bestimmt noch was ein.
Also wenn sie könnten, dann würden sie…





Pille danach frei in der Apotheke

16 03 2015

Dank EU-Verordnung ist die Pille danach jetzt rezeptfrei.
Jetzt berät der Apotheker über die Notfallverhütung. Der fragt dann auch nach Details. Hoffentlich nicht, wenn dahinter die Schlange steht und Hustensaft oder Blutdruckpillen will. Der diskretionsabstand ist für normale Ohren wohl nicht ausreichend. Kostenpunkt zwischen 18 und 27 Euro. Also teurer als ein Kondom. Kann auch Nebenwirkungen machen diese Pille danach.

Neben aller Befürwortung für diese Freiheit und Eigenbestimmtheit habe ich doch die Befürchtung, dass bei einigen der Leichtsinn siegt im Bewusstsein “naja und wenn doch, dann hole ich mir die Pille danach” und auf Kondome verzichtet wird. Kondome schützen nicht nur vor Schwangerschaften, die nicht geplant oder gewünscht sind sondern auch vor Krankheiten wie HIV, Hepatitis B und C, Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe, Syphilis und anderen. Und letztere haben in den letzten Jahren wieder einen Anstieg erfahren, weil die Menschen “entspannter” geworden sind, man könnte auch sagen leichtsinniger und weniger auf Schutz achten. Ein Grund dafür soll die bessere Therapiemöglichkeit bei HIV sein, was vielen weniger Angst macht.

Im übrigen fischen wir ab und an tatsächlich mal jemanden raus, der eine von den genannten Erkrankungen hat. Einmal mussten wir sogar eine lautstarke Auseinandersetzung schlichten, weil X ein anderes Y begehrt hatte und das Y X ansteckte und X wiederum sein bisheriges Y… Das aber war treu und konnte es nur von x … Zusammen mit ner Ladung Penicillin hätten wir auch die Visitenkarte von nem Scheidungsanwalt überreichen können. Schön, wenn Penicillin reicht, um so ein Problem zu lösen… Für andere heißt es lebenslang antiretrovirale Therapie.

Und noch ein paar Infos, bevor man über das weglassen von Kondomen nachdenkt:
– Geschlechtskrankheiten sind immer noch meldepflichtig beim Gesundheitsamt und die rufen zurück und suchen kontaktpartner
– Penicillin kann man auch heute noch in den Gluteus spritzen, heißt Hose runter und spritze in den Hintern
– Unentdeckte Syphilis kann auch heute noch irreparable Schäden machen und Nerven zerstören und Gefäße kaputt kriegen
– HIV ist immer noch nicht heilbar, nur die Zeit, die einem bleibt, ist länger geworden, die Diskriminierung ist genauso wie sie war und die Krankheit zerstört auch weiter leben und Lebensträume
– die Pille danach bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor Schwangerschaft (bieten alle anderen Methoden aber auch nicht, nur der Pearl Index ist verschieden)
– die Pille danach bietet keinen Schutz vor Krankheiten





Olympia – Bröckchen in MV?

16 03 2015

MV wünscht sich Berlin als Kandidaten – das hieße Segelwettbewerbe im schönsten Segelrevier Deutschlands: Warnemünde.

Hamburg hat sich auch beworben. Warnemünde will man dort nicht. Höchstens Schwerin für Volleyball – Vorrunde. MV wo ist das eigentlich? Der NDR hat sich schon klar positioniert wie es scheint – macht nur Werbung für Hamburg. Sendegebiet MV scheint kaum zu existieren. Nur Hamburg und ein wenig Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Auf dem RBB fiel das Wort Warnemünde und Segelwettbewerbe öfter als im eigenen Sendegebiet des NDR. Wie immer… Und der DOSB hat entschieden. Es ist Hamburg. Berlin und Warnemünde wäre toll geworden. Schade, wirklich schade. :-( MV ist traurig. Gruß nach Berlin… Und wenn Hamburg es nicht schafft, dann wissen wir ja… Mit Berlin wäre das nicht passiert. :-)





Rollenspiele

14 03 2015

Der Arzt in der Notaufnahme – quasi das Chamäleon im Arztkittel.

Arzt
Zuhörer
Seelentröster
Telefonist
Sekretärin
Stempelfreak
Logistiker
Teilzeitpsychologe
Umlagerungshelfer
Ausbilder
Kommunikationsexperte und Computerreparateur
Handwerker
Deeskalationsspezialist
Gesundheitswesenerklärer
Apothekensucher
Parkautomatenerklärer
Fremdsprachenübersetzer
Kollegenversteher
Prellbock und Blitzableiter
Glaskugelleser
Internetsuchmaschinenbenutzer
Pharmakologiekenner
Kaffeekocher
Inslabormitnehmer
Angehörigenhoffnunggeber
Reanimateur
Sauerstoffverteiler
Infusionshalter
Venenfinder
Den-letzten-Weg-Begleiter
Zum-werdenden-leben-gratulierer
Sich-an-seltene-Krankheiten-Erinnerer
Handschuhverschleißer
Kilometerläufer
Plattfußinhaber
Rettungssanitäterfan
Nureinmalamtagpinkler
Aufsessenverzichter
Alleingelassenwerdender
Vomanderenjobträumer
Krankenhaushassenlernender
Medikamentenzettelentzifferer
Hyroglyphenleser



Und Mensch. Mensch mit Gefühlen, Hoffnungen, Träumen, Wünschen, Familien, ethischen und moralischen Prinzipien.
Aber nicht die allwissende folgsame willenlose Maschine im energiesparenden Dauerbetrieb, die Klinikverwaltungen erwarten.





Zum Internationalen Frauentag

6 03 2015

Am 8. März ist wieder Internationaler Frauentag. Ein Tag, an dem auf die Rechte der Frauen und die Gleichberechtigung aufmerksam gemacht wird.

Dort, wo ich arbeite gibt es genau… 0 Oberärztinnen. Aber 10 Oberärzte. Bei den Ärzten in Weiterbildung herrscht dagegen Frauenüberschuss. Bei den Fachärzten gewinnen die Frauen ganz knapp. Zahlen, die sich mit bundesweiten Statistiken decken.
Wieso gibt es so wenige Oberärztinnen? Eine Auswahl an Begründungen, die ich in den letzten Jahren bei den Diskussionen zum Thema gehört habe (ja, ich getraute mich ein paar Mal, das Thema öffentlich anzuschneiden und habe jetzt den Ruf weg, Alice Schwarzer Fan zu sein und noch andere nette Dinge…): Haben andere Schwerpunkte, Familie und Kinder und so. Wollen oftmals nicht. Fehlende Durchsetzungsfähigkeit. Fehlender Rückhalt bei den Kollegen. Die zicken so schnell. Nicht so belastbar. Familie und Karriere, man muss sich für eins entscheiden.

Ach und übrigens: In den letzten zehn Jahren habe ich es nicht ein einziges Mal erlebt, dass sich ein Häuptling hinstellte am Frauentag und mal Blumen mitbrachte oder nette Worte fand. Die Blumen bekamen wir Ärztinnen und Schwestern von den Patienten… und ich habe mich jedes Jahr gefreut. Hier im Osten ist es traditionell vielleicht noch etwas anders als in den alten Bundesländern. Gibt hier sogar noch Teamausflüge von den Schwestern zum Frauentag, auf eigene Kosten, nicht das hier falsche Vorstellungen aufkommen…





Das lohnt sich nicht

6 03 2015

Immer wieder wird in Ärztekammern, Ärztegewerkschaft, Fachgesellschaften und Aktionsgruppen über eine Verbesserung der ärztlichen Weiterbildung diskutiert. Alles für die Katz, fürchte ich. Jedenfalls in vielen Fällen.

Zur Erläuterung für alle Nicht-Mediziner: Nach den 6 Jahren Medizinstudium ist man Arzt. Dann folgen 5-6 Jahre Facharztweiterbildung, damit man Chirurg, Internist, Gynäkologe, Arbeitsmediziner, Neurologe oder was auch immer werden kann. Meist braucht man länger, weil man die AUsbildungsinhalte nie zeitgerecht zusammenbekommt. In dieser Zeit arbeitet man als Arzt in Weiterbildung in Krankenhäusern, manchmal auch in Praxen. Weil die Ärzte in Weiterbildung bestimmte Dinge machen müssen und Schriftstücke brauchen, um sie später bei der Ärztekammer einzureichen, sind sie maximal erpressbar. Am Facharzt hängen Dinge wie Einkommen, Möglichkeiten der Niederlassung oder Oberarzttätigkeit und … fehlende Erpressbarkeit in vielen Dingen. Grund genug, diesen Zeitpunkt möglichst lange rauszuzögern, denn die Ärzte in Weiterbildung tun in der Regel, was man verlangt, weil sie ja noch was wollen, kosten weniger als ein Facharzt und widersprechen nicht so oft.
Soviel dazu.

Neulich… vor einiger Zeit, sagte einer der Häuptlinge einen Satz, der mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht. “Das lohnt sich also nicht, den auszubilden.” Ich hatte den Mut zu fragen, wie er das meint. Es stellte sich die weit verbreitete Meinung dar: Ärzte in Weiterbildung kosten Zeit, weil sie eingearbeitet werden müssen, brauchen Zeit um bestimmte Dinge und Fähigkeiten zu erlenen und dann nachher gehen sie weg.

Ja, sie gehen weg… warum nur? Vielleicht weil die Kliniken dieser Häuptlinge lieber Anfänger einstellen als Fachärzte zu nehmen, weil erstere weniger kosten? Oder weil sie nach den Jahren des sich nicht richtig wehren könnens, weil man ja noch Unterschriften braucht, irgendwann die Nase voll haben von fehlender Planbarkeit, verlorenen Urlaubstagen, selbst bezahlten Fortbildungen im Urlaub, unbezahlten Überstunden im dreistelligen Bereich, ständigem Kopfeinziehen… Oder weil sie vergrault werden, weil sie ihre Zahlen für den Facharzt nicht schaffen, weil man sie an bestimmte Dinge nicht ran lässt, die sie aber zwingend brauchen…? Ich weiß nicht. Aber was passiert, wenn sie bleiben? Sie sind ewige Fachärzte, weil Oberarztstellen in der Regel selten frei werden am gleichen Haus. Manchmal fühlen sich Häuptlinge auch bedroht durch diese ewigen Fachärzte, weil sie sehr gute Ausbildungslevel haben, in der Regel durch do it yourself und selbst bezahlte Zusatzfortbildungen.

Im Eid des Hippokrates heißt es “…und sie diese Kunst lehren, wenn sie sie zu lernen verlangen…” Gut, der Wortlaut des Eides ist in vielen Dingen längst überholt. Aber jemandem die ärztliche Kunst zu lehren, der danach strebt und sein Studium abgeschlossen hat, Patienten versorgen will, Arzt = Facharzt sein will… wieso kann man da der Meinung sein, dass es sich nicht lohnt?! Ich verstehe diese Haltung nicht. Wir rotieren sowieso während der Facharztausbildung durch verschiedene Bereiche, so dass wir maximal 1 Jahr in der gleichen Abteilung sind am Anfang, erst später dann 3 Jahre. Wenn die jungen Ärzte nur auf einem Minimalniveau ausgebildet werden, damit sie funktionieren in einer Klinik (Maul halten, Haken halten?), kann auch keiner von ihnen pünktlich nach 5 oder 6 Jahren fertig werden, sind sie länger abhängig von den Häuptlingen, machen länger, was andere von ihnen wollen und kosten länger weniger Geld… ABER das Schlimmste ist: Sie lernen viel zu langsam eine hochqualifizierte Behandlung. Das lohnt sich nicht… wir behandeln Patienten… Jeder der etwas kann, stellt dieses Wissen den Patienten zur Verfügung, egal ob er weggeht oder nicht. Es lohnt sich nicht… was passiert, wenn die Lohnt-sich-nicht-Ausbilder mal in Rente gehen oder im OP tot umfallen mit nem Herzinfarkt? Das lohnt sich nicht… spielt da die Angst vor Konkurrenz, dass da jemand etwas besser können könnte als man selbst, eine Rolle? Das lohnt sich nicht… der Hall dieser Worte schwebt immer noch in meinem Kopf. Soll man da wütend werden? Oder mit dem Kopf schütteln? Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur eins: Es lohnt sich, bei den Diskussionen über die Verbesserung der ärztlichen Weiterbildung über diese weit verbreitete Haltung zu diskutieren und denen auf den Zahn zu fühlen, bei denen die Ärzte in Weiterbildung nicht zeitgerecht fertig werden.








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