Unfall oder Quincke-Ödem?

20 12 2014

Oh mein Gott, ist das mutig, so ins Fernsehen zu gehen. Also eigentlich kommen die Leute mit so einer dicken Oberlippe in die Notaufnahme und haben ne allergische Reaktion oder ein Quincke-Ödem bei ACE-Hemmer-Therapie. Und ich spritze dann was und dann geht’s nach ein paar Stunden weg… aber diese Frau ist echt mutig, ob die einen Arzt hinter der Kamera stehen haben? Ich mein, kriegst ja auch schlecht weggeschminkt… Äh, was sagst du gerade… oh, ein Unfall? Wo? Wie? … Beim Schönheitschirurgen… ooops… bist du sicher?… jaaa, ist ja gut, aufgespritzt, aber echt, das sieht aus wie ein Quincke-Ödem… früher… früher war das ne Blickdiagnose… heute muss man wohl genauer hingucken. Aber was machen die Midlife-Crisis-Schauspielerinnen, wenn sie ACE-Hemmer nehmen und zum Chirurgen…





Das Problem ist…

10 12 2014

… eigentlich ganz einfach und doch komplex zugleich.

Also Ärzte in Weiterbildung (also die, die Arzt sind, aber noch keine Facharztbezeichnung haben) wundern sich immer, warum sich nichts ändert an ihrer Welt, ihrem Leben, ihren Arbeitsbedingungen… also an 80h-WOchen, Wochenenden nacheinander Dienste schieben, so dass man locker mal 3 oder 4 Wochen am Stück arbeitet ohne einen Tag oder nur mit einem Tag frei dazwischen, dem Fehlen von Ausbildungsinhalten, gescheiterten Rotationsplänen und und und… und der fehlenden Unterstützung seitens der Ärztekammern und der Inkonsequenz der Standes-Gewerkschaft, die schön die Tarife für die Oberärzte erhöht hat aber es nicht fertig bekommt, mehr als 3 Fortbildungstage rauszuhandeln oder den Kliniken mal gehörig eins auf die Finger zu geben, wenns nötig ist. Also, warum ist das so?

Warum wehren sich die Ärzte in Weiterbildung nicht?
Weil sie abhängig sind von den Unterschriften und den Zeugnissen der Weiterbildungsbefugten, die Ober- oder Chefärzte sind. Weil sie abhängig davon sind, für Untersuchungen eingesetzt zu werden oder für OPs – die Zuteilung machen die Oberärzte und Chefärzte. Weil sie abhängig sind von Rotationen auf verschiedene Abteilungen – die Einsatzpläne machen die Oberärzte und Chefärzte. Weil sie Vertragsverlängerungen brauchen und nicht immer mobil sind – Familie… Und wer wird in dieser Situation aufmucken und sich sein Recht einfordern oder für bessere Bedingungen kämpfen, wenn argwöhnisch beobachtet wird, wer sich denn da so engagiert…

Warum hilft die Ärztekammer nicht oder ändert was an diesem Spiel?
Weil sich bei den Wahlen zur Kammerversammlung zwar junge ÄRzte aufstellen lassen. Die werden aber nicht so oft gewählt, weil sie keiner kennt. Oberärzte und Chefärzte kennen die meisten vom Namen. Leider verstehen etliche Kollegen so einen Wahlzettel falsch. Die Frage ist nicht, welchen der aufgeführten Namen kennen sie sondern wem sie zutrauen für die Ärzte was zu bewegen. Und wenn sie die Frage verstanden haben, dann denken sie oftmals nicht, wer was für die Ärzte in Weiterbildung bewegen kann. AUch die Ärzte sind überaltert – weniger junge als alte… man wählt, wen man kennt, man hat es lieber so, wie es immer war… es ist so bequem. Dann sitzen in der Kammerversammlung eben hauptsächlich Oberärzte und Chefärzte und vertreten ihre Interessen. Diejenigen machen dann auch die Weiterbildungsordnung mit den OP-Katalogen oder Richtzahlen für Untersuchungen. Findige Journalisten könnten jetzt einen Interessenkonflikt wittern. Also diejenigen, die Verträge der Ärzte in Weiterbildung verlängern sollen, die Zeugnisse ausstellen sollen und ihren Kliniken Kosten sparen sollen, legen fest, was ein Arzt in Weiterbildung alles absolvieren muss, um irgendwann einmal eine Anmeldung zur Prüfung zu schaffen. Hab ich schon erwähnt, dass Fachärzte den Kliniken, in denen diese Oberärzte und Chefärzte arbeiten, wesentlich teurer werden auf die Dauer… Und dummerweise werden Fachärzte dann irgendwann auch fordernder, weil sie nix mehr erbetteln müssen an Zeugnissen oder OP-Zahlen. Sie lassen sich auch nicht mehr so viel gefallen, werden also schwierig, wie pubertierende Teenager und lassen sich nicht mehr so ganz einfach erpressen für einige Dinge. Schon wieder diese findigen Journalisten, die hier einen Interessenkonflikt wittern… man man man, wie die wohl drauf kommen?

Warum hilft der Marburger Bund nicht wirklich weiter und verhandelt immer nur Krümel statt ganze Brote?
In den Gremien des MB sitzen weiter oben… man schon wieder Oberärzte und so. Kommt mir irgendwie bekannt vor… Tja, und wenn man wirklich vernünftige Arbeitszeiten haben will, die den ÄRzten gesundheitlich nicht schaden (wie war das bei erster Hilfe? Primär erstmal keine Eigengefährdung…) und die Patienten durch übermüdete und überarbeitete ÄRzte nicht gefährden, dann müsste man konsequent sein und nicht jedes Jahr über Peanuts verhandeln und das als Riesenerfolg verkaufen. Es hat sich nichts geändert bei uns an der Basis, im Gegenteil… die Kliniken fangen an Schichtsysteme einzuführen an den Betriebsräten vorbei zum Teil und das bei einer nicht dafür ausgerichteten PErsonaldicke, was für den einzelnen mehr Wochenenden in der Klinik heißt und auch nicht weniger Stunden in der Summe macht, nur anders verteilt. Und zwar so, dass die Kliniken zusätzliche Vergütungen sparen, weil sie es anders deklarieren können. Diejenigen, die unsere Dienstpläne machen und dabei Klinikinteressen mit berücksichtigen, weil es Prämien für leitende Mitarbeiter für jede nicht besetzte Stelle gibt (das ist kein Scherz), die sitzen seltsamerweise gehäuft auch an entscheidenden Stellen im MB. Nicht alle da sind so, aber manchmal frage ich mich, wie Oberärzte Interessen von Nicht-Oberärzten vertreten können. Von den Ärzten in Weiterbildung macht aktiv kaum jemand mit – Keine Zeit, keinen Mut wenn es in der Klinik bekannt wird und wenn, dann dort keine berufliche Zukunft oder man ist Mode bei den Chefs… es gibt nur wenige, die das Nervenkostüm haben und das Selbstbewußtsein, um das auszuhalten.

Man sieht, die Chancen auf Veränderung sind… mau. Die jungen würden Veränderung wollen und vielleicht aktiv werden, aber trauen sich nicht oder haben keine Kapazitäten dafür frei und die anderen wissen um ihre Position.

Wenn Sie das nächste Mal irgendwo in einer Klinik einen müden Arzt in Weiterbildung oder Facharzt vor sich haben, seien sie nicht böse oder wütend, sondern versuchen sie ihn zu verstehen. Er gibt sein bestes, aber er kann oftmals einfach nicht mehr. Und es wird sich daran kaum etwas ändern. Und trotzdem steht er da und möchte Ihnen helfen, weil er irgendwann mal angetreten ist mit dem Wunsch zu Heilen oder zu Helfen, der Liebe oder dem Feuer für Medizin, dem Wunsch etwas sinnvolles zu tun.





Da geht dir ein Licht auf 2

26 11 2014

Jetzt blinkt es auch überall auf Arbeit. Es wirkt skuril. Weder den Mitarbeitern noch den Patienten ist schon nach Adventszeit. Hier herrscht tiefster nebliger Herbst. Muss das alles sein? Mir ist noch nicht danach. Außerdem arbeite ich in einer Zentrale des Kapitalismus, in der alles zeitlich, wirtschaftlich, wissenschaftlich und qualitätsmanagementgesichert optimiert wird, während Stellen eingespart werden und die Arbeit für den Einzelnen immer mehr wird pro Zeiteinheit (also optimiert…) und Kollegialität allmählich ausstirbt… in dieser so sachlich geprägten Ellbogenwelt stehen Symbole, die ich mit Familie, schönen Dingen und Gemütlichkeit assoziiert habe. Das passt nicht. In keiner Weise. Ich habe das Gefühl, es läuft eine Art Gegenkonditionierung, dass ich allmählich aufhöre, so von Jahr zu Jahr, etwas positives damit zu assoziieren,…





Da geht dir ein Licht auf

23 11 2014

Die Wettkampfsaison hat begonnen. Es wird auf Glühbirne geflaggt in der Nachbarschaft. Der Gewinner steht wohl heute schon fest. Würde ich mal so sagen. Und sollte jemand dicht ran kommen, dann wird schräg gegenüber garantiert nachgerüstet… :-) Ich darf meine Sonnenbrille nicht vergessen beim Rausgehen.
Hoffentlich landet nicht eines Tages ein Jumbojet in unserer Straße, weil er das da drüben mit der Landebefeuerung eines Flughafens verwechselt…





25 Jahre danach

6 11 2014

… und kein bisschen schlauer.

Irgendwo in MV auf einer Fortbildung. Thema gesunde Ernährung. Reines Studien-Blabla und Theorie.
Frage aus dem Auditorium: Gibt es Unterschiede zwischen der Ernährungsweise derjenigen, die vor der Wende groß geworden sind und denen die danach aufgewachsen sind?
Antwort von vorne: Naja, zu DDR-Zeiten gab es im Osten ja nicht so viel gute Sachen, kaum Obst und Gemüse und so… die Leute hatten ja nichts.

Gegrummel aus dem Auditorium… Herzlich Willkommen in der Jetzt-Zeit. Natürlich haben wir Kinder zu DDR-Zeiten nur die Erde vom Acker gegessen, es wuchsen ja weder Kartoffeln, noch Möhren, Kohlrabi, Rüben, Kohl, Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren, Johannisbeeren, Sanddorn, Rote Beete, Sellerie, Porree, Petersilie, Schnittlauch, Tomaten, Gurken, Salat… noch alle anderen Dinge bei uns.
Wir haben vielleicht nicht jeden Tag Bananen gehabt oder Apfelsinen, sondern nur wenn die befreundeten Staaten liefern konnten, aber wir hatten heimisches Obst und Gemüse, fast jeder einen Kleingarten (ja, wir wussten noch, dass Obst nicht im Supermarktregal wuchs, sondern am Baum, Strauch oder in der Erde), die Ökobilanz bzgl. Transporten etc. war mit Sicherheit günstiger und weil wir nicht die Monokulturen hatten wie heute (wo es in manchen Ecken hier oben kilometerweit nur noch Erdbeerfelder gibt) und (zum Glück?) nicht das Geld für TOnnen von Pestiziden kannten wir gespritztes oder gewachstes Obst fast nicht. Im Kindergarten bauten wir Kräuter an und lernten, wie Gemüse wächst. Wir hatten zwar nicht 5x täglich Obst und Gemüse wie propagiert wird, aber ich erinnere mich an mindestens 3 x täglich. Heute bin ich froh, wenn ich 2x tgl hinbekomme und suche nach qualitativ guten Angeboten und wenn möglich aus der Region. Aber ist halt traurig, wenn sich Biolandbau wegen der Billigkonkurrenz aus Asien nicht mehr lohnt und die heimischen Bauern langsam damit aufhören.
Nee, beim besten Willen, der Osten war bei Weitem nicht die Sahel-Zone. Wir hatten einen Schwerpunkt auf einheimisches Obst und Gemüse und haben wesentlich mehr selbst angebaut und uns wahrscheinlich mehr mit Natur, Gärtnern und Einwecken / Einkochen auseinandergesetzt als der Durchschnittsdeutsche das heute tut. Da muss man ja aus der ersten selbstgekochten Marmelade schon ein Buch-Event machen. Und geschmeckt hats bei Muttern und Großmuttern eh besser als der Nestle-Kram und Discounter-Zeug von heute. Wir hatten nicht alles, aber arm waren wir nicht und gehungert haben wir auch nicht. Solche Äußerungen sind herabwürdigend, erniedrigend und zeugen nur von tiefer westdeutscher Ahnungslosigkeit. Aber erklär das mal jemandem, der nur das kennt, was über die Medien dauergeschleift wird, weils so schön klingt vom armen Land und den bettelarmen abgemagerten Brüdern und Schwestern im Osten, die mit großen gierigen Augen am Fenster des Intershops hingen und nur durch akuten Bananenimport ab dem 9.11.89 vor dem Verhungern bewahrt werden konnten. Statt Zahlensalat und Fragebögen empfehle ich, mal zum Äußersten zu schreiten und mit den Ossis zu reden und zu erfahren, und zwar nicht mit den ganzen Heulsusen, die derzeit über alle Kanäle gezogen werden, sondern schön real und sachlich. Es gab nicht nur schwarz und weiß und “es war nicht alles schlecht” wie die Prinzen singen.





Jeder hat das Recht zu streiken

17 10 2014

Punkt eins: ich finde es unmöglich dass es Bestrebungen gibt, kleine Gewerkschaften per Gesetz abzuschaffen. Interessanterweise werden diese Bestrebungen von Leuten gefördert, die großen Gewerkschaften nahestehen oder an führenden Positionen dort sitzen und die in Parteien aktiv sind, die sehr sehr Arbeitgeber-freundlich sind, teils sogar als Abgeordnete für diese im Bundestag aktiv sind.

Beispiel Ärzte: bis vor einigen Jahren hat verdi uns in den Tarifverhandlungen mit vertreten, weil der Marburger Bund nicht als Verhandlungspartner akzeptiert wurde. Damals als ich anfing habe ich 900 Euro netto verdient nach 6 Jahren Studium und mit der Verantwortung für 30 Patienten und Arbeitszeiten von 60 Stunden pro Woche ohne Dienste. Dienste mit 32 h am Stück. Man hatte nicht vor das zu verändern. Dann kam der Schritt des MB, die Streiks für bessere Bedingungen. Ich habe mitgemacht. Habe mir angehört wie unmöglich das ist dass wir streiken. Verdi hätte uns eingehen lassen als Randgruppe. Der MB macht Sinn.

Punkt zwei: ich finde es unmöglich, dass medial immer auf die Berufsgruppen eingeprügelt wird und diese verunglimpft werden, die ihr gesetzlich verbrieftes Streikrecht wahrnehmen. Wir leben in einer Demokratie. Guckt euch Frankreich, Italien etc. an, wenn da gestreikt wird, dann aber richtig. Streiken die Piloten, sind die Böse und bringen die Deutschen um ihren Urlaub, die Fluglotsen dann sind die Schuld an der Wirtschaftskrise, die Lokführer dann sind die Schuld an allen Verspätungen überhaupt und stören den gewohnten Ablauf anderer, die Ärzte dann sind sie geldgeil und faul, die Krankenschwestern dann treiben sie das Gesundheitswesen in die Pleite, usw. Eine Tendenz die kleinen Gewerkschaften besonders zu bedenken, unterstelle ich mal. Dabei will keiner mit einem Überarbeiteten Lokführer fahren. Ab 50 kommen in der Bevölkerung bestimmte Krankheiten auf, die dazu führen, dass z.b. Piloten ihre Tauglichkeit verlieren. Na klar braucht man dann eine entsprechende Regelung, was mit denen passiert. Dass viele Beamte schon mit unter 60 in Rente gehen schreibt da aber niemand.

Punkt drei: ja na klar ist das scheiße dass die streiken und es stört, aber jeder der meckert sollte sich überlegen, wie sein eigenes Gehalt zustande kommt und wie seine Arbeitsbedingungen mal erkämpft wurden und dass bei der Inflationsrate und gleich bleibendem Gehalt immer weniger zum Sparen und für die Familie übrig bleibt und dass sich Rentenhöhen, Bafög, Hartz 4, Grundsicherung und andere sozialzuschüsse an der tariflichen Entwicklung orientieren. Dieses Jahr Gans übrigens die Empfehlung zu höheren Abschlüssen, um das Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden. Mal sehen was draus wird.

PS: ein heißes Thema und ich ahne jetzt schon dass man hier verbal auf mich einprügeln wird…





Dinge, die entbehrlich sind

17 10 2014

Bilder von Prominenten nach dem Aufstehen – interessant dagegen wären Bilder von Ärzten nach oder in 24 h Diensten

Promi – Boxen – interessant dagegen wäre mal offen darüber zu reden, wie oft Rettungsdienst und Notaufnahmepersonal von Patienten angegriffen wird, obwohl sie eigentlich nur behandeln wollen

Bachelor und so ein Kram – interessant dagegen wäre, wieviele Schwestern tatsächlich nachts in deutschen Kliniken arbeiten während irgendwo ein nächtliches Pseudotechtelmechtel über die Bildschirme flackert








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