Lebensretter Warnweste

1 12 2013

Wir haben wieder die dunkle Jahreszeit… alle Jahre wieder… hasse ich es, wenn plötzlich aus dem Dunklen zwischen den Autos ein Radfahrer erscheint. Wie aus dem Nichts ist er da. Kein Licht an, Reflektoren Fehlanzeige. Dunkle Klamotten. War das der Versuch, die Unfallversicherung in Anspruch zu nehmen? Es ist sagenhaft, wieviele Radfahrer schlecht beleuchtet durch die Gegend gondeln. Das Schlimme ist, wenn sie dann statt auf einem Extra-Radweg auch noch auf der Straße fahren müssen. Alles Kandidaten für den Darwin-Award? In Skandinavien ist es schon länger so, dass viele Radfahrer die Warnwesten tragen (sogar im Sommer!), die viele bei uns nur im Auto rumliegen haben für den Pannenfall. Ich habe diesen Herbst erst zweimal einen Radfahrer mit einer Warnweste gesehen. Die Betonung liegt auf gesehen, denn man sieht sie verdammt gut. Leuchtend wie ein Leuchtturm im Dunklen. Dazu noch die Lampen an, das geht dann schon ganz gut. Ich habe auch erst ein Kind gesehen, dass seine Warnweste an hatte, die seit einigen Jahren jedes Jahr zum Schulanfang an die Erstklässler ausgegeben werden. Dafür viele mit dunkler Kleidung und Rucksack ohne Reflektorstreifen irgendwo zwischen den Autos durchlaufen… Für Traumatologen ist es sicherlich ein Bombengeschäft… Aber wer will schon zu Weihnachten als Polytrauma in der frühneurologischen Reha hängen?

Dabei wäre es so einfach. 2,99 Euro ausgeben, soviel kosten die Warnwesten im Discounter, anziehen wenn man radfährt und gesehen werden. Und es schadet auch nicht, wenigstens ein paar Reflektoren am Rad zu haben, wenn schon die Lampen nicht gehen… Zuzahlung pro Tag Krankenhaus kostet 10 Euro. Die Rechnung dürfte jeder hinbekommen… Oder eben seinem Kind das geschenkte Teil anziehen und den Freunden am besten auch und dann zeigen, wie gut man sie jetzt sieht. Bei Widerstand gibts kein Taschengeld. Es macht sich doch keiner lächerlich. Mein Gott, und beim Radfahren gehts doch nicht um Schönheit oder einen Modelpreis.

Pro Warnweste beim Fahrradfahren und für Kinder! Einen billigeren Lebensretter gibt es nicht.

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15 responses

1 12 2013
Tänzerin

Ein sehr schönes Plaidoyer!
Zur Warnweste konnte ich mich noch nicht ganz durchringen, aber ich finde meine schneeweiße Jacke auch schonmal wesentlich besser, als so ganz in dunklen Klamotten und das Licht am Fahrrad ist einfach immer an, wenn ich fahre. Aber vielleicht ringe ich mich dann jetzt öfter mal dazu durch auch noch die Reflexbänder anzuziehen, die immer so schön in der Innentasche meiner Jacke wohnen 😉

1 12 2013
Reinhardt

Wollen wir wirklich in unserer Gesellschaft zu Sklaven der Autofahrer werden? Modische Kleidung wird nur noch drinnen und in der Fußgängerzone getragen? Alle ziehen ein neonfarbenes Papageienkostüm an, nur damit sie nicht vom nächstbesten Auto über den Haufen gefahren werden? Das könnte ja bei schlechten Sichtverhältnissen auch einfach etwas langsamer fahren. Radfahrer und Fußgänger sind die Schwachen, nicht die Bösen!

1 12 2013
Friggs

Als Fußgänger sehe ich auch keinen Grund eine Warnweste anzuziehen. Als Radfahrer ärgere ich mich aber selbst jedesmal über die – sry – Deppen, die ohne Licht, mit dunklen Klamotten auf der falschen Seite fahren. Was nun daran so schlimm ist, während der Fahrt eine Warnweste/Reflektorengurte zu trage ist mir nicht klar. Modenschau auf dem Fahrrad? Meine Warnweste habe ich schneller ausgezogen, als das Fahrrad angeschlossen ist und die nimmt weniger Platz in der Tasche ein als ein zusammengefalteter Beutel.

1 12 2013
delfinstern

Ich hab selbst als Fußgänger eine an. und für 10 Euro gibts die bei einem Kaffeeröster auch in schöner, nennt sich dann Laufweste. In einer näherern Stadt fahren ettliche Fahrradfahrer mit weste (oder hängen die Weste an den Gepäckkorb oder Rucksack) und auch ettliche Fußgänger haben eine an. Zebrastreifen intressieren in der Stadt irgendwie sowieso nicht. Klar könnten Autofahrer langsamer fahren, machen sie aber meist nicht. Dann zieh ich lieber meine gelbe Weste an, als näher Bekanntschaft mit einem Auto/LKW zu machen. Übrigends hat im Sommer meine Schwester die Weste auf dem Motorrad an. Vorallem bei Nebel und Regen leuchtet die schon recht weit. Selbst wenn ich mit dem Auto langsam fahre, dunkel gekleidete Fußgänger sieht man in max. 50m Entfernung, gute Sicht vorrausgesetzt. Und das ist schon verdammt kurz um selbst mit 30km/h reagieren zu können. Ich kann nicht auf der Landstraße mit 30km/h fahren oder in der Stadt mit 20, da drehn ja die hinter mir durch.

1 12 2013
Assistenzarzt

Ich komm aus einer Gegend, wo Straßenlaternen aus Kostengründen abgebaut werden bzw gedrosselt um Geld zu sparen. Da ist es an manchem Fußgängerüberweg finster wie im Bären… Ich verlange nicht, dass jeder Fußgänger eine Warnweste an hat. Aber für Radfahrer finde ich es ein wichtiges Hilfsmittel. Problem ist doch oft die Defekte Beleuchtung an Rädern. Zudem gibt es das Phänomen dass Autofahrer die hellen Lichter der entgegenkommenden Autos gut wahrnehmen, aber Lichter die nicht so hell sind dementsprechend schlechter, sie werden überblendet. Und nein, nicht an jedem Unfall ist der Autofahrer Schuld… Rücksichtslosigkeit und riskantes Verhalten findet sich bei allen. Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Kein Autofahrer geht auf Radfahrerjagd, lieber Reinhard und Rücksicht nehmen ist etwas Gegenseitiges. Bei Kindern find ich diesen Reflektorkragen bzw Weste gut. Wie oft huschen sie zwischen Autos durch und stehen plötzlich auf der Strasse obwohl sie wissen, man soll es nicht machen. Die Kleinen können Gefahrensituationen zudem nicht so einschätzen wie ein Erwachsener. Ihnen fehlt Übersivht und Erfahrung. Und deshalb brauchen sie besonderen Schutz und mehr Eyecatcher.
Kann jeder machen, was er will. Aber ob man als Fußgänger oder Radfahrer auf sein Recht bestehen will, wenn der andere stärker ist und gewinnt, ist die andere Frage. Gut, dann hat man Recht, aber dafür kaputte Knochen. Was hat es dann gebracht? Nix.
Pro Warnweste für Radfahrer und Kinder. Dabei bleibe ich.

2 12 2013
KiKreta

Ohja, Warnwesten sind echt richtig klasse zu sehen und hier in der großen, großen Stadt sind auch immer mehr Leute damit zu sehen. Was ich da bezeichnender finde ist, wieviele Leute immernoch ohne Helm unterwegs sind.
Und manchmal fragt man isch, was man noch machen soll um besser gesehen zu werden außer extra helle Lampen am Rad die auch beim stehenbleiben nachbrennen, Reflexstäben an jeder Speiche, einer neongelben Jacke mit Reflektostreifen und darüber eine gelbe Warnweste… und trotzdem fährt der Autofahrer los in dem Moment wo man sich direkt vor ihm befindet.

3 12 2013
Felix

@Delfistern Natürlich sollst du 20 km/h fahren, wenn die Sichtverhältnisse es nicht anders zu lassen. Du musst nämlich immer auch damit rechnen unbeleuchtete Hindernisse auf der Fahrbahn zu haben. Und wenn du nicht reagieren kannst dann warst du zu schnell. Daher finde ich es zu einfach, den Radfahrern durch die Aufforderung Warnwesten zu tragen die Schuld zuschieben zu wollen.

3 12 2013
Assistenzarzt

@ Felix: geht doch hier nicht um Schuldzuschreibung. Für einen Radfahrer ist es doch reiner Selbstschutz, gut gesehen zu werden. Nicht umsonst werden für Defekte Beleuchtung Euros fällig bei ner Kontrolle. Selbst wenn ich als Radfahrer aufpasse, hab ich durch eine Warnweste bessere Chancen, gesehen zu werden. Das hilft nicht gegen dumme Autofahrer, aber es hilft denen, die aufpassen und dich sehen wollen, auch wenn sie physiologisch schlechte Chancen haben durch Effekte der unterschiedlichen Wahrnehmung von unterschiedlichen Lichtstärken.

9 12 2013
Felix

Das Problem ist, dass das zu einem Wettrüsten führt und die Autofahrer wenn genügend Menschen mit Warnweste unterwegs sind, nicht mehr damit rechnen das es auch Verkehrsteilnehmer ohne Weste gibt. Und irgendwann werden den Radfahrern die keine Warnweste tragen von den Gerichten eine Mitschuld zugesprochen.

Ausserdem finde ich solche Diskussionen sehr gefährlich weil sie immer implizieren, dass Radfahrern so gefährlich ist, und man sich immer gut drauf vorbereiten muss, die meisten Menschen sterben im Strassenverkehr aber im Auto.

3 12 2013
Seemädel

Volle Zustimmung! Für mich gibt es im Übrigen noch einen Grund dafür, eine Warnweste zu tragen, selbst wenn die Fahrradbeleuchtung einwandfrei funktioniert und alle Reflektoren funktionieren: Nach einem Sturz liege ich nicht unbedingt direkt neben meinem Fahrrad… und gerade auf matschigen Blättern oder überraschend vereisten Stellen kann man leicht stürzen. Ich fahre sicher nicht sonderlich draufgängerisch und weiß auch, dass im November mit vereisten Stellen zu rechnen ist, trotzdem bin ich letzte Woche gestürzt. Zum Glück waren die Autos noch weit genug weg und konnten problemlos bremsen. Aber es kann ja auch mal sein, dass ich stürze, nicht mehr aufstehen kann, das Rad liegt ein paar Meter weiter und nach 1 Minute erst kommt das nächste Auto, das somit den Sturz nicht unbedingt gesehen hat. Da rechne ich mir mit Weste mehr Chancen aus, noch gesehen zu werden, als ohne.
Ich denke allerdings darüber nach, ob ich nicht doch noch Reflektoren an die Ärmel machen sollte, damit man besser sieht, wenn ich vor’m Abbiegen Handzeichen gebe (auch wenn ich mich bei Dunkelheit noch intensiver als bei Tag zu vergewissern versuche, dass keiner mich beim Linksabbiegen über den Haufen fährt).

@ Reinhardt: Und auf meinem Grabstein steht dann „sie war im Recht“… bringt mir halt bloß nix mehr. Im Übrigen finde ich das Argument mit dem Aussehn ziemlich schwach, die Weste kann man ja ganz schnell wieder ausziehen. Da finde ich „ich trage keinen Helm, weil ich dann die Haare neu machen muss und das geht nicht ohne Waschen“ noch verständlicher, auch wenn es für mich kein Grund wäre. Hab aber zum Glück pflegeleichte Haare. Und nach ein paar Selbstversuchen aus der Reihe „mit/ ohne Helm gegen eine Laterne fahren/ stürzen“ bin ich von ihm sehr überzeugt…

4 12 2013
Markus

Ich habe hier (Großstadt) schon oft beobachtet, dass Grundschulklassen bei Ausflügen Warnwesten tragen – ausnahmslos jedes Kind. Das ist mir sehr positiv aufgefallen, weil es für die Kinder offensichtlich so selbstverständlich war. Die Westen waren auch nicht so schlimm, dass es eine Zumutung gewesen wäre. 😉

Radfahrer müssten mehr kontrolliert werden. Wenn jeder Radfahrer die vorgeschriebenen Lampen und Reflektoren hätte, könnte man ihn auch besser erkennen. Zusätzlich eine Warnweste wäre nicht schlecht – aber dann muss man auch darüber nachdenken, ob dunkle Lackfarben bei Autos noch tolerierbar sind, die man im Dunkeln trotz theoretisch besserer/hellerer Lichter zuweilen ebenfalls kaum sehen kann.

Im Land der Autofahrer schlechthin? Wehe mir… 😉

11 12 2013
Linktipps der Woche: Kommentar zu Klagen gegen Hospize, Aua-Meter & MimimiMeter & Gesundheitspolitik im Koalitionsvertrag | Zukunft Gesundheitswesen

[…] Lebensretter Warnweste Der bloggende Assistenzarzt hält ein Plädoyer für die Warnweste – für Fahrradfahrer & Fußgänger im Winter. Mehr dazu im Blog des Assistenzarztes […]

11 12 2013
Assistenzarzt

@ Felix
Liegt daran, dass das Auto das am meisten genutzte Verkehrsmittel ist.

http://www.nationaler-radverkehrsplan.de/neuigkeiten/news.php?id=4102

Ich finde über 74000 Verletzte Radfahrer sind auch schlimm genug.

18 10 2016
Roland

@Markus: Dunkle Autofarben sind sicher nachts schlecht zu sehen, dafür fallen sie im Schnee recht gut auf. Da sieht man dann die weißen nicht hat mehr, und die beliebten grauen Autos gehen im Nebel unter.
Eigentlich müsste man alle blau, gelb,orange oder rot lackieren oder mit bunten Mustern. Das passt natürlich stilistisch nicht zu einem Oberklassemodell…

14 12 2016
Thomas

Eine Warnweste ist vielleicht gar nicht mal so eine doofe Idee. Bin selber noch gar nicht drauf gekommen muss ich gestehen.

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