Nummern-Ärzte auf Abwegen

21 03 2017

Wenn mich derzeit eines auf die Palme bringen kann (von etwa 1000 weiteren Dingen…), dann sind es die Kollegen im niedergelassenen Bereich, die fachärztlich tätig sind und die es geschafft haben, das System der Dringlichkeitsnummern auf den Überweisungen (sogenannte A und B-Nummern) zur Sinnlosigkeit zu verdammen. Wie? Nun ja, anstatt es so zu machen wie vorgesehen – dringlicher Fall, Nr drauf, angenommen, untersucht, behandelt, korrekt abgerechnet – verlangen die lieben Kollegen inzwischen von allen Patienten, die an ihren Tresen kommen, dass eine Nummer drauf steht. Weil sie sie abrechnen wollen als zusätzliche Einnahme. Und wenn nicht diese Nummer draufsteht? Dann war der Hausarzt ehrlich, nutzt das System nicht aus um keine dringlichen Kapazitäten zu blockieren, hat keinen normalen Fall als eilig gekennzeichnet und der Patient bekommt gesagt, dass er entweder gar nicht in dieser Praxis rankommt ohne eine solche Nummer (also nicht mal in 6 oder 9 Monaten einen Termin bekommt), dass er in 6 Monaten nochmal kommen kann um sich einen Termin zu holen (dann aber bitte in 6 Monaten die B-Nummer draufsteht, weil man die Terminvergabe an sich schon als Leistung abrechnet und er eigentliche Termin ist irgendwann) oder aber wenn er schon in 3 Monaten dran kommen will, soll er mit einer B-Nummer wieder kommen (bekommt dann innerhalb der Woche einen Termin heraus gegeben, was bereits auf der B-Überwiesung abgerechnet wird und der eigentliche Termin ist in 3 Monaten, wo er dann mit viel Glück auch mal nen Arzt sieht).

Und das ist jetzt für all meine Kollegen, die so etwas jeden Tag machen:
Liebe Kollegen, die Ihr Euch gerade in der Beschreibung erkannt habt… Das was ihr tut, ist falsch. Es ist nicht nur gegen die Regeln sondern auch gegen den Eid, den ihr mal geschworen habt und gegen ethische Grundsätze, nach denen wir arbeiten. Das System wurde nicht geschaffen, damit ihr es schamlos ausnutzt und euch auf Kosten kranker Menschen bereichert. Falls ihr denkt, es bekommt niemand mit… Was glaubt ihr, wem die Patienten das erzählen… Richtig, dem Hausarzt und dem Arzt in der Notaufnahme. Und glaubt mir, ich sammle inzwischen Namen und Fälle, weil es mich nervt und ich mich schäme, in der gleichen Ärztekammer zu sein wie ihr und mit euch über einen Kamm geschoren zu werden. Denn genau ihr sorgt dafür, dass der gute Ruf der Ärzte demoliert wird. Ihr solltet in tiefer Schamesröte im Boden versinken. Ach und übrigens macht die Frage eurer MFA, ob der Patient IGEL Leistungen haben will und falls ja eher dran kommt, es auch nicht besser. Ihr habt im Übrigen eine Versorgungsauftrag von der KV bekommen, Patienten die gesetzlich versichert sind, zu behandeln. Ich fürchte nur, dass einige von euch Dermatologen, Orthopäden, HNO-Ärzten, Gynäkologen, Augenärzten… vor lauter IGEL Leistungen und Privatpatienten gar nicht mehr dazu kommen, diesen im vollen Umfang wahrzunehmen. Daher fordere ich euch auf, diesem künstlichen Facharztmangel in euren Gebieten (die ja für neue Zulassungen wegen bestehender Überversorgung meist gesperrt sind und trotzdem gibt’s keine Termine für Patienten!) zu begegnen und euren Beitrag zur Lösung einzubringen – gebt einen hälftigen Versorgungsauftrag ab, mehr machen einige von euch doch sowieso nicht mehr, wenn man es real sieht und lasst dadurch der KV die Möglichkeit, einen jungen Kollegen wenigstens auf einer halben Zulassung laufen zu lassen, um damit mehr Patienten real behandeln zu können. Ihr helft den Patienten, den Hausärzten und den Notaufnahmen.

So, den Dampf musste ich mal ablassen. Alle Kollegen, die so etwas wie beschrieben, nicht machen, brauchen sich durch meine Worte in keinster Weise angesprochen fühlen, euch habe ich nicht gemeint. Aber ihr wisst genau, wer bei euch in der Nähe solche Dinge macht und regt euch garantiert genauso drüber auf wie ich… Der ehrliche Hausarzt ist und bleibt eben leider der Dumme…und das ist einfach nicht richtig so.

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2 responses

22 03 2017
-thh

Die Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen der örtlichen KV, noch mehr aber der Krankenkassen (§§ 81a, 197a SGB V) hätten für die Liste der betreffenden Ärzte – am besten unter beispielhafter Nennung konkreter, prüfbarer Fälle – sicherlich ein offenes Ohr und setzen – soweit (und so klingt es) unzulässige Abrechnungen erfolgen und/oder die Patienten zu IGeLn genötigt werden – dann auch die Staatsanwaltschaft in Kenntnis. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass das (und Mahnmal manchmal leider nur das) zu einer Verhaltensänderung der Betreffenden führt.

22 03 2017
heutanonymeapo

Ich hoffe, die Namen/Fälle-Liste landet mal durch einen furchtbar unvorstellbaren Zufall auf dem Fax und gaaaanz zufällig wird das dann an die zuständige Ärztekammer geschickt….ups, die Absendenummer ist nicht lesbar, so ein Zufall….*duckundweg*

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