Assistenzarzt philosophisch

12 05 2013

Anstand und Respekt kann man sich nicht kaufen. Das hat man oder eben nicht.





Versichert und doch keine Versorgung

30 04 2013

Ich habe am 24.4.13 einen Bericht auf ARD gesehen, der mich immer noch beschäftigt, weil ich im Alltag immer wieder so etwas erlebe. Autor ist der Journalist Ingo Blank. Dort ging es um Menschen, die Krankenkassenbeiträge nicht zahlen konnten und jetzt einen Berg von Schulden haben. Die Geschichten im Alltag sind immer die gleichen. Arbeitslosigkeit. Der Versuch sich zu befreien und was eigenes aufzubauen oder aber die “erzwungene” Selbständigkeit als Subsubsubsub-Unternehmer. Das Einkommen reicht nicht für die Krankenkassenbeiträge. Irgendwann flogen sie raus. Dann kam die Pflicht zur Versicherung. Man trat wieder ein. Beiträge nicht gezahlt… Schulden.
Ich weiß nicht, ob ich es richtig verstanden habe, aber es hörte sich so an, dass sogar Zeiten der Nichtmitgliedschaft nach dem Rausfliegen nachgezahlt werden mussten, um wieder ein anständiges GKV-Mitglied zu sein. Aber so ganz eindeutig war es für mich nicht.

Also Schulden. Und Zinsen der Krankenkassen: 60% pro Jahr. Habe mal gelernt, dass Wucher ungesetzlich ist. Aber wo keiner Geld zum Klagen hat, ist auch kein Kläger… Nun soll ja alles besser werden, Zinsen runter. Aber Schulden bleiben. Und damit ein Riesenproblem! Die Leute, die Schulden bei der Gesetzlichen Krankenkasse haben, sind zwar versichert, aber sie kriegen so gut wie keine Leistung, selbst wenn sie jetzt regulär die Beiträge zahlen. Nur im Notfall. Und der wird geprüft, wenn sie sich beim Hausarzt vorstellen.
Wir leben in einem Land, in dem sich die Politik für ihr tolles Krankenversicherungssystem lobt. In diesem Land, zahlen Menschen Krankenkassenbeiträge und werden nur versorgt, wenn sie sich im Notfall behandeln lassen müssen. Ob es ein Notfall war, wird hinterher entschieden. Sprich: Komm mit Thoraxschmerz in die Notaufnahme oder zum hausarzt und es war kein Herzinfarkt, dann darf selbst gezahlt werden???
Chronisch Kranke, nehmen wir die Volkskrankheit Bluthochdruck, haben keine adäquate Versorgung, obwohl sie Beiträge zahlen. Erst wenn der unbehandelte Hypertonus im Lungenödem endet und eine Herzinsuffizienz bei hypertensiver Herzkrankheit dekompensiert, dann zahlt die Kasse, wenn mans genau nimmt. Dabei können wir Bluthochdruck gut behandeln. Zum Beispiel bei Politikern und Krankenkassenmitarbeitern.
Im Beitrag wird berichtet, dass die Initiativen für Migranten, die kostenfrei auch Unversicherte behandeln, inzwischen 20% dieser GKV-Verschuldeten unter ihren Patienten haben.

Erst wenn derjenige seine Schulden bezahlt hat, dann bekommt er eine normale Versorgung. Wie lange dauert es, mit einem niedrigen EInkommen z.B. 15000 Euro abzuzahlen? Länger als Schäden durch Bluthochdruck oder einen unbehandelten Diabetes entstehen?
War es nicht eigentlich mal Ziel, MEnschen aus HartzIV herauszuholen? Oder im Job zu halten? Viele hätten eine realistische Chance auf Schuldentilgung, wenn die Krankenkassen nur z.B. 8% oder vielleicht 16% Zinsen pro Jahr genommen hätten. Aber so…

Wer arm ist, stirbt früher. Ein Satz, so elementar wie die Relativitätstheorie und der Satz des Pythagoras.

Manchmal wundere ich mich, warum manche Leute mit einfachen Dingen in eine Notaufnahme kommen und Kapazitäten blockieren. Vielleicht haben sie anders keine Chance auf einen Arztkontakt.

Wie kann es sein, dass Menschen Beiträge zahlen und Schulden bei der gleichen Kasse abzahlen und trotzdem keine Versorgung bekommen solange sie Schulden abzahlen, auch wenn sie aktuell die Beiträge zahlen? Was ist daran human, sozial, demokratisch, gerecht? Entspricht das unseren Verfassungsgrundsätzen?

Es wird Zeit, dass jemand, der dadurch geschädigt wurde, irgendwo klagt. Wenn er denn die Kraft und den Mut dazu hat.

Damals, als gerade das Gesetz kam, dass man versichert sein musste und die Kassen Patienten aufnehmen mussten, da hatte ich eines Tages Dienst. In die Notaufnahme kam ein junger Mann, zwischen 20 und Mitte 20. Er hatte eine Berufsausbildung gemacht. Danach keinen Job bekommen. Jemand von einer nicht näher bezeichneten Agentur machte ihm den Vorschlag, sich selbständig zu machen. Das tat er naiverweise auch. Nachdem die initiale Förderung zu Ende war und sich das ganze nicht selbst trug, konnte er die Beiträge nicht zahlen. Er flog aus der Krankenkasse. Versuchte weiterhin, nicht auf HartzIV zu kommen und es irgendwie hinzukriegen. Einige Monate später nahm er massiv an Gewicht ab. Er fühlte sich schlecht. Und er hatte was getastet. Er wusste, dass er zum Arzt musste, hatte aber keine Versicherung und kein Geld, sich auf eigene Kosten behandeln zu lassen. Dann kam das Gesetz, er ging sofort in eine Kasse. Am Tag als er die Krankenkassenkarte erhielt, kam er zu uns in die Notaufnahme. Es war so erschütternd, als Arzt diese Geschichte zu hören und dann die bildgebenden Befunde zu sehen. Innerhalb von nicht einmal 12 h hatten wir eine komplette Diagnostik. Jeder hat sich reingehängt, sobald er den Ultraschallbefund las. Nie habe ich es je erlebt, dass wir eine elektive, nein, es war wohl nicht mehr elektiv, Diagnostik komplett von Hacken bis Nacken durchzogen in diesem Tempo. Wir verlegten ihn komplett durchmetastasiert mit einem Hodenkarzinom in die entsprechende Spezialklinik. Man tat alles für ihn. Ein paar Wochen später las ich seinen Namen in der Zeitung. Alle in der Klinik, die ihn betreut hatten, waren bestürzt. Bei rechtzeitiger Diagnostik hätte er eine Chance gehabt, Beispiele dafür gibts viele. Seinen Namen weiß ich nicht mehr, aber er ist einer von denen, an die man sich erinnert.

Ich kann diesen Irrsinn nicht verstehen. Warum kann man nicht einfach das Gleiche machen, wie bei der Rettung diverser Pleitestaaten? Es wäre mit Sicherheit nicht so teuer, wie die Milliarden, die jetzt im Griechenland- und Zypernnirvana versickern. Kostet bestimmt auch weniger als eine Elbphilharmonie, BER oder Stuttgart21. Aber hätte einen extrem charmanten Vorteil: Menschenleben retten. Einfach Schuldenschnitt, realistisch rückzahlbaren Anteil bezahlen in einem realistischen Zeitraum, volle Versicherungsleistung sobald regulär Beiträge bezahlt werden und falls das nicht geht, einen Casemanager, der alle an einen Tisch holt und eine Lösung schafft. Und die Mindestbeiträge müssten sinken, gerade für diese Einzelkämpfer-Selbständigen. Diese Menschen werden die GKV nicht über Gebühr strapazieren, die wollen und müssen arbeiten, um sich und die Familie durchzubringen und nicht auf HartzIV zu landen (wobei sie da wenigstens eine ordentliche Krankenversicherung hätten…). Wir brauchen nicht bis nach Afrika gucken, wenn wir über mangelhafte medizinische Versorgung reden. Gucken Sie einfach mal auf die Straße raus.

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/sr/2013/krankenkassen-nachforderungen-100.html





Aktion: Lockt den Frühling!

27 03 2013

Ich kann nicht mehr… ich will endlich Frühling. Und ich kriege morgens die Krise, wenn im Radio so fürchterlich trübe Lieder gespielt werden. Da wird man ja wirklich völlig depressiv. Ich glaube, der Winter hat sich im Datum geirrt… wir haben nachts bis minus 8 Grad und tags wenns hochkommt 3 (ja heute!). Wenigstens die Sonne kämpft gegen den Schnee. Er wird jeden Tag weniger. Bis es Ostern wieder schneien soll… Wenn das so weitergeht, hab ich bald nur noch depressive Patienten auf Station. Und deprimierte Ärzte und Schwestern… das geht doch nicht.
Deswegen: Lasst uns den Frühling locken! Spielt Sommersongs! Im Radio, MP3-Player, Stereoanlage, PC, Smartphone, wurscht, Hauptsache, der Frühling merkt, dass er hierher gehört.

So, meine Playlist für heute:

Peter Andre – Mysterious Girl
UB40 – Kingston Town
UB40 – Red Red Wine
Garland Jeffreys – Matador
Taio Cruz – World in our hands
Inner Circle – Sweat
Shaggy – Boombastic
Mungo Jerry – In the summertime
Groove Connection – Sippin on Bacardi Rum
Loona – Bailando

Ihr dürft gerne posten, was in Eurer steht.





Möglichkeiten

24 03 2013

“Es gibt zwei Möglichkeiten, Karriere zu machen. Entweder leistet man wirklich etwas oder man behauptet, etwas zu leisten. Ich rate zur ersten Methode, denn hier ist die Konkurrenz bei Weitem nicht so groß.”

Danny Kaye, amerikanischer Schauspieler und Sänger





Nordmagazin verschläft Taufe der AIDAstella

16 03 2013

Alle Schiffegucker im Norden warteten heute nur auf einen Augenblick: Die Taufe der AIDAstella in Warnemünde. Werbung gab es genug. Es war schließlich ein Jubiläum: das zehnte Schiff, Taufe im Heimathafen der Reederei. Und in MV. Ja, wir MeckPommis waren schon ein wenig stolz darauf, dass es nach vielen Jahren mal wieder eine große Schiffstaufe in MV gibt. Letztes Jahr in Hamburg war die Taufe der AIDAmar ja ein Riesenspektakel. Dieses Jahr sollte es nicht so riesig und superdimensioniert werden. Eher familiär. Das besondere: Menschen, die für AIDA arbeiten und teils mit dem Land und der Region verbunden sind, sollten das Schiff taufen. Und der Medienpartner NDR sollte / wollte es live übertragen. Letztes Jahr gabs nen Livestream im Internet. Dieses Jahr leider nicht. So blieb den Schiffeguckern aus MeckPomm und anderswo nur der NDR. Und der hatte ja vorher groß angekündigt, die Taufe live im Nordmagazin zu übertragen. Nun ja, in der Gesamtbeurteilung kann man sagen, das Nordmagazin hat sich bemüht. Aber mehr auch nicht. Welch große Enttäuschung gabs bei allen, die dachten, sich das Verkehrschaos in Warnemünde ersparen zu können und nicht dutzende Kilometer über glatte Straßen durchs Land zu fahren zu müssen und sich am Ende bei -3 Grad den Allerwertesten zu verkühlen. Man hatte ja die Alternative der Liveübertragung im Nordmagazin. Das pünktlich um 19.48 Uhr, dem erwartungsvollen Moment für alle Schiffegucker, AIDA-Fans, MeckPommis… einen Konserven-Beitrag über einen Senioren-Musiker im Rentenalter brachte und das Ereignis des Tages voll verpasste. Na Herzlichen Glückwunsch. Es war wie morgens auf dem Weg zur Arbeit. Man rennt und rennt und rennt und wenn man an der Haltestelle ankommt, ist der Bus weg und man guckt hinterher. Was blieb waren einige kurze Momente des anschließenden Feuerwerks. Ich könnte sagen, ich war überrascht, dass man es so vergurkte. Aber das war ich nicht, denn die einleitenden Worte des Moderators nach den Anfangssequenzen mit dem Einlaufen des Schiffes in den Warnemünder Hafen, ließen es schon erahnen, dass es wohl keine Liveschalte geben wird. Nee, live is eben nicht immer das live, was der Zuschauer glaubt. Naja, wenigstens hat der Reporter vor Ort seinen Spaß gehabt. Da es auch keinen Stream über AIDAs Website gab, blieben die Webcams, die leider auch nicht alles zeigten. Ein Millionenteures Schiff, das letzte in Deutschland gebaute für AIDA Cruises, das zehnte der Reederei, wird im Hafen des Hauptstandortes (eines der wenigen großen Unternehmen des Bundeslandes, die man inzwischen an einer Hand abzählen kann) von Leuten aus dem Land und Mitarbeitern der Reederei getauft und keiner kanns sehen.* Habemus verschlafen. Gut Nacht in Schwerin beim Nordmagazin.

*Außer er nimmt lange Anfahrten, Glatteis, Verkehrschaos, Eiseskälte und Sturmböen in Kauf. Und das kann aus den verschiedensten Gründen nunmal nicht jeder.

PS: Versteht mich nicht falsch. Ich habe nichts gegens Nordmagazin. Aber ich wunder mich doch erheblich, wenn ein Fernsehteam auf dem Schiff mitfährt, die Taufflasche in der Kapitänskabine zeigt und es vorher so riesig angekündigt wird, dass man live dabei ist bei der Taufe, dann erwarte ich das auch, dass geliefert wird, was angekündigt ist. So flexibel kann man doch sein, oder? Die Taufe lag in der Sendezeit, so wie man es die Jahre vorher auch geschafft hatte mit den anderen Landesfunkhäusern des NDR. Wenn die Schiffegucker, Fans und alle aus MV, die sich dafür interessieren, es vorher gewußt hätten, wie es läuft, dann wären sicher viele doch hingefahren und hätten die oben erwähnten Unwägbarkeiten in Kauf genommen, weil sie so ein Ereignis mal live (also in echt live) erleben wollten. Es ist und bleibt etwas Besonderes, gerade hier im Norden und bei so einem tollen Schiff.





Nicht schon wieder…

11 03 2013

…Schnee… Ich will Frühling. In ein paar Tagen haben wir Tag-und-Nacht-Gleiche und draußen ist es so kalt, dass man sich den Allerwertesten abfriert. Schneeschippen gibt Muckis. Schön. Das gibt Erde umgraben auch. Weiß ist schön. Aber grün auch. Sieht ganz nett aus. Hat aber auch einen gewissen Gewöhnungseffekt. Aber nu is doch mal Schluss, oder? Wenn das so weitergeht werden wieder die Knochenbrecher das jährliche Wettrennen um die besten Zahlen gewinnen…

Ich will nen Platz an der Sonne im weißen Sand der Ostseeküste und den Surfern beim ins Wasser fallen zugucken können…





Ich wünsche mir zu Ostern

10 03 2013

ein T-Shirt wo draufsteht:

Lieber Gott, wenn du mich nicht schlank machen kannst, dann mach wenigstens meine Vorgesetzten fett.

So ähnlich gibts eins bei Weltbild. Aber meine Freunde will ich nicht fett haben.

Nein, es wird bei uns niemand diskriminiert. Aber es macht nen Unterschied, wer zu einem sagt “Naja, Sie essen ja auch gerne, ne?” oder in welchem Zusammenhang so ein Satz fällt “Naja, wenn Sie in den Raum treten, da traut sich kein Patient mehr zu widersprechen, so beeindruckend, wie Sie wirken.”








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