Weil auch ich meinen Senf zum aktuell heiß diskutiertem Thema dazugeben möchte, bleibt Euch das nicht erspart.
Zum einen verstehe ich die derzeitige Aufregung genauso wenig wie Monsterdoc oder Via medici. Neu ist das nicht mit der Ärztebewertung. Gibt schon seit längerem die Möglichkeit in diversen Foren was zu schreiben. Meist haben die sich irgendwo Ärzteverzeichnisse besorgt und wenn man bei google den Namen eingibt kommt man auf eine solche Seite und wird gefragt, ob man den Arzt bewerten will oder falls man der Arzt ist, ob man seinen Eintrag kostenpflichtig um diverse Spielerchen erweitern will… ich denke mal, da haben welche eine Gelddruckmaschine gewittert, aber ob die so tatsächlich funktioniert, wage ich zu bezweifeln. Dass die AOK sowas machen will, ist wohl einem Werbestrategen geschuldet. Der hat bestimmt noch ne Bonuszahlung bekommen für diese geniale Idee. Oder sollte man da den Versuch eines neuen Ärzte-Erpressungsmodells der AOK wittern? Vielleicht werden nachher nur die bewertet, die keinen speziellen Vertrag mit der AOK haben… ? Man weiß es nicht, aber seltsamerweise vermutet man als Arzt überall Verschwörungen, sobald ein Krankenkassenname auftaucht… woran das wohl liegt…?
Andererseits verstehe ich die Aufregung schon irgendwie… nehmen wir als anderes Beispiel mal den Onlineversand amazon. Dort können Bücher rezensiert werden. Und es ist leider vorgekommen, dass Autoren aus purer Feindseeligkeit, wirtschaftlichen Interessen oder persönlicher Abneigung Bücher anderer Autoren förmlich zerrissen haben und das eigene Buch extrem gut beschrieben. Eine Autorin war darin besonders gut, flog nachher aber auf. Sie hatte diverse Nicknames und quasi einen Feldzug gegen andere Autoren durchgeführt. Für die Leser / User dieser Beiträge hieß das, dass sich kein unabhängiges Bild ergab aus den Rezensionen, weil ja ein Teil mit Absicht negativ geschrieben worden war. Normalerweise fügt sich ja aus vielen Rezensionen ein Gesamtbild. Bei den meisten Büchern gibts aber nur 2 – 3 Rezensionen und wenn die alle ein reiner Fake sind, dann ist da nichts mehr real dran. Für die Autoren hieß es deutliche Einbußen hinzunehmen. Amazon nimmt aber negative Bewertungen nicht raus, selbst wenn es offensichtlich eine persönliche Angelegenheit ist, die dort ausgetragen wird und die Formulierungen über das normale Maß einer Rezension hinausgehen. Wir sind ja schließlich frei… Es ist also nicht immer ungefährlich für den Beurteilten, wenn im Internet frei bewertet werden darf. Heutzutage ist es viel leichter eine Person gesellschaftlich zu diskreditieren, weil alle Möglichkeiten des Internets offen stehen und es leicht ist, verschiedene Identitäten anzunehmen. Man könnte also mit etwas Ambitionen durchaus innerhalb weniger Tage einen Menschen im Internet sehr unmöglich machen. Und davor hat jeder Angst, nicht nur Ärzte. Dummerweise sind insbesondere unzufriedene Menschen bereit, über irgendwas zu bewerten, weil sie einen Grund sehen. Zufriedene sind zufrieden und sehen keinen Grund, sich zu äußern, ist ja alles ok. Ich will hier keine Anleitung geben, aber das Beispiel amazon macht eigentlich klar, dass es möglich ist, ein gutes Produkt / Buch schlecht zu machen, wenn man nur ausdauernd genug ist, sich zwanzig verschiedene Nicknames anzulegen und Bewertungen zu schreiben. Man kann also eine Meinung bilden, bei Leuten, die nicht die Lust haben, sich selbst das Buch zu nehmen und reinzugucken. Demzufolge kann man auch eine Meinung bilden, bei Leuten, die sich nicht die Zeit und die Mühe machen, sich von der Wirklichkeit zu überzeugen. Aber wer macht das schon bei Ärzten? Man geht doch nicht in eine Praxis, wo zehnmal steht, lange Wartezeit und schlechte Behandlung… Und was ist eigentlich eine schlechte Behandlung? Woran macht man die Bewertungskriterien fest?
Ich finde, man muss es zumindest versuchen, das ganze maximal zu objektivieren. Ich mag auch nicht alle Ärzte, zu denen ich in meinem Leben bisher gegangen bin. Man ist sich halt nicht mit jedem sympathisch. Aber wie soll man das vernünftig ausdrücken? Kann ja schlecht schreiben: seine gegelten Haare, die vergoldete Uhr und das Lacoste-Shirt erinnerten mich an den Kommillitonen, der in meinem Studienjahr der Supermacho war und aus der tiefsten Provinz kam, wo die Frauen froh waren, dass überhaupt ein Mann unter 60 Jahren existierte. Oder: ihre ruppige burschikose Art war wie bei meiner alten Sportlehrerin, die auch ständig meinte, dass alle zu fett und verkümmert seien… persönliche Erfahrungen spielen eine große Rolle dabei, wie wir andere erleben und bewerten.
Also bliebe dann rein objektiv:
Wartezeit auf den eiligen / Kontroll- Termin: … Tage / Wochen / Monate
Praxis nimmt überhaupt noch Patienten an: ja / nein
Wartezeit: … Minuten
Wartezeit auf Nur-Rezept-Holen oder Nur-Überweisung holen: … Min
Gesprächszeit: … Minuten
Freundlichkeit am Empfang: 1- 10 Punkte
Diskretion am Empfang: keine – ausreichend – mäßig – gut – sehr gut
Einrichtung: fällt auseinander – abgenutzt – Gebrauchsspuren – fast neu – gerade neu
Bilder an der Wand: passten zum Rahmen – farblich passend zur Tapete – Motive: ….
Technische Ausstattung der Praxis:… (wobei ich finde, dass ein Patient das schlecht beurteilen kann, nichtmal ich weiß die Baujahre der diversen Sonogeräte etc.)
Temperatur im Warteraum: frostig – kalt – wohlig warm – brütend heiß
Fachliche Kompetenz des Arztes: leitliniengerechte Diagnostik und Therapie (welcher Patient kann das sicher beurteilen, wenn er nicht selbst Arzt ist?)
Patientenwünsche: Arzt hat gemacht was ich wollte – Arzt machte was er wollte – Arzt hat Kompromiss gesucht und mir erklärt, warum er nciht macht, was ich will
Infomaterial: verfügbar / ja nein, vom Arzt ausgehändigt ja / nein
Naja und für Krankenhäuser dazu: Essenqualität, Personalfreundlichkeit, Zimmerqualität (Dusche / WC auf dem Zimmer, Sauberkeit, Aussicht, Lärm) etc…
Das wäre so das, was mir einfiele zu maximal objektiv. Ein wenig angelehnt an Hotelbewertungen, auf entsprechenden Seiten…
Aber letztlich ist es ja immer so, wie ein alter Oberarzt mir als PJ mal erklärte: Im Krankenhaus ist das wichtigste für den Patienten, dass das Essen gut ist, der Zimmergenosse brauchbar und die Schwestern hübsch. Das ist wie im Urlaub: Da wollen die Leute ein gutes Zimmer, gutes Essen und hübsche Frauen / Männer…
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