Jeder hat das Recht zu streiken

17 10 2014

Punkt eins: ich finde es unmöglich dass es Bestrebungen gibt, kleine Gewerkschaften per Gesetz abzuschaffen. Interessanterweise werden diese Bestrebungen von Leuten gefördert, die großen Gewerkschaften nahestehen oder an führenden Positionen dort sitzen und die in Parteien aktiv sind, die sehr sehr Arbeitgeber-freundlich sind, teils sogar als Abgeordnete für diese im Bundestag aktiv sind.

Beispiel Ärzte: bis vor einigen Jahren hat verdi uns in den Tarifverhandlungen mit vertreten, weil der Marburger Bund nicht als Verhandlungspartner akzeptiert wurde. Damals als ich anfing habe ich 900 Euro netto verdient nach 6 Jahren Studium und mit der Verantwortung für 30 Patienten und Arbeitszeiten von 60 Stunden pro Woche ohne Dienste. Dienste mit 32 h am Stück. Man hatte nicht vor das zu verändern. Dann kam der Schritt des MB, die Streiks für bessere Bedingungen. Ich habe mitgemacht. Habe mir angehört wie unmöglich das ist dass wir streiken. Verdi hätte uns eingehen lassen als Randgruppe. Der MB macht Sinn.

Punkt zwei: ich finde es unmöglich, dass medial immer auf die Berufsgruppen eingeprügelt wird und diese verunglimpft werden, die ihr gesetzlich verbrieftes Streikrecht wahrnehmen. Wir leben in einer Demokratie. Guckt euch Frankreich, Italien etc. an, wenn da gestreikt wird, dann aber richtig. Streiken die Piloten, sind die Böse und bringen die Deutschen um ihren Urlaub, die Fluglotsen dann sind die Schuld an der Wirtschaftskrise, die Lokführer dann sind die Schuld an allen Verspätungen überhaupt und stören den gewohnten Ablauf anderer, die Ärzte dann sind sie geldgeil und faul, die Krankenschwestern dann treiben sie das Gesundheitswesen in die Pleite, usw. Eine Tendenz die kleinen Gewerkschaften besonders zu bedenken, unterstelle ich mal. Dabei will keiner mit einem Überarbeiteten Lokführer fahren. Ab 50 kommen in der Bevölkerung bestimmte Krankheiten auf, die dazu führen, dass z.b. Piloten ihre Tauglichkeit verlieren. Na klar braucht man dann eine entsprechende Regelung, was mit denen passiert. Dass viele Beamte schon mit unter 60 in Rente gehen schreibt da aber niemand.

Punkt drei: ja na klar ist das scheiße dass die streiken und es stört, aber jeder der meckert sollte sich überlegen, wie sein eigenes Gehalt zustande kommt und wie seine Arbeitsbedingungen mal erkämpft wurden und dass bei der Inflationsrate und gleich bleibendem Gehalt immer weniger zum Sparen und für die Familie übrig bleibt und dass sich Rentenhöhen, Bafög, Hartz 4, Grundsicherung und andere sozialzuschüsse an der tariflichen Entwicklung orientieren. Dieses Jahr Gans übrigens die Empfehlung zu höheren Abschlüssen, um das Wirtschaftswachstum nicht zu gefährden. Mal sehen was draus wird.

PS: ein heißes Thema und ich ahne jetzt schon dass man hier verbal auf mich einprügeln wird…





Dinge, die entbehrlich sind

17 10 2014

Bilder von Prominenten nach dem Aufstehen – interessant dagegen wären Bilder von Ärzten nach oder in 24 h Diensten

Promi – Boxen – interessant dagegen wäre mal offen darüber zu reden, wie oft Rettungsdienst und Notaufnahmepersonal von Patienten angegriffen wird, obwohl sie eigentlich nur behandeln wollen

Bachelor und so ein Kram – interessant dagegen wäre, wieviele Schwestern tatsächlich nachts in deutschen Kliniken arbeiten während irgendwo ein nächtliches Pseudotechtelmechtel über die Bildschirme flackert





Joggen

14 10 2014

Wenn laufen glücklich macht, wie alle sagen und Studien meinen, warum sehen die Jogger, die hier öfter laufen alle so ernst und gequält aus?





Generation Smartphone geht Visite

24 09 2014

Mein junger Kollege nahm sein iphone 25 und fotografierte die Hautläsion des Patienten. Ein paar lässige Handbewegungen und er war fertig.
“Und Herr Dokter, wie geht es jetzt weiter?” Fragte der alte Herr vor ihm.
“Wir warten jetzt was die anderen User sagen. Wenn sie für die Antibiose stimmen, nehmen wir die und wenn sie für Pred stimmen, dann das. Und noch heute nachmittag fangen wir an.”
“Und wann kann ich nach Hause?”
“Äh, die Frage stellen wir morgen rein.”
“Aha, und wer sind die anderen.”
“Na die anderen Ärzte aus der Community für Innere. Schwarmintelligenz, wissen Se, dat is die Zukunft.” Ein überlegener Blick streifte mich. Ja, ich war alt geworden und über 50… Ich nutzte ein Telefon zum telefonieren, wie altmodisch. Und ich hatte im Studium noch eigenständiges Handeln gelernt. Naja, ok, erst im PJ und dann als Jung-Assistent. Meine Entscheidungen traf ich selbst aus jahrelanger Erfahrung heraus gepaart mit Lehrbuchwissen und den 60 Pflichtfortbildungsstunden im Jahr, die ich aber locker übertraf. Ich untersuchte meine Patienten noch mit den Händen, Stethoskop und anderen Gerätschaften statt Bilder vom Smartphone ins Netz zu stellen. Das brachte mir bestimmt “1000 Nutzer mögen das nicht” ein und meinem jungen Kollegen 10000 User finden das gut. So änderten sich die Zeiten.
Twitter Account Dr Smartphone “wir gehen jetzt Visite”… 26 Patienten finden das gut…
“Wo ist die Schwester.”…
Patient 1 “hier nicht.” 12 Patienten finden das gut
Patient 2 “hier auch nicht” 14 Patienten finden das gut
Patient 3 “bei meinem Nachbarn auf dem Schoß.” 14 Patienten finden das nicht gut, 1 Patient findet das gut
Patient 1 “träum weiter”
Patient 2 “das ist total sexistisch, du, da müssen wir drüber reden” 14 Patienten finden das gut
Patient 3 “sorry, war nicht mein Nachbar”
Patient 1 “und wo ist sie denn jetzt? Dauert ja sonst noch ewig” 20 Patienten finden das gut
Dr Smartphone “ja das find ich aber auch.” 18 Patienten finden das gut
Patient 3 “auf’m Klo”
Patient 2 “woher willst du das wissen?”
Patient 3 “hab es gesehen?”
Patient 2 “wie gibts n video?
Patient 3 “nee in echt.” 20 Patienten finden das gut
Patient 1 “wie das?”
Patient 3 “war aufm Flur, der Empfang ist hier so sch…” 30 Patienten finden das gut
Dr Smartphone “sie ist da, geht los” 22 Patienten finden das gut. Einen Arzt kümmert das überhaupt nicht… Mich… Können wir dann mal los, heute noch?!
Dr Smartphone schaltet sein Navi app dings ein und läuft mit dem Teil in der Hand los. Er findet sonst die Zimmer nicht. Atrophie des Orientierungssinns… Digitale retardierung. Aber er kann schon alleine Schleifen binden und hat die Klettverschlüsse seit einem Monat hinter sich gelassen. Ihm steht eine große Karriere bevor… Früher haben sie immer gehässig gesagt zu uns (also als ich noch jung war so 2010 oder so): Oberarzt wirst du wenn du alleine Schuhe zubinden kannst und den Weg allein aufs Klo findest… Wie beruhigend, trotz der großen Karriereaussichten wird Dr Smartphone wohl noch brauchen… So ganz ohne sein Navi und google Inside Hospital wird das noch lange nix… Ich strich mir süffisant grinsend über die weißen Haare…

Dann wachte ich schweißgebadet und tachykard auf … Was für ein Alptraum!!! Gott sei dank nur ein Alptraum und weit weit Weg von der Realität… Ich schlug meine klatschnasse Bettdecke zur Seite und setzte mich auf. Ich muss meinen Studenten diese Dinger wegnehmen… Irgendwie muss ich dann wieder eingeschlafen sein.





Was machen die da bloß?

22 09 2014

Assistenzarzt machte sich auf den Weg von der tiefen Provinz in die große Stadt zum IKEA.
Im Restaurant
2 junge Mädels, vielleicht 16, vielleicht auch 18? gehen mit dem Tablett mit Teller drauf zu einem Tisch, setzen sich. Assistenzarzt kaut weiter, guckt woanders hin. Gabel zum Teller, Pommes drauf, Mund auf… stopp, was ist das? Was tun die denn da? Die Mädels haben ihre Handys rausgeholt, ach nee, ich muss das jetzt ja Smartphone nennen, und fotografieren ihre Teller. Warum fotografieren die ihre Teller? Ist da was drauf, was da nicht hingehört? Nö, die fangen ja an zu essen. Für das Kalorien-Tagebuch? Liebes Tagebuch, heute habe ich gesündigt und statt 2 Salatblättern und 5 Gurkenscheiben mal echt ein Schnitzel reingezogen… Es war kein Schnitzel, aber es hätte den beiden Mädels mit BMI von geschätzt 17 vielleicht ganz gut getan so eine Mischung aus Proteinen, Kohlenhydraten (Panade!) und Fett (versteckte Fette sind die, die IKEA food unter der Panade ans Schnitzel klebt statt Fleisch). Zumindest hätte es mir die Sorge genommen, ob sie ohne fremde Hilfe aus eigenen Kräften den Ausgang erreichen würden. Oder bloggt man das jetzt oder twittert es? Hej Leute, ich bin gerade bei IKEA und das hier liegt auf meinem Teller! Und tausend Leute klicken auf Daumen hoch und finden es gut? Wird das Ganze dann auch noch weiter verfolgt, also die … Via naturalis hinab? Als Tondokument vielleicht oder als… ach lassen wir das. Fragen wir den Charmin-Bären, ob er auch fotografiert wurde mit dem Smartphone der Mädels?

Während Assistenzarzt so kaute, drängte sich eine Frage ins Bewußtsein: ich weiß echt nicht, wozu die das tun. Macht das was, dass ich das nicht weiß? Muss ich das auch tun? Und wenn ja warum?

Ich glaub, ich bin alt geworden…

PS: Mir ist eingefallen, wo ich das schonmal gesehen habe mit dem Essen fotografieren… es war auf einem Kongress, da erzählte eine Ernährungsmedizinerin wie sie das in der Adipositas-Selbsthilfegruppe macht, wenn die Leute anfangs sagen “Herr Dokter, aber ich ess doch gar nicht so viel.”, quasi zum Verifizieren. Waren die Mädels etwa der Beweis, dass es funktioniert mit der Betreuung?





Assistenzarzt beim Osteopathen – ein unfreiwilliger Selbsterfahrungstrip

10 06 2014

Nun quälen den Assistenzarzt seit Monaten immer wieder Rückenprobleme. Irgendein gut meinender Kollege drängte dann darauf, mal zum Orthopäden (mit gleichzeitig vorhandener Qualifikation zum Osteopathen) zu gehen. Wegen eines nicht näher bezeichneten Akutproblems gab es dann eine der berühmten “B-Überweisungen” zum Orthopäden – Behandlung innerhalb von einer Woche. Und jetzt wird Assistenzarzt ganz doll sauer. Ich bin Kassenpatient, bekennend und mit Absicht. Und ich weigere mich zu akzeptieren, wie manche niedergelassene so arbeiten. Es gibt weiße und es gibt… graue Schafe. Und es gibt Kollegen, die nicht mal vor den eigenen Kollegen ein gewisses Maß an Takt an den Tag legen.
Über das Thema Termine bei Fachärzten brauchen wir nicht lange reden. Es ist ein Problem. Für meine eigenen Patienten lasse ich tagtäglich meine Kontakte spielen oder setze irgendwen am Telefon unter moralischen Druck, wenn es nicht anders geht. Da alle so spielen, spiele ich das für meine Patienten mit, weil ich will, dass sie gut versorgt sind. Ich freue mich immer, wenn die LEute sich dann freuen, dass man da durch ein oder zwei Telefonate etwas organisiert hat… Ne Schweinerei ist es trotzdem, dass mit den Wartezeiten auf Facharzttermine. GEschuldet ist es unserem degenerierten Gesundheitssystem. WIr haben genug Ärzte, aber die Steuerungsinstrumente der Gesetzgebung und KVen sind unbrauchbar. Auch ich habe das Problem mit Facharztterminen als Kassenpatient, ich habe es über jemanden gelöst, der jemanden kennt. Das war ein Fehler. Aber was ein Fehler war, merkt man erst hinterher.
Nun ja, Thema Wartezeiten. Also ich finde mit 1 h 45 min war ich noch ganz gut dran.
Tja, und dann zum Kern der Sache. Ich staune immer wieder, wenn man als Arzt (und das wusste der Kollege) irgendwo hinkommt, wie luschig dann trotz Kenntnis der Tatsache die Anamnesen gemacht werden. Ich kriegte Fragen gestellt, versuchte sie kurz und prägnant zu beantworten (Zeit ist GEld für die niedergelassenen, das weiß ich auch). Doch dann wird einfach abgebrochen. Weil ich aber weiß (Arztschule sei Dank), dass das und das relevant ist, versuchte ich es dann bei der klinischen Untersuchung unterzubringen. Plötzlich stellt sich raus, dass das ja auch eminent wichtig ist. Naja, meine PJler lernen auch, wenn sie eminent wichtige Fragen vergessen haben zu stellen, dass sie nochmal hingehen müssen. Ich war kurz davor einen Crash-Kurs Anamnese und Gesprächsführung anzubieten. Gesprächskultur geht einigen meiner Kollegen wohl wirklich verloren mit der Zeit, vielleicht haben sie sie auch nie gehabt. Fremdschämfaktor. Wenn ich das als Arzt (in meiner Rolle als Patient) sage, was soll dann ein Nicht-Arzt und Patient sagen? Ich bringe ja noch ein gewisses Maß an Verständnis auf für die Kollegen oder nennen wir es lieber Nachsicht, weil ich weiß, dass ich sicher auch nicht immer gut drauf bin und nicht jeder Tag gleich ist und dass der Zeitfaktor eine riesengroße Rolle spielt. Nein, ich finde, wir sollten sowas als Kollegen nicht akzeptieren. Leider gibt es keine internen Reviews oder Interviewer, die einem ab und an mal sagen, wo man seine Defizite hat.
So, nachdem ich dann im abgehackten Modus mein Problem versuchte zu erklären, schwenkte mein Gegenüber von der kassenbezahlten Orthopädischen Konsultation, die auf meiner Überweisung angefordert war, ungefragt und ungebeten zur Osteopathie. Ohne Ansage, ohne Frage bzgl. IgeL-Leistungen, ohne Frage oder Hinweis, ob meine GKV das bezahlt. Ich habe nachgesehen vorher, soweit ich weiß, ist es eine der wenigen Kassen, die es anteilig bezahlt – jedoch nur unter bestimmten Konditionen. Was für ein geiles Geschenk ich doch war fürs Portemonnaie… B-Überweisung macht glaub ich 8 Euro (korrigiert mich, falls das nur für A-Überweisung gilt), umfangreiche Anamnese und Untersuchung, Anwendung von Manueller Therapie mit Manipulation an Wirbelsäule (pfui werden jetzt etliche Physios sagen, zu Recht möglicherweise) und auch noch die Osteopathie für die ich wahrscheinlich demnächst noch die Rechnung kriege.
Was ich wollte, war ein Rezept für Physiotherapie, das mein Hausarzt mir nicht ausstellen konnte / wollte. Auf Kassenkosten. Einfach und mehr nicht, keinen Krankenschein, keine Medis, einfach weiterarbeiten und mich wieder fit machen lassen nebenbei. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gewußt habe, was genau ich will. Ich habe schon mit Kollegen aus meiner Klinik gesprochen, die sich das angesehen haben (und unbezahlt mehr Zeit aufgewendet haben als die Nummer dort in der Praxis dauert, aus reiner Kollegialität weil wir sonst zusammenarbeiten) und die mir eingetrichtert haben, was ich brauche, damit ich demnächst wieder durch die Klinik schwebe wie Gret Palucca über die Bühne. Aber diese Kollegen dürfen leider nicht rezeptieren, weil sie als Klinikärzte keine Kassenzulassung für den ambulanten Bereich haben.
Was ich im Vorfeld wusste, war mein Problem und die Ursachen: ständige Überlastung in den Diensten mit nahezu 90% in Anspruchnahme in den 24-h-Diensten, Schlafmangel, Zusatzaufgaben, die mich Freizeit kosten, Vertretung von Kollegen über Wochen bei chronischem Personalmangel, fehlende Ausgleichszeiten und ein extrem gewordener wirtschaftlicher Druck seitens der Klinik, naja und ein bissl Zoff mit jemandem, der mir seit Monaten immer wieder heimlich unter 4 AUgen nahelegt, mir ein neues Betätigungsfeld zu suchen. Aber sonst ist weiter nichts. Nur ab einem gewissen Dienstalter kommen halt die ersten “Treffer” bei einer solchen Konstellation. Wenn man dann nicht stoppt, ist man in einer Endloskette drin… aber das kennen die meisten. Sonst wären Rückenprobleme ja keine Volkskrankheit. Ist auch nicht so, dass ich nichts mache, mir fehlt aber die Anleitung, einer der guckt, ob ich das, was ich mir jetzt selbst aus extra gekauften Physiotherapie-Büchern rausgelesen habe, auch richtig mache. Rückenschulen sind gut, nur leider gibt es in meiner Region am Abend nur 2x pro Jahr einen Kurs in einer Praxis, der spät genug ist, dass ich es schaffe auch pünktlich dort zu sein. Ich bin für den nächsten angemeldet. Habe noch ein paar Monate Zeit bis er losgeht.
Was ich bekam: Die Aussage, dass meine Darmflora wohl nach einer Antibiose gestört sei. Das ist über ein halbes Jahr her. Ist auch nicht schwer zu erraten, wenn man Dünnpfiff kriegt unter der Antibiose und eine zeitlang Kapseln für die Darmflora schluckt. Ich habe nur nicht so ganz verstanden, warum ich jetzt noch ein Problem haben soll und woher man das ableitet. Keine Mikrobiologische Untersuchung o.Ä. Nur Handauflegen. Auf Kassenkosten und wohl auch auf meine. Ich soll jetzt wieder was für meine Darmflora tun. Zum Homöopathen gehen (dafür müsste ich erstmal daran glauben, dass eine d16 oder wie das heißt tatsächlich noch ein richtig gedrehtes Molekül enthält, dass von meinen Dünndarmzotten auch aufgenommen wird und einen Wirkspiegel erreicht bzw. in irgendeiner Form was an der Zusammensetzung der Bakterienflora machen kann, denn die Bakterien müssten dann ja auch an Homöopathie glauben) und dort Geld ausgeben. Zink, Vitamin C und Selen schlucken. Und privat Physiotherapie bezahlen bei einer osteopathisch tätigen Physiotherapeutin. Ach ja, und wenn das gelöst ist mit meinem Problem am Zwölffingerdarm (der im Übrigen nur ein Teil des mikrobiologischen Raumes in unserem Intestinum ist, wo für mich die Logik am Gesagten scheiterte), dann reden wir nochmal über Manuelle Therapie und ein bisschen kräftigende Gymnastik. Platt gesagt: Ham wir dann ein neues Quartal und ein neues Budget für Physiotherapie? Ach ja, und ich habe keinen Bock, mich dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich noch keine Kinder habe.
Zur Krönung wurden dann alle die Triggerpunkte, die mir derzeit fürchterlich weh tun mehrfach massiv gedrückt, was – soweit mir das Lehrbuch für Manuelle Therapie verraten hat – einer Aktivierung gleichkommen kann, für eine schmerztherapeutische Inaktivierung wäre einfach gesagt das Drücken bis zur Schmerzfreiheit erforderlich. Ich finds perv… lieber Kollege, mir aus demonstrativen Gründen, mehrfach solche Schmerzen zuzufügen, vor allem wenn ich fast schon bettel, das nicht zu tun und mich dann anzulächeln und zu sagen, hier haben sie ihr Problem. Ja, verdammt das weiß ich, und das hab ich vorher gesagt gehabt, wo die biestigen Triggerpunkte aktiviert sind. Und herzlichen Glückwunsch, dass Sie lieber Kollege noch welche im M rectus abdominis gefunden haben. Mag ja sein, dass der in ihren Augen dafür spricht, dass mein Zwölffingerdarm irgendwie ein Problem hat. Aber dann drei, vier, fünfmal raufzudrücken, obwohl ich mich krümmte und schon ihre Hand griff, weil mir vor Schmerz die Tränen kamen… ich bin nicht blöd, auch wenn ich Internist bin. Ich kann mich benehmen und war höflich. Das heißt nicht, dass wir nicht wieder voneinander hören werden. Ich bin mir sicher, das wird an ganz anderer Stelle sein. Man sieht sich immer zweimal im Leben. Und bei den Essenszeiten, der Arbeitsbelastung und dem Berufsleben als Arzt brauchts auch nicht viel, um anzunehmen, dass man da vielleicht ein Problem hat. Ich kenne keinen Kollegen, der nicht ab und an Sodbrennen hat. PPI (Säureblocker) sind in der Klinik neben Schmerzmitteln und Blutdrucktabletten wohl die am häufigsten von Ärzten genommenen Präparate.
Fazit: Ich soll mir Vitamintabletten kaufen (mit zweifelhafter Studienlage), Geld beim Homöopathen ausgeben, von dem ich bisher nicht überzeugt bin (und für den es auch keinen wissenschaftlich fundierten Wirksamkeitsbeweis gibt) und mir privat Behandlungen bei einer osteopathisch tätigen Physiotherapeutin holen. Und dann… viel später… wären Sie bereit, mir auf Kosten der Krankenkasse, die dieses Spaßgespräch bezahlt hat, eine Therapie mit gesicherter Studienlage zu verordnen (und glaubt mir, das hab ich schon vorher gecheckt, weil ich im Grunde misstrauisch bin, wenn ich jemanden an mich ranlasse).
Und wenn ich mich hier als Arzt schon über die eigenen Kollegen so äußere, dann ist es echt an der Zeit, dass wir ein QS-System für die Behandlungspfade im niedergelassenen BEreich etablieren und nicht nur in den Kliniken. Ich rede nicht davon, sich hier oder bei sanego auszuko… ich rede davon, dass unser aller GKV-Gelder sinnvoll verwendet werden und nicht dazu dienen sollten, statt etablierter, gesicherter THerapien die auf ein Budget schlagen können alternative Methoden als den alleinigen Weg zu empfehlen. (und ich bitte darum, dass nicht mit sinnvollen IgeL-Leistungen zu verwechseln, die noch wieder ein anderes THema sind)

Ach ja, was ist eigentlich mit meinem Rückenproblem: Es ist noch da, unverändert. Und ich bezahle dann wohl demnächst privat Physiotherapie, aber welche, für die es gesicherte Studien gibt. Ich glaube kaum, dass ein paar Vitamintabletten und ein homöopathisches Wässerchen für viel Geld mir helfen werden. Könnte der Marburger Bund dann ja einfach propagieren: Schluck Vitamin C und schon kannst du locker den 24-h-Dienst mit 90% Arbeitsbelastung schaffen und das über Jahre oder Jahrzehnte. Scheiß auf Gesetzgeber, Tarifverträge und ausreichend Ärzte in den Kliniken wir haben ja Vitamin C, und Zink und den Kram. Dann klappts auch mit dem Rücken.

Nachtrag: Editiert am 12.06.14. Es blühen immer noch Hämatome auf meinem Körper, selbst auf meinem Bauch, teils 5 x 5 cm. Von Osteopathie bin ich kuriert fürs Erste. Und ich ärgere mich immer noch, dass ich jetzt privat aus eigener Tasche eine Therapie bezahle, die 1. gesichert ist, 2. für die eine Indikation vorliegt, 3. gute Erfolgsaussichten bestehen dass eine Beschwerdefreiheit eintritt und die 4. Kassenleistung ist, nur weil jemand sein Budget nicht belasten will und mir ungefragt und ungebeten oben genannte nicht gesicherte Alternativmedizin vorschlägt, nach deren Durchführung er entscheiden will, ob er mir noch die indizierte Physiotherapie verschreibt. Darauf noch eine Vitamintablette und etwas Zink vom Rossmann…
Nachtrag 2 eine weitere Woche später: noch immer habe ich Hämatome an den “untersuchten” Stellen, die lila-grünlich leuchten. Waren wohl doch etwas mehr Gewebeschichten… Aber ich kann inzwischen wieder drauf liegen. Ich habe mich etwas abreagiert. Am Anfang wollte ich dem Kollegen eine kurze Fotodokumentation zwecks Ergebnismitteilung zumailen. Mit etwas abgekühltem Gemüt habe ich darauf verzichtet, um nicht der Herd für eine Provokation zu sein. Derzeit reicht mir der Gedanke, dass ich es könnte völlig aus. Trotz allem möchte ich derzeit niemanden an mich heran lassen, der auf irgendetwas draufdrücken will… Es ist glaube ich ziemlich ungünstig mit so einer Erfahrung in eine osteopathische Behandlung zu starten, denn ich glaube, momentan wäre ich doch sehr verkrampft und könnte mich nur erschwert darauf einlassen… Es gehört auch etwas Vertrauen in den Therapeuten. Und einen aus Angst erhöhten Muskeltonus durchbrechen zu wollen, weil der Pat. völlig angespannt ist, macht wohl wenig Sinn. Ich will der ganzen Osteopathie nichts absprechen, aber ich habe zur Zeit noch deutliche Berührungsängste.





Fasse dich kurz, Patient

20 01 2014

Warum sind die Nordlichter in MV so wortkarg? Sie üben für den nächsten Termin beim Hausarzt.

Der hat nämlich ab sofort pro Quartal im Schnitt nur noch 5 min Gesprächszeit und darf 4,56 Euro abrechnen pro Quartal (nicht pro Behandlung). Die Ostseezeitung hat heute das Thema aufgegriffen und den Vorsitzenden des Hausärzteverbandes zu Wort kommen lassen, großer Artikel auf der Titelseite “ARzt-Patienten-Gespräch nur noch fünf Minuten pro QUartal”. Lesenswert.

Es gibt im Übrigen 1100 Hausärzte in MV. Pro Jahr schließen 16 Praxen, weil es keine Nachfolger gibt. 20% der Hausärzte im Land sind älter als 60 Jahre, berichtet die OZ. Ich kenne Kollegen, die sind über 70 und würden liebend gerne endlich aufhören. Aber sie finden keinen Nachfolger und wollen nicht auch noch die letzte Praxis im Ort schließen. Sie arbeiten, bis sie irgendwann umfallen. In der Stadt ist es kein Problem, aber auf dem Land…
Man merkt es in den Notaufnahmen. Dort steigt die Zahl der Patienten, was auch daran liegt, dass A) weniger Hausärzte da sind und B) die Hausärzte, die noch da sind, überlastet sind und C) es Leute gibt, denen es zu blöd ist, 3 h beim Hausarzt zu warten (in der Notaufnahme sind es 6 h, aber man hat dann gleich Labor und ne Steckdose zum Handy aufladen).

Jetzt sind wir GKV Patienten noch schlechter gestellt und die letzten, die Hausärzte werden wollten in MV, gehen dann lieber in ein anderes Bundesland, weil es wirtschaftlich jetzt schwieriger wird, denn jede Behandlungsminute, die wir mehr brauchen (Arzt und Patient), sorgt für wirtschaftliche Abstriche. Sprechende Medizin wird immer schlechter bezahlt. Dabei reicht nach alter Schule doch meist eine gute Anamnese und eine vernünftige Untersuchung, um die Diagnose zu stellen. Braucht man aber nicht, wenn man Geräte und Technik hat und zum Geld verdienen viele ambulante Eingriffe macht… Indikation komm raus, du bist entdeckt. Danke GKV-Spitzenverband. Wann werdet ihr wach? Dauerschlafapnoe oder was reitet euch? Internisten und Hausärzte müssen anders bewertet werden als die schneidende Zunft. Und oft könnte man sich Interventionen und Schneiden sparen, wenn man ZEit hätte für Prävention (PRIMÄRprävention und nicht nur Tertiärprävention), Manualtherapie statt PRT, Beratung und Gesprächstherapie statt Adipositaskarriere und bariatrische Chirurgie oder Raucherkarriere und PTAs bis zum Geht nicht mehr.

Erst wenn der letzte Hausarzt seine Praxis dicht gemacht hat, der letzte Hausbesuch getätigt wurde und die letzte Sprechstundenhilfe nach Hamburg abgewandert ist, werdet ihr erkennen, dass Hausärzte und hausärztliche Internisten in MV nicht durch Onlineportale zu ersetzen sind.








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